Unerwarteter Anstieg

Stand: 10.06.2010, 20:02 Uhr

Befeuert von der Rally an der Wall Street hat der Dax heute die psychologisch wichtige Hürde von 6.000 Punkten übersprungen. Außer SAP notieren alle Werte des Börsenbarometers im Plus. Doch auf ein Sommermärchen hoffen die Anleger trotzdem nicht.

Dazu bleibt die Verunsicherung zu groß. Denn noch ist die Schuldenkrise nicht ausgestanden. Zudem sorgen die von fast allen Euro-Ländern eingeleiteten Sparmaßnahmen für Rezessionsängste. Heute standen aber Konjunkturmeldungen im Vordergrund. Und die fielen erfreulich aus, zumindest was die Entwicklung in China betrifft.

Dort haben die Ausfuhren im Mai um 48,5 Prozent zugelegt. Die Nachricht sei Wasser auf die Mühlen der Konjunkturoptimisten gewesen, hieß es. Bestätige sie doch, dass es den USA und Asien besser gehe und Sorgen vor einem erneuten Einbruch der Konjunktur übertrieben seien, sagte Peter Cardillo von Avalon Partners.

Der Dax beendet den Abendhandel bei 6.041 Punkten, gut 68 Punkte oder ein Prozent höher als gestern. Zuvor war bereits der Xetra-Dax über die Marke von 6.000 geklettert und 71 Punkte oder 1,2 Prozent höher geschlossen, bei 6.056. "Die Risikobereitschaft der Anleger nimmt wieder zu", sagte Helaba-Analystin Viola Stork.

Auch an der Wall Street setzt sich die gute Laune am Abend fort. Der Dow Jones, der zweitweise um mehr als 240 Punkte gestiegen war, büßt am Abend etwas ein, notiert aber immer noch gut 200 Punkte höher als gestern bei 10.106.

Anleger bleiben nervös
Trotzdem sieht es für die meisten Anleger nicht nach einem sommerlichen Aufschwung an den Börsen aus. "Die Hauptrolle spielt heute die Charttechnik, da fühlen sich offenbar einige Anleger wegen der steigenden Kurse zu Deckungskäufen gezwungen", fasste ein Börsianer zusammen. Von Siegerlaune ist also nichts zu spüren. Im Gegenteil: die Anleger bleiben nervös.

Unterstützt wurden die Märkte auch von der EZB. Wie erwartet beließ die Notenbank die Zinsen unverändert. Zudem erklärte Präsident Jean-Claude Trichet die wirtschaftliche Erholung der Eurozone setze sich fort und Inflationsgefahren seien auf absehbare Zeit nicht zu erkennen.

Euro über 1,20 Dollar
Auch der Euro kann sich von seinem Schwächeanfall der letzten Tage etwas erholen. Die Währung ist bis zum Abend zwar wieder unter 1,21 Dollar gefallen, notiert bei 1,2080 aber deutlich über seinem Tiefstand von 1,19 Euro. Die Anleger honorierten unter anderem die starke Nachfrage bei der Emission spanischer Staatsanleihen.

Dagegen hat der Preisanstieg von Rohöl beschleunigt. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete mit 75,38 Dollar 1,3 Prozent mehr als gestern. Damit war WTI so teuer wie seit knapp zwei Wochen nicht mehr. Brent-Öl verteuerte sich um ein Prozent auf 74,98 Dollar je Fass.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,41
Differenz relativ
-0,48%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,92
Differenz relativ
-0,67%

Autowerte erneut vorn
Wie schon am Vortag zählen Papiere der Autokonzerne zu den größten Gewinnern im Dax. Waren es gestern die starken Mai-Absatzzahlen von BMW, sind es heute die Aussagen des Mercedes-Vertriebschefs, die für gute Stimmung sorgen. Beide Unternehmen profitieren überdurchschnittlich von der Abwertung des Euro.

Eon und RWE schwach
Dagegen schwächeln die Aktien der beiden großen deutschen Versorger Eon und RWE auch am dritten Tag in Folge. Sie leiden weiter unter der von der Bundesregierung angekündigten Brennelementesteuer und Unsicherheiten über eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken sowie daraufhin erfolgten Kurszielsenkungen kritischer Analysten.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,15
Differenz relativ
-0,17%

Lufthansa erholt sich von Aschewolke
Die Lufthansa hat im Mai von der Erholung des Fluggeschäfts nach der Aschewolke profitiert. Die Airline beförderte 10,5 Prozent mehr Passagiere als im Vormonat, rund 5,4 Millionen. Auch das Frachtgeschäft setzte im Mai seinen Aufwärtstrend fort und legte konzernweit um 19 Prozent auf 167.000 Tonnen zu.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
182,65
Differenz relativ
-0,76%

Conti an MDax-Spitze
Die Aktie des Autozulieferers ist der stärkste Wert im MDax. Händler verweisen darauf, dass das Unternehmen seine Umsatzerwartungen für dieses Jahr erhöht hat. Aus jetziger Sicht deute sich eine Steigerung von "mehr als 10 Prozent" an, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart der "Börsen-Zeitung". Noch vor gut einem Monat hatte die Conti-Führung eine Erlössteigerung von lediglich bis zu 10 Prozent in Aussicht gestellt. Auch beim operativen Ergebnis habe sich die Erholung inzwischen weiter verfestigt.

QSC rauf, Freenet schwach
Von der geplanten Zusammenarbeit zwischen den beiden TecDax-Werten QSC und Freenet profitiert zunächst nur die QSC-Aktie, während die Papiere von Freenet erst zu den größten Verlierern zählen und dann ein hauchdünnes Plus erreichen. Die Zusammenarbeit soll zu Synergien für beide Unternehmen führen.

WestLB beflügelt Morphosys
Unter den großen TecDax-Gewinnern ist auch die Morphosys-Aktie. Sie profitiert von einer positiven Analystenstudie, die WestLB hat den Biotech-Titel von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Die Pipeline mit Partner-Projekten sei gewachsen und gereift, schreiben die Analysten. Die Fortschritte seien unübersehbar. Das Kursziel lautet 20,10 Euro.

Phoenix Solar erwartet Rekord
Auch Aktien von Phoenix Solar gewinnen kräftig hinzu. Laut Konzernchef Andreas Hänel werde das zweite Quartal ein Rekordquartal, und auch das vierte Quartal könne Rekorde bringen.

Ex- Dividende
Das Minus bei Kontron im TecDax und Rhön-Klinikum im MDax ist teilweise optischer Natur, beide Titel werden ex Dividende gehandelt. Der Klinikbetreiber schüttet 0,30 Euro je Anteilsschein an seine Aktionäre aus, Kontron zahlt 0,20 Euro je Aktie.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,50
Differenz relativ
-2,62%

HeidelbergCement im Dax-Fieber
Zu den stärksten Werten im MDax zählt die HeidelbergCement-Aktie. Die Citigroup hat den Baustoff-Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 48 auf 51 Euro angehoben. Die unternehmensspezifischen Finanzrisiken seien deutlich gesunken, so Citigroup-Analyst Clyde Lewes.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,16
Differenz relativ
-0,80%

Symrise und Lanxess auf Expansionskurs
Auch Aktionäre von Symrise und Lanxess können sich über Kursgewinne freuen. Symrise will seine Kapazitäten bei synthetischem Menthol bis zur Jahresmitte 2012 verdoppeln und damit seine strategische Kooperation mit Lanxess ausbauen.

BP verliert ein Drittel
Gut ein Drittel ihres Wertes hat die BP-Aktie in diesem Jahr bereits verloren. Auch heute ging die Talfahrt zunächst weiter. Um bis zu 15 Prozent büßte die Aktie am Vormittag ein, bevor sie dann ins Plus drehte. Merrill Lynch geht derzeit davon aus, dass die Gesamtbelastung aus der Ölkatastrophe bei rund 28 Milliarden Dollar oder mehr liegen wird.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.