Marktbericht 20:10 Uhr

Dax legt weiter zu ...und täglich grüßt ein neues Hoch

Stand: 10.06.2014, 20:10 Uhr

Während die Wall Street am Dienstag eine Verschnaufpause einlegte, setzte sich der Höhenflug am deutschen Aktienmarkt fort. Der Dax schloss so hoch wie noch nie. Doch von Euphorie ist nichts zu spüren, es mehren sich gar warnende Stimmen.

Nichts kann derzeit den Dax auf seiner Gipfeltour bremsen. Trotz leichter Verluste an den US-Börsen stieg der deutsche Leitindex weiter und beendete den fünften Tag hintereinander in der Gewinnzone. Mit 10.028,80 Punkten gab es einen neuen Schlussrekord. Allerdings geht es mittlerweile nur noch in Trippelschritten voran. Am Dienstag schaffte der Dax mit Mühe ein Plus von 0,2 Prozent.

Ruhe vor dem Sturm?

Die derzeitige Entwicklung sei nicht gesund und spiegle eher die Ruhe vor dem Sturm wider, warnte Jens Klatt, Analyst von DailyFX. Für die vielen Skeptiker an der Seitenlinie, die auf niedrigere Kurse für einen Einstieg warten, werde die Situation immer mehr zu einer Geduldsprobe. Klatt prophezeit eine Abwärtsbewegung des Dax auf 9.800 Punkte.

"Nächste Etappe Dax 10.650"

Andere Anlagestrategen sind optimistischer. Christian Henke von IG Markets sieht bereits als "nächste Raststätte auf dem Weg gen Norden ein Niveau von 10.650 Punkten". Kurzfristig - also auf Sicht von ein bis vier Wochen - sei die Erwartung für deutsche Aktien nun wieder aufwärtsgerichtet, glauben die Stimmungsforscher von Sentix. Mittelfristig - in den kommenden drei bis sechs Monaten - deute die Stimmungsanalyse auf sinkende Kurse.

Verschnaufpause an der Wall Street

An der Wall Street stagnierten derweil die Kurse. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss nahezu unverändert bei 16.934 Zählern. Der breit gefasste S&P 500 Index verlor knapp 0,1 Prozent. Die Nasdaq trat auf der Stelle. Zwar schienen die Optimisten in den vergangenen Tagen den Ton angegeben zu haben, doch könnte der Markt zu schnell zu stark gestiegen sein, sagte ein Börsianer. Es stelle sich die Frage, wie viel Luft nach oben noch vorhanden sei.

Euro auf Talfahrt

Verlierer des Tages war der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis zum Abend auf 1,3542 Dollar. Laut Analysten leide der Euro unter dem auseinanderklaffenden Zinsausblick zwischen den großen Währungsräumen. Während die Zinsen in der Eurozone dauerhaft niedrig bleiben sollen, zeichnen sich in den USA und Großbritannien Zinserhöhungen ab.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobte am Dienstag die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank mache einen guten Job, sagte er bei einer Tagung in Frankfurt. Sie könne aber nicht die fundamentalen Probleme der Schuldenkrise lösen. EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré verteidigte die jüngsten Beschlüsse der Notenbank. Die EZB bewege sich klar innerhalb ihres Mandats. Der Franzose machte Hoffnung auf ein Ende der Dauerkrise im Euroraum. "Wir sind nicht mehr im Notfall-Modus", sagte er.

Rollentausch im Dax

Im Dax waren die Verlierer von gestern die Gewinner des Tages. Mit einem Plus von gut zwei Prozent führte K+S den Dax an und machte seine gestrigen Verluste wett. Laut Händlern profitierten die Aktien des Düngemittel-Spezialisten von Aussagen des Uralkali-Chefs Dimitry Osipov. Dieser hatte gegenüber Bloomberg gesagt, er favorisiere stabile Kali-Preise. Dagegen übernahm der Vortagesfavorit ThyssenKrupp die rote Laterne. Händler verwiesen auf die eingetrübte Stimmung in der Branche wegen einer schlechten Entwicklung der Eisenerz-Preise.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Adidas in WM-Vorfreude

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einen guten Lauf hatten am Dienstag auch die Aktien von Adidas. Mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft am Donnerstag rücken viele Adidas-Produkte ins Rampenlicht, meinte Analyst Ingbert Faust von Equinet. Er sieht großes Potenzial für die Erholung der Adidas-Titel. Seit Jahresbeginn hat der Kurs des Sportartiklers fast 16 Prozent nachgegeben.

Gerüchte um deutsch-französische Telekom-Fusion

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den Dax-Gewinnern zählten außerdem die Versorger und die Deutsche Telekom. Die T-Aktien schlossen 0,2 Prozent höher. Am Markt gab es Gerüchte, dass die Deutsche Telekom ein Übernahmeangebot für den französischen Branchenprimus Orange plane. Händler bewerteten die Wahrscheinlichkeit hierfür allerdings als gering.

Gagfah auf Mehrjahres-Hoch

Der MDax erreichte mit 17.203 Punkten ein erneutes Rekordhoch. Spitzenreiter war Gagfah mit einem Plus von über vier Prozent. Die Aktien kosteten so viel wie seit Februar 2008 nicht mehr. Der amerikanische Finanzinvestor Fortress ist bei Gagfah ausgestiegen und hat seine Beteiligung von 27,6 Prozent abgegeben. Die 60 Millionen Aktien wurden am oberen Ende der Preisspanne bei 12,34 Euro platziert. Das trieb den Kurs nach oben.

Rekordauftrag für Manz

Gute Nachrichten kamen vom Hightech-Anlagenbauer aus Reutlingen. Das Unternehmen berichtete über den größten Einzelauftrag der Firmengeschichte im Batterie-Geschäft. Die Aktie, die zuletzt bereits auf ein neues Jahreshoch gestiegen war, legte um über sieben Prozent zu und lag im TecDax ganz vorn.

Sachkapitalerhöhung bei Heidelberger Druck

0,7 Prozent im Minus schlossen die Aktien der Heidelberger Druckmaschinen. Der Druckmaschinenbauer bringt eine 70-prozentige Beteiligung der Schweizer Ferdinand Rüesch AG an der ebenfalls schweizerischen Gallus Holding als Sacheinlage gegen die Ausgabe neuer Aktien ein. Heidelberger Druck gewährt bis zu 23.000 neue Aktien sowie einen einstelligen Millionenbetrag in bar. Bezugsrechte sind ausgeschlossen. Dadurch wird Rüesch neuer Ankeraktionär mit einem Anteil von neun Prozent.

Goldman Sachs platziert Kion-Paket

Kion: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im späten Handel gerieten die Aktien von Kion unter Druck. Großaktionär Goldman Sachs zieht sich beim Gabelstapler-Hersteller weiter zurück und trennt sich von 7,5 Millionen Kion-Aktien. Die Fonds der Investmentbank kündigten am Dienstagabend die Platzierung der Papiere an. Mit knapp 27 Prozent ist Superlift, die gemeinsame Holding von Goldman Sachs und KKR, künftig nur noch zweitgrößter Kion-Aktionär. Hauptaktionär ist die chinesische Weichai Power mit über 33 Prozent Anteile.

BVB in Gesprächen mit neuen Investoren

Nachdem die Deutsche Bank abgewunken hat, sucht Borussia Dortmund nach anderen Geldgebern. Der einzige börsennotierte deutsche Fußballverein befindet sich laut Vorstandschef Hans-Joachim Watzke in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Auch ein neuer Sponsor sei willkommen, er müsse sich aber langfristig engagieren. Die BVB-Aktie erholte sich vom gestrigen Kursrutsch und stieg um über zwei Prozent.

Marseille sagt der Börse Adieu

In den vergangenen zwölf Monaten hat der Aktienkurs der Marseille Kliniken fast die Hälfte an Wert verloren. Nun will sich das Unternehmen mangels Perspektiven von der Börse zurückziehen und eine private Handelsplattform für die eigenen Aktionären einrichten. Die Aktionärsschützer reagierten irritiert. Zwar sei ein Delisting ohne Beschluss der Hauptversammlung rechtmäßig. Eine private Handelsplattform als Ersatz für eine Börsennotierung sei aber völlig unreguliert, kritisierte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Braas steigt aufs (Börsen-)Dach

Derweil stehen neue Kandidaten an der Börse Schlange. Der Dachpfannen- und Schornstein-Hersteller Braas plant den größten deutschen Börsengang mit einem Volumen von bis zu 621 Millionen Euro für den 25. Juni. Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg kündigte am Dienstag die Einzelheiten zum IPO an. Die Aktien werden zu einer Preisspanne von 23 bis 28 Euro angeboten. Die Zeichnungsfrist beginnt am morgigen Mittwoch und läuft bis zum 24. Juni. Der Löwenanteil der Emissionserlöse fließt an die Eigentümer von Braas, darunter mehrere Hedgefonds.

Euronext vor Börsen-Comeback

Auch der europäische Börsenbetreiber Euronext bereitet sein IPO vor. Gut zwei Drittel der Anteile sollen zu 19 bis 25 Euro je Anteilsschein angeboten werden. Damit läge das Volumen des Börsengangs bei über einer Milliarde Euro. Der endgültige Preis je Aktie soll am 19. Juni mitgeteilt werden. Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. 2007 hatte sich der europäische Börsenbetreiber mit der New Yorker Börse vermählt. Inzwischen wurde Nyse Euronext von ICE geschluckt.

Amerika im Übernahmefieber

Derweil tobt in den USA eine neue Übernahmewelle. Der Pharma-Riese Merck & Co. legt 3,9 Milliarden Dollar auf den Tisch für die Biotech-Firma Idenix, die auf Hepatitis spezialisiert ist. Die Idenix-Aktie schoss in die Höhe. Auch aus der Fleischindustrie wurde eine Übernahme gemeldet. Der Hot-Dog-Hersteller Hillshire Brands wird vom Konkurrenten Thyson Foods für 8,6 Milliarden Dollar übernommen. Mitten im Übernahmekampf steht zudem der Discounter Family Dollar, der sich gegen Pläne seines Großaktionärs Carl Icahn wehrt, das Unternehmen mit dem Konkurrenten Dollar General zusammenzulegenl. Die Family-Dollar-Aktien legten kräftig zu.

Apple-Aktien optisch billiger

Auch ohne Übernahmefantasie waren Apple-Aktien nach ihrem 7:1-Split gefragt, das Papier stieg um 0,5 Prozent. Durch den Split wurden die Papiere optisch günstiger: Statt einer Aktie von rund 700 Dollar haben Aktionäre nun sieben Aktien von knapp 100 Dollar im Depot.

Facebook wirbt PayPal-Chef ab

Die Aktien von Facebook zogen an der Nasdaq um vier Prozent an. Grund: Das Online-Netzwerk hat den Chef des Online-Bezahldienst PayPal ageworben - und so Spekulationen über eine nahende Offensive im Bankengeschäft geschürt. Die Aktien der PayPal-Mutter Ebay rutschten indes um über zwei Prozent ab.

Sony und Microsoft im Spiele-Duell

In Los Angeles hat am Dienstag die Spielemesse E3 begonnen. Dort buhlen Sonxy und Microsoft mit neuen Konsolen-Spielen um die Gunst der "Daddler". Microsoft kündigte auf der Messe für seine Spielekonsole Xbox neue Angebote an. So sollen Titel wie "Sledgehammer", "Call of Duty: Advanced Warfare" und "Forza Horizon2" bald auf der Xbox One verfügbar sein. Sony will Fans mit Titeln wie "GTA5", "Uncharted 4" sowie "Destiny" anlocken.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen