Trübe Börsenwoche endet glimpflich

Stand: 29.07.2011, 20:04 Uhr

Alarm an der Konjunkturfront: Die US-Wirtschaft ist überraschend aus dem Tritt gekommen. Der Dax setzte seine Talfahrt fort und büßte in der abgelaufenen Börsenwoche rund zwei Prozent ein. Schlimmeres verhinderte US-Präsident Obama.

"Yes, we can"? Barack Obama schürte Hoffnungen auf eine Einigung im seit Wochen andauernden Schuldenstreit zwischen Republikanern und Demokraten. In einer eindringlichen Rede appellierte der amerikanische Präsident vier Tage vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA an die Parteien, sich endlich zu verständigen. "Die Zeit für einen Kompromiss ist jetzt gekommen", sagte Obama. Schließlich seien die Positionen der beiden zerstrittenen Parteien nicht allzu weit voneinander entfernt.

Die Börsianer ließen sich von der Zuversicht Obamas anstecken. Dow und S&P 500 drehten kurze Zeit ins Plus. Das bremste den Kursrutsch des Dax. Nachdem er am Nachmittag noch um bis 1,7 Prozent abgerutscht war, schloss er zum Ende des Xetra-Handels nur noch 0,4 Prozent tiefer bei knapp 7.159 Punkten. Seit Tagen belastet die US-Schuldenkrise die Börsenkurse.

Der "Obama-Effekt" währte freilich nur kurz. Inzwischen ist der Dow Jones wieder ins Minus gekippt. Es droht der sechste Verlusttag in Folge. Im späten Parketthandel weitete der Dax seine Verluste wieder aus. Der L/E-Dax schloss bei 7.142 Zählern.

US-Wirtschaft schwächelt
Erschreckend schwache Konjunkturdaten verhinderten eine Kurserholung. Die größte Volkswirtschaft der Welt wuchs im zweiten Quartal nur noch um 1,3 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Plus von 1,8 Prozent gerechnet. Das Bruttoinlandsprodukt-Wachstum für das erste Quartal wurde nachträglich von 1,9 Prozent auf nur noch 0,4 Prozent revidiert. Der US Einkaufsmanagerindex für Juli und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Juli trübten sich ebenfalls stärker ein als erwartet. Der Euro näherte sich der Marke von 1,44 Dollar. Der Goldpreis kletterte auf ein neues Rekordhoch von über 1.630 Dollar.

Spanien muss zittern
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte im Tagesverlauf Spanien. Die Ratingagentur Moody's prüft die die Herabstufung der Kreditbewertung Spaniens. Aktuell steht die Bewertung von Moody's für Spanien noch auf "Aa2". Vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise sieht Moody's "wachsende Risiken" für die Besitzer von spanischen Staatsanleihen, hieß es als Begründung. Ministerpräsident Zapatero hat am Mittag vorgezogene Neuwahlen für November angekündigt.

Linde glänzt
Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte Linde. Der Gasehersteller legte gute Quartalszahlen vor. Das operative Ergebnis kletterte um 5,7 Prozent auf 798 Millionen Euro. Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Die Linde-Aktien legten um über drei Prozent zu und führten gemeinsam mit den Commerzbank-Titeln die Dax-Spitze an.

HeidelCement-Gewinn bröckelt
Nicht gut genug waren dagegen die Zahlen von HeidelbergCement. Der Baustoffzulieferer litt im zweiten Quartal unter höheren Energie- und Rohstoffkosten und musste einen Gewinnrückgang von sechs Prozent auf 651 Millionen Euro hinnehmen. Analysten waren von 683 Millionen Euro ausgegangen. Die HeidelCement-Aktien fielen um knapp ein Prozent. Auf Wochensicht summierten sich die Kursverluste von HeidelCement auf neun Prozent.

Deutsche Börse schrumpft
Zu den schwächsten Werten im Dax gehörten die Aktien des Börsenbetreibers Deutsche Börse mit einem Minus von fast zwei Prozent. Das Unternehmen blickt zwar leicht optimistischer in die Zukunft als noch vor vier Monaten, hat aber mit seinem Quartalsbericht die Markterwartungen enttäuscht. Der Umsatz schrumpfte überraschend deutlich. Der Gewinn stieg nur dank Kostensenkungen.

Metro kappt Prognose wegen Ehec
Für eine böse Überraschung sorgte Metro. Finanzvorstand Olaf Koch räumte ein, dass er vor Analysten die bisherige Prognose eines Umsatzwachstums von gut vier Prozent im Gesamtjahr gekippt habe. Metro rechne jetzt nur noch mit einem Plus von null bis vier Prozent. Schuld war unter anderem die Ehec-Krise, die die Lust der Verbraucher auf frisches Gemüse und Obst dämpfte. Die Metro-Aktie stürzte um bis zu 3,6 Prozent ab, erholte sich dann aber wieder und schloss nur 0,3 Prozent tiefer.

BMW auf i-Kurs
Eineinhalb Monate vor Beginn der Automesse IAA in Frankfurt hat BMW seine Elektro-Visionen vorgestellt. Konzernchef Norbert Reithofer enthüllte vor Journalisten aus aller Welt die beiden Konzept-Elektroautos "i3" und "i8". Sie sollen ab 2013 auf den Markt kommen. Während der "i8" eher ein Hybrid-Auto ist, da die Batterie nur 35 Kilometer weit kommt, hat der Batterieantrieb des Stadtautos "i3" eine Reichweite von 150 Kilometern. Die Karosserie der Elektro-Autos besteht aus Karbonfasern, die von SGL Carbon kommen. Die Vorstellung der Zukunftsautos konnte die Anleger nicht elektrisieren. Die Aktien verloren gut 0,6 Prozent.

Gea auf dem MDax-Thron
Auf Begeisterung stießen die Quartalszahlen von Gea. Die Aktie sprang um fast fünf Prozent nach oben und war Spitzenreiter im MDax. Der Maschinenbaukonzern hat auch im zweiten Quartal von der anhaltend starken Branchenkonjunktur und Zukäufen profitiert. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen stärker als von Analysten erwartet. Zudem erhöhte der Konzern seine Jahresprognose.

Bei Conti läuft's rund
Der Autozulieferer Continental hat ebenfalls seine Umsatz- und Ergebnisprognose für 2011 erhöht. Der Konzern erwartet nun einen Umsatz von mindestens 29,5 Milliarden Euro statt bislang mehr als 28,5 Milliarden Euro. Vorstandschef Elmar Degenhart sieht keine Anzeichen, dass sich die gute Entwicklung im zweiten Halbjahr abschwächen wird. Wegen gestiegener Rohstoffkosten schloss Conti weitere Reifenpreis-Erhöhungen nicht aus. Die Conti-Aktie legte zwei Prozent zu.

Auch der französische Reifenhersteller Michelin hob nach kräftigen Zuwächsen im Halbjahr seine Umsatzprognose für 2011 an. Bis Ende Dezember rechnet der Conti-Konkurrent mit einer Steigerung der Erlöse um acht Prozent. Im ersten Halbjahr hat Michelin allerdings die Erwartungen verfehlt.

Rheinmetall will sich teilen
Eine durchwachsene Bilanz legte Rheinmetall vor. Das Ergebnis im zweiten Quartal blieb zwar unter den Erwartungen, die Jahresprognose wurde aber angehoben. Als neues Ziel visiert der Konzern ein Ergebnis zwischen 350 und 370 Millionen Euro an. Bislang war ein Ebit von 330 bis 360 Millionen in Aussicht gestellt worden. Der Umsatz soll auf bis zu 4,5 Milliarden Euro zulegen - statt wie bisher geplant 4,3 Milliarden. Zudem rüttelt Rheinmetall an der Zwei-Säulen-Strategie und prüft einen Börsengang der Autosparte. Die Aktie schloss 1,5 Prozent tiefer.

EADS verspricht Besserung
Um knapp ein Prozent gab die Aktie von EADS nach. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat im ersten Halbjahr wegen hohen Währungsschwankungen zwar deutlich weniger verdient als ein Jahr zuvor, nämlich 109 Millionen Euro. Doch dank des Auftragsbooms bei Airbus erwartet das Management für das kommende Jahr einen signifikanten Anstieg des Betriebsergebnisses.

Drei Bieter für Hochtief-Flughafenbeteiligungen
Der Hochtief-Konzern drückt beim Verkauf seiner Flughafen-Beteiligungen aufs Tempo. Schon bis Ende August soll feststehen, wer den Zuschlag erhält. Laut Kreisen gibt es angeblich bereits drei Offerten für die Hochtief-Beteiligungen. Ein Konsortium aus Fraport und einem Infrastrukturfonds, der Betreiber der Londoner Flughäfen Gatwick und City zusammen mit einer Allianz-Tochter sowie der französische Baukonzern Vinci sollen Angebote abgegeben haben. Die Hochtief-Aktie legte 0,8 Prozent zu.

Hornbach wird optisch billiger
Gefragt waren die Aktien von Hornbach. Die Papiere zogen um 2,5 Prozent an. Hornbach hatte für die Aktionäre der Holding und der Baumarkt-Sparte jeweils Gratis-Aktien im Verhältnis eins zu eins ausgegeben, um die Liquidität der Aktien zu erhöhen. Der Nominalwert der Papiere halbierte sich, nicht aber die Marktkapitalisierung.

Morphosys rutscht in Verlustzone
Im TecDax büßte die Aktie von Morphosys 1,5 Prozent ein. Das Biotech-Unternehmen ist im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht und hat einen Verlust von 3,8 Millionen Euro ausgewiesen. Beim operativen Ergebnis stand sogar ein Verlust von 5,5 Millionen in den Büchern - mehr als erwartet. Der Umsatz sank ebenfalls. Unternehmenschef Simon Moroney bekräftigte aber die Erwartungen für 2011.

Erste Bank skeptischer
An der Wiener Börse war am Freitagvormittag für über eine Stunde der Handel ausgesetzt. Grund waren Probleme mit dem Handelssystem Xetra. Der ATX gab 0,5 Prozent nach. Gegen den Trend stemmte sich die Erste-Bank-Aktie mit einem kleinem Plus. Wegen der Konsumflaute in Südosteuropa schraubte das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen ihr Gewinnziel zurück. Statt einer deutlichen Gewinnsteigerung rechnet die Erste Bank für 2011 nur noch mit einem robusten Betriebsergebnis. Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn noch um neun Prozent.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,72
Differenz relativ
+0,23%

Apple verdrängt Nokia bei Smartphones
Schlechte Nachrichten für Nokia: Nach neuesten Statistiken von Marktforschern ist im zweiten Quartal der Branchenprimus auf Platz drei im Smartphone-Markt abgerutscht. Neuer Marktführer ist Apple, gefolgt von Samsung. Im Gesamt-Handymarkt hat Nokia zwar noch die Nase mit 25 Prozent Marktanteil vorn. Aber Samsung ist mit 21 Prozent den Finnen immer dichter auf den Fersen.

Murdoch-Konzern schafft Milliardenprofit
Mitten im Telefonabhör-Skandal hat am Freitag Robert Murdochs britischer TV-Konzern BSkyB einen Milliardengewinn verkündet. Das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2010/11 schrumpfte um vier Prozent auf 1,23 Milliarden Euro - wegen Einmaleffekten im Vorjahrszeitraum. Der Umsatz stieg zweistellig um 16 Prozent auf 6,6 Milliarden Pfund. Die Aktie verliert leicht. Seit Anfang Juli hat sie über zehn Prozent an Wert eingebüßt. Als Trost versprach BSkyB den Aktionären eine Dividenden-Anhebung um 20 Prozent auf 23,28 Pence pro Aktie.

Ansturm auf Starbucks-Shops
Aus den USA lieferte Starbucks köstliche Zahlen. Die Kette serviert immer mehr Kaffee und Kuchen. Vor allem die Amerikaner zog es im dritten Geschäftsquartal häufiger in die Läden. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich um 34 Prozent auf 279 Millionen Dollar. Die Aktien legten 1,5 Prozent zu.

Amgen gibt sich großzügig
Freundlich präsentierten sich auch die Amgen-Titel. Die Biotech-Firma hat mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen. Zwar fiel der Gewinn leicht um drei Prozent auf 1,17 Milliarden Dollar, Experten hatten aber einen noch größeren Rückgang befürchtet. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf fast vier Milliarden Dollar. Erstmals in seiner 21-jährigen Geschichte will Amgen eine Quartalsdividende zahlen. Am 8. September erhalten die Aktionäre 28 Cent je Titel.

Chevron im Ölrausch
Beim Ölkonzern Chevron sprudeln die Gewinne. Dank des hohen Ölpreises sprang der Gewinn im zweiten Quartal um 43 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Die Erwartungen wurden übertroffen. Trotzdem gab die Aktie leicht nach.

Merck&Co streicht 13.000 Stellen
Nicht gut kamen die Zahlen von Merck & Co an. Die Aktie verlor knapp zwei Prozent.
Der Umsatz legte um sieben Prozent zu, der Gewinn konnte mehr als verdoppelt werden auf zwei Milliarden Dollar. Mit massiven Stellenstreichungen will sich der Pharmakonzern für die zunehmende Konkurrenz der Generikahersteller rüsten.

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