Marktbericht 20:02 Uhr

Dax im Minus Ukraine-Krise zerrt an den Nerven

Stand: 28.08.2014, 20:02 Uhr

Der Dax ist auf seinem Erholungskurs erneut über die Ukraine-Kirse gestolpert. Aus Furcht vor einer weiteren Eskalation haben die Anleger am Donnerstag Gewinne mitgenommen. Die Lage bleibt unübersichtlich.

Meldungen über eine angebliche Invasion Russlands in der Ukraine haben den Dax am Mittag in die Knie gezwungen. Der deutsche Leitindex verlor gut 150 Punkte und sank bis auf 9.417 Zähler ab. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte aber nicht von einer Invasion gesprochen, sondern erklärt, russische Truppen seien in die Ukraine gebracht worden. "Zwischen 'Invasion' und 'gebracht worden' besteht ja schon ein Unterschied", fasste ein Händler zusammen.

Aber die Furcht vor einer erneuten Eskalation des Konflikts und den damit verbundenen Sanktionen gegen Russland hat ausgereicht, um den Anlegern kräftig die Laune zu verderben. Am Ende geht der Dax bei 9.462 Zählern aus dem Handel, 1,12 Prozent oder 107 Punkte weniger als am Mittwoch.

Dass der Leitindex sich am Nachmittag leicht erholen konnte statt noch weiter zu sinken, ist auch den starken Konjunkturdaten aus den USA zu verdanken. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um annualisiert 4,2 Prozent gewachsen, und damit stärker als von den Volkswirten erwartet. Die hatten nur mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent gerechnet.

Nur leichtes Minus an der Wall Street

Laut Handelsministerium gabe es besonders starke Zuwächse bei den langlebigen Gütern mit einem Plus von 14,3 Prozent, bei den Ausrüstungsinvestitionen von 10,7 Prozent und bei den privaten Investitionen von 17,5 Prozent. Zudem sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosigkeit unter der Schwelle von 300.000 geblieben.

Entsprechend besonnener reagieren die Anleger in New York, obwohl auch dort die Ukraine-Krise auf die Stimmung drückt. Der Dow Jones-Index eröffnet zunächst deutlich im Minus, kann seine Verluste in weiteren Verlauf aber reduzieren. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow noch 0,2 Prozent tiefer bei 17.087 Punkten.

Inflationsrate im Blick

Mit Spannung erwartet wurde am Donnerstag auch die neuesten Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschalnd. Mit 0,8 Prozent bleib die Teuerungsrate im August aber unverändert. Auch im Juli waren die Preise annualisiert um 0,8 Prozent gestiegen - und damit deutlich weniger als die von der EZB angestrebte Inflation von zwei Prozent.

An den Märkten wird seit Tagen darüber spekuliert, dass die Notenbank in Frankfurt im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation die Wirtschaft über Wertpapierkäufe ankurbeln könnte. Am Freitag wird nun die Teuerungsrate für die Eurozone veröffentlicht. Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerung in der Euro-Zone im August nur noch bei 0,3 Prozent und damit klar unter der Zielmarke von knapp zwei Prozent liegt. Damit könnten erneut Spekulationen auf eine baldige Intervention der Notenbank aufkommen - und die Kurse an den Aktienmärkten wieder antreiben.

Euro unter 1,32 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1218
Differenz relativ
-0,87%

Der angebliche Einmarsch russischer Soldaten in der Ukraine hat den Eurokurs am Donnerstag wieder unter die Schwelle von 1,32 Dollar gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung notiert bei Börsenschluss bei 1,3174 Dollar. Im Vormittagshandel war der Euro noch auf 1,3221 Dollar gestiegen. Wegen der Hoffnung auf neue Geldspritzen der EZB war der Euro in den letzten zeitweise auf 1,3140 Dollar gesunken. Die heutige Abschwächung bestätigt also lediglich den Trend hin zu einer Abschwächung der Gemeinschaftswährung.

Lufthansa droht doch Streik

Bei den Einzelwerten ist die Lufthansa-Aktie der schwächste Wert, nachdem die Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft gescheitert sind. Demnach sollen alle Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings am Freitag zwischen 6.00 und 12.00 Uhr an allen deutschen Flughäfen bestreikt werden.

Auch Adidas unter Commerzbank geben ab

Überdurchschnittliche Verluste verbuchen auch die Aktien von Adidas und der Commerzbank. Dabei wäre besonders der Sportartikelhersteller von einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Russland, einem seiner größten Abnehmerländer, direkt betroffen.

RTL schwächelt weiter

Im MDax bleibt die RTL-Aktie unter Druck. Exane-Analyst Adrien de Saint Hilaire senkte seine Einstufung der RTL Group auf "Underperform" und kürzte das Kursziel um neun auf 71 Euro. Damit sieht er nach dem jüngsten Kurseinbruch der Medientitel weiteres Rückschlagsrisiko von rund fünf Prozent. Attraktive Dividendenaussichten reichten angesichts schwachen Gewinnwachstums und einer echt hohen Bewertung nicht für eine überdurchschnittliche Kursentwicklung aus, so der Experte.

Evotec im Rückwärtsgang

Im TecDax halten die Evotec-Papiere die rote Laterne. Sie müssen ihre gestrigen Kursgewinne wieder abgeben. Tags zuvor hatten Übernahmespekulationen den Biotechtitel um über acht Prozent nach oben getrieben. "Als Interessenten wurden GlaxoSmithKline und Johnson & Johnson genannt, die sich angeblich einen Schlagabtausch um Evotec liefern sollen", sagte ein Börsianer.

Drägerwerk stark nachgefragt

Dagegen gehören die profitieren die Papiere von Drägerwerk von einer Heraufstufung durch die Berenberg-Bank. Deren Analyst empfielt das Papier zum Kauf, hat das Kursziel aber von 85 auf 83 Euro gesenkt. Das Gewinnpotenzial des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers werde vom Kurs nicht ausreichend widergespiegelt, schrieb Analyst Scott Bardo. Bardo senkte nach dem Gewinneinbruch im zweiten Quartal und der Senkung des Unternehmensausblicks zwar seine Schätzungen, blickt aber optimistisch in die Zukunft.

Catoil wieder auf Tauchstation

Die Aktie des stark in Russland engagierten Ölfeldausrüsters Catoil ist nach den Meldungen über einen Einmarsch russischer Soldaten in der Ukraine heftig unter Druck geraten und an das SDax-Ende gerutscht. Am Morgen hatte das Unternehmen wiedrholt, trotz der politischen Krise und westlicher Sanktionen an seinen Wachstumszielen für das Gesamtjahr festzuhalten.

Stratec könnte offensiv werden

Der Labor- und Biotechzulieferer Stratec Biomedical aus dem TecDax schaut sich nach Übernahmen um. Die derzeitige Eigenkapitalquote von 80 Prozent sei in dieser Höhe nicht dauerhaft notwendig, sagte Stratec-Chef Marcus Wolfinger der "Börsen-Zeitung". Stratec könne 2014 eine operative Rendite (Ebit-Marge) von 15,5 bis 16 Prozent erreichen, konkretisierte Wolfinger die Prognose. Die Investoren sind inspiriert.

Youniq macht Verluste

Youniq, ein Anbieter für Studentisches Wohnen, hat nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr die Unternehmensprognosen erreicht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im fortzuführenden Geschäftsbereich im ersten Halbjahr bei minus 1,8 Millionen Euro, nach minus 13,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Konzernverlust betrug 3,8 Millionen Euro.

KKR hat WMF fast ganz

Der Finanzinvestor KKR übernimmt den Küchengerätehersteller WMF ganz. Ein von KKR vorgelegtes Erwerbsangebot für WMF-Vorzugsaktien sei erfolgreich gewesen, teilte der Investor mit. Zusammen mit dem zweiten WMF-Großaktionär, dem Finanzinvestor FIBA, werde eine Beteiligungsquote von etwa 90,3 Prozent erreicht. KKR beabsichtigt nun, die übrigen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen, um die WMF-Aktie von der Börse nehmen zu können.

Pernod Ricard spürt Rückgang in China

Dem französischen Spirituosenkonzern Pernod Ricard setzen Rückgänge in China zu. Das operative Ergebnis brach im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 (Ende Juni) um acht Prozent auf 2,06 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich blieben mit gut einer Milliarde Euro 14 Prozent weniger übrig als ein Jahr zuvor. Der Umsatz gab um sieben Prozent auf 7,95 Milliarden Euro nach. ie heftigsten Rückgänge verzeichnete der Hersteller von Absolut Vodka, Chivas Regal-Whisky oder Havana Club-Rum.

ICBC spürt schwächere Konjunktur

Das langsamere Wirtschaftswachstum in China hinterlässt Spuren in der Bilanz der größten börsennotierten Bank des Landes. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) gab am Donnerstag für das zweite Quartal zwar einen Gewinnanstieg um sieben Prozent auf umgerechnet rund 9,2 Milliarden Euro bekannt. Dies war allerdings der geringste Zuwachs in einem Frühjahr seit fünf Jahren. 2013 war der Reingewinn im zweiten Quartal noch um 12,5 Prozent gestiegen. Zudem habe sich die Zahl fauler Kredite in den drei Monaten bis Ende Juni erhöht.

Ergebniseinbruch bei Bouygues

Der harte Wettbewerb auf Frankreichs Mobilfunkmarkt hat tiefe Spuren in der Halbjahresbilanz des Mischkonzerns Bouygues hinterlassen. Das operative Ergebnis brach wegen Verlusten in der Telekomsparte um 61 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 134 Millionen Euro ein. Dass sich der Überschuss trotzdem auf 410 Millionen Euro mehr als verdoppelte, verdankt der Medien-, Telekom- und Baukonzern vor allem Verkäufen von Beteiligungen, die zu Buchgewinnen führten.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr