Marktbericht 20:00 Uhr

EZB-Gerüchte wirbeln Kurse durcheinander Und wieder schießt der Dax einen Rekord

Stand: 21.01.2015, 20:00 Uhr

EZB-Chef Mario Draghi wird morgen liefern, daran zweifelt fast niemand. Fraglich ist nur, in welcher Höhe er Staatsanleihen kauft. Gerüchte darüber ließen Dax und Euro heute Achterbahn fahren, viele Experten meldeten sich zu Wort. Wollte die EZB schon mal testen, wie ihr Programm morgen ankommt?

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 15.00 Uhr

Solchen Zuckungen sieht man selten: Als das "Wall Street Journal" heute Nachmittag berichtete, die Notenbanker erwägen den Kauf von Anleihen im Volumen von 50 Milliarden Euro, spielte die Börse verrückt. Auch wenn es nichts Offizielles ist und die EZB eine Stellungnahme zu dem Bericht ablehnte: Dax und Euro starteten umgehend zu einer rasanten Achterbahn-Fahrt. Der Deutsche Aktienindex schoss innerhalb von Minuten 100 Punkte auf und ab. Im Tagesverlauf schwankte er insgesamt zwischen 10.189 und 10.311,90 Punkten - ein neues Allzeithoch. Am Ende schloss er 0,4 Prozent im Plus bei 10.299 Punkten - ein Schlussrekord. Der L-Dax gab wieder ein paar Pünktchen nach, auf 10.276.

Beim Euro die gleichen hektischen Zuckungen. Die europäische Währung vollführte in Minutenschnelle Sprünge von einem ganzen Cent. Der Euro schwankte während des Tages zwischen 1,1539 Dollar und 1,1681 Dollar.

Wie viele Anleihen kauft die EZB?

Wie das Wall Street Journal berichtete, sollten die Anleihekäufe der EZB mindestens ein Jahr dauern. Bei den im Raume stehenden 50 Milliarden monatlich käme man also auf mindestens 600 Milliarden. Es könnte aber durchaus mehr sein. Laut "Bloomberg" sollen die Käufe im März starten und bis Ende 2016 laufen. Sollte sich die gewünschte konjunkturelle Erholung bis dahin nicht eingestellt haben, dürfte die EZB wohl nachlegen.

Klotzen statt Kleckern

Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank kommentiert: "Die EZB kleckert nicht, sondern klotzt". Ähnlich Sören Steinert vom Vermögensverwalter Quoniam Asset Management. Die Berichte aus Kreisen der EZB ließen auf ein höher als erwartetes Kaufprogramm hoffen und das habe die Märkte noch einmal angetrieben. Investoren sollten sich aber fragen, was die EZB künftig noch zur Unterstützung der Eurozone beitragen könne: "Strukturelle Probleme werden mit der Geldpolitik lediglich überlagert, geheilt werden sie nicht“, so Steinert. Gewinnmitnahmen nach der klassischen Börsenweisheit "kaufe das Gerücht und verkaufe den Fakt" sind aus seiner Sich nach der EZB-Sitzung möglich.

"500 Milliarden wären eine Enttäuschung"

Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, erwartet der Markt ein Volumen von 750 Milliarden Euro. 500 Milliarden wären bereits eine leichte Enttäuschung, eine Billion Euro eine positive Überraschung, sagte Jain auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die endgültigen Zahlen könnten sich noch ändern, schreibt das Wall Street Journal. Das EZB-Direktorium habe am Dienstag lediglich einen Vorschlag erarbeitet, der als Vorlage für die Diskussionen im EZB-Rat am morgigen Donnerstag dient. Sollten die Informationen wirklich durchgesickert sein, könnte es der Notenbank am Ende ganz recht sein. Denn so hat sie einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie die Finanzmärkte morgen reagieren könnten.

Goldpreis auf Fünf-Monats-Hoch

Der Goldpreis schwankte wie Dax und Euro ebenfalls stark. Das Krisenmetall erhielt zunächst starken Zulauf, wie seit Tagen schon. Der Preis für eine Feinunze stieg heute bis auf 1.305 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit August 2014. Er fiel dann wieder zurück bis auf 1285 Dollar.

Gold-Öl-Ratio mahnt zur Vorsicht

Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um etwa zehn Prozent gestiegen, während der Ölpreis-Verfall immer dramatischere Züge angenommen hat. Das hat die Gold-Öl-Ratio, also das Preisverhältnis zwischen Öl und Gold, in beängstigende Höhen getrieben. Dieser Risikoindikator notiert nun höher als vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 und der europäischen Schuldenkrise 2011.

Ballast für HeidelCement und FMC

Im Dax haben Aktien von HeidelbergCement und Fresenius Medical Care (FMC) einen schweren Stand. Bankanalysten senkten in beiden Fällen den Daumen: Exane BNP ersetzte bei dem Zementhersteller sein "Outperform"durch ein "Underperform" und senkte das Kursziel auf 62 Euro. Die UBS strich die Kaufempfehlung für die FMC-Aktie. Der Markt unterschätze die Kosten für die Umsetzung der neuen Strategie und überschätze die daraus resultierenden Einsparungen.

Eon bastelt an neuer Strategie

Auch die RWE-Aktie heute auf der Dax-Verliererseite. Versorger plagen sich derzeit mit der Frage: Wie dem schwächelnden Geschäft mit der Stromerzeugung begegnen? Während Eon es mit der Aufspaltung von Ökostrom und Kohlekraft versucht, liebäugelt RWE eher mit einer Zusammenführung der Töchter unter einem Dach. Das sagte Vize-Chef Rolf Martin Schmitz am Mittwoch vor Journalisten.

Schafft VW dieses Jahr die Wachablösung?

Autoaktien rücken heute ebenfalls ins Blickfeld, besonders VW und Toyota, die sich in diesem Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten: Wie Toyota heute bekannt gab, blieb der Konzern auf die weltweite Nummer1 mit 10,23 Millionen verkauften Fahrzeugen. Ein knapper Sieg. VW schaffte 10,14 Millionen Autos. In diesem Jahr könnten die Wolfsburger sich aber den Titel 'Größter Autokonzern der Welt' holen. Toyota rechnet für 2015 nämlich mit einem Absatzrückgang auf 10,15 Millionen Fahrzeuge. VW gibt zwar keine Prognose raus, ist aber mit seiner "Modelloffensive" recht angriffslustig.

Wirecard hebt Prognose an

Im TecDax fällt Wirecard Wirecard mit einer Prognoseanhebung auf. Der Zahlungsabwickler blickt optimistischer auf das neue Jahr. Das Ebitda soll 2015 bei 210 bis 230 Millionen Euro liegen. Bisher war Wirecard von 205 bis 225 Millionen Euro ausgegangen.

Freenet, UI und Nordex mit Analysten-Malus

Papiere von Freenet, United Internet und Nordex gehören nach Analysten-Herunterstufungen zu den Verlierern im Technologie-Index.Die Citigroup hat für UI und Freenet ihre Empfehlung von "Neutral" auf "Sell" gesenkt, Goldman Sachs strich seine Kaufempfehlung für Nordex.

Cree lässt auf Aixtron und Osram hoffen

Gute Geschäftszahlen vom amerikanischen LED-Hersteller Cree lassen hoffen, dass auch die Geschäfte von Aixtron beser laufen. Denn auf Maschinen von Aixtron werden unter anderem Halbleiter für die LED-Produktion hergestellt. Doch die Aixtron-Aktie profitiert nur anfänglich. Sie muss eine Kurszielsenkung durch Exane BNP verdauen, von 12 auf 9,50 Euro. Cree färbt auch positiv auf Osram-Aktien ab - insbesondere die positiven Äußerungen der Amerikaner zur Preisentwicklung gefallen.

Dräger setzt auf den Standort Lübeck

Der weltweit tätige Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger will an seinem Stammsitz Lübeck expandieren. Dazu soll der bestehende Standort Revalstraße im Süden Lübecks zur "Zukunftsfabrik" mithilfe eines mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrags in den nächsten Jahren ausgebaut werden.

WMF-Übernahme in trockenen Tüchern

Kleinaktionäre von WMF sollen vollständig aus der Firma gedrängt werden. Die Finanzinvestoren KKR und Fiba haben auf der Hauptversammlung die Komplettübernahme des schwäbischen Herstellers von Besteck und Töpfen in trockene Tücher gebracht.

Netflix: Deutschland sei Dank!

Netflix expandiert kräftig ins Ausland und verdient dabei auch noch gut. Die Online-Videothek gewann im vierten Quartal außerhalb der USA 2,43 Millionen neue Kunden hinzu. Der Gewinn schnellte um 72 Prozent, der Umsatz um ein Viertel nach oben. Die Börse reagiert euphorisch mit plus 18 Prozent.

IBM hat weiter zu kämpfen

IBM dagegen enttäuscht mit seinem Zahlenwerk. Der einst so erfolgreiche Computerriese muss sich neu erfinden, wenig lukrative Bereiche über Bord werfen und auf neue Technologien setzen. Dafür nimmt IBM in Kauf, dass Erlöse und Gewinne schrumpfen. An der Börse kommt das nicht gut an, die IBM-Aktie verliert drei Prozent.

AMD verpatzt Weihnachtsquartal

Auch die Schlussquartalsbilanz von AMD wird von Anlegern abgestraft. Der Chiphersteller präsentierte einen Umsatzeinbruch und tiefrote Zahlen. Er konnte im Weihnachtsquartal nicht von dem starken Geschäft mit Spielekonsolen profitieren, in denen AMD-Halbleitern stehen.

Google steigt bei SpaceX ein

Jetzt ist es offiziell: Google steigt bei SpaceX ein. Der Internet-Konzern beteiligte sich an einer rund eine Milliarde Dollar schweren Finanzierungsrunde. Zweiter neuer Geldgeber ist der Finanzinvestor Fidelity. Sie halten zusammen knapp zehn Prozent der Anteile.

BHP und Total reagieren auf Ölpreis-Verfall

Der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton zieht die Notbremse nach dem drastischen Ölpreisverfall. Das Unternehmen will die Bohranlagen, die es auf dem US-Festland betreibt, bis Ende Juli von 26 auf 16 Anlagen abbauen. Auch Total schnallt den Gürtel enger, er französische Ölkonzern fährt die Investitionen deutlich zurück und beschleunigt sein Sparprogramm. Für die erste Jahreshälfte 2015 gebe es wenig Anzeichen für eine Erholung des Ölpreises, sagte der neue Unternehmenschef Patrick Pouyanne.

Accor hebt Prognose an

Europas größter Hotelbetreiber Accor hebt nach einem kräftigen Umsatzsprung im vierten Quartal seine Ergebnisprognose angehoben. Für das Jahr 2014 wird nun ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 600 Millionen Euro angepeilt, zuvor waren 575 bis 595 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.

Trinkunlustige Chinesen belasten SABMiller

Der rückläufige Bierkonsum in China hat SABMiller ("Pilsner Urquell", "Peroni") im abgelaufenen Quartal ausgebremst. Der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern nach Anheuser-Busch Inbev machte dafür schlechte Wetterbedingungen verantwortlich. Weltweit setzte SABMiller von Oktober bis Dezember ein Prozent weniger ab.

ASML nach Zahlen auf Rekordhoch

Überraschend starke Quartalszahlen trieben die Aktie des Chipausrüsters ASML auf ein Rekordhoch von 94,00 Euro. Die Niederländer hatten im vierten Quartal 305 Millionen Euro verdient und dabei 1,49 Milliarden Euro erlöst. Und sie stellten für den Jahresauftakt weiteres Wachstum in Aussicht.

Neue, alte Köpfe bei Bristol-Myers Squibb

Der neue Chef des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb kommt aus den eigenen Reihen. Der bisher für das operative Geschäft verantwortliche Giovanni Caforio rückt am 5. Mai an die Spitze des Gremiums. Der 50-Jährige folgt damit Lamberto Andreotti nach, der dann den Vorsitz des Verwaltungsrats übernimmt. Analysten erwarten von dem Mediziner einen sanften Übergang an der Konzernspitze.

FXCM-Aktie erholt sich leicht

Der Devisenbroker FKCM hat sich von seinem knapp 90-prozentigen Kurssturz vom Vortag wieder kräftig erholt. Der Broker war wegen Verlusten im Zusammenhang mit der Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank in Schieflage geraten.

Tele Columbus zu mindestens 10 Euro?

Neuigkeiten gab es auch von den nächsten Börsenanwärtern. Zum einen von Deutschlands drittgrößterm Kabelnetzbetreiber Tele Columbus. Käufer müssten mindestens zehn Euro je Aktie bieten, damit ihre Orders berücksichtigt werden sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Ferratum kommt mit IPO-Plänen voran

Der Anbieter von Konsumentenkrediten per Mobiltelefon oder Internet Ferratum kommt mit seinen Vorbereitungen für einen geplanten Börsengang in Frankfurt voran. Angeboten werden bis zu 6,5 Millionen Aktien in einer Spanne von 15 bis 18 Euro - ab morgen, 22. Januar bis voraussichtlich 4. Februar. Die Notierungsaufnahme im Prime Standard ist um den 6. Februar herum geplant.

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Auf diese IPOs dürfen wir uns freuen Börsengänge 2015

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bs

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr