Und noch ein Rücksetzer

Stand: 24.02.2011, 20:02 Uhr

Die Unruhen in Nordafrika haben den deutschen Aktienmarkt weiter unter Druck gebracht. Der Dax fiel teilweise unter die Schwelle von 7.100 Zähler und damit auf sein Niveau von Ende Januar.

Am Abend verliert der Leitindex 55 Punkte ab (0,77 Prozent) auf 7.112. Der wegen der Unruhen in Libyen kräftig gestiegene Ölpreis löse inzwischen Sorgen um eine Verteuerung der europäischen Industrieproduktion aus, sagte Marktanalyst André Saenger von IG Markets. Auch könne das Wirtschaftswachstum geringer ausfallen als erwartet, falls die Ölpreise weiter steigen.

Für eine leichte Entwarnung sorgen Überlegungen Saudi-Arabiens, die Ölexporte ausweiten zu wollen. Danach sank der Preis für das Nordsee-Öl Brent auf 113,40 Dollar pro Fass und liegt damit sechs Dollar unter seinem Zweieinhalb-Jahres-Hoch vom Vormittag.

Nur kurzfristig stützend wirkten die neuesten Statistiken vom US-Arbeitsmarkt. Dort ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend gesunken. Die Zahl sei auf 391.000 von revidiert 413.000 gefallen, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit 400.000 Anträgen gerechnet. Dagegen lag der Absatz von Eigenheimen unter den Erwartungen.

Die Wall Street kann anfangs ihre Verluste begrenzen. Am Abend verschlechtert sich aber die Stimmung und der Dow Jones-Index kommt ins Rutschen. Bei Börsenschluss in Frankfurt verliert der US-Leitindex 110 Punkte (0,92 Prozent) und fällt auf 11.995 Zähler. Der Faktor Angst bestimme heute die Kurse, kommentierte ein Börsianer mit Blick auf die Unruhen in der arabischen Welt.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,56
Differenz relativ
-0,34%

General Motors wieder mit Gewinn
Der US-Autokonzern General Motors hat erstmals seit 2004 wieder ein Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Der Überschuss habe bei 4,7 Milliarden Dollar gelegen, teilte die Opel-Mutter am Nachmittag mit. Im vierten Quartal habe sich das Geschäft etwas abgeschwächt. Der Gewinn habe bei 510 Millionen Dollar gelegen. Der Umsatz im abgelaufenen Vierteljahr habe bei 36,9 Milliarden Dollar gelegen. Die Aktie gibt dennoch nach, weil die deutsche Tochter Opel weiter hohe Verluste einfährt.

Dunkle Wolken über RWE
In Deutschland sorgt der Versorger RWE für Aufmerksamkeit. Das Unternehmen erwartet in den kommenden Jahren wegen des wachsenden politischen Drucks und eines sich verschärfenden Wettbewerbs einen drastischen Einbruch des Gewinns. Der bereinigte Überschuss wird den Prognosen zufolge bis 2013 bei zwei Milliarden Euro liegen, das wäre nur noch gut die Hälfte des Ergebnisses vom vergangenen Jahr. Erst danach sieht Konzernchef Jürgen Großmann wieder eine Aussicht auf Besserung. Kein Wunder, dass die Aktie heute auf Talfahrt geht und der mit Abstand größte Verlierer im Dax ist.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,34
Differenz relativ
+0,80%

Allianz enttäuscht
Auch die Aktien der Allianz gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Sie geben 2,7 Prozent nach. Dabei hat der Versicherer den Gewinn 2010 kräftiger gesteigert als erwartet. Den Aktionären will die Allianz deshalb eine um 40 Cent auf 4,50 Euro angehobene Dividende zahlen. Hier hatten die Experten aber mit etwas mehr gerechnet. Die Kursverluste der Allianz-Aktie sind aber auch dem negativen Markt geschuldet.

Henkel trotz höherer Dividende unter Druck
Auch Henkel erlebt einen schwarzen Börsentag: Die Titel verbilligen sich um mehr als drei Prozent. Dabei kletterte der Überschuss des Klebstoff-, Waschmittel- und Kosmetikherstellers Henkel im vergangenen Jahr um 82 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Die Gewinnausschüttung soll je Stamm- und Vorzugsaktie um mehr als ein Drittel steigen. Henkel sei im vierten Quartal allerdings hinter den Erwartungen zurück geblieben, kommentierten Händler.

BASF macht Hoffnung
Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehört die Aktie von BASF, nachdem sie am Morgen zunächst abgeben musste. Der weltgrößte Chemiekonzern hat im Schlussquartal einen Ergebnissprung verzeichnet und peilt auch für das laufende Jahr einen deutlichen Zuwachs bei Umsatz und Ergebnisse an.

VW und Porsche verschieben Fusion
Der geplante Zusammenschluss von Volkswagen und Porsche gerät ins Wanken. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die ehemalige Porsche-Führungsspitze - eine der größten Hürden auf dem Weg zu einer Fusion - würden ausgeweitet und nicht vor Jahresende abgeschlossen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Nach Angaben der beiden Autohersteller könnte das Vorhaben bei einer deutlichen Verzögerung des Ermittlungsverfahrens platzen. Die Anleger sind schockiert: die Volkswagen-Vorzugsaktie verliert 2,7 Prozent. Die Porsche-Titel stürzen sogar um mehr als zehn Prozent ab.

Sky braucht erneut Geld
Der Bezahlsender Sky Deutschland baut im Kampf um neue Abonnenten sein Sportangebot kräftig aus. Dafür bekommt das tief in den roten Zahlen steckende Dauersorgenkind im Medienimperium von Rupert Murdoch erneut Geld von seinem Großaktionär. Murdochs Konzern News Corporation wird dem Unternehmen mit einem Gesellschafterdarlehen rund 48 Millionen Euro bereitstellen. Damit will Sky einen eigenen 24-Stunden-Sportnachrichtenkanal aufbauen. Trotzdem stürzt die Aktie um knapp sieben Prozent und fällt wieder die Schwelle von drei Euro.

Celesio mit China-Fantasie
An der Spitze des MDax stehen dagegen die Celesio-Papiere. Sie legen gegen den Trend gut drei Prozent zu. Auslöser sind Meldungen, wonach der zweitgrößte chinesische Pharmakonzern, Shanghai Pharmaceutical, bei dem Pharmagroßhändler einsteigen will. Das heize die ohnehin regelmäßig wiederkehrenden Übernahmespekulationen erneut an, sagte ein Börsianer.

Adva-Ausblick verprellt die Anleger
Dagegen stürzen Adva-Anteile um mehr als sieben Prozent ab und sind das Schlusslicht im TecDax. Der Grund: Trotz des erwarteten Wachstums des Marktes für Glasfasernetze zeigte sich Adva zurückhaltend. Für das erste Quartal rechnet das Unternehmen aus Martinsried bei München mit einem Umsatz zwischen 70 und 75 Millionen Euro und einer operativen Marge von höchstens vier Prozent. Der Jahresbeginn sei durch Verzögerungen bei US-Konkunkturpaketen geprägt; die Netzbetreiber verschöben ihre Investitionen. Dieser Ausblick enttäuschte. Operativ will das Unternehmen im Gesamtjahr 2011 besser wirtschaften als letztes Jahr.

Morphosys heftig erwischt
Unter Druck geraten ist auch die ebenfalls im TecDax notierte Aktie der Biotechfirma Morphosys. Sie trennt sich nach 13 Jahren von ihrem Finanzchef Dave Lemus. Zudem ist das operative Ergebnis 2010 wegen höherer Forschungsausgaben um 16 Prozent auf 9,8 Millionen Euro zurückgegangen. Im laufenden Jahr rechnet die Firma mit einem Anstieg auf zehn bis 13 Millionen Euro.

Fuchs wird großzügig
Der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub aus dem MDax will die Dividende nach einem kräftigen Umsatz- und Gewinnplus im vergangenen Jahr deutlich erhöhen. Die Vorzugsaktionäre sollen mit 2,70 Euro je Anteil einen Euro mehr bekommen als zuletzt. Die Ausschüttung für die Stammaktie soll ebenfalls um einen Euro angehoben werden. Die Stammaktionäre sollen dann 2,64 Euro erhalten.

Fielmann belohnt Aktionäre
Nur wenig voran kommt die Aktie der Optikerkette Fielmann. Dabei sollen dessen Aktionäre eine um 40 Cent auf 2,40 Euro höhere Dividende erhalten. Das Unternehmen steigerte den Brillenabsatz im vergangenen Jahr um 100.000 Stück auf 6,5 Millionen. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 994 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss wuchs ebenfalls um vier Prozent auf 119 Millionen Euro.

Homag hat große Pläne
Die im SDax notierte und auf Maschinen für die Möbelindustrie spezialisierte Homag Group will wieder zur alten Ertragsstärke zurückkehren. "Wir wollen mit gezielten Maßnahmen für Wachstum und Ertrag mittelfristig wieder an das Niveau der Jahre 2007 und 2008 herankommen", sagte Vorstandschef Rolf Knoll. 2011 soll der Umsatz weiter steigen, das Ergebnis noch stärker zulegen. Bei den Anlegern kommt das gut an: Die Homag-Aktie legt knapp 1,8 Prozent zu.

SAF Holland und die Banken
Einen kleinen Freudensprung macht die Aktie des ebenfalls im SDax notierten LKW-Zulieferers SAF-Holland. Die Firma hat sich mit den Banken auf eine Anpassung des bestehenden Kreditvertrages über 316 Millionen Euro verständigt. Dazu gehört eine Reduzierung der Zinsmarge um 1,45 Prozent. Zudem verzichten die Banken auf die Möglichkeit einer Verwertung der Sicherheiten. SAF muss aber bis Oktober 2011 sein Kapital um mindestens 90 Millionen Euro erhöhen.

Bosch will Aleo Solar ganz
Die Aktie des Solarunternehmens schießt um mehr als 23 Prozent in die Höhe. Bosch will nämlich das Unternehmen komplett übernehmen und ist bereit, dafür 50 Millionen Euro zu zahlen. Bosch biete 22 Euro pro Aktie, das sei gut ein Viertel mehr als der Durchschnittspreis der vergangenen drei Monate, teilte das Unternehmen mit. Bei seinem Einstieg bei Aleo Solar im Jahr 2009 hatte Bosch nur neun Euro pro Aktie bezahlt. Die Stuttgarter hatten zuletzt ihren Anteil an dem Unternehmen mit Sitz im brandenburgischen Prenzlau von 70 auf jetzt 82 Prozent erhöht.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin