Typisch Börse...

Detlev Landmesser

Stand: 19.03.2009, 20:29 Uhr

Am Donnerstag boten die Aktienmärkte ein typisches Schauspiel: Der Begeisterung für die kühnen Taten der Fed folgte die Verunsicherung, was diese Taten denn bedeuten. Die Wall Street driftete ins Minus.

Der Xetra-Dax rettete immerhin ein Plus von 1,2 Prozent aus dem Handel, hatte aber zwischenzeitlich bereits um 3,5 Prozent zugelegt. Der L-Dax schloss mit 4.034,68 Punkten immer noch deutlich über der runden Marke.

Gestern Abend hatte die US-Notenbank die Aktien- und Rentenmärkte mit ihrer Ankündigung haussieren lassen, mehr als 1.000 Milliarden Dollar zusätzlich in den Wirtschaftskreislauf pumpen zu wollen. Erstmals in der Geschichte beschlossen die Notenbanker, dabei auch langlaufende US-Staatsanleihen zu kaufen.

Aber was bedeutet das unerwartet aggressive Maßnahmenbündel der Fed? Sehen die Notenbanker vielleicht klarer als andere Ökonomen, wie dramatisch es um die amerikanische Wirtschaft steht? Und wird die zu erwartende heftige Inflation infolge der gigantischen Geldmengenausweitung beherrschbar sein? Solche Sorgen setzten die Wall Street jedenfalls bis zum Abend unter Druck. Der Euro profitierte dagegen weiter und überschritt zeitweise sogar die Marke von 1,37 Dollar.

Milliarden für US-Zulieferer

Auch die US-Regierung kam mit einer neuen Rettungstat um die Ecke: Mit fünf Milliarden Dollar will sie den angeschlagenen Auto-Zulieferern unter die Arme greifen. Die Firmen sollen staatliche Garantien erhalten, dass ausgelieferte Produkte auch bezahlt werden. Die Aktien einzelner Zulieferer schossen daraufhin kräftig nach oben - ihre deutschen Branchenkollegen zeigten sich davon ungerührt.

Konjunkturdaten besser als befürchtet
Die aktuellen Daten von der US-Konjunktur waren zwar nicht berauschend, aber durch die Bank besser - oder besser weniger schlecht - als erwartet. Sowohl der wichtige Index der Frühindikatoren als auch der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia lagen mit minus 0,4 beziehungsweise minus 35 Punkten über den Erwartungen. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel mit 646.000 niedriger als befürchtet aus.

Ölpreis feiert Comeback
Die Pläne der Fed und daraus folgende Konjunkturhoffnungen ließen den Ölpreis erstmals seit fast vier Monaten wieder über 50 Dollar steigen. Der Preis für leichtes US-Öl notierte am Abend in New York bei 51,40 Dollar pro Barrel.

Citigroup fährt Achterbahn
Auffälligster Titel im Dow Jones war die Citigroup, die vorübergehend um rund ein Viertel nach oben schoss, um dann ins Minus abzutauchen. Das am Tropf der Regierung hängende Institut will seine Aktionäre um die Erlaubnis bitten, in einem umgekehrten Aktiensplit zwei bis 30 Titel zusammenzufassen. Die Zusammenlegung ist im Rahmen des Einstiegs der US-Regierung geplant, die bis zu 36 Prozent an dem Konzern übernehmen wird.

Deutsche Bank im Aufwind
Wenn die Fed den Banken mit den Schrottpapieren ihre derzeit größte Sorge nimmt, kann das nicht schlecht für deren Aktien sein: Entsprechend gut waren auch die deutschen Finanztitel aufgelegt. Mit Kursen von zeitweise über 30 Euro machte vor allem die Deutsche Bank von sich reden. Der Dax-Titel hat zudem im Bereich von 27,50 Euro einen wichtigen charttechnischen Widerstand überwunden.

ThyssenKrupp enttäuscht Analysten
Die ThyssenKrupp-Aktie war der mit Abstand schwächste Dax-Wert. Der Mischkonzern erwartet für das zweite Quartal im Geschäftsjahr 2008/09 Verluste. Analysten rechneten bisher im Schnitt mit einem Gewinn. Nur wenn sich die wirtschaftliche Situation im zweiten Halbjahr verbessere, sei für das gesamte Geschäftsjahr 2008/09 ein positives operatives Ergebnis zu erwarten, teilte der Konzern mit. Außerdem kündigte ThyssenKrupp an, seine bislang fünf Sparten zu drei zusammenzufassen.

Fedex treibt Deutsche Post
Nach anfänglicher Irritation konnte die Post-Aktie von den Zahlen des US-Paketdiensts Fedex profitieren. Der Deutsche-Post-Rivale fuhr im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 75 Prozent ein. Zugleich habe Fedex aber in allen Transport-Segmenten Marktanteile hinzugewonnen, teilte der Konzern mit und kündigte zugleich Stellenstreichungen an. An der Wall Street kamen diese Aussagen gut an.

HeidelCement baut Schulden ab
HeidelbergCement hat zum Jahresende 2008 seine Nettoverschuldung um drei auf 11,6 Milliarden Euro gesenkt. Außerdem will der Baustoffkonzern Randgeschäfte mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro verkaufen. Die Anleger waren zufrieden, obwohl das MDax-Unternehmen die Lösung des Schuldenproblems nun nicht mehr bis Mitte, sondern erst bis Ende des Jahres erwartet.

Krones schließt Verlust nicht aus
Schwächster Titel im MDax war Krones. Der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen hatte am Mittwochabend seine vorläufigen Jahreszahlen vorgelegt und vor einem möglichen Verlust im laufenden Jahr gewarnt. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern noch Rekordwerte verbucht.

Q-Cells-Aktionäre blicken nach vorn
Im TecDax gewann die Aktie von Q-Cells 8,4 Prozent. Der Solarkonzern hat seine endgültigen Jahreszahlen veröffentlicht, die zum Großteil bereits bekannt waren. Auch der Ausblick fiel nicht überraschend aus. "Die Aussagen zum schwachen ersten Quartal entsprechen früheren Angaben und sollten bereits eingepreist sein", kommentierte Analyst Sven Kürten von der DZ Bank.

Drägerwerk gefragt
Auch der Ausblick des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk für das laufende Jahr kam gut an. Ein Händler bezeichnete außerdem die endgültigen Jahreszahlen für 2008 als etwas besser als vom Markt erwartet.

Versatel "nicht schlecht"
Wenig überraschend fielen die Jahresergebnisse des Telekom-Unternehmens Versatel aus. Äußerungen des Unternehmens zur Cash-Flow-Entwicklung im laufenden Jahr und die Erwartungen für das Wachstum der DSL-Kunden hörten sich zumindest "nicht schlecht" an, sagte ein Marktbeobachter.

Deutz streicht Dividende
Die Aktie des Motorenherstellers Deutz robbte sich im Verlauf ins Plus. Das SDax-Unternehmen ist im vergangenen Jahr mit 4,2 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. 2007 hatte das Plus noch bei 59,4 Millionen Euro gelegen. Der Auftragseingang brach um 13,9 Prozent auf 1,363 Milliarden Euro ein. Die Dividende fällt aus. Für 2009 rechnet Deutz mit weiteren Rückgängen bei Auftragseingang, Absatz und Umsatz. Unter dem Strich soll es erneut einen Verlust geben.

Augusta und PVA kommen gut an
Auch bei kleinen Werten war heute einiges los. Die Beteiligungsgesellschaft Augusta hat im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis gesteigert und will eine Dividende von 1,20 Euro je Aktie zahlen. Die PVA Tepla AG hat 2008 ebenfalls besser als im Vorjahr abgeschnitten. In beiden Fällen waren die Anleger begeistert.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"