Marktbericht 20:02 Uhr

Entspannung nach Portugal-Angst Talfahrt vorerst gestoppt

Stand: 11.07.2014, 20:02 Uhr

Die Furcht der Anleger vor einer Rückkehr der europäischen Schuldenkrise nach der Krise um eine portugiesische Bank hat sich am Freitag wieder gelegt. Doch die Anleger bleiben auf der Hut - und der Dax weit entfernt von seinen Höchständen.

Wegen Spekulationen um Zahlungsprobleme des Haupteigentümers, der Familie Espirito Santo, hatte das größte börsennotierte portugiesische Geldhaus binnen weniger Tage rund 30 Prozent seiner Marktkapitalisierung eingebüßt und die Börsen europaweit unter Druck gebracht.

Am Freitag kommt die Entwarnung. Portugals Regierung und die Zentralbank versichern, die Einlagen bei dem Geldhaus seien sicher. Auch die EU-Kommission reagiert gelassen auf die Krise um die Banco Espirito Santo. "Wir sehen hier keinen Anlass für übermäßige Besorgnis", sagte der Sprecher des estnischen EU-Währungskommissars Siim Kallas in Brüssel. "Wir sind zuversichtlich, dass jegliche Probleme im System rasch und effizient angegangen werden."

Skeptische Anleger

Doch die Anleger bleiben skeptisch. Die Bullen können den Dax am Freitagvormittag zwar kurz über die Marke von 9.700 hieven. Doch danach geht es wieder abwärts. Unter dem Eindruck schwächelnder Kurse an der Wall Street rutscht der Leitindex sogar zeitweise ins Minus, bis auf ein Tagestief von 9.623 Punkten. Doch von dem Ausrutscher kann sich der Dax erholen und geht schließlich bei 9.666 Punkten aus dem Handel, 7,21 Zähler mehr als am Vortag.

Damit hat der deutsche Leitindex in dieser Woche 3,4 Prozent eingebüßt. Das ist das größte Minus seit drei Monaten. Zudem ist der Dax unter die charttechnische Unterstützungszone um 9.800/9.750 Punkte gerutscht. "Der Markt ist gerade sehr verwirrt. Die Anleger haben Sorgen, dass strukturelle Probleme immer noch ungelöst sind und zweifeln an der Stärke der Konjunkturerholung", meint Hedgefonds-Manager Lex Van Dam von Hampstead Capital. Auch warten einige Anleger auf die in der kommenden Woche voll anlaufende Berichtssaison in den USA.

Leichte Verluste in New York

Auch in New York notiert der Dow Jones-Index leicht im Minus. Zeitweilig verliert das Börsenbarometer bis zu 0,3 Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt steht der Dow bei 16.908 Zählern, ein Minus von sechs Pünktchen. "Sorgen um eine hohe Bewertung und schwächer werdende Konjunkturaussichten sorgten zusammen mit der an Fahrt aufnehmenden Berichtssaison für Unsicherheit", erklärte Stratege Michael Hewson von CMC Markets die Lage.

Andere Analysten halten die Marktreaktionen der letzten Tage für überzogen. "Das ist nicht der Anfang einer neuen Krise. Das ruft in Erinnerung, dass die Volatilität immer noch da ist und dass nicht alle Probleme im Bankensektor gelöst sind", meint Jan von Gerich, Analyst bei Nordea.

Euro pendelt um die 1,36 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1512
Differenz relativ
+0,48%

Bankenkrise hin oder her, der Euro zeigt sich davon weitgehend unbeeindruckt und pendelt um die Marke von 1,36 Dollar, mal leicht darüber, mal leicht darunter wie zu Börsenschluss. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3595 (Donnerstag: 1,3604) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7356 (0,7351) Euro.

Wells Fargo bleibt Gewinnmaschine

Die vorwiegend auf das Privatkundengeschäft fokussierte Bank Wells Fargo aus San Francisco lässt deutsche Banker weiterhin vor Neid erblassen. Allein im zweiten Quartal erzieltendie Amerikaner einen Reingewinn von 5,7 Milliarden Dollar, mehr als etwa eine Commerzbank in den letzten Jahren geschafft hat. Bei den Einnahmen übertraf Wells Fargo mit 21,1 Milliarden Dollar leicht die Erwartungen. Die Aktie ist dennoch im Minus.

Continental vorn

Im Dax kann die Aktie des Zulieferers Continental bis zuletzt seine Spitzenstellung als stärkster Wert behaupten. Auch BMW und Volkswagen gehören zu den Gewinnern. Allein Volkswagen hat im ersten Halbjahr seinen Absatz in dem Land um 17,5 Prozent gesteigert. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lieferte Volkswagen mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge an Kunden in China aus. Damit ist das selbst ernannte Reich der Mitte der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für die Wolfsburger und ihre Töchter.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
Differenz relativ
-1,10%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
131,50
Differenz relativ
-4,54%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,64
Differenz relativ
-0,65%

Schlusslicht HeidelbergCement

Schwächster Wert im Dax sind dagegen bis zuletzt die Aktien von HeidelbergCement. Ein Händler verwies auf eine Abstufung durch Natixis von "Neutral" auf "Reduce", die sich im Verlauf noch negativ bemerkbar machen könnte. Ohnehin sei die Stimmung in dem Sektor angeknackst nach der schwachen Kursentwicklung bei Saint-Gobain am Vortag. Zudem strich die französische Großbank Société Générale am Morgen ihre Kaufempfehlung für das Papier des französischen Baustoffeherstellers.

Lufthansa auf Sinkflug

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,95
Differenz relativ
-6,02%

Ebenfalls schwach präsentierr sich die Lufthansa-Aktie. Am Morgen hatte die UBS ihre Kaufempfehlung für die Papiere der Fluggesellschaft kassiert. Sie werden nun mit "Neutral" eingestuft. Die Investoren dürften sich den Papieren erst nach dem tatsächlichen Erfüllen der Unternehmensplanung wieder zuwenden, schrieb Analyst Jarrod Castle in einer Studie. Zur Wochenmitte hatte die Lufthansa ihre neue Strategie samt größerem Billigangebot vorgestellt.

Telekom kommt bei T-Mobile voran

Die Deutsche Telekom kommt bei dem geplanten Verkauf ihrer US-Tochter an den Rivalen Sprint einem Medienbericht zufolge voran. Zwischen Sprint und der Telekom gebe es inzwischen eine Basis-Vereinbarung zu dem Vorhaben, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Klöckner: Boden bald erreicht?

Im MDax setzen die Aktien von Klöckner & Co (KlöCo) ihren Abwärtstrend fort. Seit Anfang Juni haben die Papiere des Stahlhändlers damit mehr als ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt. Ein Händler sieht nun um die 9,50 Euro eine wichtige Unterstützung für den Kurs.

Lampe bringt Manz zum glänzen

Im TecDax schießen die Papiere von Manz um mehr als vier Prozent in die Höhe. Sie profitieren von einem positivem Kommentar des Bankhauses Lampe. "Solar lebt doch!" So titelt Analyst Karsten Iltgen seine Studie über das Unternehmen. Nachdem er bisher von keinem künftigen Umsatzbeitrag und einer möglichen Schließung des Solar-Segments des Maschinenbauers ausgegangen sei, halte er nun eine Rückkehr zum Wachstum für möglich. Er hob das Kursziel um 15 Euro auf 95 Euro an und empfiehlt weiterhin den Kauf der Papiere.

Will Rheinmetall KMW kaufen?

Im MDax der Rüstungskonzern Rheinmetall für Aufmerksamkeit. Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge wollen die Düsseldorfer den Konkurrenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) übernehmen und würden damit dessen geplante Fusion mit der französischen Nexter torpedieren. Rheinmetall wollte zu dem Bericht am Donnerstagabend keine Stellungnahme abgeben. In KMW-Kreisen hieß es, es gebe keine Pläne für einen Zusammenschluss mit Rheinmetall: "Wie dieser Artikel zustandekommt, ist uns völlig unverständlich."

GE schiebt MTU an

Deutlich aufwärts geht es auch mit der ebenfalls im MDax notierten MTU-Aktie. Wie der Triebwerksbauer mitteilte, hat General Electric (GE) das Münchner Unternehmen als Partner für ein neues Triebwerk ausgewählt. Die neuen Motoren sollen den geplanten Boeing-Langstreckenflieger 777X antreiben. MTU übernimmt vier Prozent des Triebwerkprogramms und rechnet dadurch über die gesamte Laufzeit mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro.

Fantasien um Symrise

Laut dem "Platow Brief" könnte der japanische Aromen- und Gewürze-Hersteller Ajinomoto an dem deutschen Duftstoff- und Aromenproduzenten Symrise interessiert sein. Diese Aussagen in dem Börsenbrief sorgten bei den Symrise-Aktien im MDax natürlich für Fantasie, sagte ein Händler. Mit derartigen Spekulationen sei allerdings zu rechnen gewesen, nachdem die Japaner das Rennen um Wild Flavors verloren hätten. Erst vor wenigen Tagen hatte der US-Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) angekündigt, den deutsch-schweizerischen Aromen-Hersteller für 2,3 Milliarden Euro zu schlucken.

Mega-Übernahme auf dem Tabakmarkt?

Der britische Tabakkonzern Imperial Tobacco hat Gespräche mit den US-Konkurrenten Reynolds und Lorillard über den Kauf von Marken bestätigt. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg geht es bei der Transaktion um ein Volumen von sieben Milliarden US-Dollar. Über einen entsprechenden Schritt war zuletzt im Zusammenhang mit einer Mega-Übernahme im Tabakgeschäft bereits spekuliert worden. Der Camel-Hersteller Reynolds wolle Lorillard schlucken, schreibt die Agentur. So entstünde ein Gigant mit mehr als 13 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Whirlpool geht nach Italien

Der US-Hausgerätehersteller Whirlpool will mit einem Zukauf in Italien sein Europageschäft stärken. Der weltgrößte Produzent von Elektroherden, Kühlschränken und Waschmaschinen übernimmt 66,8 Prozent der Stimmrechte am italienischen Konkurrenten Indesit für rund 758 Millionen Euro. Das Angebot von 11,00 Euro je Aktie liegt um 4,5 Prozent über dem Indesit-Schlusskurs vom Donnerstag.

lg

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier