Tanz auf dem Vulkan

Lothar Gries

Stand: 25.03.2008, 20:05 Uhr

Auch der heftige Einbruch des US-Verbrauchervertrauens im März schaffte es nicht, die Kauflaune der europäischen Anleger zu beenden. Von einer Trendwende an den crashgeplagten Märkten kann jedoch nicht die Rede sein. Die nächste Hiobsbotschaft kommt bestimmt.

Der Dax beendete den Abendhandel mit einem Kursanstieg von 191 Punkten auf 6544 Zähler, drei Prozent mehr als am Gründonnerstag. Angeführt wurde die Rally von der Hypo Real Estate und den anderen Finanzwerten. Überdurchschnittlich zulegen konnten auch die Papiere von Infineon und Adidas.

Kräftig nach oben ging es auch in der zweiten Reihe. Der mit Abstand größte Kursgewinner war der Mdax-Aufsteiger Demag Cranes. Zweistellige Zuwachsraten verzeichneten auch die Papiere der Aareal Bank.

Selbst der unerwartet heftige Einbruch des US-Verbrauchervertrauens im März konnte der guten Stimmung nichts anhaben. Nach einem kurzen Knick am Nachmittag erholten sich die Werte rasch wieder. Dabei ist der Index auf das niedrigste Niveau seit fünf Jahren gefallen. Analysten hatten dagegen nur mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Berlin stoppt bei IKB Entlastungen

Die Bundesregierung will über eine aktienrechtliche Sonderprüfung die Verantwortlichkeiten für die milliardenschweren Belastungen der Mittelstandsbank IKB klären lassen. Der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück sagte heute, die für die Hauptversammlung der Bank am kommenden Donnerstag beantragte Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat werde damit verschoben. Die Sonderprüfung solle volle Transparenz über das Verhalten der IKB-Gremien herstellen und offene Fragen zweifelsfrei beantworten. Der Aufsichtsrat habe nach Auffassung des Finanzministeriums eine einwandfreie Arbeit geleistet. Die Verantwortung für die Probleme liege allein beim alten IKB-Vorstand, so der Sprecher.

Escada mit neuen Eigentümern?
Der britische Finanzinvestor Apax will einem Zeitungsbericht zufolge bei Escada einsteigen und gemeinsam mit dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko die Mehrheit an dem Münchener Modekonzern übernehmen. Neuer Vorstandsvorsitzender soll der bisherige Hugo Boss-Chef Bruno Sälzer werden, berichtet das «Handelsblatt» in seiner Mittwoch-Ausgabe. Dem Blatt zufolge will sich Apax nicht nur finanziell an Escada beteiligen, sondern auch ein neues Management mit einbringen. Die neue Eigentümer-Konstellation soll bis zur Escada-Hauptversammlung am 17. April stehen.

Infineon pofitiert von Qimonda
Die Infineon-Tochter Qimonda will sich vom taiwanischen Unternehmen Inotera trennen. "Wir führen Gespräche mit unserem Partner", sagte ein Qimonda-Sprecher am Dienstag und ergänzte: "Alle Optionen sind möglich, Verkauf wie Zukauf." Qimonda und Nanya halten jeweils rund 35 Prozent an der börsennotierten Inotera und nutzen deren Fertigungskapazitäten gemeinsam. Händler gehen davon aus, dass Qimonda seinen Anteil abgibt. Der Kurs von Infineon legt überdurchschnittlich zu.

Stockt Microsoft Gebot für Yahoo auf?
Microsoft wird nach Einschätzung der Citigroup sein 42 Milliarden Dollar schweres Übernahmegebot für Yahoo voraussichtlich aufbessern. Mit einer Konkurrenz-Offerte sei nicht zu rechnen, schrieb Analyst Mark Mahaney zudem an Kunden. Allerdings gehe Citigroup davon aus, dass Yahoo aggressiv auf der Suche nach strategischen Alternativen sei. Eine Möglichkeit sei ein Zusammengehen mit Time Warner. Solche Pläne könnten Microsoft dazu bringen, sein Gebot zu erhöhen. Letztendlich geht die Citigroup aber weiter davon aus, dass es zu einem Microsoft-Yahoo-Geschäft kommen wird.

US-Finanzierer Thornburg braucht Milliarden
Der unter akuter Geldnot leidende US-Hypothekenfinanzierer Thornburg Mortgage will sich für sein Überleben in einem zweiten Anlauf frisches Kapital von bis zu 1,35 Milliarden Dollar besorgen. Die Gesellschaft benötigt die Geldspritze dringend, um eine drohende Pleite zu vermeiden. Die Banken machten das neue Kapital zur Bedingung für einen weiteren Zahlungsaufschub Zunächst hatte sich Thornburg über eine Wandelanleihe knapp eine Milliarde Dollar (642 Mio Euro) beschaffen wollen, der Plan scheiterte aber wegen mangelnder Nachfrage.

Thielert stampft Prognose für 2007 und 2008 ein
Der Flugzeugmotorenbauer Thielert hat seine Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr eingestampft. Derzeit bestätige das Unternehmen keinerlei der gegebenen Prognosen für 2007 und die Folgejahre, sagte ein Sprecher am Dienstag. Für einen neuen Geschäftsausblick werde die Überarbeitung der Bilanz durch Wirtschaftsprüfer abgewartet. Auch die Veröffentlichung seines Jahresabschlusses für das vergangene Jahr muss Thielert verschieben, nachdem das Landgericht Hamburg die Abschlüsse der vergangenen Jahre für nichtig erklärt hatte. Die im Sdax notierte Aktie stürzt weiter ab.

Adidas setzt auf Reebok
Der Sportartikelhersteller hat die Prognose für seine Tochter Reebok angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstellige Prozentbereich. Bisher war eine niedrige bis mittlere einstellige Wachstumsrate in Aussicht gestellt worden. Ein neues Gemeinschaftsunternehmen soll den Reebok-Absatz in Brasilien und Paraguay beflügeln. An den Prognosen für den gesamten Konzern ändert sich allerdings nichts. Trotzdem klettern die Papiere überdurchschnittlich.

Geht die Postbank an die Allianz?
Im Rennen um eine Übernahme der Postbank hat die Allianz die besten Chancen, berichtet das "Handelsblatt". Der Münchener Finanzkonzern habe mit seiner Tochter Dresdner Bank beim Mehrheitseigner Post und in Teilen der Bundesregierung derzeit "die besten Karten", berichtet das Blatt und beruft sich dabei auf Insider. Zudem sei die Allianz Wunschpartner der Postbank. Ein Sprecher des Finanzministeriums bezeichnete den Bericht als "reine Spekulation". Es gebe keine festgelegte Position des Ministeriums. Trotzdem steigen die Papiere von Allianz und Postbank überdurchschnittlich.

Air France lässt Alitalia steigen
Die Aktien der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia sind so rasant in die Höhe geschossen, dass sie kurzfristig vom Handel ausgesetzt wurden. Spekulationen über eine bevorstehende Verbesserung der Offerte von Air France-KLM ließen den Kurs um mehr als 27 Prozent im Plus tendieren. Kurz vor dem vorübergehenden Handelsstopp am Vormittag kosteten die Papiere sogar fast 70 Prozent mehr.

Conergy haussieren
Trotz neuer Probleme bei der Herstellung von Solarzellen gehören die Aktien von Conergy heute zu den größten Tagesgewinnern im TecDax. Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, steht die Produktion in der neuen Solarfabrik in Frankfurt/Oder immer wieder für Tage still. Offensichtlich habe die Anlage nicht genügend Rohstoffe wie Silizium, um dauerhaft produzieren zu können. Es sei unklar, wie viele Solarzellen derzeit in dem Werk tatsächlich produziert würden. Ein Sprecher des Unternehmens begründete die Stillstände der Zeitung dagegen mit Maßnahmen in der Anlaufphase.

United Internet mit großen Plänen
Der Chef von United Internet begrüßt die Idee einer DSL-Allianz gegen den Marktführer Deutsche Telekom. "Die Idee hat Charme. Der Markt konsolidiert sich, und es spricht vieles dafür, einige der derzeitigen Anbieter zusammenzuführen", sagte Ralph Dommermuth, der Vorstandsvorsitzende von United Internet, dem "Handelsblatt". Der Chef des Konkurrenten Versatel, Peer Knauer, hatte die Idee eines DSL-Verbundes aus Versatel, Freenet, United Internet und den deutschen Telefonica-Aktivitäten ins Spiel gebracht.

Deutlich aufwärts geht es mit den Aktien des Düngemittel- und Salzherstellers K+S. "Der Übertreibung nach unten vom Donnerstag folgt jetzt die entsprechende Gegenreaktion", sagte ein Marktbeobachter.

Großaufträge für Hochtief
Auch der Baukonzern Hochtief liegt heute an der Börse stark im Kurs. Die australische Tochter Leighton hat einen Großauftrag für den Bau einer Pipeline in Indien erhalten. Der Gesamtwert des Auftrags liegt bei 720 Millionen US-Dollar. Außerdem verhandelt Leighton laut einem Pressebericht über den Bau von Hotels in Indien und China. Das mögliche Auftragsvolumen soll bei 700 Millionen Dollar liegen.

HanseYachts brechen ein
Der Bootbauer HanseYachts hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2007/08 trotz eines Umsatzwachstums von 35 Prozent auf rund 50 Millionen Euro ein schlechteres Ergebnis erwirtschaftet als selbst erwartet. Grund waren unter anderem Kapazitätsengpässe bei großen Modellen und schlechte Verkaufszahlen bei kleineren Booten. Die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr wird daher halbiert. Die Aktie bricht um rund ein Viertel ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)