Marktbericht 20:05

Dax muss Federn lassen Ukraine-Ängste bestimmen die Börse

Stand: 25.04.2014, 20:05 Uhr

Vor dem Wochenende haben sich die Anleger zurückgezogen und ihre Positionen glattgestellt. Denn der Ausgang der Krise in der Ukraine hängt weiter wie ein Damoklesschwert über der Börse. Da hilft auch keine Unternehmens-Zahlenflut aus Amerika.

Am Ende musste der deutsche Leitindex Dax kräftig Federn lassen. In einem nervösen Handelsverlauf kam es vor allem im späten Geschäft zu weiteren Glattstellungen, so dass am Ende ein Tagesverlust von 1,54 Prozent auf 9.401 Punkte an der Anzeigetafel stand. Im Tief war es sogar bis auf 9.367 Punkte bergab gegangen, das Tageshoch lag gut 140 Punkte höher bei 9.501 Zählern. Im Späthandel tat sich wenig, der L/E-Dax schloss etwas besser bei 9.415 Punkten.

Der Dax verzeichnet damit ein bescheidenes Wochenminus von 0,1 Prozent. Was sich harmlos anhört, war es aber nicht war. Denn die Anleger haben starke Nerven gebraucht in der abgelaufenen Woche. Es gab zum Teil heftige Schwankungen im Leitindex, der zwischenzeitlich über 9.600 Punkte und damit in Reichweite der Rekordstände gestiegen war.

Als Fazit der Woche kann gesagt werden, dass der Aktienmarkt im Spannungfeld guter Konjunkturdaten und der anhaltenden politischen Krise in der Ukraine gefangen bleibt. Keine einfache Ausgangslage, wenn mit dem Beginn der kommenden Woche auch bei uns die Berichtssaison kräftig Fahrt aufnimmt.

Die Rhetorik macht Angst

Auch zahlreiche Unternehmensberichte aus Amerika traten heute in den Hintergrund. Immerhin hatten mit Microsoft, Amazon, Visa und Starbucks vier wichtige US-Unternehmen am Vorabend nach Börsenschluss ihre Bücher geöffnet. Am Ende aber stand alles im Zeichen der unklaren Lage in der Ukraine, wo sich die Kämpfe im Osten des Landes ausweiten. Die Regierung in Kiew wirft Russland sogar vor, einen dritten Weltkrieg anzetteln zu wollen.

"Die Rhetorik der Beteiligten deutet weiterhin keinesfalls auf eine Entspannung der Lage hin", heißt es bei der Essener National-Bank. Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black befürchtet, dass sich der Konflikt zumindest zwischenzeitlich noch verschärfen könnte.

New York ebenfalls auf Tauchstation

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch in New York fühlen sich die Anleger offensichtlich immer unwohler, obwohl die Berichtssaison in Amerika diese Woche einen vorläufigen Höhepunkt erreicht und die Börsianer reichlich mit neuem Zahlenfutter versorgt hat.

Der Dow-Jones-Index verharrt im Minus und tendiert aktuell knapp 0,9 Prozent leichter. An der Technologiebörse Nasdaq geht es deutlicher bergab, der Composite-Index verliert rund 1,5 Prozent. Die Konjunkturdaten fielen gemischt aus. Schwächeren Einkaufsmanagerdaten aus dem Dienstleistungsbereich stand ein leicht höheres Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im April gegenüber.

Am Rentenmarkt profitierten Bundeswertpapiere als sicherer Hafen von den politischen Wirren. Die Umlaufrendite börsennotierter Papiere fiel von 1,30 auf 1,28 Prozent. Der Bund-Future legt 0,4 Prozent zu. Auch Gold war gefragt, wenn auch nur moderat. Der Kurs für die Feinunze stieg um knapp 0,8 Prozent auf etwas über 1.300 Dollar.

Euro stabil über 1,38 Dollar, Rubel unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Während der Euro sich bei aktuell 1,3837 Dollar stabil präsentiert, geriet die russische Landeswährung mehr und mehr unter Druck. Ein Dollar notierte schon bei 36,01 Rubel nach 35,76 Rubel am Vortrag. Dem Absturz sowie schwachen Inflationsdaten versuchte sich die Notenbank mit einer Zinserhöhung um 0,5 Prozent auf 7,5 Prozent entgegenzustellen. Zuvor hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsnote des Landes gesenkt.

Tagesverlierer Lufthansa

Gewinner gab es keine im Dax, alle 30 Werte schlossen im Minus. Wie immer bei geopolitischen Spannungen litt mit der Lufthansa die einzige Fluglinie im Index besonders. Die Aktie war Tagesverlierer mit einem Abschlag von gut vier Prozent.

Auch Banken waren nicht gefragt. Die Vorstandsspitze der Deutschen Bank denkt dabei laut dem "Handelsblatt" über eine Kapitalerhöhung im Laufe des Jahres nach, die ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro haben könnte. "Solange keine Fakten auf dem Tisch liegen, wird sich die Aktie weiter unterdurchschnittlich entwickeln", meinte ein Marktbeobachter. Am besten hielten sich K+S, die nur minimal 0,1 Prozent abgaben.

Conti traut sich mehr zu

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat seine Prognose für das laufende Jahr leicht angehoben. Der Aktie half das aber nicht, sie gehörte zu den schwächsten Werten im Dax und strand zwischenzeitlich auch am Indexende.

VW-Angebot für Scania ausgelaufen

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Heute ist das Angebot des Wolfsburger Konzerns an die freien Aktionäre des schwedischen Lastwagenbauers ausgelaufen. VW bietet 200 Schwedische Kronen je Aktie und will dabei mindestens 90 Prozent der Anteillsscheine erwerben. Ob das gelingt bleibt offen, zuletzt hatten sich 5,8 Prozent der Anteilseigner gegen die Offerte ausgesprochen. Volkswagen, das bereits die Mehrheit an Scania hält, will das Unternehmen mittelfristig von der Börse nehmen, um die konzerninterne Allianz mit der Lkw-Tochter MAN und der Marke VW Nutzfahrzeuge auf Trab zu bringen und so mindestens 850 Millionen Euro an Synergien zu heben.

VW legt am 29. April seine Bilanz für das erste Quartal vor, spätestens dann dürften die Aktionäre erfahren wollen, ob der Deal gelungen ist. VW-Vorzüge verloren heute mit dem Dax rund 1,5 Prozent.

Bechtle mit Schwung ins neue Jahr

Der IT-Dienstleister Bechtle ist gut ins Jahr 2014 gestartet. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 586 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern kletterte um 45 Prozent auf über 20 Millionen Euro. Die Aktie drehte nach Veröffentlichung der Zahlen ins Plus und schloss 1,6 Prozent besser. Damit gehörte sie zu den größten Gewinnern im TecDax.

Impreglon auf Kurs

Der Hersteller von Oberflächenbeschichten Impreglon hat im ersten Quartal so gut wie nie zuvor abgeschnitten. Der Umsatz wuchs von 28,8 auf 33,6 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie stieg von 4 auf 20 Cent. Die Impreglon-Aktie stieg kräftig.

Bijou Brigitte leidet

Die Modeschmuck-Kette Bijou Brigitte hat im ersten Quartal wegen schwacher Geschäfte in Südeuropa und eines späten Ostergeschäfts einen Rückgang beim Umsatz von 73,3 auf 69,3 Millionen Euro hinnehmen müssen. Vor Steuern stand ein Verlust von 1,4 Millionen. Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang.

Alstom vor Übernahme?

Aktien des französischen Siemens-Rivalen Alstom waren heute vom Handel ausgesetzt worden. Der Schritt wurde nach Angaben der Pariser Börse auf Anordnung der Börsenaufsicht durchgeführt. Angeblich will die Führungsspitze des Konzerns über ein mögliches Übernahmeangebot des amerikanischen Konkurrenten General Electric (GE) beraten.

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hat derweil seine "patriotische Besorgnis" über eine Übernahmen zum Ausdruck gebracht. Frankreichs Regierung ist gegen einen Einstieg ausländischer Investoren. Insider berichten darüber, dass die beiden Kontrahenten in den nächsten Tagen eine Einigung über den Verkauf der Energiesparte bekannt geben werden. Danach unterstützt Hauptaktionär Bouyges das von Alstom selbst angestoßene Vorhaben.

Ford unter Erwartungen

Der Autobauer hat wegen höherer Rückstellungen für Garantien im ersten Quartal deutlich weniger verdient und die Erwartungen der Analysten verfehlt. Je Aktie lag das Ergebnis bei 0,25 Dollar, erwartet worden waren 0,31 Dollar. Die Aktie verliert aktuell gut drei Prozent.

Gewinneinbruch bei KPN

Der niederländische Mutterkonzern des hierzulande bekannten Mobilfunkanbieters E-Plus hat im ersten Quartal nur noch drei Millionen Euro verdient, ein Einbruch um 98 Prozent. Der Konzern sprach von einem harten Wettbewerbsumfeld, hält aber am Jahresziel fest.

KPN hofft, dass der rund 8,5 Milliarden Euro schwere geplante Verkauf von E-Plus an die spanische Telefonica bald von der EU-Kommission durchgewunken wird. Diese hat aber Bedenken, denn Telefonica ist auch die Muttergesellschaft von O2. Beide Gesellschaften hätten mehr Kunden als die Telekom und Vodafone, die beiden anderen Hauptanbieter auf dem deutschen Markt.

Telekom Austria und Carlos Slim sind sich einig

Wie die österreichische Staatsholding ÖIAG am Abend nach Börsenschluss erklärte, sind sich die Austria Telekom und der mexikanische Investor Carlos Slim mit seiner America Movil näher gekommen. Sie haben einen Syndikatsvertrag abgeschlossen mit dem Ziel, eine gemeinsame Unternehmenspolitik zu führen. Um die Einigung hatte es im Wochenverlauf immer wieder Verwirrung gegeben, vor allem Arbeitnehmervertreter hatten Bedenken angemeldet.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"