Tiefroter Wochenstart

Stand: 23.04.2012, 20:00 Uhr

Enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone sowie die politischen Unsicherheiten in Frankreich und den Niederlanden führten gleich am ersten Handelstag der Woche zu einer massiven Verkaufswelle.

Die Verluste haben sich im Tagesverlauf immer weiter ausgeweitet, so dass der Dax schließlich bei 6.523 Punkten aus dem Handel geht, ein Minus von 227 Punkten oder 3,36 Prozent. Im Abendhandel verliert der Dax 2,7 Prozent und fällt auf 6.555 Punkte zurück. Damit notierte er so niedrig wie zuletzt Anfang Februar. Das Plus seit Jahresanfang ist damit auf noch zehn von zuvor über 14 Prozent zusammengeschmolzen. Auch der Euro wird mit 1,3130 Dollar fast einen Cent niedriger gehandelt als am Freitag.

Gleichzeitig flohen viele Anleger in die als sicher geltenden Bundesanleihen, was den Bund-Future auf ein Rekordhoch von 141,36 Punkten trieb - ein Plus von 98 Ticks.

Ausgelöst wurde die Verkaufswelle von einer ungünstigen Gemengelage aus politischen Nachrichten und schwachen Konjunkturdaten. Dazu gehört die Furcht, dass bei einer Wahl des Sozialisten François Hollande bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich die Sparanstrengungen in der Eurozone nachlassen könnten. Beunruhigt wurden die Anleger auch vom Rücktritt der niederländischen Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte.

Einkaufsmanagerindex gesunken
Vor allem aber scheinen sich die Anleger davor zu fürchten, dass die Eurozone trotz der weiterhin robusten Konjunktur in Deutschland, in die Rezession gleiten könnte. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone war überraschend gesunken, darunter auch der Indikator für die Aktivität im deutschen Verarbeitenden Gewerbe. Als besonders brisant erscheint zudem die Lage der Wirtschaft in Spanien. Gleichzeitig muss das Land für zehnjährige Anleihen nun eine Rendite von sechs Prozent zahlen. Dieses Niveau gilt allgemein als eine Schmerzgrenze.

Wie die Statistikbehörde Eurostat am Montag mitteilte belief sich der Fehlbetrag im Staatshaushalt Spaniens 2011 auf 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung - fast dreimal soviel wie laut Maastricht-Vertrag erlaubt ist.

Gedrückt wird der Markt auch von der Vorsicht der Anleger, die sich vor der Veröffentlichung der in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen namhafter Unternehmen aus Deutschland mit Zukäufen zurückhielten.

Der US-Aktienmarkt ist am Montag wegen Sorgen um die Weltkonjunktur ebenfalls mit deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 137 Punkte tiefer als am Freitag bei 12.892 Zählern.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,70
Differenz relativ
+4,70%

MAN am Dax-Ende
Angeführt wird die Liste der Verlierer von MAN. Neben den allgemeinen Konjunktursorgen wird der Titel auch von der am Montag erfolgten Auszahlung einer Dividende von 2,30 Euro je Anteilsschein gedrückt. Aber auch Infineon steht mit einem Verlust von 6,6 Prozent ganz oben auf der Liste der Verlierer.

Philips stützt Siemens - kaum
Der radikale Konzernumbau zahlt sich für Europas größten Verbraucherelektronikkonzern Philips aus. Mit einem Gewinnsprung von 80 Prozent zu Jahresbeginn deuteten die Niederländer erstmals nach langer Durststrecke an, dass sie das Ruder doch noch herumreißen könnten. Auch an der Börse sorgte die Entwicklung des Siemens -Rivalen für Zuversicht. Die Philips-Aktie legte in Amsterdam gegen den Trend zwischenzeitlich mehr als sechs Prozent zu.

Die Papiere von Siemens können davon kaum profitieren. Sie büßen 2,5 Prozent ein und halten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,08
Differenz relativ
+0,19%

Merck ex Dividende
Mit einem Dividendenabschlag von 1,50 Euro je Aktie werden die Papiere des Darmstädter Dax-Unternehmen am ersten Handelstag nach der Hauptversammlung gehandelt. Damit fällt der heutige Verlust eigentlich moderater aus als es den Anschein hat.

Rhön-Aktie trotzt Korrektur
Auch der MDax büßt kräftig ein. Am Ende sind es 3,6 Prozent. Allein die Aktie des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum kann sich dem Abwärtstrend entziehen und 2,3 Prozent zulegen. Marktteilnehmer verweisen auf ein "Overweight"-Urteil der Analysten von HSBC und charttechnische Gründe, die die Aktie derzeit antreibe.
DE0007042301

Dagegen führen Gildemeister und Deutz die Liste der größten Verlierer im MDax an. Diese konjunktursensiblen Werte büßen bis zu 7,1 Prozent ein.

Centrotherm springt hoch
Im TecDax rangiert die Aktie des Solar-Herstellers Centrotherm einsam an der Spitze. Die Commerzbank hat den Titel mit einer Kaufempfehlung geadelt und das Kursziel auf zwölf Euro angehoben. Schlechte Nachrichten seien bei der Aktie weitgehend eingepreist, so die Begründung. Auch unter den größten Verlierern im Technologieindex finden sich allerdings mit SMA oder Solarworld Vertreter der Solarbranche.

Tipp24 rauf, Balda runter
Die Aktien von Balda sind mit einem Minus von zeitweise fast acht Prozent einer der schwächsten Werte im SDax. Der mit Verlusten kämpfende Kunststoff-Verarbeiter schließt eine Trennung vom Geschäftsfeld Elektronische Produkte nicht aus. Damit ist die Beteiligung an dem Touchscreen-Hersteller TPK gemeint.

Dagegen rangieren Aktien des Wettanbieters Tipp24 an der SDax-Spitze. Das Unternehmen hatte am Wochenende bekanntgegeben, dass es sein Deutschland-Geschäft an die Aktionäre per Sonderdividende "verschenken" will. Anteilseigner erhalten je eine Aktie der neuen Lotto24 AG.

Q-Cells macht Hoffnung
Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells soll an einen oder mehrere Investoren verkauft werden. Es werde beabsichtigt, damit Q-Cells zu sanieren, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit. "Unser Ziel ist es, möglichst große Teile von Q-Cells und der Arbeitsplätze zu retten", sagte der Rechtsanwalt Henning Schorisch. Mit der weltweiten Suche nach Investoren sei das Frankfurter Büro der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte beauftragt worden. Die Aktie von Q-Cells macht einen Freudensprung von 20 Prozent. Dabei muss aber beachtet werden, dass es sich bei den Übernahmen um einen "Asset Deal" handeln dürfte, womit die Aktionäre leer ausgehen würden.

Nestlé hat Appetit auf Baby-Nahrung
Der Schweizer Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé kommt bei der Lebensmittelsparte des Pharmakonzern Pfizer zum Zug. Nach Unternehmensangaben wechselt der Bereich für 11,85 Milliarden Dollar den Besitzer. Neben Nestlé hatte sich auch Konkurrent Danone um die Sparte bemüht.

Michelin fährt heißen Reifen
Preisanhebungen und eine starke Nachfrage nach Spezialreifen kurbeln die Geschäfte von Michelin an. Im ersten Quartal legte der Umsatz um 5,1 Prozent zu auf 5,3 Milliarden Euro, wie der nach der japanischen Bridgestone zweitgrößte Reifenhersteller der Welt am Montagabend mitteilte. Besonders kräftig legte der Absatz mit Spezialreifen etwa für Flugzeuge und Landwirtschaftsmaschinen zu. Der Konzern konnte damit unter anderem schwächere Verkäufe im krisengeplagten Europa ausgleichen.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.