Und wieder ruft das Jahrestief

Stand: 23.01.2009, 20:05 Uhr

Die vergangene Woche hinterlässt die Anleger mut- und ratlos. Der Dax beendete auch den Handel am Freitag mit einem Verlust. Im Verlauf kam sogar das Jahrestief von 2008 in Reichweite. Die Wall Street verhinderte das Schlimmste.

Die Wall Street erholte sich am späten Nachmittag von ihren Anfangsverlusten und zog auch den Dax noch etwas nach oben. Dennoch: "Das fundamentale Umfeld ist eine Katastrophe", sagte Thomas Stengl von der Postbank. Das fundamentale Misstrauen der Anleger zumindest sorgte am Freitag für ein Minus von einem Prozent beim Dax. Der deutsche Leitindex schloss bei 4.179 Punkten, nachdem er im Verlauf bis auf 4.067 Zähler gefallen war.

Im späten Parketthandel stieg der LDax noch auf 4.210 Punkten, nachdem die Wall Street sich von ihrer anfänglichen Schwäche im deutlicher erholte. Um 20 Uhr, als der Parketthandel in Frankfurt endete, notierten die drei großen US-Indizes allesamt im Plus.

Zwangsläufig war diese Erholung allerdings nicht. Der Industriekonzern General Electric hatte vor Börsenstart unangenehme Quartalszahlen vorgelegt und einen extrem schwieriges Geschäftsjahr vorhergesagt.

Auch der US-Druckerhersteller Xerox meldete eine enttäuschende Bilanz. Von 345 Millionen Dollar im vergangenen Jahr fiel der Nettogewinn auf nur noch eine Millionen Dollar. Die Aktie brach nach der Bekanntgabe der Bilanz um 14 Prozent ein.

Lichtblicke im Dax
8,6 Prozent legte die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck zu. Die Firma will Mitte 2009 die Zulassung für ihr viel versprechendes Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin in den USA und Europa beantragen.

Auch Pharmawerte sowie die Aktien von Versorgern und Medizintechnikkonzernen gehörten am Freitag zu den Gewinnern auf dem deutschen Aktienmarkt. Die Papiere von Eon, RWE, Bayer und Fresenius Medical legten teils deutlich zu. Auch die Commerzbank-Aktie gewann nach den schlimmen Verlusten der letzten Tage 2,2 Prozent.

Versicherer stark unter Druck
Nach den Banken haben die Aktionäre die Versicherer als nächste potenzielle Verlierer der Finanzkrise ausgemacht. Zumindest gibt es handfeste Gerüchte, dass mindestens ein "kleiner Versicherer" finanzielle Probleme habe. "Nach den Banken sind jetzt die Versicherer auf dem Prüfstand", kommentierte Robert Halver von der Baader Bank die aktuelle Branchenschwäche. Allianz- und Münchener Rück-Aktien verlieren je 2,7 Prozent, in der Schweiz gaben Papiere von Swiss Re ein Viertel ab.

Qimonda meldet Insolvenz an
Mehr als die Hälfte ihres verliert die an der Wall Street notierte Qimonda-Aktie, nachdem die Firma am Freitag Insolvenz angemeldet hat. Die Konzermutter Infineon muss nun Rückstellungen in dreistelliger Millionenhöhe bilden. Infineon-Aktien verloren 4,9 Prozent.

Beiersdorf meldet Kurzarbeit an
3,9 Prozent niedriger schloss die Aktie des Konsumgüterherstellers Beiersdorf. Das Unternehmen meldet im Bereich "Tesa" Kurzarbeit an. Außerdem gibt Beiersdorf wegen der schlechten Wirtschaftslage keine aktuelle Prognose ab. Merrill Lynch entfernte zudem das Papier von einer Empfehlungsliste.

Siemens und Areva
Siemens will sich angeblich aus seiner Beteiligung beim französischen Atomkraftwerkskonzern Areva zurückziehen. Die Beteiligung von 34 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen solle verkauft werden, berichtete die französische Zeitung "Les Echos", ohne Quellen zu nennen. Die Siemens-Aktie verlor vier Prozent.

ThyssenKrupp erwartet schweres Jahr
ThyssenKrupp-Aktien gewannen trotz eines pessimistischen Ausblicks 1,5 Prozent. Auf der Hauptversammlung am Freitag stellte Konzernchef Eckhard Schulz die Anleger und Mitarbeiter auf schwierige Zeiten ein: "An vielen Stellen im Konzern spüren wir Unsicherheiten und Auftragsrückgänge" Thyssen erwartet in diesem Jahr sowohl weniger Umsatz als auch weniger Gewinn. Die Rezession werde schärfer und länger ausfallen als noch vor wenigen Monaten erwartet, warnte Schulz.

Kräftige Verluste im MDax
Anleger trennten sich am Freitag reihenweise von Industrieunternehmen aus dem MDax. Die Papiere von HeidelbergCement, Leoni, Lanxess, Heidelberger Druck und Norddeutsche Affinerie verloren bis zu 13 Prozent, der MDax beschloss den Handelstag mit einem Minus von 2,4 Prozent.

Roth&Rau erwartet weniger Aufträge
Der im TecDax notierte Solarkonzern Roth & Rau rechnet damit, von seinen Kunden in diesem Jahr weniger Aufträge zu erhalten. "Die schwache Nachfrage im Endkunden-Geschäft wirkt sich auch auf unser Geschäft aus", sagte Marketingchefin und Unternehmensgründerin Silvia Roth der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Zumindest gebe es bislang keine Auftragsstornierungen. Einige Kunden würden die Abnahme von Produktionsanlagen aber verschieben. Die Aktie verlor 3,1 Prozent.

Wyeth im Plus
Die Aktien des amerikanischen Pharmakonzerns Wyeth legten an der Wall Street deutlich zu. Es gebe konkrete Übernahmegespräche zwischen Wyeth und Branchenprimus Pfizer, berichtet das Wall Street Journal. Etwa 60 Milliarden Dollar könnte Pfizer bezahlen, hieß es.

Interseroh senkt Prognose
Der Entsorgungsdienstleister und Rohstoffanbieter hat wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise seine Gewinnprognose für das abgelaufenen Jahr gesenkt. Die Aktie verlor mehr als acht Prozent.

Dax-Chart realtime

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USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
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