Marktbericht 20:02 Uhr

Dax auch am Freitag im Rückwärtsgang Und dann auch noch die Allianz

Stand: 26.09.2014, 20:02 Uhr

Nach den Verlusten in der Vortagen kann sich der Dax am Freitag zunächst stabilisieren, dreht am Mittag sogar ins Plus. Doch dann trübt eine Hiobsbotschaft aus einem großen Versicherungskonzern die Stimmung wieder ein.

Der Dax sinkt zum Wochenschluss um weitere 0,20 Prozent auf 9.490,55 Punkte. Damit summiert sich der Verlust in der abgelaufenen Woche auf 3,15 Prozent. Dass der Leitindex am Freitag unter der psychologisch wichtigen Schwelle von 9.500 Punkten aus dem Handel geht, ist vor allem dem Einbruch der Allianz-Aktie geschuldet.

Sie verliert mehr als sechs Prozent, nachdem der legendäre Fondsmanager Bill Gross überraschend seinen Wechsel zu Janus Capital bekannt gegeben hat. Die Meldung kostet die Allianz bis zu 4,3 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung - was in etwa dem gesamten Börsenwert von K+S entspricht. Wegen des Gewichts der Allianz-Aktie im Dax (etwa 7,8 Prozent) muss der Leitindex am Nachmittag seine Tagesgewinne abgeben und dreht ins Minus.

Leichte Erholung in New York

Am Vormittag war das Börsenbarometer wegen enttäuschender Konjunkturmeldungen sogar bis auf 9.454 Punkte abgerutscht, kämpfte sich anschließend aber wieder nach oben und kletterte bis auf 9.545 Zähler, seinen Tageshöchststand.

Deutlich besser sieht es an der Wall Street aus. Nach den Verlusten am Donnerstag eröffnet der Dow Jones-Index am Freitag im Plus, gestützt von den Kurszuwächsen des Sportartikelherstellers Nike. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend weitet der Dow seine Tagesgewinne auf 0,55 Prozent aus und notiert wieder über der Marke von 17.000 Punkten. Keine neuen Impulse brachte die dritte und endgültige Schätzung des US-BIP im zweiten Quartal. Danach ist die Wirtschaftsleistung des Landes wie erwartet um 4,6 Prozent gestiegen.

Damit dauert die Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Märkte an. Als Begründung für die Nervosität der Anleger erwähnen Experten die fast schon traditionelle Anspannung in den meist schwachen Monaten September und Oktober. Konkret fürchten sich aber auch imnmer mehr Anleger vor den Folgen einer sich eintrübenden Konjunktur in der Eurozone. Immer mehr Branchen wie zuletzt die LKW-Bauer oder die Chemiefirmen, sprechen von rückläufigen Aufträgen und sinkenden Umsätzen in den Sommermonaten.

Null-Wachstum in der Eurozone

Tatsächlich ist das Wachstum in der Eurozone in den Sommermonaten zum Erliegen gekommen, auch weil Deutschland als Zugpferd mehr und mehr an Dynamik verliert. Nach dem Ifo-Stimmungsbarometer hat sich jetzt auch die Konsumstimmung hierzulande abgekühlt. Das vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Konsumklima für Oktober fiel um 0,3 auf 8,3 Punkte. Das war der tiefste Stand seit Februar.

Schon warnen Analysten, die Börsenampeln könnten definitiv auf rot springen, wenn die Unternehmensergebnisse im dritten Quartal negativ ausfallen oder sich Gewinnwarnungen häufen sollten. Fondsmanager Stefan Riße erwartet gar eine Rückkehr der Eurokrise und einen Rückgang des Dax bis auf 8.600 Punkte. Gefährlich werde es an der Börse immer dann, wenn die Kurse ohne wichtige Nachrichten oder Ereignisse plötzlich ins Rutschen kämen, wie in dieser Woche geschehen.

Euro stürzt unter 1,27 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist nach den neuesten BIP-Zahlen aus den USA unter die Schwelle von von 1,27 Dollar gefallen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,2691 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs noch auf 1,2732 (Donnerstag: 1,2712) Dollar festgesetzt.

Allianz brechen ein

Größter Verlierer im Dax sind die Allianz-Aktien, weil Bill Gross die US-Vermögensverwaltungstochter Pimco verlassen will und zum Konkurrenten Janus wechselt. Dagegen schießen die Aktien des Vermögensverwalters Janus Capital, dem neuen Arbeitgeber von Gross, in New York um 33 Prozent nach oben. Beide Kursreaktionen seien übertrieben, kommentierte ein Marktbeobachter die Entwicklung der Papiere.

Nike sprintet Adidas davon

Der weltgrößte Sportartikelhersteller hat Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal überaschend kräftig gesteigert. Speziell das Europageschäft lief überdurchschnittlich. Die Nike-Aktie steigt kräftig, Adidas verliert. Offenbar hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nike endgültig der stärkere ist.

Infineon und Continental holen wieder auf

Dagegen können die Verlierer dieser Woche wieder etwas zulegen. Dazu zählen die Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon, die seit Wochenanfang fast sieben Prozent verloren haben. "Unterstützt wird die Erholung durch die guten Zahlen des US-Chipkonzerns Micron Technology, die die Stimmung im Tech-Sektor heben", sagte ein Händler. Auch der Autozulieferer Conti kann einen Teil seiner Verluste wettmachen.

Kuka auf Einkaufstour

Im MDax macht der Roboterbauer Kuka auf sich aufmerksam. Die Augsburger Firma will das Logistikunternehmen Swisslog für umgerechnet rund 280 Millionen Euro kaufen. Kuka bietet 1,35 Schweizer Franken je Swisslog-Aktie. Der Verwaltungsrat von Swisslog empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Zur Finanzierung des Gebots will Kuka neben bereits vorhandenen Mitteln auch das Kapital um rund 80 Millionen Euro erhöhen. Das gefällt den Aktionären nicht so gut.

Aixtron weiter auf Höhenflug

Im TecDax setzen die Aktien des Spezialmaschinenherstellers Aixtron ihren Höhenflug fort. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat den Wert nach einem Großauftrag aus China von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 11,50 auf 14,40 Euro angehoben. Der Auftrag für 50 sogenannte MOCVD-Anlagen einer neuen Generation dürfte ein Wendepunkt für die Aktie sein, hieß es zur Begründung.

2G Energy ist sehr gefragt

Kräftig aufwärts geht es auch mit den Aktien des Blockheizkraftwerke-Anbieters 2G Energy. Der hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 25 Prozent auf 52,2 Millionen Euro verbessert, der Vorsteuerverlust hat sich auf 0,5 Millionen Euro, von zuvor 2,1 Millionen Euro, verringert. Weil das Geschäft mit Blockheizkraftwerken sehr gut läuft, hat das Unternehmen seine Jahresprognose angehoben. Demnach rechnet 2G Energy mit einem Umsatz von über 165 Millionen Euro nach bisher 145 bis 165 Millionen.

Rocket kommt früher

Der Startup-Entwickler Rocket Internet zieht seinen Börsengang vor. Der Handelsstart sei nun für den 2. Oktober geplant, teilte das Berliner Unternehmen am Freitag mit. Die Platzierung der Aktien bei Investoren werde vorzeitig abgeschlossen. Ursprünglich wollte Rocket Internet am 9. Oktober an die Börse gehen.

TLG geht an die Börse

Das ostdeutsche Immobilienunternehmen TLG plant im vierten Quartal an die Börse zu gehen. Der Emissionserlös aus der Kapitalerhöhung von rund 100 Millionen Euro will das Unternehmen für die Finanzierung des künftigen Wachstums verwenden.

Apple versucht zu besänftigen

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Apple hat nach den Update-Problemen mit dem Betriebssystem iOS 8 am Freitagmorgen eine neue Version der Software veröffentlicht. iOS 8.0.2 soll nun die betroffenen iPhones besser funktionieren lassen. Die Apple-Aktie verlor während des regulären Handels an der Nasdaq fast vier Prozent.

Blackberry tiefrot

Der mit Absatzproblemen kämpfende Smartphone-Pionier Blackberry ist wegen einer Abschreibung tief in die roten Zahlen gerutscht. Im den Ende August abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal gab es einen Verlust von 207 Millionen Dollar, wie das kanadische Unternehmen am Freitag mitteilte. In den drei Monaten davor hatte Blackberry überraschend noch einen kleinen Gewinn von 23 Millionen Dollar verbucht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr