Trichet bremst die Anleger - etwas

Stand: 03.03.2011, 20:02 Uhr

Die Aussicht auf eine Zinswende bereits im Frühjahr hat die Aktienmärkte heute einen Dämpfer versetzt. Dass der Dax dennoch im Plus schließt verdankt er dem sinkenden Ölpreis und einem weiteren Rückgang der US-Arbeitslosenzahlen.

Tatsächlich sind in den USA in der vergangenen Woche so wenig neue Arbeitslosenanträge gestellt worden wie seit Mai 2008 nicht mehr. Die Zahl sank im Vergleich zur Vorwoche um 20.000 auf 368.000. Experten hatten mit einem Anstieg auf 398.000 gerechnet.

Zudem hat sich die Stimmung der Dienstleister im Februar überraschend deutlich aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex ISM stieg von 59,4 Punkten im Vormonat auf 59,7 Punkte im Februar und übertraf damit die Erwartungen.

Weil auch der Ölpreis leicht gesunken ist, greifen die Anleger bei den Aktien wieder zu. Der Dax steigt im Handelsverlauf bis auf 7.294 Punkte, muss am Nachmittag einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Ausgelöst wurden die Gewinnmitnahmen durch die von EZB-Chef Jean-Claude Trichet angekündigte Zinswende. Selbst eine Anhebung der Leitzinsen ab der nächsten Sitzung der Notenbanker Anfang April sei möglich, aber nicht sicher, sagte Trichet. Ökonomen erwarten eine Anhebung um 0,26 Basispunkte.

Anleger sind überrascht
Kein Wunder, dass die Anleger verschnupft reagieren, hatten sie doch bislang frühestens im Herbst mit einer Zinswende gerechnet. Dennoch beendet der Dax den Tag mit einem Plus. Am Abend gewinnt der Leitindex rund 74 Punkte und geht bei 7.252 Zählern aus dem Handel.

Und weil in den USA vorerst nicht mit einer Anhebung der Leitzinsen zu rechnen ist, greifen dort die Anleger kräftig zu. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index deshalb 181 Punkte höher als gestern bei 12.248, ein Plus von 1,5 Prozent.

Euro steigt
Die von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet angekündigte Zinswende hat den Euro auf 1,394 Dollar katapultiert, den höchsten Stand seit vier Monaten.

Lufthansa auf Erholungskurs
Dank des sinkenden Ölpreises sind die Papiere europäischer Fluggesellschaften auf Erholungskurs gegangen. Die Titel der Lufthansa sind mit einem Aufschlag von rund drei Prozent der gefragteste Wert im Dax. Auch die Aktien von Air Berlin im SDax legen zu.

Der Preis für die Ölsorte Brent fiel um 1,1 Prozent auf 115 Dollar pro Fass, die US-Sorte WTI verbilligte sich ebenfalls um 1,1 Prozent auf 101,08 Dollar je Barrel.

Kein E10 mehr: Bioethanolhersteller brechen ein
Nach den massiven Absatzproblemen mit dem neuen Biosprit E10 wird die bundesweite Einführung vorläufig gestoppt - mit verheerenden Folgen für die beiden börsennotierten Hersteller von Bioethanol Cropenergies und Verbio. Deren Aktien brechen zweistellig ein.

Gestern hatte der Finanzvorstand von Cropenergies, Joachim Lutz, noch versucht, die Anleger zu beruhigen. Das Unternehmen registriere keinen Umsatzrückgang beim Treibstoff E 10, sagte er. Zugleich bekräftigte Lutz die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2010/11 und fügte hinzu, er sehe keinen Grund, warum die Ergebnisaussichten für das kommende Jahr schlechter sein sollten.

Tui trennt sich von Hapag-Lloyd-Anteil
Papiere des Reisekonzerns Tui drehen bis zum Börsenschluss wieder leicht ins Plus nachdem sie zuvor bis zu 1,5 Prozent abgeben mussten. Auslöser ist die Mitteilung über einen Verkauf von 11,33 Prozent seiner Hapag-Lloyd-Anteile an das Albert-Ballin-Konsortium. Im Anschluss hält Tui dann immer noch 38,4 Prozent an der Reederei. "Einige Marktteilnehmer haben offenbar das Gefühl, Tui hat den Anteil zu günstig verkauft" erklärte ein Händler die Kursreaktion.

Beiersdorf schwächelt
Die Aktien von Beiersdorf gehören nach endgültigen Zahlen zu den schwächsten Werten im Dax. In einem sehr freundlichen Gesamtmarkt drehten die Titel des Konsumgüterherstellers ins Minus. Börsianer sprachen von unspektakulären Zahlen. Auch Analyst Michael Gorny von der WestLB sah die Zahlen "mehr oder weniger" im Rahmen der bekannten Eckdaten. Positiv sei lediglich die unveränderte Dividende von 70 Cent.

Conti leidet unter Schaeffler-Plänen
Deutlich abgeben müssen die Papiere des Autoausrüsters Continental. Auslöser ist ein Bericht der FTD wonach der Großaktionär Schaeffler sich von einem Teil seiner Beteiligung trennen wolle. nach dem kräftigen Wachstum und der Rückkehr in die Gewinnzone im vergangenen Jahr hat sich Continental auch für das laufende Jahr ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Danach sollen die Erlöse um weitere zehn Prozent auf mehr als 28,5 Milliarden Euro zulegen.

ProSiebenSat1 überzeugt nicht
Noch stärker unter Druck geraten sind die Papiere von ProSiebenSat. Deren Chef Thomas Ebelin rechnet zwar auch in diesem Jahr mit wachsenden Umsätzen, bleibt aber vorsichtig. Eine konkrete Prognose machte Ebeling nicht. Das missfällt den Anlegern. Auf der Verkaufsliste steht das Medienunternehmen deshalb ganz oben. Hellhörig wurden die Investoren auch, weil Ebeling andeutete, dass sich das späte Osterfest im April negativ auf das erste Quartal auswirken könnte. Das erste Quartal sei "solide, aber nicht spektakulär" gestartet. Am Ende sei aber vor allem das vierte Quartal entscheidend."

Klöckner an MDax-Spitze
Dagegen sind die Papiere des Stahlhändlers die größten Gewinner im MDax. Neue Unternehmensmeldungen gibt es zwar nicht, doch die Analysten erwarten, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben hat. Der Überschuss wird auf knapp 63 Millionen Euro geschätzt. KlöCo will am kommenden Dienstag seinen Geschäftsbericht vorlegen.

Pfeiffer bricht Rekord
Zu den Favoriten im TecDax gehören wieder einmal die Aktien von Pfeiffer Vacuum. Grund ist eine positive Einschätzung der WestLB. Deren Analysten haben das Kursziel von 113 auf 135 Euro angehoben und empfehlen die Aktie zum Kauf. Die Papiere von Pfeiffer sind deshalb zeitweise über die 100-Euro-Marke gestiegen, rutschen bis zum Handelsschluss aber wieder darunter.

Muehlhan im Tiefflug
Dagegen geht es mit der Aktie von Muehlhan zweistellig nach unten. Der Spezialist für Oberflächenschutz hat im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 191 auf 165 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das Ebit lag bei minus 2,5 Millionen Euro nach plus 8,4 Millionen im Vorjahr. Die eigene Prognose wurde deutlich verfehlt.

Aurelius kann nicht begeistern
Nahezu unverändert notiert die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Dabei hat die Firma im vergangenen Jahr ihren Umsatz von 711 auf 906 Millionen Euro gesteigert. Das Ebitda wuchs um 88 Prozent auf 238 Millionen Euro. "Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Aurelius-Vorstand steigende Umsätze sowie eine weitere Verbesserung des operativen Ergebnisses des Beteiligungsportfolios", teilte das Unternehmen mit.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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