Turbulenter Rosenmontag an der Börse

Notker Blechner

Stand: 07.03.2011, 20:06 Uhr

Die Wall Street hat den Anlegern die gute Laune verdorben. Nach zwischenzeitlichen Gewinnen torkelte der Dax am Rosenmontag ins Minus. Die Angst vor einem Bürgerkrieg in Libyen trieb den Ölpreis weiter nach oben und beunruhigte die Märkte.

Auf und nieder immer wieder - dieses Motto galt zum Höhepunkt der fünften Jahreszeit auch an der Börse. Nach einem schwachen Auftakt drehte der Dax am Mittag ins Plus, bevor er kurz vor Handelsschluss dann doch wieder ins Minus abrutschte. Bei knapp 7.162 Punkten notierte der deutsche Leitindex 0,2 Prozent tiefer zum Xetra-Schluss. Im späten Parketthandel weiteten sich die Verluste aus, der L-Dax schloss bei 7.151 Zählern. Wegen Fasching waren die Umsätze allerdings sehr gering.

Schuld am Stimmungswechsel war die Wall Street. Die Kurse rutschten deutlich ins Minus. Der Dow Jones gab bis zum Abend um rund ein Prozent nach. Die Nasdaq büßte gar zwei Prozent ein. Eine Herabstufung des Halbleitersektors durch die Analysten von Wells Fargo belastete die Technologiewerte.

Ölpreis zieht weiter an

Erneut verunsicherte die Libyen-Krise die Anleger an der Wall Street. Die Offensive des libyischen Machthabers Gaddafi gegen die Rebellen heizte die Befürchtungen an, dass das Land vor einem Bürgerkrieg stehe. Der Ölpreis zog weiter an. Ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent verteuerte sich zeitweise um 2,50 Dollar auf 118,50 Dollar. Der Preis für Öl der US-Sorte WTI sprang in der Spitze auf fast 107 Dollar je Barrel. So teuer war das schwarze Gold zuletzt im September 2008 gewesen.

Moody's senkt Bonitätsnote von Griechenland
Als weiteren Belastungsfaktor verwiesen die Börsianer auf die europäische Schuldenkrise. Die Ratingagentur Moody's setzte die Kreditwürdigkeit von Griechenland gleich um drei Stufen von Ba1 auf B1 herab.

Euro zeitweise über 1,40 Dollar
Der Euro kletterte zwischenzeitlich auf 1,4036 Dollar, den höchsten Stand seit vier Monaten. Devisenexperten erklärten dies mit der Aussicht auf höhere Zinsen in der Eurozone, die EZB-Chef Jean-Claude Trichet am vergangenen Donnerstag gemacht hatte. Gegen Abend rutschte der Euro aber wieder unter die Marke von 1,40 Dollar.

Italcementi beflügelt HeidelCement
Größter Dax-Gewinner war HeidelCement mit einem Plus von rund einem Prozent. Die Titel profitierten von starken Zahlen des Konkurrenten Italcementi. Der fünftgrößte Zementhersteller der Welt übertraf die Erwartungen und äußerte sich positiv zum laufenden Jahr. Die Aktien von Italcementi stiegen um fast fünf Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,26
Differenz relativ
-0,54%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
+0,45%

Finanzwerte ganz schwach
Zu den größten Dax-Verlierern zählten die Finanzwerte, weil die Herabstufung Griechenlands die europäische Schuldenkrise wieder in den Blick rücken ließ. Die Aktien der Commerzbank bildeten mit einem Minus von über zwei Prozent das Schlusslicht. Die Papiere der Deutschen Bank büßten 0,8 Prozent ein.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
117,40
Differenz relativ
-1,43%

Deutsche Börse widerspricht Kritikern
Die Deutsche Börse hat ihre geplante Fusion mit der amerikanischen Börse Nyse Euronext verteidigt. Vorstandschef Reto Francioni sagte dem "Handelsblatt", dass die hohe Marktkapitalisierung die Börse in die Lage versetze, "diesen Deal so zu machen, wie wir uns das vorstellen". Verlustängste seien völlig fehl am Platz, so Francioni. Im Gegenteil: der Standort Frankfurt werde gestärkt, versicherte er.

Derweil kommt das Fusionskarussell der Börsenbetreiber weiter in Fahrt. Laut einem Pressebericht erwägt die Londoner Börse LSE angeblich, ihre Rivalin Nasdaq zu übernehmen. Die LSE hatte jüngst mitgeteilt, die Börse Toronto zu kaufen und damit zum viertgrößten Handelsplatz weltweit aufzusteigen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

Barclays bremst VW aus
Uneinheitlich notierten die Autowerte. Während Daimler zulegte und BMW auf der Stelle trat, gaben die VW-Titel rund ein Prozent nach. Schuld daran waren vor allem die Analysten von Barclays. Sie glauben, dass sich das Gewinnwachstum der Wolfsburger künftig etwas verlangsame. Sie stuften die Papiere von VW von "Overweight" auf "Equalweight". Da konnten auch die guten Absatzzahlen der VW-Tochter Audi nicht helfen. Die Ingolstädter verkauften im Februar ein Fünftel mehr Autos und steuern auf "das erfolgreichste Quartal der Unternehmensgeschichte" zu.

Porsche fährt zurück in die Gewinnzone
Am späten Nachmittag legte auch noch Porsche Zahlen zum Rumpfgeschäftsjahr 2010 (August bis Ende Dezember) vor. Dank der VW-Beteiligung und der starken Nachfrage nach Luxus-Autos fuhren die Schwaben einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ein. Die Porsche-Aktien legten 0,5 Prozent zu.

Tognum im Übernahmefieber
Und noch ein Autobauer sorgte für Schlagzeilen: Daimler will zusammen mit Rolls-Royce den Motorenbauer Tognum komplett übernehmen und untereinander aufteilen. Der Stuttgarter Autobauer bestätigte am Montag fortgeschrittene Verhandlungen mit dem Tognum-Management. Daimler hält derzeit 28,4 Prozent an Tognum. Die Aktien des Motorenbauers schossen um 23 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Ende 2007 und waren der Star im MDax am Montag.

Salzgitter-Ausblick enttäuscht
Aktien des im MDax notierten Stahlkonzerns Salzgitter standen dagegen auf der Verliererseite. Nach einem Verlust von fast einer halben Milliarde Euro vor einem Jahr schaffte die Firma 2010 zwar ein Vorsteuerergebnis von 48,9 Millionen Euro. Der Ausblick auf den Vorsteuergewinn 2011 sei jedoch "erschreckend niedrig" gewesen, meinte ein Händler. Der Vorsteuergewinn soll sich mehr als verdoppeln, kündigte Salzgitter an.

Gagfah droht Klage in Dresden
Die Aktien von Gagfah setzten den am Freitag begonnenen Kurssturz fort und schlossen fast drei Prozent im Minus. Dem Immobilienkonzern droht im Streit um die Privatisierung von Dresdner Wohnungen eine Klage. Die Stadt teilte Gagfah mit, dass sie juristisch gegen Gagfah vorgehen wolle. Gagfah habe bestimmte Verpflichtungen verletzt, die die Firma bei der Privatisierung von Wohnungen eingegangen sei.

Hedgefonds machen angeblich Druck bei Pfleiderer
Aktien des Holzverarbeiters Pfleiderer sprangen im SDax um rund zehn Prozent nach oben. Im Ringen um das Überleben von Pfleiderer haben sich angeblich Finanzinvestoren eingeschaltet. Laut Reuters hätten mehrere Hedgefonds den Banken einen großen Teil der Pfleiderer-Kredite abgekauft. Dadurch könnten sie die Mehrheit an dem Unternehmen erwerben und auf eine stärkere Entschuldung drängen, hieß es aus Insiderkreisen. Pfleiderer macht nach eigenen Angaben derzeit wieder Gewinne. "Die Restrukturierung greift. Wir schreiben seit Jahresbeginn in Deutschland im operativen Geschäft wieder schwarze Zahlen", sagte ein Unternehmenssprecher der "Euro am Sonntag". 2010 hat Pfleiderer nach aktueller Analystenschätzung mit einem Verlust von 300 Millionen Euro abgeschlossen.

Air Berlin transportiert mehr Pasagiere
Die Aktien von Air Berlin befanden sich unter den größten SDax-Verlierern. Die Fluggesellschaft hat im Februar abermals mehr Passagiere befördert. Rund 2,13 Millionen Menschen seien mit Air Berlin geflogen, teilte die Firma am Morgen mit. Die Auslastung erhöhte sich im Jahresvergleich um 1,4 Prozentpunkte auf 71,4 Prozent. Allerdings fiel die saisonübliche Erholung vergleichsweise schwach aus, die Unruhen in die Urlaubsdestinationen Ägypten und Tunesien verlangten ihren Tribut.

Weniger Orders bei Comdirect und Sino
Die Onlinebroker Comdirect und Sino meldeten am Morgen frische Orderzahlen. Sino führte im Februar rund 110.000 Orders aus - das waren 6,2 Prozent weniger als im Januar. Auch bei Comdirect verringerten sich die Aufträge, allerdings nur minimal auf 2,302 Milliarden. Auf Xetra stiegen die Umsätze im gleichen Zeitraum hingegen um neun Prozent. Die Reaktionen der Anleger waren unterschiedlich: Während die Aktien von Comdirect um 0,6 Prozent zulegten, büßten die Papiere von Sino fast ein Prozent ein.

Mega-Deal in der Luxus-Industrie
Für Kursfantasie bei Luxus-Aktien sorgte die Übernahme von Bulgari durch den französischen Luxusgüterkonzern LVMH. Der Hersteller von Edeltaschen, Parfums und Champagner bietet im Rahmen eines Aktientausches 16,5 Millionen eigene Aktien gegen 152,6 Millionen Bulgari-Aktien. Verbleibende Anteile will LVMH für 12,25 Euro je Stück übernehmen. Die Firma übernimmt damit die Kontrollmehrheit an Bulgari. Die Familie Bulgari wird durch die Transaktion zweitgrößter Familien-Anteilseigner an LVMH. Bulgari-Aktien stiegen um rund 60 Prozent, LVMH um 1,5 Prozent. Auch die Papiere anderer Luxusfirmen wie Swatch, Richemont und Burberry legten zu.

Bayer siegt vor Gericht
Das oberste US-Gericht hat am Montag eine Klage gegen den Bayer-Konzern abgewiesen. Mehrere Apotheken hatten dagegen geklagt, dass Bayer die Teva-Tochter Barr mit Zahlungen dazu gebracht hatte, ein Generika des Antibiotikums Cirpro nicht auf den Markt zu bringen. Die Richter hielten dies für juristisch zulässig.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr