Und plötzlich dreht der Wind

Stand: 12.06.2007, 19:57 Uhr

Das war ein Timing. Kurz vor Handelsschluss in Frankfurt dreht der Dow Jones in New York ins Plus. Und hievt den LDax hoch. Ein gutes Omen für den nächsten Tag!?

Der LDax im Frankfurter Abendhandel ging mit 7.698 Punkten in den Feierabend, nachdem der Xetra-Dax noch bei 7.678 Punkten geschlossen hatte. Der Dow Jones-Index bewegte sich mit 13.440 Punkten deutlich über seinem Tagestief und hauchdünn im Plus.

Zuvor waren Anleger wegen der steigenden Renditen mächtig ins Grübeln gekommen. In den USA ist die Rendite der richtungsweisenden US-Anleihe mit 10jähriger Laufzeit auf 5,2 Prozent gestiegen. Damit ist sie so hoch wie zuletzt vor fünf Jahren. Im März hatte die Rendite noch bei 4,5 Prozent gelegen. Auch in Deutschland kennen die Renditen derzeit nur eine Richtung: aufwärts. Die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere ist heute von 4,57 auf 4,59 gestiegen. Dass bei diesen Renditen die Lust auf Aktien nachlässt, liegt auf der Hand.

Ford macht mobil

Die Papiere des US-Autobauers Ford hatten sich sehr früh abgesetzt. Ihnen kam offenbar zugute, dass sich Ford bei der Zukunftsplanung für seine Luxusmarken Jaguar und Land Rover von externen Fachleuten beraten lässt. "Wir arbeiten mit Finanzberatern zusammen, um die beste Zukunft für Jaguar und Land Rover zu ermitteln", sagte der für die Luxusmarken zuständige Sprecher John Gardiner am Dienstag. Er betonte zudem, dass Ford weiterhin seine weltweiten Geschäfte überprüfe und dabei alle Möglichkeiten in Betracht ziehe. Am Montag hatten Spekulationen um einen baldigen Verkauf der Ford-Luxusmarken neue Nahrung erhalten. In mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen hieß es, der kriselnde Autokonzern habe Goldman Sachs, HSBC und Morgan Stanley engagiert, um die Möglichkeit eines Verkaufs auszuloten. Analysten schätzen, dass Ford bis zu 1,5 Milliarden Dollar durch den gemeinsamen Verkauf von Jaguar und Land Rover erzielen könnte.

Lehman Brothers beeindruckt
Die US-Investmentbank hatte im zweiten Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 2,21 Dollar erwirtschaftet und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Sie hatten einen Gewinn je Aktie von 1,81 Dollar erwartet. Lehman-Aktien liegen am Abend zwei Prozent höher im Rennen. Ihr gutes Abschneiden strahlte eine Zeitlang auch auf deutsche Banktitel aus.

Bei der Deutschen Telekom bahnt sich ein Ende des Streits um die Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern an. Nachdem die Telekom Kompromissbereitschaft signalisiert hatte, will die Gewerkschaft ver.di nun wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Der T-Aktie brachte der Schwenk wenig. Sie blieb bis zum Abend geschwächt, entfernte sich aber von ihrem Tagestief.

Siemens-Aktien ragten mit einem deutlichen Kursaufschlag heraus. Das Papier profitierte von Analysten-Empfehlungen. Credit Suisse hatte das Kursziel von 97 auf 100 Euro angehoben. Noch optimistischer ist Morgan Stanley mit einem neuen Kursziel von 130 Euro nach bisher 110 Euro.

Die Deutsche Lufthansa hat im Mai bei höherer Auslastung mehr Passagiere befördert als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Fluggäste sei im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent auf 4,991 Millionen gestiegen, teilte Deutschlands größte Fluggesellschaft am Dienstag in Frankfurt mit. Die Auslastung im Passagiergeschäft legte um 1,3 Prozentpunkte auf 76,1 Prozent zu. Insgesamt erhöhte sich die Auslastung um 0,7 Prozentpunkte auf 71,6 Prozent. Dem Kurs der Aktie half dies wenig.

Unter den 50 Aktien des Mdax verteidigten Wacker Chemie ihre Favoritenrolle. Die Investmentbanker von Merrill Lynch hatten sich zum ersten Mal zu dem Papier geäußert und es zum Kauf empfohlen - mit einem Kursziel von 180 Euro. Im Fall des Finanzdienstleisters AWD lieferte die Kaufempfehlung der Berenberg-Bank den entscheidenden Grund, zuzugreifen. Berenberg hatte die AWD-Aktie von "hold" auf "buy" hochgestuft.

Sixt hält Rekordkurs
Auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Autovermieter, Sixt, gab sich Konzernchef Erich Sixt kämpferisch. Er will Finanzinvestoren bei Übernahmeversuchen die Stirn bieten. Angriffe auf Sixt hätten keine Chance, sagte der Konzernchef und Hauptaktionär Erich Sixt am Dienstag in München. «Der Großaktionär lässt sich nicht kaufen.» Sixt will das Wachstum des Konzerns vor allem durch die Expansion im Ausland vorantreiben. Nach den ersten fünf Monaten sieht er den Konzern auf einem guten Kurs für ein weiteres Rekordjahr. Die im Sdax geführte Sixt-Aktie rutschte trotzdem zum Schluss ab.

Aus dem IPO-Tagebuch
Der Softwarehersteller Invision geht am 18. Juni in den Prime Standard. Die Aktien des Unternehmens werden zum Preis von 32 bis 38 Euro angeboten. Die Zeichnungsfrist läuft vom 13. bis 14. Juni.

Bereits am 15. Juni wird die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Technologie Beteiligungen AG (DeTeBe) im nur schwach regulierten Entry Standard notiert. Alle zum Festpreis von 4,40 Euro pro Aktie angebotenen Aktien des Unternehmens konnten platziert werden.

Euro gedeckelt
Die Unsicherheit über die Zinsentwicklung in den USA hat den Kurs des Euro am Dienstag an die Marke von 1,33 US-Dollar gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,3315 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,3345 Dollar festgesetzt. «Die Konjunkturdaten der Woche aus den USA werden das Bild einer Erholung der US-Wirtschaft bei gleichzeitig weiter bestehendem Inflationsdruck bestätigen», sagte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank. Vor diesem Hintergrund sei die US-Notenbank noch weit davon entfernt, den Leitzins in nächster Zeit zu senken. Darüber hinaus locke der kräftige Renditeanstieg bei den US-Staatsanleihen in den vergangenen Tagen vermehrt frisches Geld in Richtung USA. Dies stütze den Dollar. Am Abend hatte sich der Euro wieder etwas erholt: auf 1,3330 US-Dollar.

Dax-Chart realtime

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