Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Detlev Landmesser

Stand: 02.01.2009, 20:19 Uhr

Es könnte ja sein, dass die Krise im neuen Jahr ihren Höhepunkt erreicht und darauf eine konjunkturelle Erholung folgt. In der vagen Hoffnung darauf bescherten die Anleger dem Aktienmarkt einen erfreulichen Jahresauftakt.

Die Kursbewegung, die den Dax sogar bis knapp unter die 5.000er-Marke führte, darf man allerdings nicht überbewerten. So verwiesen Händler auf sehr dünne Umsätze an diesem "Brückentag" sowie die starken Vorgaben von den US-Märkten.

Auch in Amerika dominiert die Hoffnung auf die große Wende. Gespannt warten die Investoren auf die Einzelheiten des Konjunkturprogramms, das der künftige US-Präsident Barack Obama am Montag mit Kongressmitgliedern besprechen will. Laut Medienberichten ist eine Summe von 675 Milliarden bis 775 Milliarden Dollar im Gespräch. Das Paket enthält vermutlich Investitionen in die Infrastruktur und Steuersenkungen.

Die schwachen Konjunkturdaten des Tages konnten damit erfolgreich ignoriert werden. Wie der Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager nahelegt, schrumpfte die US-Industrie im Dezember so stark wie seit 28 Jahren nicht mehr. Der ISM-Index fiel von 36,2 im November auf aktuell 32,4 Punkte. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 35,5 Punkte gerechnet. Erst ein Wert über 50 Punkten würde wieder auf ein Wachstum hindeuten.

Auch der deutsche Einkaufsmanagerindex brach im Dezember ein: Mit 32,7 nach 35,7 Punkten notierte er so tief wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996. Nicht viel besser sah es in der Eurozone insgesamt aus. Dem Euro machte die Sorge um die europäische Konjunktur zu schaffen: Die Gemeinschaftswährung begann das Jahr mit einem Schwächeanfall, der sie bis zum Abend um fast zwei US-Cent auf 1,3840 Dollar drückte.

Krisengewinner Siemens?

Über fünf Prozent gewann das Dax-Schwergewicht Siemens. Vorstandschef Peter Löscher zählt seinen Konzern vor allem wegen der erwarteten Investitionen in die Infrastruktur zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise. Zudem ergäben sich Chancen für Zukäufe, sagte Löscher der "Börsen-Zeitung".

Henkel verspricht stabile Dividende
Noch besser schnitt die Vorzugsaktie von Henkel ab. Der Finanzvorstand des Konsumgüterkonzerns kündigte an, auch 2009 an seiner Dividendenpolitik festzuhalten. "In Jahren, die etwas schwieriger waren, haben wir den Prozentsatz bei der Auszahlung sogar etwas erhöht. Dividendenkontinuität ist uns wichtig", sagte Henkel Finanzvorstand Lothar Steinebach dem Magazin "Euro am Sonntag". Für das 2008 wolle Henkel wie bislang mindestens 25 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten. Firmenzukäufe schloss Steinebach für das laufende Jahr definitiv aus.

Finanzchef verlässt Deutsche Post
Einzige Verlierer im Dax waren die Aktien der Post und der Postbank. Post-Finanzvorstand John Allan wird den Konzern zur Jahresmitte auf eigenen Wunsch verlassen und in Ruhestand gehen. Seine Nachfolge ist noch offen. Das sei ein negatives Zeichen, sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Allan sei für die Restrukturierung der Post und die Prognosen verantwortlich gewesen.

Wechsel im MDax und SDax
Nach der fast kompletten Übernahme von Altana durch die Milliardärin Susanne Klatten muss der Spezialchemiekonzern am 6. Januar den MDax verlassen. Nach Angaben der Deutschen Börse ist der Streubesitzanteil unter die Grenze von zehn Prozent gesunken. Die Aktie erfüllt damit nicht mehr die Voraussetzungen für einen Verbleib im Index. Profiteur dieses so genannten Fast Exit ist die Aktie der Optikerkette Fielmann, die aus dem SDax in den MDax aufsteigt. Den frei werdenden SDax-Platz übernimmt der Ingenieursdienstleister Bertrandt.

EADS hält Wort
Die EADS-Aktie gehörte zu den gefragtesten Titeln im MDax. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern hat im vergangenen Jahr auch das zwölfte Flugzeug vom Typ A380 ausgeliefert. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass das gesenkte Auslieferungsziel für 2008 nicht erreicht wird.

Schaeffler reicht Conti-Aktien weiter
Die Continental-Aktie wurde von einer Anteilsmeldung angetrieben. Sal. Oppenheim meldete einen Anteil an dem Reifenhersteller von 5,48 Prozent. Später bestätigte die Schaeffler-Gruppe, dass sie Conti-Aktien an die Kölner Privatbank weitergereicht hat. Ob diese Position ein Handelsbestand oder eine strategische Beteiligung sein soll, sagte ein Sprecher der Bank nicht. Nach früheren Medienberichten will Schaeffler die bei dem Übernahmeangebot zu viel eingesammelten Aktien an die Privatbanken Metzler und Sal. Oppenheim weiterreichen. Insgesamt hatte Schaeffler Zugriff auf gut 90 Prozent der Conti-Anteile. Da sich Schaeffler aber verpflichtet hat, in den kommenden vier Jahren nicht mehr als 49,99 Prozent an Conti zu halten, soll der Rest der Aktien bei Banken geparkt oder ein Investor gefunden werden.

Freenet-Fantasie hält an
Im TecDax legte die Freenet-Aktie überdurchschnittlich zu. Grund war das Gerüchtm dass Großaktionär United Internet 7,35 Euro für die restlichen Freenet-Anteile bieten wolle. Gegen eine Komplettübernahme spreche aber die Schuldenlast von Feenet und die Mobilfunksparte, für die UI keine direkte Verwendung habe, schränkten Händler ein.

Repower-Übernehmer beschafft sich Geld
Auch die Repower-Aktie war gefragt. Der indische Windkraftanlagenbauer Suzlon hat eine Beteiligung am belgischen Turbinengetriebe-Hersteller Hansen verkauft. Das Kapital dürfte Suzlon für die geplante Aufstockung seines Anteils am Hamburger Windkraftanlagenbauer Repower verwenden.

Schmack erhält frisches Kapital
Der Biogashersteller Schmack hat durch eine Kapitalerhöhung insgesamt 6,3 Millionen Euro eingenommen. Gut zwei Millionen Aktien wurden für je 3,07 Euro gezeichnet.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr