Marktbericht 20:10 Uhr

Dax schließt klar im Minus Ukraine-Krise erreicht die Börsen

Stand: 27.02.2014, 20:10 Uhr

Die Entwicklung in der Ukraine und die Drohgebärden aus Moskau haben den Anlegern am Donnerstag die Faschingslaune verdorben. Der Dax ging auf Tauchstation. Fed-Präsidentin Janet Yellen beruhigte dann aber die Gemüter.

Die mächtigste Frau der Welt dämpfte Spekulationen auf ein schnelles Ende der billigen Geldflut. Eine konjunkturstimulierende Geldpolitik sei noch für eine geraume Zeit angemessen, versicherte Yellen bei ihrem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Irgendwann im Herbst werde die Notenbank die Konjunkturspritzen einstellen, sagte sie.

US-Industrie bekommt mehr Aufträge

Sollte die wirtschaftliche Erholung allerdings langsamer als gedacht ausfallen, könnte die Fed beim Drosseln der Anleihenkäufe noch umsteuern, betonte Yellen. Danach sieht es zurzeit nicht aus. Die neuesten Auftragsdaten aus den USA zeigen, dass die schlechte Witterung keine Bremsspuren hinterlassen hat. Die Bestellungen von langlebigen Gütern stiegen im Januar überraschend um rund ein Prozent, wenn man den schwankungsanfälligen Verkehrsbereich ausklammert. Dagegen wurde die Erholung am Arbeitsmarkt gedämpft. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen unerwartet auf 348.000. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Wall Street lindert Dax-Verluste

Die Äußerungen Yellens und die Auftragsdaten gaben der Wall Street einen kleinen Schub. Der Dow drehte ins Plus und notierte zwei Stunden vor Handelsende 0,4 Prozent höher. Das sorgte für Entlastung an den europäischen Aktienmärkten. Der EuroStoxx50 dämmte seine Verluste ein und schloss 0,4 Prozent tiefer. Der Cac40 machte seine Verluste wett, und der Londoner FTSE-100-Index drehte gar in die Gewinnzone. Der Dax reduzierte seine Verluste auf minus 0,7 Prozent und schloss bei knapp unter 9.600 Punkten. Am Mittag hatte es noch deutlich düsterer ausgesehen. Der deutsche Leitindex war zeitweise unter die Marke von 9.500 Zählern gekracht.

Angst vor Eskalation in der Ukraine

Die Sorgen um die Entwicklung in der Ukraine und der Halbinsel Krim trübten die Stimmung an den Börsen. Russlands Leitindex RTS sackte um über drei Prozent ab. Moskau hat auf der Krim Kampfflugzeuge in Alarmbereitschaft versetzt und angekündigt, die russischen Landsleute in der Ukraine zu schützen. Der zunehmende Druck Russlands auf die Ukraine fordert auch die USA heraus und droht die beiden Supermächte in eine Konfrontation zu treiben.

Nervosität steigt

"Die ganze Situation ist sehr heikel, nicht nur was die Politik und eine mögliche russische Invasion, sondern auch was das Engagement einiger europäischer Banken und Unternehmen in der Ukraine angeht", erklärte Markus Huber vom Handelshaus Peregrine & Black. Die Verunsicherung der Investoren spiegelt sich in den Volatilitätsindizes wider. Der VStoxx und der VDax, die die Nervosität der Anleger messen, zogen um jeweils mehr als zehn Prozent an.

Ukrainische Währung im freien Fall

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die ukrainische Währung Griwna verlor zum US-Dollar zeitweise mehr als neun Prozent an Wert. Viele Bürger in dem krisengeschüttelten Land zogen Geld von ihren Bankkonten ab und horteten Lebensmittel. Unter Druck standen auch der Rubel und andere osteuropäische Währungen. Der Euro dagegen konnte sich nach den Äußerungen Yellens zur anhaltend lockerten Geldpolitik in den USA erholen undübersprang wieder die Marke von 1,37 Dollar.

Lanxess: Erst hü, jetzt hott

Im Dax gab es nur eine Handvoll Gewinner. Am stärksten konnte Lanxess zulegen mit einem Plus von 1,5 Prozent. Die Papiere des Spezialchemiekonzerns erholten sich von dem gestrigen Kursrutsch nach der verkündeten Verlustwarnung. Auch Eon, Merck, Conti und die Commerzbank behaupteten sich im Plus.

Ernüchternder Allianz-Ausblick

Dagegen konnte die Allianz die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die Aktien rutschten um über zwei Prozent ab und waren Schlusslicht im Dax. "Einigen Anlegern stößt das operative Ergebnis und die Mittelabflüsse der Vermögensverwaltung sauer auf", sagte ein Börsianer. Vor allem der Ausblick enttäuschte. Der Vermögensverwalter Pimco werde 2014 nur noch ein Viertel zum operativen Ergebnis beisteuern. Da half es auch nicht, dass die Allianz nach die Dividende von 4,50 auf 5,30 Euro je Aktie anheben will.

Milliardenverlust bei RWE?

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gerüchte um einen Milliardenverlust bei RWE machten am Abend die Runde. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise meldete, habe der Versorger im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von knapp drei Milliarden Euro erlitten. Im Späthandel geriet die Aktie unter Druck. Am kommenden Dienstag enthüllt RWE seine Bilanz.

Digitalgeschgäft treibt ProSiebenSat.1 an

Zu den größten Gewinnern im MDax zählte ProSiebenSat.1 mit einem Plus von 1,6 Prozent. Der TV-Konzern hat in Aussicht gestellt, dass er 2014 an die gute Entwicklung aus dem Vorjahr anknüpfen werde. 2013 verbuchte ProSieben einen Umsatz- und Gewinnrekord dank guter Geschäfte im Digitalbereich.  

Hochtief macht Spanier glücklich

Positiv wurden auch die Zahlen von Hochtief aufgenommen. Die Aktie stieg um fast vier Prozent und war MDax-Spitzenreiter. Der Baukonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr vom Verkauf von Unternehmensteilen profitiert. Der Gewinn stieg um zehn Prozent auf 171 Millionen Euro. Davon profitiert auch die spanische Konzernmutter ACS: Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes hebt die Dividende um 50 Cent auf 1,50 Euro je Aktie an.

Fielmann-Gewinne sprudeln weiter

Leicht im Minus schloss die Fielmann-Aktie. Die Optikerkette verkaufte im vergangenen Jahr 3,5 Prozent mehr Brillen. Der Jahresüberschuss kletterte 2013 um acht Prozent auf 140 Millionen Euro. Fielmann hebt die Dividende von 2,70 auf 2,90 Euro je Aktie an.

Finanzchef von TAG geht

Unter Druck war die Aktie von TAG Immobilien mit einem Minus von über zwei Prozent. Der Immobilienkonzern tauscht seinen Finanzchef aus. Georg Griesemann wird zum 1. April von Martin Thiel abgelöst. An den Zahlen zum vergangenen Jahr kann das eigentlich nicht liegen. Das operative Ergebnis stieg um gut 70 Prozent auf rund 68 Millionen Euro.

Tipp24 schüttet das Füllhorn aus

Aus dem SDax ragte Tipp24 mit einem Plus von über drei Prozent heraus. Das Lottounternehmen will seine Aktionäre mit einer Sonderdividende von 7,50 Euro je Aktie beglücken. Ab 2015 sollten die Aktionäre dann regelmäßig eine Dividende von mindestens 1,50 Euro je Aktie erhalten. Im vergangenen Jahr hat Tipp24 seine zuvor gesenkten Prognosen übertroffen: Der Umsatz lag bei 130 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 19,1 Millionen Euro.

Gute Ernte von Baywa

Der Agrarkonzern Baywa hat 2013 von Zukäufen im Getreide- und Obsthandel profitiert. Der Umsatz kletterte um mehr als die Hälfte auf rund 16 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis stieg um 37 Prozent auf 168 Millionen Euro. Baywa hebt außerdem seine Dividende an - von 65 auf 75 Cent je Aktie. Der Kurs von Baywa schloss etwas höher.

Vossloh kürzt die Dividende

Dagegen streicht der Bahntechnik-Konzern Vossloh seine Dividende zusammen. Weil der Gewinn um 75 Prozent auf 15 Millionen Euro einbrach, sollen die Aktionäre nur noch 50 Cent je Aktie erhalten. Im Vorjahr hatte es noch zwei Euro je Titel gegeben. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Aktie sackte im späten Handel um knapp zwei Prozent ab. Zu Xetra-Schluss lag sie noch im Plus.

Alstria bleibt auf Wachstumskurs

Solide Zahlen lieferte am Abend indes Alstra Office. Dank des Kaufs weiterer Immobilien erhöhte sich der Umsatz um knapp drei Prozent auf 104,2 Millionen Euro. Die maßgebliche operative Gewinngröße FFO (Fubnds from Operations) stieg um vier Prozent auf 45,3 Millionen Euro. Die Dividende soll unverändert bei 0,50 Euro je Aktie liegen.

Gewinneinbruch bei MLP

Die Aktie des Finanzmaklers MLP konnte sein Minus deutlich eindämmen und ging 0,5 Prozent tiefer aus dem Xetra-Handel. Im vergangenen Jahr hielten sich Kunden bei Altersvorsorge-Verträgen und Krankenversicherungen sehr zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 55 Prozent auf 32,8 Millionen ein. Der Umsatz sank um mehr als zehn Prozent. "Die Marktbelastungen waren deutlich größer, als zu erwarten war", meinte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg.

Freenet expandiert

Aus dem TecDax meldete am Abend Freenet seine Jahreszahlen. Der Telekom-Anbieter profitierte von Zukäufen. Der Umsatz erhöhte sich leicht auf 3,19 Milliarden Euro. Der Gewinn zog gar um über ein Drittel auf 239 Millionen Euro an - dank geringerer Abschreibungen. Die Aktie reagierte kaum auf die Zahlen.

Telefonica leidet unter Währungsturbulenzen

Beim spanischen Telekommunikationskonzern hat sich der rasante Währungsverfall in Südamerika bemerkbar gemacht. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz um fast neun Prozent auf 57 Milliarden Euro. Das Ergebnis war ebenfalls rückläufig. 2014 soll die Trendwende gelingen. Das ließ die Anleger kalt, die Aktie gab deutlich nach.

GDF macht reinen Tisch

Der französische Strom- und Gaskonzern GDF Suez hat 2013 einen riesigen Verlust geschrieben. Durch Abschreibungen auf Kraftwerke und Energiespeicher häufte der Konzern ein Minus von 9,3 Milliarden an. GDF will dennoch eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie zahlen. Die Anleger zollten Beifall: die Aktie gewann knapp sechs Prozent.

Veolia leidet unter Abfall-Flaute

Auch der französische Wasserversorger und Abfallverwerter Veolia Environnement rutschte in die roten Zahlen. Unterm Strich gab es 2013 einen Verlust von 135 Millionen Euro. Ein Grund dafpür waren Abschreibungen auf das Deutschland-Gerschäft. Der Umsatz schrumpfte um vier Prozent - wegen der Konjunkturflaute in Europa. Die öffentliche Hand spart an Investoitionen im Umwelktschutz. Für 2014 versprach Veolia wieder Wachstum. Die Aktie zog um sieben Prozent an.

RBS ganz tief im Schlamassel

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hat im vergangenen Jahr die höchsten Verluste seit der Finanzkrise angehäuft. Das Minus lag unter dem Strich bei rund 9 Milliarden Pfund. Das sind fast elf Milliarden Euro. Die nun vorgelegten Zahlen fielen noch schlimmer aus als Analysten befürchtet hatten. In Zukunft will man noch stärker sparen.

JC Penney wird gefeiert

An der Wall Street verbuchten die Aktien des Einzelhändlers JC Penney den größten Tagesgewinn seit über drei Jahrzehnten. Die Titel schossen um 25 Prozent in die Höhe. Der US-Enzelhändler gab einen optimistischen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.

nb

Tagestermine am Freitag, 16. November

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen, 07:00 Uhr
Aumann: Q3-Zahlen, 08:30 Uhr
VW: Auslieferungen 10/18, 11:00 Uhr
VW: Pressegespräch zur Investitionsplanung, 12:30 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Index der Großhandelspreise 10/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 10/18, 11:00 Uhr
USA: Industrieproduktion 10/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 10/18, 15:15 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: EZB-Präsident Mario Draghi spricht auf dem "European Banking Congresss", 9:15 Uhr