Telekom drückt den Dax

Lothar Gries

Stand: 19.03.2008, 20:01 Uhr

Gewinnmitnahmen an der Wall Street und ein nervöser, richtungsloser Handel in Deutschland prägten heute das Geschehen an den Börsen. Richtig abgestraft wurden die Papiere der Deutschen Telekom, die den gesamten Dax ins Minus drückte.

Den Vorgaben aus Amerika folgend, hat der deutsche Leitindex im Abendhandel seine Verluste ausgebaut schließt 75 Punkte tiefer bei 6319 Zählern. Gewinner sind die Autobauer und die Finanzwerte, aber auch Henkel und Linde können überdurchschnittlich zulegen.

Als Grund für die teilweise drastischen Kursausschläge nannten einige Börsianer auch den großen Verfall an den Terminmärkten am morgigen Donnerstag. Zu diesem Abrechnungstag versuchen Anleger die Kurse derjenigen Aktien, auf die sie Derivate haben, in die für sie günstige Richtung zu beeinflussen.

Die Ölpreise sind deutlich gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde im späten Handel mit 103,60 Dollar gehandelt. Das waren 4,88 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 4,35 Dollar auf 101,15 Dollar. Auch der Euro sank gegenüber dem Dollar auf 1,55.

Geschockt reagierten die Anleger vor allem auf die Aussichten der Deutschen Telekom.

Telekom stürzen nach Teilgewinnwarnung

Die Deutsche Telekom hat mit einem Ausblick für die Gewinnentwicklung im Festnetzgeschäft einen Kurssturz ihrer Aktien ausgelöst. Die T-Aktie brach zeitweise um bis zu 13 Prozent auf unter 10 Euro ein und damit auf den tiefsten Stand seit März 2003. Händler sprachen von einer ungerechtfertigten Übertreibung, denn die Prognosen lagen nur leicht unter den Markterwartungen. Die Telekom rechnet für 2008 in Festnetzsparte mit einem Gewinnrückgang von acht Prozent. Das Unternehmen bekräftigte aber gleichzeitig seine Konzernprognose.

Arcandor verkauft Immobilien
Der Essener Einzelhandelskonzern hat seinen Anteil in Höhe von 49 Prozent an der Immobiliengesellschaft Highstreet nun endlich veräußert. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde heute unterzeichnet. Erwerber ist ein Konsortium bestehend aus RREEF (Tochtergesellschaft der Deutsche Bank AG), Pirelli Real Estate, Generali Real Estate Fund S. A. und der Borletti Group.. Der Gesamtwert der Transaktion, bestehend aus dem Verkauf der Gesellschaftsanteile an Highstreet und einer separaten vertraglichen Vereinbarung mit dem bisherigen Joint Venture Partner Whitehall, beläuft sich auf rund 800 Millionen Euro. Die Aktie von Arcandor setigt an die Spitze der Mdax-Gewinner.

Morgan Stanley besser als erwartet
Die zweitgrößte US-Investmentbank hat durch die Kreditkrise wie ihre Wettbewerber einen Gewinneinbruch erlitten. Das Ergebnis fiel aber weniger stark als von Experten befürchtet. Unter dem Strich verdiente Morgan Stanley im ersten Geschäftsquartal 1,5 Milliarden Dollar (1,0 Milliarde Euro) und damit rund 40 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Im Vorquartal war Morgan Stanley nach Rekordabschreibungen erstmals in seiner Geschichte in die roten Zahlen gerutscht. Wie auch andere Häuser musste sich die Bank über neue Gesellschafter eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe verschaffen. Die Wall Street nahm die Nachricht positiv auf: Morgan-Stanley-Aktien legten zu.

Sony Ericsson schockt Märkte
Der Handykonzern Sony Ericsson hat die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Angesichts des weltweiten Wirtschaftsabschwungs dürfte der Reingewinn vor Steuern um mehr als die Hälfte schrumpfen, erklärte der viertgrößte Handyhersteller. Das Ergebnis dürfte damit im ersten Quartal voraussichtlich nur noch zwischen 150 bis 200 Millionen Euro liegen. Die Aktie verliert bis zu acht Prozent und zieht auch den Konkurrenten Nokia kräftig nach unten.

Starkes Kursplus bei Visa-Erstnotiz
Beim größten Börsengang der US-Geschichte ist der Kreditkartenkonzern Visa fulminant auf dem Parkett gestartet. An der New Yorker Börse wurde der erste Kurs zum Handelsauftakt heute nachmittag bei 59,50 Dollar notiert und damit um mehr als ein Drittel über dem Ausgabepreis von 44 Dollar. Händler begrüßten dies als ermutigendes Zeichen inmitten stürmischer Zeiten an den Aktienmärkten durch die Kreditkrise..

Visa hatte zuvor bei den Anlegern die Rekordsumme von fast 18 Milliarden Dollar an frischem Kapital eingesammelt. Wegen der hohen Nachfrage lag der Ausgabepreis bereits über der angekündigten Spanne von 37 bis 42 Dollar.

Pfleiderer von höherer Dividende getrieben
Pfleiderer sind am nachmittag um bis zu drei Prozent geklettert. Der Möbel- und Bauzulieferer will seinen Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr eine um fünf Cent erhöhte Dividende von insgesamt 30 Cent je Aktie ausschütten.

Berentzen-Aktionäre müssen auf Dividende verzichten
Die Aktionäre des Schnaps-Produzenten Berentzen müssen dieses Jahr auf eine Dividende verzichten. Der Aufsichtsrat habe dem Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, den Anteilseignern für 2007 nichts zu zahlen, teilte Berentzen in Haselünne mit. Vergangenes Jahr war der Hersteller von Apfelkorn und Wodka durch höhere Werbeausgaben und gestiegene Rohstoffkosten tief in die roten Zahlen geraten.

IVG auf Talfahrt
Am Tag nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen haben die Aktien der IVG ihre Talfahrt beschleunigt. Sie brachen am Mittag um bis zu zwölf Prozent ein. "Das sind die Nachwehen von gestern", sagte ein Händler. "Der Ausblick war schlecht, und auch die Analystenkonferenz hat enttäuscht." Die Immobilienfirma hatte sich wegen der Finanzmarktkrise pessimistisch über die Aussichten geäußert und für 2008 einen Gewinnrückgang vorausgesagt.

Schmack Biogas springen in die Höhe
Aktien von Schmack Biogas sind am Nachmittag um über 14 Prozent auf 13,20 Euro
gesprungen. Grund ist eine Entscheidung des Bundeskabinetts, ab sofort die Einspeisung von Biogas in das Gasnetz zu erleichtern. Auch Händler äußerten sich in einer ersten Reaktion positiv. Titel von Envitec Biogas legten ebenfalls zu.

Porsche fährt auf China und Russland ab
Der Sportwagenhersteller Porsche hält trotz der Verschärfung der Krise in den USA an seinen Absatzplänen fest. Wenn nichts völlig Unvorhersehbares passiere, dürfe Porsche erneut ein gutes Ergebnis erzielen, teilte Porsche im Halbjahresbericht mit. Beim Absatz setzt der Autobauer jetzt allerdings nicht mehr auf die USA, sondern auf China, Russland und Nahost. In den USA, dem bisher wichtigsten Absatzmarkt, verkaufte Porsche im Januar und Februar jeweils zehn Prozent weniger.

Medion größter SDax-Gewinner
Der Elektronikhändler Medion hat 2008 mit einem leichten Umsatzplus begonnen. In den ersten beiden Monaten lag der Erlös drei Prozent über dem Vorjahreswert, teilte Medion mit. Der Vorstand bekräftigte, dass Medion den Umsatz in diesem Jahr weiterhin um drei bis fünf Prozent steigern wolle, die Ebit-Marge soll um zwei bis 2,5 Prozent wachsen. Als Risiko bezeichnete Medion den starken Wettbewerb. Die SDax-Aktie gewinnt heute mehr als fünf Prozent.

Milliarden für US-Hypotheken
Die beiden US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sollen offenbar die Branche mit 200 Milliarden Dollar stützen. Die Konzerne dürfen, das berichten "mit der Situation vertraute Personen", künftig einige ihrer Kapitalreserven zum Aufkauf von Hypotheken-Vermögenswerten verwenden. Dafür müssten sie eine Kapitalerhöhung - möglicherweise durch die Ausgabe von Vorzugsaktien - vornehmen. Die US-Aufsichtsbehörden wollen die Pläne gemeinsam mit den beiden Instituten heute Nachmittag vorstellen, hieß es.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat