Ungebremster Aufwärtstrend

Stand: 14.10.2009, 20:01 Uhr

Dass die Konjunktur sich in den Sommermonaten stabilisiert hat, ist eigentlich keine Überraschung. Umso begeisterter reagieren die Anleger heute auf die Quartalszahlen der Schwergewichte Intel, BASF und JP Morgan. Die haben die Erwartungen deutlich übertroffen und schicken die Märkte auf ein neues Jahreshoch.

Zeitweise kletterte der Dax am Vormittag auf fast 5.860 Punkte und damit auf den höchsten Stand des Jahres. Auch der Dow-Jones-Index an der New Yorker Wall Street kratzt am Abend an der magischen Marke von 10.000 Punkten, gut ein Prozent höher als gestern.

Ausgelöst wurde die Euphorie von den jüngsten Quartalszahlen. "Die Ergebnisse sind insgesamt besser als allgemein erwartet ausgefallen, was einige Anleger überrascht hat", begründete Händler Anthony Conroy von BNY ConvergEX in New York die erfreuliche Marktentwicklung. "Wir sehen nicht nur ganz ordentliche Gewinne, sondern auch ein wenig Wachstum." Kein Wunder, dass der Dax auch im späten Abendhandel um gut zwei Prozent auf 5.845 Punkte zulegt.

In Deutschland sorgen vor allem die bereits heute veröffentlichten Zahlen von BASF für Begeisterung. Die Titel des weltgrößten Chemieunternehmens sind die größten Gewinner im Leitindex und springen um über sieben Prozent in die Höhe. Sie sorgen auch für deutlich gestiegene Umsätze im heimischen Aktienhandel. Beflügelt wurde die Kauflaune der Anleger auch von den Zahlen der US-Bank JP Morgan.

Besser als erwartet
Sie übertrafen selbst die optimistischsten Schätzungen. Der Reingewinn stieg im dritten Quartal auf 3,6 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro), nach 527 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Je Anteilsschein ergibt das einen Gewinn von 82 US-Cent, während Analysten nur 52 US-Cent prognostiziert hatten. Für den Gewinnsprung sorgte vor allem das Investmentbanking. Von den guten Zahlen profitierten auch die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank.

Die Anleger warten nun gespannt auf die Ergebnisse der Konkurrenz. Vor allem der Investmentbank Goldman Sachs, die am morgigen Donnerstag ihre Bücher öffnen wird, trauen sie ein erneut starkes Quartal zu. Sorgenkinder sind dagegen die am Tropf des Staates hängenden Häuser Bank of America und Citigroup, die ebenfalls diese Woche ihre Zahlen präsentieren werden.

Herbstgutachten vorgestellt
Zu den bisher guten Zahlen der Unternehmen passt auch die Meldung, dass die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute im kommenden Jahr ein Anziehen der deutschen Wirtschaft um 1,2 Prozent erwarten. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent vorhergesagt. Für dieses Jahr rechnen die Institute, die morgen ihr Herbstgutachten vorlegen werden, mit einem Konjunktureinbruch von fünf Prozent.

Gute Nachrichten kommen auch aus den USA. Dort sind die Einzelhandelsumsätze im September weniger stark als erwartet gesunken. Auf Monatssicht seien die Umsätze um 1,5 Prozent gefallen, teilte das US-Handelsministerium mit. Experten hatten mit einem Rückgang von 2,1 Prozent gerechnet.

BASF leuchtet
Zwar ging das bereinigte Betriebsergebnis des weltgrößten Chemiekonzerns im dritten Quartal um 20 Prozent zurück. Doch im Vergleich zum zweiten Quartal nahm er um fast zehn Prozent zu, wie der Konzern überraschend am Vormittag mitteilte. BASF zufolge ist sonst üblicherweise das dritte Quartal das schwächste im Jahresverlauf. "Insgesamt haben sich die Märkte auf niedrigem Niveau stabilisiert. Die Erholung verläuft langsam und bleibt fragil", erklärte das Management. Das genügte, um die Titel über die Marke von 40 Euro zu hieven. Im Gefolge stieg auch die Aktie des eng mit der BASF verbundenen Düngemittelkonzerns K+S. Die Ludwigshafener halten noch gut zehn Prozent an dem Kasseler Unternehmen.

RWE gibt Polen einen Korb
Der Energiekonzern RWE will den polnischen Energieversorger Enea nun vorerst offenbar doch nicht übernehmen. RWE werde «derzeit kein bindendes Angebot für die zum Verkauf stehenden Anteile» von Enea abgeben, teilte der Energiekonzern mit. RWE sei zu dem Schluss gekommen, dass der mögliche Angebotspreis «nicht den derzeitigen Markterwartungen entsprechen würde», hieß es weiter. Dennoch bleibe der Konzern am polnischen Energiemarkt und auch an Enea interessiert.

Intel übertrifft Erwartungen
Bereits in der Nacht hatte der weltweit größte Halbleiterhersteller Intel für gute Stimmung gesorgt. Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis übertrafen die Quartalszahlen die Erwartungen. Und beim Ausblick schlug der Konzern ebenfalls die bisherigen Prognosen. So rechnet Intel für das laufende Schlussquartal mit einem Umsatz zwischen 9,7 und 10,5 Milliarden Dollar. Bisher hatte das Unternehmen nur einen Erlös am unteren Ende der Spanne in Aussicht gestellt. An der Frankfurter Börse schießen die Intel-Papiere in die Höhe.

Auch vom niederländischen Chipausrüster ASML gibt es recht positive Nachrichten. Das Unternehmen ist im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nach 100 Millionen Euro Miesen im Vorquartal verdiente ASML jetzt 20 Millionen. Der Umsatz fiel mit 555 Millionen Euro rund doppelt so hoch wie im Vorjahr aus.

Von der allgemeinen Euphorie können auch die Anteilsscheine des Siemens-Konzerns profitieren. Sie sind der zweitgrößte Gewinner im Dax. Händler verwiesen auf Gerüchte, Siemens wolle seine Prognose erhöhen. Das wurde von dem Konzern zwar dementiert, doch die deutlich verbesserten Konjunkturaussichten beflügeln die Aktie trotzdem.

Credit Agricole zahlt zurück
Als letzte der mit Steuergeld gestützten französischen Großbanken will nun auch Credit Agricole ihre Staatsschulden loswerden. Am 27. Oktober sollen drei Milliarden Euro an Regierungshilfen zurückgezahlt werden. Möglich werde dies durch den Verkauf von Verbindlichkeiten in den vergangenen Monaten. Zudem will Credit Agricole über eine Anleihe 1,2 Milliarden Euro einsammeln.

Adidas läuft sich warm
Zu den besonders auffälligen Werten im positiven Sinne gehört auch Adidas. Die HSBC hat das Kursziel für den Sportartikelhersteller von 40 auf 45 Euro angehoben. Die Analysten lobten insbesondere die ihrer Meinung nach größere Transparenz der Gewinne.

Rally auch in der zweiten Reihe
Von den guten Branchennachrichten profitieren auch die Werte in der zweiten Reihe. Besonders gefragt sind Dialog Semiconductor. Sie steigen im Schlepptau der guten Zahlen von Intel. Auch Jenoptik und Software AG legen überdurchschnittlich zu.

Aksenenko trennt sich von Escada
Der Großaktionär Rustam Aksenenko hat weitere Anteile des insolventen Modekonzerns Escada abgestoßen. Dabei nimmt der Russe hohe Verluste in Kauf. Sein Anteil entsprach zuletzt rund 20 Prozent an Escada, was ungefähr 4,2 Millionen Aktien waren. Die Anteilsscheine des Modekonzerns kosten derzeit noch 69 Cent. Mitte 2007 waren es zeitweise mehr als 38 Euro.

CropEnergies steigert Erlöse
Die Südzucker-Tochter CropEnergies hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/10 ihren Umsatz um 26 Prozent auf 184 Millionen Euro gesteigert. Das operative Ergebnis wurde durch die Inbetriebnahme einer Bioethanolanlage belastet. Für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres rechnet das Unternehmen mit einer Fortsetzung des Unternehmenswachstums. Südzucker-Papiere profitieren ebenfalls.

Ölpreis rauf, Dollar schwach
Die Ölpreise sind am Mittwoch zeitweilig über 75 Dollar geklettert und damit dem Jahreshoch nahegekommen. Der Commerzbank zufolge ist der jüngste Ölpreisanstieg in erster Linie auf den schwachen Dollar und die freundlichen Aktienmärkte zurückzuführen. Ob die Rally nachhaltig sei, hänge davon ab, ob der Dollar weiter nachgebe, sagten Händler. Die positive Stimmung am Ölmarkt sei vor allem der Entwicklung der US-Währung geschuldet.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr