Tief betrübt

Lothar Gries

Stand: 14.03.2008, 20:00 Uhr

Die nur knapp an einer Pleite vorbeigeschrammte US-Investmentbank Bear Stearns hat die Anleger weltweit zu Aktienverkäufen getrieben. Kein Ende nimmt auch die Rekordjagd von Euro und Gold.

Im Abendhandel hat der Dax seine Talfahrt noch einmal beschleunigt. Der Leitindex geht mit einem Abschlag von 164 Punkten bei 6383 Zählern, das sind 2,5 Prozent weniger als gestern, ins Wochenende. Damit hat der Dax seit Jahresbeginn gut 20 Prozent an Wert eingebüßt und die Gewinne des gesamten Vorjahres wieder vernichtet.

Als Reaktion auf die anhaltende Flut schlechter Nachrichten von der Kreditkrise stieg der Preis für eine Unze Gold erstmals über die Marke von 1000 Dollar, und die europäische Gemeinschaftswährung erreichte einen Höchstwert von 1,5678 Dollar. Bei den Ölpreisen gab es dagegen zunächst eine Verschnaufpause.

Hoffnung auf Zinssenkung

Hilfe erwarten die Anleger nun erneut von der US-Notenbank Fed. Deren Geldspritze ist zwar nach nur zwei Tagen verpufft, doch weckt die niedriger als erwartet ausgefallene Teuerungsrate im Februar von 2,3 Prozent Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung auf der nächsten Gouverneurs-Sitzung am Dienstag. Analysten erwarten eine Lockerung um 75 Basispunkte. "Die andauernde Finanzmarktkrise und die sich verstärkenden Anzeichen einer Rezession halten die Fed weiter auf ihrem aggressiven Zinssenkungskurs", kommentiert Analyst Patrick Franke von der Commerzbank.

Erst die Veröffentlichung des weniger stark als befürchtet gesunkenen US-Konsumklimas, das von der Universität Michigan ermittelt wird, sorgte für etwas Erleichterung.

Bear Stearns mit Zahlen bereits am Montag
Die angeschlagene US-Investmentbank Bear Stearns wird die Bilanz bereits am Montag veröffentlichen. Bear-Stearns-Chef Alan Schwartz sagte, er fühle sich
wohl mit den Analystenschätzungen. Der drohende Kollaps von Amerikas fünftgrößter Investmentbank hat am Freitag für Panikreaktionen an den Börsen gesorgt.

Der Dax brach binnen Minuten um mehr als 100 Punkte ein, nachdem er zuvor noch mit gut 100 Punkten im Plus lag. Grund für den akuten Stimmungswechsel war die Meldung, dass die Fed und die Investmentbank JP Morgan der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns kurzfristig Gelder zu Verfügung stellen mussten, um das Bankhaus vor dem Kollaps zu bewahren. Die Bank erklärte, ihre Liquiditätspositionen hätten sich in den vergangenen 24 Stunden signifikant verschlechtert. Erst gestern hatten Probleme einer Fondsgesellschaft der US-Beteiligungsfirma Carlyle für Unruhe an den Märkte gesorgt.


Dresdner Bank wird aufgeteilt - Allianz-Aktie steigt
Die Allianz-Tochter Dresdner Bank soll unter dem Dach einer Holding in zwei eigenständige Banken aufgeteilt werden: eine für Privat- und Firmenkundengeschäft sowie eine für das Kapitalmarktgeschäft/Investmentbanking. Damit habe man die Voraussetzung geschaffen, aktiver am Konsolidierungsprozess im deutschen Bankenmarkt teilzunehmen, sagte ein Sprecher. Mit der internen Aufspaltung der Dresdner Bank reagiert der Mutterkonzern Allianz auf die Krise im von Milliardenbelastungen gebeutelten Investmentbanking der Dresdner Bank. Die gesellschaftsrechtliche Teilung eröffnet nach Einschätzung von Branchenkennern auch die Möglichkeit, die defizitäre Dresdner Kleinwort abzustoßen. Gleichzeitig halten sich Vermutungen, die Allianz sei an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Postbank interessiert. Die Anleger begrüßten die Meldung mit einem Aufschlag für die Allianz-Aktie von zeitweise mehr als einem Prozent.

RWE kauft sich bei russischem Stromerzeuger ein
Der deutsche Energiekonzern RWE hat sich bei dem russischen Erzeuger TGK-2 eingekauft. Gemeinsam mit der russischen Sintez-Group übernimmt die RWE einen Anteil von 43 Prozent der Aktien. Ursprünglich habe der Käufer die Kontrollmehrheit erwerben wollen. Der Essener Versorger hatte in der Vergangenheit angekündigt, das Auslandsgeschäft auszubauen und dabei auch den Fokus auf Russland gelegt. Rivale E.on hat sich bereits an dem russischen Stromproduzenten OGK-4 beteiligt und will weiter zukaufen.

AWD will Rekorddividende ausschütten
Der vor der Übernahme durch Swiss Life stehende Finanzdienstlsiter AWD will seinen Aktionären eine Rekorddividende von 1,50 Euro ausschütten. Dies wäre die höchste Dividende der Unternehmengeschichte. Insgesamt würden damit 58 Millionen Euro ausgeschüttet. Die Hauptversammlung werde am 4. Juni endgültig entscheiden. Im Vorjahr hatte die Dividende bei 1,30 Euro gelegen.

Tui größter Gewinner im Dax
Die Aktie des Schifffahrts- und Touristikkonzerns steigt um 6,7 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass Vorstandschef Michael Frenzel offenbar bereit ist, die Schifffahrtstochter Hapag Lloyd aus dem Gesamtkonzern herauszutrennen. Frenzel werde dies dem Aufsichtsrat am Montag vorschlagen, berichtet "Die Welt". Damit würde sich Frenzel der Forderung einer Reihe von angelsächsischen Großaktionären beugen, die seit langem eine Aufspaltung des Unternehmens fordern.

Porsche will Vormacht bei VW ausbauen
Porsche will auf der VW-Hauptversammlung im April mit einer Änderung der Satzung seine Vormachtstellung weiter ausbauen. Der Zuffenhausener Autobauer fordert vor allem die bisher geltende Sperrminorität in der Hauptversammlung für bedeutsame Entscheidungen von 80 Prozent auf 75 Prozent zu senken. Dies richtet sich vor allem gegen das Land Niedersachsen, das als zweitgrößter VW-Aktionär knapp über 20 Prozent an VW hält. Damit zeichnet sich auf der am 24.April vorgesehenen Hauptversammlung ein Machtkampf zwischen Porsche und den anderen Aktionären ab. Zudem forderte Porsche die Bundesregierung auf, das VW-Gesetz zu streichen. Die Aktie von Volkswagen legt leicht zu.

Indus zahlt mehr Dividende
Die Beteiligungsgesellschaft hat das Geschäftsjahr 2007 erfolgreich abgeschlossen. Nach vorläufigen Zahlen stiegen die Umsatzerlöse kräftig von 850 Millionen. Euro auf über 920 Millionen. Euro. Auch das Ebit legte überproportional von 85 Millionen Euro auf über 100 Millionen zu, ebenso das Ergebnis nach Steuern, das mit erwarteten 50 Millionen deutlich über dem Vorjahr liegen wird (30 Mio. Euro). Daraus errechnet sich ein KGV von unter 8. Der Vorstand geht von einer stabilen Dividendenzahlung in Höhe von 1,20 Euro aus. Damit ergibt sich eine Dividendenrendite von sechs Prozent.

Arcandor-Versand soll schneller verkauft werden
Der Arcandor-Konzern will die Auslandsexpansion seiner Versandhandelstochter Primondo vorantreiben und das Unternehmen schneller als bisher geplant fit für die Börse machen. Bereits bis zur Jahresmitte sollen nun die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang abgeschlossen sein, kündigte Primondo-Vorstandschef und Arcandor-Vorstandsmitglied Marc Sommer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. Ursprünglich wollte sich das Unternehmen dafür bis zum Herbst Zeit lassen. Die Papiere von Arcandor steigen um 0,4 Prozent.

Fusionsfantasien bei Stahl
Die Aktien der beiden deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp und Salzgitter steigen überdurchschnittlich um mehr als vier Prozent. Händler begründen die Kursgewinne mit dem Konsolidierungsbedarf in der Stahlindustrie. Ausgelöst wurden diese Spekulationen von dem chinesischen Stahlhändler Sinosteel, der ein feindliches Übernahmeangebot für das australische Bergbauunternehmen Midwest abgegeben hatte.

DBAG bleibt trotz Verlusten optimistisch
Die Deutsche Beteiligungs-AG hat das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres mit einem Verlust abgeschlossen. Die Firma begründete den Verlust von 21,7 Millionen Euro mit der weltweiten Finanzkrise. Allein 24 Millionen Euro Belastung entstand durch den starken Kursverlust der Beteiligung an Homag. Für das gesamte Geschäftsjahr 2007/08 erwartet Vorstandschef Wilken von Hodenberg trotz der Probleme an den Finanzmärkten ein positives Ergebnis. Die roten Zahlen enttäuschen die Aktionäre, die SDax-Aktie verliert 3,5 Prozent.

DAB Bank mit weniger Order
Die Direktbank DAB hat im Februar weniger Order ausgeführt. "Der Februar war ein schwächerer Monat für uns", sagte Vorstand Alexander von Uslar am Freitag in einer Telefonkonferenz. Monatliche Orderzahlen veröffentlicht die zur HVB gehörende Bank nicht. Auch die Konkurrenten berichteten schon von fallenden Wertpapieraufträgen im Februar. Comdirect beispielsweise wurde im Februar durch den Börsenabschwung belastet, die ausgeführten Wertpapieraufträge fielen im Vergleich zum Januar um gut 30 Prozent.

Swatch erzielt Rekordgewinn
Der Schweizer Modeuhrenhersteller Swatch hat im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Franken Nettogewinn erzielt. Der Konzern gab einen Nettogewinn von 1,015 Milliarden Franken bekannt, 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz stieg um etwa 18 Prozent auf 5,94 Milliarden Franken. Swatch will die Dividende leicht erhöhen und versprach, 2008 sowohl Umsatz als auch Gewinn weiter zu erhöhen. Als Herausforderung identifizierte der Konzern den schwachen Dollar und hohe Rohstoffpreise.

Solarwirtschaft sieht gute Wachstumschancen
Die deutsche Photovoltaikbranche rechnet bis 2010 mit einer Verdoppelung ihres Umsatzes und deutlich steigenden Investitionen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Umsatz von heute 5,5 auf mehr als 10 Milliarden Euro klettern, zudem ist eine Ausweitung der Investitionen von derzeit 1,5 auf 2,5 Milliarden Euro geplant, heißt es in einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo und des Bonner Marktforschungsinstituts EuPD-Research.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat