Marktbericht 20:02

Trotz überzeugender Quartalszahlen Ukraine-Angst vermiest Anlegern die Stimmung

Stand: 24.04.2014, 20:02 Uhr

Apple und Facebook geht es glänzend, die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich aufgehellt und Amerikas Wirtschaft nimmt immer mehr Fahrt auf: gute Voraussetzungen also für steigende Aktienkurse. Wäre da nicht die Ukraine-Krise.

Meldungen über ein groß angelegtes Militärmanöver Russlands an der Grenze zur Ukraine haben den Anlegern Angst und Bange gemacht und den Dax am Donnerstagnachmittag auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex gibt seine Tagesgewinne vollständig ab und rutscht bis auf 9.410 Punkte in die Tiefe.

Zwar geht es anschließend ebenso rasch wieder bergauf, doch die zuvor erreichten Gewinne sind dahin. Der Dax schließt nahezu unverändert bei 9.548,68 Zählern, gerade einmal 4,49 Punkte höher als am Mittwoch.

Zuvor hatte die unerwartet gute Laune in der deutschen Wirtschaft für Überraschung gesorgt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat April ist um 0,5 Zähler auf jetzt 111,2 Punkte gestiegen. Volkswirte wurden davon auf dem falschen Fuß erwischt, hatten sie doch mit einem leichten Rückgang des Konjunkturbarometers gerechnet.

Auch in den USA kommt die Wirtschaft immer mehr in Schwung. Im März sind die Auftragseingänge für langlebige Güter um 2,6 Prozent gestiegen. Analysten hatten mit einem Zuwachs von 2,0 Prozent gerechnet.

Dennoch überlagert die Sorge vor einer Eskalation in der Ukraine auch an der Wall Street die Freude über die meist guten Quartalszahlen der großen Konzerne. Der Dow Jones-Index bleibt zwar von der Panikattacke der europäischen Anleger verschont. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow dann doch 0,1 Prozent im Minus bei 16.478 Punkten. Unter den 30 Dow-Konzernen enttäuschten 3M und Verizon mit ihren Geschäftsberichten, Caterpillar überraschte.

Euro robust über 1,38

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1619
Differenz relativ
-0,34%

Der Euro kann sich ebenfalls von seinem Schwächeanfall am Nachmittag erholen und notiert wieder bei 1,3831 Dollar und damit auf dem Niveau vom Vorabend.

Apple und Facebook punkten

Befeuert wurden die Aktienmärkte bereits am Morgen von den starken Zahlen von Facebook und Apple. Der iPhone-Hersteller Apple hat im ersten Quartal überraschend die Zahl seiner iPhone-Verkäufe im ersten Quartal auf 43,7 Millionen gesteigert. Der Gewinn kletterte um sieben Prozent auf 10,2 Milliarden Dollar. Und das Internet-Netzwerk Facebook steigerte seinen Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar, der Gewinn verdreifachte sich auf netto 642 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger gerechnet.

GM enttäuscht, Caterpillar über Erwartungen

Neben den Elektronikriesen haben auch die klassischen Industriegiganten wie General Motors und Caterpillar im ersten Quartal etwas besser abgeschnitten als erwartet. Der Gewinn von GM sank allerdings auf 108 Millionen Dollar. Die Aktie gibt nach. Punkten kann dagegen der Baumaschinenhersteller Caterpillar. Er hat nach guten Geschäften seine Gewinnprognose für 2014 auf 6,10 Dollar pro Aktie angehoben. Beim Umsatz werden 56 Milliarden Dollar angepeilt.

UPS enttäuscht und schwächt Deutsche Post

Für Entäuschung sorgt dagegen der US-Paketdienst UPS. Der Gewinn je Aktie ging im ersten Quartal auf 0,98 Dollar zurück. Analysten hatten dagegen mit 1,08 Dollar gerechnet. Die Aktie der ebenfalls im Paketdienst stark vertretenen Deutschen Post hat daraufhin ihre Tagesgewinne etwas reduziert.

Potash beflügelt K+S

Zu den stärksten Werten im Dax gehören die Aktien von K+S. Grund sind die überraschend starken Zahlen des kanadischen Rivalen Potash. Der Konzern übertraf mit dem bereinigten Ergebnis je Aktie (EPS) im ersten Quartal die Konsensschätzungen und erhöhte das untere Ende der EPS-Zielspanne für das Gesamtjahr.

Fantasie in Telekom-Branche

Auch die T-Aktie kann überdurchschnittlich zulegen. In der Branche sorgt das Übernahmeangebot des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim für die Telekom Austria für Furore. Slim, der bereits 27 Prozent an dem Unternehmen hält, bietet 7,15 Euro je Telekom-Austria-Aktie. Auf diesem Niveau und damit acht Prozent im Plus notiert der Titel derzeit auch.

Deutsche Bank unter Druck

Aktien des deutschen Branchenprimus laufen schlechter als der Gesamtmarkt. Laut der "Financial Times" drängen einige Großinvestoren darauf, dass die Bank eine Kapitalerhöhung vornimmt, um ihre Kapitaldecke zu verbessern. Eine solche Maßnahme hatte das Institut zuletzt von sich gewiesen.

QSC setzt Erholung fort

Im TecDax setzen die QSC-Aktien ihre jüngste Erholung mit einem Plus von 6,7 Prozent fort und sind damit der stärkste Wert in dem Index. Seit ihrem Rücksetzer in der ersten April-Hälfte haben sich die Aktien des Telekommunikations-Dienstleister damit um mehr als 14 Prozent erholt.

Comdirect handelt sich in Gewinnzone

Dank eifriger Handelsgeschäfte ihrer Kundschaft hat die Comdirect im abgelaufenen Quartal mit 24,1 Millionen Euro zwei Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Experten hatten dagegen mit einem klaren Gewinnrückgang gerechnet. Der Provisionsüberschuss stieg von 46 auf 51,6 Millionen Euro.

Zooplus mit üppigen Umsätzen

Ins Minus gerutscht ist dagegen die Aktie des Online-Tierbedarfs-Händlers Zooplus, ebenfalls im SDax. Das Unternehmen hat im ersten Quartal seine Gesamtleistung (Umsatz und sonstige Erträge) um 30 Prozent auf 126,1 Millionen Euro gesteigert. Zur Gewinnsituation machte das Unternehmen am Donnerstag keine Angaben.

Amadeus Fire profitiert

Kräftig aufwärts geht es auch mit der im SDax notierten Aktie von Amadeus Fire. Der Zeitarbeits-Spezialist profitiert vom konjunkturellen Aufschwung und hat im ersten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand Umsätze über 150 Millionen Euro und eine Gewinnsteigerung an. Die Aktie gewinnt zwei Prozent.

Alstom im Visier von GE

Nur wenige Tage nach Berichten über einen geplanten 100-Milliarden-Dollar-Deal in der Pharmabranche hat das Übernahmefieber nun die Bahn- und Elektrobranche erfasst. Diesmal buhlt General Electric (GE) laut der Nachrichtenagentur Bloomberg um den französischen Rivalen Alstom. Dessen Aktien machen einen Sprung um gut 14 Prozent. Das sorgte für den höchsten Kurs seit Anfang November vergangenen Jahres. Der US-Mischkonzern will für den Hersteller von Zügen und Energietechnik mehr als 13 Milliarden Dollar zahlen. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

Großkonzerne aus Europa liefern Zahlen

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis erreichte beim Umsatz, der bei 14 Milliarden Franken stagnierte, nicht die Markterwartungen. Der Reingewinn konnte von 2,4 auf 3,0 Milliarden Franken gesteigert werden. Dies lag über den Erwartungen.

Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca musste dagegen wegen harter Konkurrenz einen Gewinnrückgang um 16 Prozent auf 504 Millionen Dollar hinnehmen. Die Umsätze stagnierten bei 6,4 Milliarden Dollar im Quartal.

Die hohe Nachfrage nach Dove-Duschgels und Knorr-Suppen hat dem niederländischen Konsumgüter-Konzern Unilever ein Umsatzplus von 3,6 Prozent im ersten Quartal ermöglicht.

Zynga auf absteigendem Ast

Eine dicke Enttäuschung lieferte der Online-Spiele-Entwickler Zynga. Hier sackte der Umsatz um 36 Prozent auf 168 Millionen Dollar ab, nach einem Gewinn im Vorjahresquartal lag der Verlust nun bei 61,2 Millionen Euro.

Erfolg für Epigenomics

Um fast 11 Prozent in die Höhe schießt die Aktie des deutsch-amerikanischen Krebsdiagnostik-Unternehmens Epigenomics. Das im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Unternehmen eine umfangreiche klinische Studie zur Validierung von Epigenomics' blutbasiertem Septin9-Test zur Früherkennung von Darmkrebs abgeschlossen. Das Ziel der Studie ist die Marktzulassung von Epi proColon(R) in China.

Die Vita 34 AG, ein Spezialist für die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und -gewebe und Spezialist für Kryokonservierung, hat im ersten Quartal ihre Erträge auf 3,5 Millionen Euro nach 3,3 Millionen im Vorjahreszeitraum gesteigert. Gleichzeitig konnte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Berichtszeitraum auf 0,6 Millionen Euro verdoppelt werden.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr