Tristesse mit Lichtblick

Karsten Leckebusch

Stand: 04.08.2008, 19:59 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich am Montag von seiner schwachen Seite. Der Dax verlor deutlich, auch an der Wall Street überwogen die Verluste. Am Abend kam etwas Zuversicht auf, von ungewohnter Seite.

Kurz nach dem Ende des elektronischen Handels an der Frankfurter Börse beflügelte ein Preisrutsch beim Rohöl die amerikanischen Indizes. Der Preis für ein Barrel amerikanisches Leichtöl fiel binnen weniger Minuten um fünf Dollar auf knapp 120 Dollar, der Dow Jones arbeitete sich daraufhin kurzzeitig ins Plus vor.

Händler begründeten den fallenden Ölpreis unter anderem mit der nachlassenden Nachfrage in Europa und den USA sowie steigender Fördermengen der Organisation Erdöl exportierenden Länder. Im Juli noch hatte der Ölpreis einen Rekord von 147 Dollar erreicht.

Der kräftige Rückgang beim Rohölpreis konnte die Verluste an den Börsen aber nicht ausgleichen. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft und milliardenschwere Abschreibungen der britischen Bank HSBC begrenzten die Kauflaune hüben wie drüben des Atlantiks. Außerdem, bemerkten die Händler, hielten sich die Anleger vor der am Dienstag anstehenden Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank zurück.

Der Dax kam den ganzen Tag nicht aus dem Keller und beendete den elektronischen Handel mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 6.350 Punkten. Im späten Parketthandel machte der Leitindex wegen der leichten Erholung an der Wall Street noch ein paar Punkte gut, der L-Dax schloss bei 6.366 Zählern.

Daimler, BMW, VW
Die Autowerte waren am Montag einen Blick wert. Vergangene Woche hatte General Motors einen Quartalsverlust von 15,5 Milliarden Dollar bekannt gegeben, und der Autoabsatz in den USA fiel auf den niedrigsten Stand seit über 15 Jahren. In Deutschland allerdings stieg, gab der Branchenverband VDA bekannt, die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im Juli auf 262.600, was einem Plus von zwei Prozent auf Jahressicht entspricht.

Bis auf Daimler notierten die Autoaktien schwächer. Daimlerpapiere allerdings legten ein Prozent zu, nachdem Gerüchte bekannt wurden, dass ausländische Hedge Fonds bei dem Stuttgarter Autohersteller einsteigen wollten. In der vergangenen Woche hatten Daimler-Aktien noch fast sechs Prozent verloren, nachdem der Konzern seine Gewinnprognose gesenkt hatte.

Der Münchener Konkurrent BMW, der in der vergangenen Woche ebenfalls seine Gewinnerwartung gesenkt hatte, war nicht auf der Kaufliste der Aktionäre. Die Aktie verlor kräftige 2,7 Prozent, nachdem Analysten nun ihre Kursziele für BMW-Aktien senkten.

Auch von Volkswagen gab es eine Nachricht. Der Konzern will seinen Anteil am indischen Automarkt von unter einem auf zehn Prozent erhöhen. "Wir wollen im Volumensegment schnell vorankommen", sagte der Präsident der VW-Gruppe in Indien, Jörg Müller, im Handelsblatt. Dazu werde der Konzern die Eröffnung eines neuen Werkes bei Bombay um ein halbes Jahr vorziehen. Bislang beherrschen Suzuki und Hyundai den indischen Automarkt. Die VW-Aktie war ebenfalls nicht gefragt, sie verlor zwei Prozent.

Verhandelt Conti?
Aktien des Reifenherstellers und Autozulieferers verringerten am Nachmittag kurzzeitig ihre Verluste. Händler sagten, es gebe Gerüchte, wonach Continental im Übernahmekampf mit der Schaeffler-Gruppe mit einigen Investoren verhandele, darunter auch Finanzinvestoren. Die Conti-Aktie beendete den elektronischen trotzdem mit einem Minus von einem Prozent.

Gerücht beflügelt Infineon
Infineon-Aktien führten souverän die Dax-Liste an. Handfeste Nachrichten gab es nicht, allerdings wurde spekuliert, dass Inotera, ein Gemeinschaftsunternehmen von Infineon-Tochter Qimonda und Nanya, seinen Anteil vollständig an Nanya verkaufen wolle. Andere Händler sagten, dass der Nanya-Entwicklungspartner Micron Technology den Inotera-Anteil kaufen wolle. Die Gerüchte stützten den Kurs, die Infineon-Aktie legte um 4,7 Prozent zu.

Deutsche Börse nicht gefragt
Fünf Prozent verlor die Aktie des Frankfurter Börsenbetreibers Deutsche Börse im Handelsverlauf. Bereits am Freitag hatte der Konzern seine Umsatzzahlen für Juli bekannt gegeben. Diese waren nicht gut, kommentierten die Marktteilnehmer, die Konkurrenz im Börsengeschäft werde eben härter.

Eon macht sich attraktiver
Der Energieversorger Eon will neue Anleger anziehen und hat daher seine Aktien gesplittet. Im Verhältnis Eins zu Drei vollzog der Konzern am Montag seine Aktienteilung, eine Eon-Aktie ist daher nicht mehr rund 121 Euro wert, sondern nur noch 40,21 Euro. Außerdem wurden die Inhaber- auf Namensaktien umgestellt.

Spannung um Telekom-Umsatz
Gerüchte über einen Umsatzrückgang bei der Telekom machten die Runde. Die Wirtschaftswoche hatte geschrieben, dass der Konzern erstmals in der Unternehmensgeschichte einen schrumpfenden Umsatz bekannt geben werde. Die Telekom kommentierte die Gerüchte nicht und verwies auf die Bilanzbekanntgabe am Donnerstag. Die Aktie legte allerdings zu und gewann 0,4 Prozent.

ProSieben und Telegraaf
Die niederländische Verlagsgruppe Telegraaf hat von den Finanzinvestoren KKR zwölf Prozent an dem im MDax notierten Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 übernommen. Telegraaf zahlte einen ordentlichen Preis, der oberhalb des aktuellen ProSieben-Aktienkurses lag, wodurch die Telegraaf-Aktie in Amsterdam um zeitweise zehn Prozent einbrach. Die ProSieben-Aktie notiert zwei Prozent im Plus.

Stada bekommt bessere Empfehlung
Mit einem Kursplus von 2,5 Prozent stach die Aktie von des Pharmakonzerns Stada aus der unerfreulichen MDax-Performance heraus. Die WestLB stufte die Titel von "Hold" auf "Add". Die Talsohle sei erreicht, heißt es in der Kommentierung. Vergangene Woche hatte die Aktie ein Drittel verloren, nachdem Stada einen schwachen Ausblick vorgelegt hatte.

Aixtron hochgestuft
Auch der im TecDax notierte Elektronikhersteller Aixtron profitierte von einer freundlichen Anlaysteneinschätzung. Die Credit Suisse hob ihre Empfehlung von "Underperform" auf "Neutral", die Aktie gewann 8,6 Prozent.

GCI und die Nähmaschinen
Der Finanzinvestor GCI will sich von seiner Mehrheit am Industrienähmaschinenhersteller Pfaff trennen. Man stehe in Verhandlungen mit einem Investmentfonds, teilte GCI mit. GCI, mit rund 62 Prozent an Pfaff beteiligt, will aber nicht komplett aussteigen. Die Pfaff-Aktie gewann zeitweise bis zu 20 Prozent, am Ende reichte es für ein Minus von etwa einem Prozent.

Aus den hinteren (Bilanz)-Reihen
Der Internetportalbetreiber Lycos Europe hat wegen schwacher Werbeeinnahmen im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben. Netto verbuchte Lycos Europe einen Verlust von 9,8 Millionen Euro. Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 19 Prozent auf 33,3 Millionen Euro. Die Aktie verlor 2,3 Prozent.

Fünf Prozent verlor die Aktie von Design Hotels. In den ersten sechs Monaten des Jahres war das Ergebnis rückläufig, teilte der Hotelbetreiber mit, und verwies auf die schwache Wirtschaftsentwicklung und Wechselkursprobleme.

Tipp24-Aktien verloren 1,3 Prozent. Der Internet-Lottovermittler steigerte im ersten Halbjahr, wegen einmaliger Sonderfaktoren, sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 4,4 Millionen Euro, plus 87 Prozent. Der Umsatz wuchs um 29 Prozent auf 21,6 Millionen Euro.

Teles weiter in den Miesen
Das Telekommunikationstechnikunternehmen Teles hat das zweite Quartal mit einem Umsatzplus und einem verbesserten Ergebnis abgeschlossen. Der Umsatz stieg um 68 Prozent auf 6,6 Millionen Euro, der Ebitda-Fehlbetrag verringerte sich von 2,6 auf 2,0 Millionen Euro. Das geringfügig verbesserte Ergebnis überzeugte die Aktionäre nicht, die Aktie verlor mehr als acht Prozent.

I-D Media fast ein Drittel billiger
Auf die Trendwende warten I-D Media-Aktionäre weiterhin vergebllich. Die Aktie des Online-Dienstleisters rutschte um 31 Prozent ab. Die Firma hatte am Freitag fallende Umsätzen und Gewinne vorausgesagt. Man werde die für 2008 geplante Umsatzsteigerung nicht erreichen. Im Jahresbericht 2007 versprach I-D Media noch einen Umsatz von 13 Millionen. Nun geht der Konzern nur noch von einem Umsatz von etwa 10 Millionen und ein negatives Ergebnis aus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr