Überwiegend heiter

Detlev Landmesser

Stand: 17.06.2008, 20:17 Uhr

Ölpreis, Konjunktur, Banken - diese drei Faktoren beherrschten die Tagestendenz am Dienstag. Am deutschen Markt blieb diese bis zum Schluss freundlich.

Während die US-Börsen nach positivem Start am Abend leicht im Minus notierten, ging der L-Dax 0,8 Prozent höher mit 6.798,32 Punkten aus dem Handel. Am führen Nachmittag hatte der Xetra-Dax schon um bis zu 1,9 Prozent höher notiert.

Zum einen hatte die Entspannung am Ölmarkt die Kurse beflügelt. Der Ölpreis für die richtungsweisende US-Sorte WTI zur Lieferung im Juli fiel nach seinem gestrigen Rekordstand von 139,89 Dollar auf Notierungen unter 134 Dollar zurück. Am Abend lag die Notiz bei 133,40 Dollar.

Zudem lieferte Goldman Sachs am frühen Nachmittag wie gewünscht: Mit 4,58 Dollar pro Aktie verdiente die größte US-Investmentbank im zweiten Quartal deutlich mehr als erwartet, was die deutschen Bankaktien weiter beflügelte. Die Aktie der Deutschen Bank etwa legte zeitweise um 3,6 Prozent zu. Dazu kamen die anhaltenden Fusionsspekulationen in der heimischen Branche.

US-Produktion sinkt

Im Verlauf drückten dann aber die per Saldo schwachen US-Konjunkturdaten auf die Stimmung. Die Industrieproduktion sank im Mai um 0,2 Prozent zum Vormonat. Volkswirte hatten mit minus 0,1 Prozent gerechnet. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai mit 1,4 Prozent zum Vormonat unerwartet kräftig. Das war der stärkste Anstieg seit November 2007. Volkswirte hatten mit 1,2 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich kletterten die Erzeugerpreise um 7,2 Prozent. Zudem weitete sich das Defizit in der US-Leistungsbilanz im ersten Quartal trotz des schwachen Dollars überraschend deutlich aus. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel dagegen im Mai weniger stark als befürchtet.

Der deutsche Markt hatte am Vormittag den schwachen ZEW-Indikator noch gut weggesteckt. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sank im Juni unerwartet deutlich auf minus 52,4 Punkte, elf Zähler weniger als noch im Mai. Volkswirte hatten mit nur leichten Eintrübung auf minus 43,5 Punkte gerechnet. Damit liegen die Konjunkturerwartungen weiter unter ihrem historischen Mittelwert von 29,2 Punkten.

Autos ziehen den Dax
Besonders gefragt waren die Autotitel. Die Aktie von Volkswagen überflügelte die Daimler-Aktie, die nach Bekanntgabe eines neuen Aktienrückkaufprogramms ebenfalls stark gefragt war. Neben dem positiven Einfluss von Daimler auf die Stimmung im Sektor treibe insbesondere der deutliche Rücksetzer des Ölpreises die Kurse, sagte ein Händler.

Deutsche Börse kauft sich selbst
Am Nachmittag sprang auch die Deutsche-Börse-Aktie an. Der Börsenbetreiber kündigte an, sein Aktienrückkaufprogramm zum 1. Juli wieder aufzunehmen. Bis Ende des Jahres will der Konzern eigene Aktien für bis zu 400 Millionen Euro zurückkaufen. Derzeit hält die Deutsche Börse knapp 3,1 Millionen Stück eigene Aktien und damit 1,6 Prozent des Grundkapitals.

Metro sieht Silberstreif bei Real
Die Metro-Aktie fiel nach anfänglichen Kursgewinnen zurück. Der Einzelhandelsriese kommt mit der Sanierung der Supermarktkette Real voran. "Es gibt deutlich mehr Anzeichen, dass wir den Turnaround schaffen, als dass wir ihn nicht schaffen", sagte Metro-Finanzvorstand Thomas Unger der "Börsen-Zeitung". Ein Durchbruch sei zwar noch nicht geschafft, aber man sei auf einem guten Weg. Unger bekräftigte zudem die Absicht des Konzerns, sich von Kaufhof zu trennen. Konkrete Verkaufsgespräche gebe es aber noch immer nicht.

ProSieben-Chef geht zum Jahresende
Im MDax reagierte die Aktie von ProSiebenSat.1 nur kurz positiv auf eine Änderung im Vorstand, und fiel dann ans Indexende zurück. Konzernchef Guillaume de Posch verlässt zum 31. Dezember das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Angaben zur Nachfolge machte ProSiebenSat.1 nicht, teilte jedoch mit, das Andreas Bartl mit sofortiger Wirkung in den Vorstand berufen werde. "Der Wechsel an der Führungsspitze ist an sich ein ein positives Signal", sagte ein Marktteilnehmer mit Blick auf die zuletzt unbefriedigende Geschäftsentwicklung. Dass es noch keinen Nachfolger gebe, stoße allerdings sauer auf.

Deutz will produktiver werden
Der neue Deutz-Chef Helmut Leube will die Produktivität des Motorenherstellers steigern. "Wenn man die Prozesse mit denen in der Autoindustrie vergleicht, gibt es hier undda noch Einsparpotenzial", sagte Leube. Nach dem Vorbild Toyotas will der frühere BMW-Manager Materialaufwand und Vorratshaltung reduzieren sowie die Abläufe optimieren. Dadurch erhofft er sich Produktivitätssteigerungen von fünf bis zehn Prozent im Jahr. Der MDax-Titel gewann 2,5 Prozent an Wert.

Rhön-Klinikum bekräftigt Jahresziele
Die Aktie von Rhön-Klinikum rückte um 1,8 Prozent vor. Der Klinikbetreiber hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt. "Für 2008 peilen wir Umsatzerlöse von rund 2,1 Milliarden Euro und einen Konzerngewinn von 123 Millionen Euro an, ungeachtet eines erwarteten leicht negativen Deckungsbeitrages durch Warburg", sagte Vorstandschef Wolfgang Pföhler auf der Hauptversammlung.

US-Fantasie für Solon
Mit über elf Prozent Plus fiel die Solon-Aktie im TecDax auf. Der Solartitel profitierte weiter von dem Einstieg beim neu gegründeten US-Unternehmen SpectraWatt. Bereits gestern hatte der Solarmodul-Hersteller die Beteiligung in Höhe von rund 16 Prozent bekannt gegeben. Son fasse weiter Fuß in dem vielversprechenden US-Markt, meinten die Analysten von Sal. Oppenheim.

Dürr stärkt sein Eigenkapital
Am Nachmittag meldete Dürr den erfolgreichen Abschluss seiner Kapitalerhöhung. Der Anlagenbauer hat sich rund 44 Millionen Euro frisches Kapital besorgt und will damit seine Bilanz auf Vordermann bringen. "Wir erwarten eine Höherstufung beim Rating und gehen von einer Steigerung des Ergebnisses je Aktie aus", sagte ein Unternehmenssprecher. Im Geschäftsjahr 2010 könne das Ergebnis je Aktie um rund fünf Prozent höher ausfallen.

Escada-Aktie holt Verluste auf
Die Aktie von Escada konnte ihre zeitweise heftigen Kursverluste im Tagesverlauf egalisieren. Der größte deutsche Damenmode-Konzern bestätigte seine Geschäftsziele. Dazu kam die Nachricht, es werde weiter mit dem Tchibo-Erben Michael Herz über einen Einstieg verhandelt. Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, Escada müsse seine Ergebnisprognose möglicherweise erneut senken. Zurzeit prüfe der Vorstand, ob die aktuelle Prognose weiter Bestand habe, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Erst im April hatte Escada die Erwartungen nach unten korrigiert.

Air Berlin setzt Sturzflug fort
Trotz der Ölpreis-Entspannung setzte die Aktie von Air Berlin nach anfänglichen Kursgewinnen ihren Abstieg fort. Am Morgen hatte auch die Aussicht auf ein Programm zur Verbesserung der Ertragslage den SDax-Titel gestützt. Anlässlich der Ende Mai veröffentlichten Quartalszahlen hatte Air Berlin angekündigt, den steigenden Kosten möglicherweise auch mit der Streichung mehrerer Langstrecken entgegenzuwirken.

Übernahmeangebot für Computerlinks
Die Aktie von Computerlinks sprang um mehr als ein Drittel in die Höhe. Barclays Private Capital will den deutschen IT-Großhändler übernehmen. Der zur britischen Barclays Bank gehörende Finanzinvestor biete 15,50 Euro je Aktie, teilte der Computerlinks-Vorstand am Morgen mit. Dies entspreche einer Prämie auf den Schlusskurs vom Montag in Höhe von 38,9 Prozent. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 75 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat von Computerlinks begrüßten die Offerte prinzipiell.

Stühlerücken bei Francotyp
Am Tag vor seiner Hauptversammlung gab Francotyp das Ausscheiden zweier Vorstände, darunter Finanzvorstand Hans-Christian Hiemenz, zum Ende des Monats bekannt. Der neue Finanzvorstand werde so bald wie möglich bekannt gegeben, teilte der Hersteller von Frankiermaschinen mit. Der andere Vorstandsposten werde nicht neu besetzt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)