Und wieder ein Tag mit Verlusten

Stand: 23.11.2011, 20:00 Uhr

Die Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise hat dem Dax auch heute, den achten Handelstag in Folge, Verluste beschert. Diesmal ist es ein Misstrauensvotum gegen Deutschland, das die Anleger verunsichert hat.

Erstmals ist der Bund bei der Ausgabe einer Anleihe auf wenig Interesse gestoßen. Statt bei der Versteigerung zehnjähriger Papiere sechs Milliarden Euro einzusammeln, haben Anleger nur knapp 3,6 Milliarden Euro geboten. Ein Schock, gilt doch Deutschland als Fels in der Brandung des europäischen Schuldenchaos.

Am Abend sorgt eine Meldung der Ratingagentur Fitch für Unruhe. Die Bonitätswächter sehen die Bestnote für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, Frankreich, in Gefahr, sollte sich die Schuldenkrise verschärfen. Schon am Montag hatte Moody's vor einer Herabstufung Frankreichs gewarnt.

Nachdem der Dax den elektronischen Handel mit einem Verluste von 1,4 Prozent auf 5.457 Punkten beendet hat, kommt es auch im Abendhandel zu einem kräftigen Kursrutsch um gut 100 Punkte (1,9 Prozent) auf 5.482. Damit beendet der Dax seinen achten Verlust-Tag in Folge. Auch der Euro fiel um mehr als einen Cent auf ein Sieben-Wochen-Tief von 1,33 Dollar.

Zutiefst verunsichert reagieren die Anleger auch auf den erbitterten Streit in der Eurozone über den Einsatz von Eurobonds als Ausweg aus der Krise. Während die allermeisten Staaten dafür sind, lehnt Deutschland dieses Instrument vehement ab und hält die Debatte darüber auch für beendet.

Dilemma für Deutschland
Derweil bringt Lars Feld, Wirtschaftsweiser und Berater von Kanzlerin Angela Merkel das deutsche Dilemma auf den Punkt: Eurobonds seien zwar eigentlich nicht zu verantworten - aber die Alternative für die Rettung der Währungsunion sei allein der massive Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Der Plan, den Euro-Rettungsschirm zu stärken, sei bei den Märkten offenbar durchgefallen.

Doch auch charttechnisch stehen die Ampeln auf Rot, das meint zumindest das Gros der technisch orientierten Analysten. Nach der Seitwärtsbewegung beim DAX in der ersten Novemberhälfte durchbrach das Aktienbarometer mit den jüngsten Kursverlusten nämlich wichtige Haltezonen. Aus einem friedlichen und versöhnlichen Jahresausklang scheint somit nichts zu werden.

Verluste auch an der Wall Street
Der Dow Jones-Index verliert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,6 Prozent auf 11.313 Punkte. Neben der auch in den USA ungelösten Schuldenproblematik haben auch die neuesten Konjunkturdaten enttäuscht. Die Konsumausgaben sind im Oktober praktisch unverändert geblieben während Volkswirte mit einem leichten Anstieg gerechnet hatten. Am späten Nachmittag unserer Zeit steht dann der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan auf der Agenda.

Siemens Nokia baut ab
Der Verluste schreibende Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) will 17.000 Stellen abbauen. Das Unternehmen müsse diesen Schritt gehen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Rentabilität auf den umkämpften Telekom-Märkten zu verbessern, teilte das Gemeinschaftsunternehmen von Nokia und Siemens am Mittag mit. Geplant sei der Abbau bis Ende 2013. Die Aktien der beiden Firmen legen leicht zu.

Commerzbank auf Erholungskurs
Nach dem gestrigen Einbruch um 15 Prozent kann sich die Commerzbank-Aktie heute wieder etwas berappeln. Das Plus von zeitweise über fünf Prozent kann sie aber bis zum Handelsschluss nicht halten. Bankchef Martin Blessing hatte die Anleger am beruhigt und gesagt, die Bank werde den Kapitalbedarf aus eigener Kraft stemmen. Dass ihr dieser Kraftakt gelingt, halten die meisten Analysten zwar für unwahrscheinlich, aber der Kursrutsch ist erstmal beendet.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,94
Differenz relativ
+4,53%

Infineon erhöht Dividende
Zulegen kann auch die Infineon-Aktie. Der Halbleiterhersteller lässt seine Aktionäre der besseren Geschäftsentwicklung teilhaben. Das Unternehmen hebt seine Dividende für das vergangene Geschäftsjahr 2010/11 von 0,10 auf 0,12 Euro je Aktie an.

Telekom drohen neue Hürden
Dagegen ist die Aktie der Deutschen Telekom auf einen der hinteren Plätze im Dax gerutscht. Grund sind neue Hürden beim Verkauf von T-Mobile USA an AT&T. Bisherige Ergebnisse zeigten, dass die Übernahme zu einem erheblichen Abbau von Wettbewerb und Arbeitsplätzen in den USA führen würde, schrieb der Chef der Telekom-Aufsichtsbehörde Julius Genachowski.

Solaraktien plötzlich wieder gefragt
Gegen den Trend liegen Solaraktien gut im Rennen. Sie steigen um bis zu 9,5 Prozent. Die WestLB hat Centrotherm-Aktien auf "Buy" hochgestuft. Die Analysten erwarten starke Auftragseingänge im vierten Quartal. Im Schlepptau klettern auch die Aktien von Solarworld und anderen Unternehmen der hart geprüften Branche.

Deutsche Unternehmen in den Stoxx 600
Die Aktien des Einkaufszentrum-Betreibers Deutsche Euroshop und des Zahlungsabwicklers Wirecard steigen in den Stoxx 600 auf. Das teilte der Indexbetreiber Stoxx mit, an dem die Deutsche Börse beteiligt ist.

Joyou wächst kräftig
Leichte Kursabschläge verzeichnet die im Prime Standard gelistete Aktie des chinesischen Sanitärunternehmens Joyou. Dabei hat die Firma in den ersten neun Monaten ihren Umsatz um knapp 22 Prozent auf 213 Millionen Euro verbessern können. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um fünf Prozent auf 31,3 Millionen Euro und der Gewinn sogar um 27 Prozent auf 23,3 Millionen.

Süd-Chemie sagt Börse ade
Der Schweizer Chemiekonzern Clariant wird die verbliebenen freien Aktionäre der Süd-Chemie aus dem Unternehmen drängen. Das beschloss die Hauptversammlung der Süd-Chemie am Dienstag. Die Süd-Chemie erhalten als Ausgleich für das so genannte Squeeze-out eine Barabfindung von 125,26 Euro je Aktie

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr