Trüber Wochenausklang

Stand: 08.07.2011, 20:02 Uhr

Der Dax beendet die erste Juli-Woche mit einem Minus von 0,2 Prozent. Grund für die roten Zahlen sind überraschend schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Statt wie erwartet 90.000 bis 100.000 Stellen wurden in den USA im Juni nur 18.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Dadurch erhöhte sich die Arbeitslosenquote überraschend auf 9,2 Prozent, von 9,1 Prozent im Vormonat. Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsaufbau für die beiden Vormonate deutlich nach unten korrigiert.

Die Zahlen schürten an den Märkten die Angst vor einem Rückfall der größten Volkswirtschaft in die Rezession. Die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt bleibe angespannt, urteilte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. "Nachdem der Jahresauftakt mit guten Zuwachsraten noch Hoffnung auf eine langanhaltende Besserungsphase nährte, lässt die Entwicklung der letzten beiden Monate wieder starke Zweifel an einer nachhaltigen und vor allem spürbaren Erholung aufkommen."

Der Dax verliert am Abend rund 1,1 Prozent und schließt knapp oberhalb der Marke von 7.400 Punkten. Am Morgen hatte die Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur die Anleger am deutschen Aktienmarkt noch in Kauflaune versetzt und den Dax bis auf 7.523 Punkte gehoben.

Die unerwartet schlecht ausgefallenen Daten führen auch an der Wall Street zu deutlichen Verlusten. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt rund 100 Punkte (0,8 Prozent) tiefer bei 12.620.

Öl und Euro billiger
Auch die Ölpreise haben nach den Arbeitslosenzahlen ihre anfänglichen Kursverluste ausgeweitet. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August kostete gegen Abend 117,37 Dollar. Das waren 1,03 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel noch stärker um 2,80 Dollar auf 95,87 Dollar.

Sogar der Euro muss seine anfänglichen Kursgewinne auf über 1,43 Dollar wieder abgeben und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,422 Dollar.

RWE nun doch mit Kapitalerhöhung?
Leiden müssen heute auch die Anleger von RWE. Die Aktie ist nach Meldungen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung der mit Abstand schwächste Wert im Dax. Dabei dürfte ein Kapitalerhöhungsbedarf oder Pläne für zusätzliche Beteiligungsverkäufe im Volumen von bis zu acht Milliarden Euro den Markt eigentlich nicht überraschen, meint Analystin Tanja Markloff von der Commerzbank. Sie hat die Einstufung für RWE deshalb auf "Reduce" mit einem Kursziel von 38,00 Euro belassen. Die weitaus größte Belastung für die RWE-Aktie bleibe die Entscheidung über einen früheren Atomausstieg in Deutschland die Profitabilität und die Finanzstärke des Versorgers.

Im Sog von RWE gerät auch die Aktie des anderen deutschen Versorgers, Eon, unter Druck und entfernt sich wieder von der 20-Euro-Marke.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,03
Differenz relativ
+1,00%
Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,53
Differenz relativ
-2,68%

Bayer verliert Patentstreit
Die Bayer-Aktie ist am Abend unter Druck geraten. Der Pharma- und Chemiekonzern hat auch in Europa einen Patentstreit gegen die Novartis-Tochter Hexal um die Verhütungspille Yasmin verloren. Die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts habe das Formulierungspatent von Bayer zurückgewiesen, teilte die Dax-Gesellschaft am Abend mit. Damit hob die Behörde eine Entscheidung der Einspruchsabteilung von 2006 auf, die das Patent noch bestätigt hatte.

Metro unter Druck
Auch die Metro-Aktie steht auf der Verliererseite weit oben. Grund ist eine Herabstufung durch Merrill Lynch von "Neutral" auf "Underperform". Analyst John Kershaw sieht erhöhte Risiken für die Margen. Er sei überzeugt, dass sowohl Metros Schätzungen als auch die durchschnittlichen Analystenerwartungen zu hoch sind. Kershaw senkte auch das Kursziel, von 52,50 auf 42,00 Euro.

Deutsche Börse an der Dax-Spitze
Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehört die Aktie der Deutschen Börse. Sie profitiert weiter davon, dass die Aktionäre der NYSE Euronext einer Fusion mit dem deutschen Börsenbetreiber gebilligt haben. Das noch ausstehende Votum der Anteilseigner der Deutschen Börse via Aktientausch sollte nach Einschätzung der Commerzbank nun kein Problem mehr sein.

Vossloh rauscht in den Keller
Im MDax sorgt Vossloh für eine böse Überraschung. Die Aktie bricht in der Spitze um mehr als 13 Prozent ein und beendet den Handel gut acht Prozent tiefer als gestern. Grund ist eine Gewinnwarnung des Verkehrstechnikkonzerns. Die Geschäfte im Ausland, besonders in China, schwächeln, daher werden Umsatz und Gewinn in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen als bislang gedacht.

Auch die Papiere von Praktiker gehören nach einer Herabstufung durch Goldman Sachs zu den größten Verlierern im MDax. Sie büßen mehr als sechs Prozent ein.

Wacker trotzt Goldman-Studie
Fast unverändert, zuvor sogar deutlich im Plus, notiert die Aktie von Wacker Chemie. Dabei hat Goldman Sachs das Kursziel für die Titel von 170,00 auf 166,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen hat. Wegen des zunehmenden Wettbewerbs durch US-amerikanische und chinesische Anbieter habe er die Gewinnprognosen für europäische Solarunternehmen reduziert, schrieb Analyst Andrew Benson in einer am Freitag veröffentlichten Branchenstudie.

Analysten skeptisch für HeidelDruck
Die Heidelberger Druck-Aktie steht weiter auf der Verliererseite. Die Analysten der HSBC ihre Umsatz- und Ebit-Schätzungen für 2011/12 gesenkt, berichten Händler. Sie hätten außerdem die Aktien auf "Underweight" von "Neutral" heruntergestuft und das Kursziel auf 2,40 von zuvor 3,20 Euro gesenkt.

Goldman-Studie belastet Solar-Werte
Zu den größten Verlierern im TecDax gehören die Solaraktien. Grund ist eine pessimistische Einschätzung von Goldman Sachs zur Branche. Die Bank hat zum Beispiel das Kursziel für Q-Cells von 3,00 auf 1,50 Euro halbiert. Für SMA Solar lautet das neue Ziel nun 75,00 von zuvor 83,00 Euro. Beide Aktien bewertete Goldman weiter mit "Neutral".

Noch stärker verschlechtert sich das Standing von Centrotherm, die Aktie wird sogar von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft, das Kursziel von 41,00 auf 27,00 Euro reduziert. Der auf die Solarindustrie spezialisierte Anlagenbauer sei innerhalb seiner Branche schwach positioniert und dürfte zwischen 2011 und 2013 niedrigere Renditen erwirtschaften als die Wettbewerber.

Fielmann, Hornbach und Bijou Brigitte ex-Dividende
Einen Tag nach der Hauptversammlung wird immer die Dividende ausgeschüttet, so ist es heute bei Fielmann, Hornbach und Bijou Brigitte Zahltag. Die Optikerkette Fielmann zahlt 2,50 Euro je Anteil, vom Baumarkt gibt es 1,00 Euro je Aktie und die Modekette schüttet 6,50 Euro aus. Dieser Dividendenabschlag ist bei den heutigen Kursverlusten zu berücksichtigen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr