Trippelschritt ins Plus

Stand: 10.09.2008, 20:01 Uhr

Trotz einer freundlichen Wall Street und rückläufigen Ölpreisen schafft es der Dax am Abend nur zu einem hauchdünnen Plus. Für Kursfantasie sorgen dagegen neue Gerüchte über den Verkauf der Postbank.

Finanzkreisen zufolge haben sich die Deutsche Bank und die Deutsche Post grundsätzlich auf einen Einstieg des Frankfurter Instituts bei der Postbank verständigt, berichten am Abend die Nachrichtenagenturen. Die Deutsche Bank will nach Informationen des «Bonner General-Anzeigers» (Donnerstag) bei der Postbank mit einem Anteil von 29,75 Prozent einsteigen. Darüber hinaus wolle sich die Frankfurter Großbank ein Vorkaufsrecht für die restlichen Postbank-Anteile der Post sichern.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte am Morgen das strategische Interesse des deutschen Branchenprimus an der Postbank bekräftigt. . Während die Aktie der Postbank zu den größten Gewinnern im Dax gehört und vier Prozent zulegt, verlieren die Titel der Deutschen Bank gut 1,5 Prozent.

Insgesamt beendet der Dax den Abendhandel mit einem leichten Plus von knapp 10 Punkten. Im elektronischen Handel hatte der Leitindex noch mit einem Verlust von 23 Punkten bei 6210 geschlossen. Im Laufe des Tages waren die Kurse heftigen Schwankungen ausgesetzt, sowohl nach oben als auch nach unten. Nur mit Mühe gelang es dem Dax am Nachmittag die Marke von 6200 Punkten zu überspringen. Hauptgrund für die Zurückhaltung waren die Probleme der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Lehman überrascht mit Riesenverlust
Im dritten Quartal verbuchte die viertgrößte US-Investmentbank nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar und damit weit mehr als von Experten erwartet. Zudem musste Lehman in den vergangenen drei Monaten weitere 5,6 Milliarden Dollar netto abschreiben. Um an frisches Geld zu kommen, will die Bank mehr als die Hälfte seiner Investmentsparte verkaufen. Mehrere Experten und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erwarten jedoch eine Rettung des Instituts. Trotz dieser Hiobsbotschaft eröffnete die New Yorker Börse im Plus

Deutschland und anderen EU-Ländern droht wegen der Finanzmarktturbulenzen und der hohen Rohstoffpreise nach Ansicht der EU eine leichte Rezession. EU-Kommission und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierten heute unabhängig voneinander, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfen werde. Damit befände sich Deutschland in einer «technischen Rezession», da die Wirtschaftsleistung bereits im zweiten Quartal 2008 zurückgegangen war.

Ölpreis fällt weiter
Die Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die tägliche Fördermenge Rohöl auf 28,8 Millionen Barrel zu reduzieren konnte den Rückgang des Ölpreises nur kurzfristig aufhalten. Für ein Fass der Nordseesorte Brent wurden am Abend nur noch 98,89 Dollar gezahlt, nach mehr als 100 Dollar am Morgen.

Leoni leidet unter Herabstufung
Die Aktien des Autozulieferers und Kabelherstellers Leoni verlieren 5,8 Prozent auf 26,24 Euro und sind damit das Schlusslicht im MDax. Die Analysten von HSBC hatten die Titel auf "underperform" von "neutral" heruntergestuft und ihr Kursziel auf 25 von 36 Euro gesenkt. Vor dem Hintergrund eines schwachen Automarktes in Westeuropa und den USA könne auch die Profitabilität von Leoni leiden, erklärten die Experten.

Deutsche Börse gegen Zerschlagungspläne
Die Papiere des Frankfurter Börsenbetreibers sind die größten Gewinner im Dax. Grund ist der Wille des Vorstands, entgegen den Forderungen der Hedgefonds TCI und Atticus, am integrierten Geschäftsmodell festzuhalten. Die Deutsche Börse sieht "signifikante Vorteile und Synergien in der Verzahnung der Geschäftsbereiche" Kassamarkt, Eurex und Clearstream.

Airbus gegen Boeing, neue Runde
Im Ringen um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe hat Boeing einen wichtigen Teilerfolg gegen den europäischen Konkurrenten, die Airbus-Mutter EADS verbucht: Völlig überraschend zog das Verteidigungsministerium in Washington am Nachmittag den Auftrag zurück. Damit werden die Karten neu gemischt. Das Verfahren soll nun der neuen Regierung überlassen werden, die im Januar an den Start geht. Eads-Aktien klettern dennoch um 3,5 Prozent.

Kontron mit Großauftrag
Der Minicomputer-Hersteller Kontron hat einen Großauftrag erhalten. Der Auftragswert liegt bei 70 Millionen Dollar. Kontron wird in den nächsten fünf Jahren den namentlich nicht genannten Kunden mit kompletten Plattformen der neuesten sogenannten ATCA-Technologie (Advanced Telecom Computing Architecture) beliefern.

Manz kann's
Der Solar- und LCD-Maschinenhersteller Manz Automation hat auf einer Messe in Valencia Aufträge und Absichtserklärungen im Volumen von mehr als 20 Millionen Euro erhalten. Diese würden sich im kommenden Geschäftsjahr auf Umsatz und Ertrag auswirken, teilte das Unternehmen mit.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr