Marktbericht 20:05 Uhr

Dax verliert 200 Punkte Unsicherheit regiert das Parkett

Stand: 14.12.2015, 20:05 Uhr

Ein starker Euro und der anhaltende freie Fall der Ölpreise sind so gar nicht nach dem Geschmack der Anleger gewesen. Zudem steht in Amerika der Zinswechsel vor der Tür. Die Anleger zogen sich daher vom Markt zurück.

Der Dax gab genau 200 Punkte oder 1,94 Prozent nach und schloss bei 10.139 Punkten. Im späten Geschäft weiteten sich die Verluste dabei deutlicher aus, nachdem der Index am Nachmittag nach zunächst solidem Start ins Minus gerutscht war.

Es gab am Ende keinen einzigen Gewinner unter den 30 Dax-Werten, genau wie am Freitag. Tagesverlierer waren RWE mit einem Minus von 4,29 Prozent, gefolgt von Volkswagen, die 4,12 Prozent abgaben. Adidas zogen sich mit einem Minus von "nur" 0,72 Prozent noch am besten aus der Affäre.

Die Schwankungen im Index waren erneut hoch und zeigen, wie unsicher sich die Anleger derzeit auf dem Börsenparkett fühlen. Das Tageshoch lag immerhin bei 10.448 Zählern, das Tief wurde bei 10.122 Punkten erreicht. Im Späthandel legte der L/E-Dax dann wieder zu und schloss bei 10.219 Punkten. Der Markt folgte dabei der zumindest etwas hoffnungsvolleren Tendenz der Wall Street.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,44
Differenz relativ
-1,73%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,64
Differenz relativ
-1,11%
Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
205,50
Differenz relativ
-0,05%

Der Handelstag hatte zunächst vielversprechend angefangen. Aus China kamen am Morgen überraschend gute Konjunkturdaten. Zudem überraschte die Industrieproduktion in Europa im Oktober positiv. Denn sie war um 0,6 Prozent zum Vormonat gestiegen, während Volkswirte lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet hatten.

Ölpreisverfall verunsichert

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 19.00 Uhr

Am Mittag kehrten dann aber die Dämonen der Vorwoche in Gestalt eines weiter nachgebenden Ölpreises mit aller Kraft zurück. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu 4,3 Prozent und notierte mit 36,33 Dollar je Barrel (159 Liter) nur noch 13 US-Cent über ihrem Tief von 2008. Das war der tiefste Stand seit sieben Jahren. Grund für den zuletzt immer stärkeren Preisverfall ist ein massives weltweites Überangebot. Die Experten von Goldman Sachs prophezeien daher für WTI im kommenden Jahr einen Preis von 20 Dollar. Ein fallender Ölpreis gilt an den Märkten als Indikator für eine sich abschwächende Weltkonjunktur.

"Bei einem milden Winter, einem langsameren Wachstum in den Schwellenländern und der potenziellen Aufhebung der Iran-Sanktionen könnten die Lagerbestände weiter steigen", warnen sie. Allerdings stehen die 'Goldmänner' mit ihrer Meinung vorerst alleine da, die meisten anderen Häuser prophezeien deutlich höhere Preise.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,95
Differenz relativ
+0,73%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,83
Differenz relativ
+0,46%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.353,67
Differenz relativ
-0,52%

US-Zinsentscheid fest im Blick

Zudem bremste der erwartete US-Zinsentscheid die Kauflaune: Marktteilnehmer rechnen fest damit, dass die Fed ihre Leitzinsen am Mittwoch erstmals nach fast zehn Jahren leicht anheben wird. Börsianer verwiesen aber auch darauf, dass sich die Investoren vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch vorerst wohl zurückhalten dürften. Zwar wird überwiegend mit einer Zinserhöhung gerechnet, wichtiger wird aber sein, ob es Hinweise darauf gibt, ob und wann weitere Zinsschritte zu erwarten sind. Marktanalyst Andreas Paciorek sprach mit Blick auf die am Mittwoch anstehende Leitzinsentscheidung in den USA von der "Angst vor einer Gezeitenwende an den Märkten".

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.996,75
Differenz relativ
-0,32%

Zuletzt hatte die Fed auf die problematische Lage in den Schwellenländern Rücksicht genommen und eine Zinserhöhung trotz robuster Wirtschaftsdaten im Inland verschoben. An der Wall Street hat sich der Leitindex Dow Jones mittlerweile etwas stabilisiert, ohne dass es allerdings eine klare Tendenz gibt. Zwischenzeitlich war der Dow sogar ins Plus gedreht, aktuell tendiert er unverändert.

Euro über 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1328
Differenz relativ
+0,13%

Vom Fed-Entscheid dürfte auch der weitere Trend am Devisenmarkt entscheidend abhängen. Der Euro legte heute jedenfalls zu und stieg über die Marke von 1,10 Dollar. Damit trug er auch entscheidend zur schwachen Tagestendenz am Aktienmarkt bei. Die Aufwertung der Gemeinschaftswährung macht Waren europäischer Unternehmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig.

Seit EZB-Chef Mario Draghi beim letzten Zinsentscheid der EZB Anfang Dezember die Erwartungen des Marktes enttäuscht hatte, ist die Gemeinschaftswährung wieder stärker gefragt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0983 (Freitag: 1,0950) Dollar fest.

Deutsche Bank: BaFin plötzlich milde

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,61
Differenz relativ
-1,43%

Die Deutsche Bank hatte lange Zeit gegen den Markt im Plus gelegen, rutschte dann aber ab. Nach dem Chef-Wechsel bei der Großbank scheint sich das Verhältnis des Instituts zur Finanzaufsicht BaFin zu entspannen. Die Behörde habe ihren Bericht über die Libor-Affäre um manipulierte Zinsen deutlich abgeschwächt, schreibt der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe.

MüRü: Buffett reduziert Anteil

Die Aktie der Münchener Rück verloren mit dem Markt. Der US-Investor Warren Buffett treibt seinen Ausstieg bei dem weltgrößten Rückversicherer mit großen Schritten voran. Binnen gut zwei Monaten sank Buffetts Anteil an dem Dax-Konzern von 9,7 auf 4,6 Prozent.

Deutsche Wohnen lehnt Vonovia-Offerte ab

Die Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen hat sich offiziell gegen eine Übernahme durch Vonovia ausgesprochen. Der Vorstand und der Aufsichtsrat des Unternehmens empfahlen den Aktionären, das Angebot von Vonovia nicht anzunehmen. So ist ihrer Ansicht nach etwa die Höhe der Offerte unangemessen.

Nordex nach Klimavertrag von Paris gefragt

Das Pariser Klimaabkommen schob hingegen die Aktien der europäischen Windturbinenbauer an. Im TecDax gehörte die Nordex-Aktie zu den beliebtesten Werten und führte den Index an. Auch Papiere von SMA Solar waren gefragt.

Dialog: Anleger hoffen auf Scheitern in den USA

Enttäsuchend war die Entwicklung bei Dialog Semiconductor. Das Papier schloss mit 3,18 Prozent im Minus, nachdem es zuvor lange zu den besten TecDax-Aktien gehört hatte. Denn das Unternehmen hat bei der geplanten Atmel-Übernahme ungeahnte Konkurrenz bekommen. Jegliche Nachricht, dass das Geschäft platzen könnte, sei gut für die Dialog-Aktie, so ein Händler. Dialog-Großaktionäre und Aktionärsberater hatten den Preis von ursprünglich 4,6 Milliarden Dollar als zu hoch kritisiert.

Fraport und Griechenland besiegeln Flughafen-Deal

Nach langem Ringen hat der Flughafenbetreiber Fraport die Verträge zum Betrieb von 14 Regionalflughäfen in Griechenland unterzeichnet. Zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos wird der deutsche Konzern die Flughäfen 40 Jahre lang betreiben. Bei Abschluss der Transaktion im Herbst 2016 werden 1,2 Milliarden Euro fällig.

Gewinnmitnahmen bei Zooplus

Im SDax standen Zooplus-Aktien nach einem Interview mit Finanzchef Andreas Grandinger in "Euro am Sonntag" deutlich unter Druck. Der Finanzvorstand rechnet auch für das Jahr 2016 mit rückläufigen Margen. Die Zooplus-Aktie hatte erst vor einer Woche bei 149 Euro ein Allzeithoch markiert. Heue ging es 5,33 Prozent bergab.

Powerland haussiert nach Kaufangebot

Die Aktie des chinesischen Unternehmens sprang auf 1,50 Euro, ein prozentualer Zuwachs vom immerhin gut 83 Prozent. Allerdings war das Papier zuvor nur noch ein Penny-Stock gewesen, weshalb der Anstieg jetzt so üppig ausfiel. Powerland hat heute erklärt, dass der Mehrheitsaktionär Guo GmbH & Co. KG zu diesem Preis weitere Aktien aufkaufen will. Dies soll bis zum Ende der Börsenzulassung der Gesellschaft mit dem Ablauf des 27. Dezember 2015 geschehen.

Powerland, das Luxusartikel vertreibt, ist eine der vielen 'China-Enttäuschungen', die an der Frankfurter Börse gelistet sind. Der Börsengang erfolgte im April 2011 zu 15 Euro. Ein Preis, der im selben Jahr zwar noch bis auf 16,51 Euro anzog, seitdem ging es jedoch fast nur noch bergab.

Neue Milliardenfusion im Pharmasektor?

In der Pharmabranche bahnt sich die nächste Milliardenübernahme an: Der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca spielt den Kauf der Biotechfirma Acerta durch. AstraZeneca bestätigte am Montag Gespräche mit dem niederländischen Krebsmittel-Spezialisten, die letztlich zu einer Übernahme führen könnten. In Presseberichten ist von einem Preis von rund fünf Milliarden Dollar die Rede. Acerta verfügt über das aussichtsreiche Blutkrebsmedikament Acalabrutinib, dem Analysten Milliardenumsätze zutrauen. AstraZeneca steht angesichts auslaufender Patente unter Druck und befindet sich deswegen auf Einkaufstour.

Fifa-Skandal: Banken am Pranger

US-Behörden drohen laut der "Financial Times" Banken, die verdächtige Geschäfte auf Fifa-Konten nicht gemeldet haben, mit Strafen. Im Rahmen der Fifa-Ermittlungen führten laut Insidern JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Credit Suisse, UBS, HSBC und Standard Chartered Gespräche darüber, was sie wann wussten.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr