Trotz Krise leichtes Plus

Stand: 12.06.2012, 20:01 Uhr

Die Schuldenkrise spitzt sich von Tag zu Tag zu. Trotzdem erkämpft sich der Dax nach einem nervösen Auf und Ab ein hauchdünnes Plus. Dazu hat auch die Wall Street beigetragen.

Kaum beeindruckt von der Unruhe an den europäischen Aktienmärkten halten sich die Börsen in New York am Dienstag im Plus. Der Dow Jones-Index legt gleich zu Handelsbeginn zu und kann seine Gewinne im Tagesverlauf sogar weiter ausbauen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow fast ein Prozent höher bei 12.527 Punkten. Grund sind Hoffnungen auf neue geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank zur Stimulierung der Wirtschaft.

Die verbesserte Stimmung an der Wall Street hat auch den deutschen Leitindex gestützt und ihm am Ende ein leichtes Plus von 0,3 Prozent oder 20 Punkten beschert auf 6.161 Zähler. "Wir befinden uns in einer volatilen Wartestellung", sagte ein Händler. "Die Gefühlslage ändert sich derzeit sehr schnell. Jede neue Nachricht kann einen Kurswechsel verursachen."

Dabei haben neue Hiobsbotschaften aus Spanien und Italien die Anleger den ganzen Tag lang in Atem gehalten. Der Dax schwankte zwischen 6.083 und 6.211 Punkten hin und her. Auch der Euro geriet zweitweise erheblich unter Druck, klettert bis zum Abend aber wieder über die Schwelle von 1,25 Dollar.

Fitch stuft spanische Banken herunter
Auf Talfahrt geschickt wurde der Aktienmarkt vor allem durch eine Herabstufung von 18 spanischen Banken durch die Ratingagentur Fitch. Nachdem Fitch bereits vergangene Woche das Rating für Spanien um drei Stufen von "A" auf "BBB" gesenkt und es mit einem negativen Ausblick versehen hatte, waren heute die Geldhäuser des Landes an der Reihe.

Gleichzeitig hat sich die Lage an den Anleihemärkten für Spanien und Italien weiter eingetrübt. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen stieg um 0,26 Prozentpunkte auf 6,783 Prozent - so hoch wie noch nie seit Gründung der Währungsunion. Auch italienische Staatspapiere hat die Krise mit voller Wucht erfasst. Die zehnjährigen Renditen kletterten um 15 Basispunkte auf 6,156 Prozent.

Weltbank warnt
Derweil warnt die Weltbank vor den Auswüchsen der Schuldenkrise. Das nervenzerrende Auf und Ab sei eine Belastung für die gesamte Weltwirtschaft: Diese deutliche Mahnung äußert die Weltbank in ihrer neuen Konjunkturprognose. Jüngste Kursverluste an Börsen und steigende Zinsen für Staatsanleihen zeigten, wie anfällig und nervös die Finanzmärkte überall seien, heißt es in dem am Dienstag in
Washington veröffentlichten Bericht.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,86
Differenz relativ
-3,11%

Fresenius liebäugelt mit Biotechnologie
Größter Favorit im Dax ist die Aktie von Fresenius. Offenbar liebäugelt der Gesundheitskonzern mit dem Einstieg in den wachsenden Markt für Kopien biotechnologischer Medikamente. Konzernchef Ulf Schneider machte allerdings deutlich, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das Unternehmen endgültig über den kostspieligen Eintritt in den Zukunftsmarkt entscheiden wird.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,22
Differenz relativ
+0,10%

UBS mag Eon
Auch die Aktien des Versorgers Eon können über zwei Prozent zulegen. Grund ist eine Kaufempfehlung der UBS die das faire Kursziel der Aktie bei 17 Euro sieht. Das Unternehmen habe schneller als die Konkurrenz die Kosten gesenkt, so die Experten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Banken wieder unter Druck
Zu den größten Verlierern gehören dagegen die Commerzbank und die Deutsche Bank. Deren Titel leiden unter den zunehmenden Ängsten vor der einer Eskalation der Schuldenkrise in Spanien und Italien zu deren Gläubigern die Bankhäuser gehören.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,89
Differenz relativ
-1,63%

Lufthansa enttäuscht
Zu den Verlierern gehört auch die Aktie von Lufthansa. Damit reagieren die Anleger auf die jüngsten Verkehrszahlen des Unternehmens. Die Airline hat im Mai mehr Passagiere, aber weniger Fracht geflogen. Die Zahl der stieg geringfügig um 0,3 Prozent auf 9,23 Millionen. Die transportierte Menge Fracht ging um 10,7 Prozent auf 164.000 Tonnen zurück.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,38
Differenz relativ
+2,17%

SMA bestätigt Prognose
Schwächster Wert im TecDax ist die Aktie des Kasseler Unternehmens SMA Solar, das Wechselrichter für Solaranlagen herstellt. Dabei hat das TecDax-Unternehmen seine Prognosen für 2012 bestätigt. Für das laufende Jahr werde weiterhin ein Umsatz von 1,2 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro erwartet, nach 1,7 Milliarden 2011. Die Ergebnismarge soll im laufenden Jahr bei 5 bis 10 Prozent liegen. Allerdings wurde der für diesen Donnerstag geplante Kapitalmarkttag des Unternehmens auf den 26. September verschoben.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
155,81
Differenz relativ
-0,73%

Lafarge tritt auf die Kostenbremse
Mit kräftigen Kursgewinnen reagieren die Anleger des französischen Baustoffkonzerns Lafarge auf einen Sparplan, demzufolge das Unternehmen bis zum Jahr 2015 insgesamt 1,3 Milliarden Euro einsparen will. Gleichzeitig soll die Verschuldung 2013 auf unter zehn Milliarden Euro gedrückt werden. An der Prognose für das laufende Jahr hält Lafarge fest. Die Aktie des deutschen Konkurrenten HeidelbergCement kann davon allerdings nicht profitieren.

Apple-Aktie verliert
Apple-Aktien verlieren in Frankfurt mehr als sechs Prozent. Auf der jährlichen hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC stellte das Unternehmen zwar eine neue Generation der MacBook-Laptops vor, auf einen Apple-Fernseher wartete man aber vergeblich. Über dessen mögliche Präsentation war seit Monaten intensiv spekuliert worden.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat