Und noch ein Tag im Minus

Stand: 20.07.2010, 20:01 Uhr

Die enttäuschenden Bilanzen und trüben Ausblicke der amerikanischen Unternehmen und Banken machen es erneut deutlich: auch drei Jahre nach ihrem Ausbruch ist die Finanz- und Schuldenkrise noch immer nicht überwunden. Die Folge sind erneut sinkende Aktienkurse.

Wie bereits im elektronischen Handel verliert der Dax auch im Abendhandel gut 32 Punkte und schließt bei 5.986 Zählern, ein halbes Prozent tiefer als gestern. Damit konnte sich der Leitindex zwar von seinen größten Verlusten am Nachmittag auf 5.906 Punkte wieder erholen. Doch schließt das Börsenbarometer den vierten Tag in Folge mit Verlusten.

Die US-Börsen sind am Abend überraschend ins Plus gedreht. Der Dow Jones-Index legt bei Börsenschluss in Deutschland knapp 30 Punkte zu auf 10.183. Zuvor hatten enttäuschende Quartalsberichte die Börsen belastet. Die Geschäftszahlen wiesen darauf hin, dass die Konjunkturerholung gefährdet sei, sagte Peter Kenny von Knight Equity Markets. "Es macht sich die Meinung breit, dass wir vor einer sehr sehr schwachen zweiten Jahreshälfte stehen."

Auslöser für den Verkaufsdruck an den Märkten waren vor allem die enttäuschenden Zahlen von Goldman Sachs, der führenden Bank an der Wall Street und der bedeutendsten Investmentbank der Welt. Bis auf 5.906 Punkte rauschte der Dax zeitweise in die Tiefe, bevor er sich dann bis zum Börsenschluss wieder etwas erholte. "Die vorgelegten Zahlen werden den Risiko-Appetit der Investoren insgesamt dämpfen", prophezeite Peter Kenny, Managing Director des Brokerhauses Knight Equity Markets. Schließlich sei das Handelsergebnis der Bank stark zurückgegangen.

Euro leicht erholt
Der schwächelnde Aktienmarkt hat zeitweise auch den Euro in Mitleidenschaft gezogen. Die Währung fiel bis auf 1,284 Dollar, rund 1,5 Cent weniger als am Vormittag. Erst am späten Nachmittag zeigt der Kurs wieder leicht nach oben und der Euro notiert über der Marke von 1,29 Dollar..

Für leichte Beruhigung sorgten nach der Goldman-Bilanz die neuesten Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt - neben dem Finanzsektor die zweite Achillesferse der US-Wirtschaft. Tatsächlich sind die Baugenehmigungen im Juni um 2,1 Prozent auf 586.000 gestiegen und damit höher ausgefallen als erwartet. Die Zahl der Baubeginne fiel dagegen um 5,0 Prozent auf 549.000. Volkswirte hatten einen Wert von 580.000 erwartet.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,92
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+1,57%

Goldman ganz ohne Glanz
Goldman Sachs, die führende Investmentbank der Welt, hat im zweiten Quartal deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Ein schleppend laufendes Kapitalmarktgeschäft, die britische Bonussteuer und die Strafe der Börsenaufsicht SEC haben den Gewinn im zweiten Quartal auf unterm Strich 453 Millionen Dollar gedrückt. Vor einem Jahr hatte die profitabelste aller Wall-Street-Banken noch 2,7 Milliarden Dollar verdient. Die Aktie fällt um mehr als zwei Prozent. Auch die Titel der ebenfalls überwiegend im Investmentbanking tätigen Deutschen Bank geben nach, können ihre Verluste jedoch begrenzen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,82
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+0,96%

Daimler am Dax-Ende
Schwächster Wert im Dax ist die Aktie von Daimler. Gedrückt wird der Titel von einem negativen Analystenkommentar aus dem Hause Morgan Stanley. Bei Daimler habe die sehr gute Entwicklung von Mercedes den Höhepunkt erreicht, heißt es in der Studie. Der Markt beachte die Risiken durch ein vergleichsweise schwaches Kleinwagensortiment, eine schwindende Preisdynamik und die alternde S-Klasse nicht. Die Ergebnisse zum zweiten Quartal dürften den Höhepunkt markieren und zu einem letzten Anstieg der Markterwartungen für zwei Jahre führen.

Harley-Davidson dreht auf
Die amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson hat im zweiten Quartal trotz sinkender Verkäufe mehr verdient. Der Nettogewinn wurde mit 71,2 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Hauptgrund sind die Einnahmen aus der Finanzsparte. Für das laufende Jahr äußerte sich Harley-Davidson vorsichtig, dennoch steigt die Aktie kräftig an.

PepsiCo: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,73
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-0,46%

Johnson & Johnson enttäuschen
Auch der amerikanische Pharmakonzern hat für Enttäuschung gesorgt. Mit einem Gewinn je Aktie von 1,21 Dollar hat das Unternehmen zwar die Prognosen der Analysten getroffen, aber eine unerwartete Gewinnwarnung sorgt für Skepsis. Statt 4,80 bis 4,90 Dollar Gewinn je Aktie stellt das Unternehmen jetzt 4,65 bis 4,75 Dollar in Aussicht. Die Papiere verlieren mehr als zwei Prozent.

Pepsico gut gefüllt
Beim Snack- und Getränkekonzern PepsiCo hat die Übernahme zweier Getränkeabfüller den Gewinn im zweiten Quartal geschmälert. Die Kosten für die Integration der Firmen drückten den Überschuss um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,6 Milliarden Dollar. Dagegen stieg der Umsatz durch die Übernahmen deutlich um 40 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar. Die Aktie ist leicht im Minus.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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13,98
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+0,04%

Cable & Wireless stürzen ab
Der britische Telekombetreiber Cable & Wireless bekommt die Sparmaßnahmen der Regierung zu spüren und dürfte deshalb in diesem Jahr deutlich weniger verdienen als erwartet. Die Aktien des Telekommunikationskonzerns brechen ein. Im Schlepptau verlieren auch die Aktien der Deutschen Telekom.

Medigene: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,58
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+8,24%

Dialog auf Talfahrt
Der Kursrückgang der Aktie von Texas Instruments wegen enttäuschender Umsatzzahlen im zweiten Quartal setzt auch die Titel von Infineon und Dialog Semiconductor unter Druck. Dabei hat das deutsch-britische Unternehmen von April bis Juni seinen Umsatz um 52 Prozent auf 68,5 Millionen Dollar verbessern können. Der Gewinn stieg von 3,3 auf 11,2 Millionen Dollar. Im laufenden dritten Quartal sollen die Erlöse sogar 72 und 77 Millionen erreichen. Für Enttäuschung sorgte jedoch der Ausblick und die Aussicht auf mögliche Lieferengpässe.

Medigene kommt zu Geld
Das Biotech-Unternehmen Medigene ist einer der größten Gewinner im TecDax. Grund ist der Verkauf der Rechte am Krebsmedikament Eligard. Käufer ist der exklusiven Vermarktungs- und Vertriebsrechte ist der bisherige Vermarktungspartner Astellas Pharma Europe. Medigene erhält dafür eine Einmalzahlung in Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro. Zudem winkt eine Umsatzbeteiligung im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Morphosys träumt von Novartis
Stärkster Wert im TecDax ist aber die Aktie des Konkurrenten Morphosys. Das Unternehmen nährt die Hoffnung, dass sein Kooperationspartner Novartis ein Kaufangebot abgeben könnte. "Wenn eine Offerte kommt, müssen wir es bewerten", sagte Morphosys-Chef Simon Moroney der "Börsen-Zeitung". "Es ist aber nicht unser Ziel, von Novartis übernommen zu werden", ergänzte er.

Axel Springer ganz stark
Die im SDax notierten Aktien des Berliner Verlages Axel Springer klettern gegen den allgemeinen Trend um 2,4 Prozent. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal sein Betriebsergebnis (Ebitda) um 61 Prozent auf 162,3 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg im gleichen Zeitraum um 8,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Springer jetzt ein deutlich besseres Ergebnis als ursprünglich erwartet.

Fraport will noch höher hinaus
Auch der Flughafenbetreiber Fraport will die bisherige Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2010 übertreffen. "Wenn der Verkehr weiterhin so stark wächst wie bisher, könnte es mehr werden", sagte Vorstandschef Stefan Schulte dem Wirtschaftsmagazin "Euro". Die Aktie gibt dennoch leicht nach.

Nokia-Anleger feiern schon
Spekulationen über einen vorzeitigen Abgang des Nokia-Chefs Olli-Pekka Kallasvuo haben der in den letzten Monaten schwer gebeutelten Aktie des Handyherstellers neuen Schwung verliehen. "Da ist dieses Fünkchen Hoffnung, dass es Veränderungen geben wird, nicht nur personelle Veränderungen, sondern auch strategische", erläuterte ein Analyst die Hausse.

Alstria Office macht seine Hausaufgaben
Dem Büroimmobilienkonzern Alstria Office REIT ist es gelungen, den ursprünglich im November 2011 fällig werdenden Hauptkredit über 646 Millionen Euro zu refinanzieren. Ein neues Bankenkonsortium unter Führung der Unicredit stelle Kreditlinien über 630 Millionen Euro zur Verfügung. Die übrigen 16 Millionen bringt das Unternehmen selbst auf. Alstria fungiert als ein börsennotierter Immobilienfonds. Die Aktie reagiert kaum auf die Umfinanzierung.

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