Tagesplus mit Seltenheitswert

Detlev Landmesser

Stand: 15.03.2007, 20:22 Uhr

Keine Entwarnung, aber eine kräftige Erholung hatte die Börse am Donnerstag zu bieten. Nicht ganz so überzeugend sah es an der Wall Street aus, wo die Konjunktur- und Immobiliensorgen latent geworden sind.

So stiegen die US-Erzeugerpreise im Februar mit 1,3 Prozent deutlich stärker als erwartet. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Gleichzeitig fielen die Indizes der Notenbanken von New York und Philadelphia, der Empire State Manufacturing Index und der Philly Fed Index, die die Wirtschaftstätigkeit in diesen Regionen erfassen, im März unerwartet kräftig.

Höherer Preisdruck und schwächere Konjunkturdaten sind nicht gerade die Wunschkombination der Börse - dafür schlug sich die Wall Street im Verlauf noch relativ gut. Etwas stützten die überraschend hohen Kapitalzuflüsse in die USA im Januar. Der Netto-Kapitalzufluss stieg nach Angaben des US-Finanzministeriums auf 74,6 Milliarden Dollar von einem Minus von 14,7 Milliarden im Dezember.

Erneut bewies Alan Greenspan, dass er auch mehr als ein Jahr nach seinem Rückzug von der Fed-Spitze noch die Märkte bewegen kann. Vor einer Industrie-Vereinigung warnte der frühere US-Notenbankchef, dass die Probleme auf dem Markt für nachrangige Kredite auch auf andere Wirtschaftssektoren übergreifen könnten. Prompt knickten die Kurse in New York ein. Der L-Dax schloss daraufhin bei 6.571,69 Punkten.

Immobilienkrise erreicht Investmentbank

Wie die Krise im US-Immobilienmarkt derzeit an der Wall Street verarbeitet wird, zeigte sich "im Kleinen" bei der Investmentbank Bear Stearns. Zwar haben die Kreditausfälle bei dem stark im Hypothekengeschäft engagierten Institut deutliche Spuren hinterlassen, doch konnte Bear Stearns das durch Zuwächse im Investmentbanking kompensieren und den Gewinn sogar etwas stärker als erwartet steigern. Die Aktie legte deutlich zu.

Neue Chrysler-Fantasie
Wieder einmal wurde die DaimlerChrysler-Aktie von den Spekulationen um die Abspaltung von Chrysler beflügelt. Das Magazin "Focus Money" berichtete, Analysten schätzten den Wert der Aktie bei einer Sanierung der US-Sparte auf 69 Euro und bei einem Verkauf sogar auf 79 Euro.

Neue Fusionsfantasien im Börsensektor
Gegen Mittag erhielt die Aktie der Deutschen Börse einen kräftigen Schub. Dahinter stand eine überraschende Wende im Poker um die Chicagoer Terminbörse CBOT. Der auf den Handel mit Öl, Erdgas und Strom spezialisierte britische Terminmarkt-Betreiber IntercontinentalExchange (ICE) gab ein Übernahmegeobt für die CBOT an, die eigentlich einer Fusion mit dem Wettbewerber CME entgegen strebt.

Riesenübernahme im Tabaksektor?
Auch in Europa dreht sich das Fusionskarussell: Der Tabakkonzern Imperial Tobacco will mit der Übernahme des französisch-spanischen Herstellers Altadis einen neuen Zigaretten-Giganten schaffen. Imperial Tobacco kündigte ein Gebot von 45 Euro je Altadis-Aktie an. Das entspreche einem Transaktionsvolumen von 11,5 Milliarden Euro. Die Aktie des "Gauloise"-Produzenten Altadis sprang um mehr als 19 Prozent nach oben.

Bayer: Schering-Integration trägt Früchte
Die Bayer-Aktie lag nach der Zahlenvorlage gut im Rennen. Der Chemie- und Pharmakonzern hat im vergangenen Jahr das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebit) und vor Sondereinflüssen um 14,2 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft wuchs um 17,2 Prozent auf 28,96 Milliarden Euro. Die Analysten von Dresdner Kleinwort bekräftigten ihre Kaufempfehlung.

Adidas ruft nach dem Schiri
Im Dauerstreit mit dem DFB um den Ausrüstervertrag für die deutsche Nationalmannschaft muss jetzt ein "Schiedsrichter" ran: Adidas habe beschlossen, ein Schiedsgericht mit der Klärung der Angelegenheit zu beauftragen, teilte der Sportartikelkonzern am Nachmittag mit. Der DFB und Adidas streiten sich, ob die seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft bereits bis 2014 verlängert wurde oder nicht. Hintergrund des Streits ist ein Konkurrenzangebot von Branchenprimus Nike, der pro Jahr 50 Millionen Euro zahlen will. Adidas überweist bisher nur etwa ein Fünftel. Laut dem Sportmagazin "kicker" hat Adidas sein Angebot inzwischen auf 22 Millionen Euro verdoppelt.

Mal wieder Stahlfantasie
Stahlwerte wie ThyssenKrupp und Salzgitter waren ebenfalls wieder gefragt. Marktbeobachter machten die guten Vorgaben der japanischen Stahltitel verantwortlich. Bei Salzgitter half außerdem die US-Investmentbank Goldman Sachs, die ihre Verkaufsempfehlung für das Papier zurückzog und stattdessen eine Kaufempfehlung aussprach. Das Kursziel liegt bei 112 Euro. Gerüchte über ein Interesse am österreichischen Stahlkonzern Böhler-Uddeholm wies Salzgitter dagegen zurück.

Geschrumpfte Altana optimistisch
Dagegen zählte die Aktie des Bad Homburger Altana-Konzerns zu den wenigen Dax-Verlierern. Das Unternehmen rechnet nach der Abspaltung seines Pharmageschäfts, dass die verbliebene Chemiesparte auch 2007 weiter wächst. Nach einem Umsatz von 1,29 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 186 Millionen Euro im vergangenen Jahr sollen die entsprechenden Werte 2007 bei 1,34 bis 1,39 Milliarden Euro bzw. 210 bis 240 Millionen Euro liegen.

RWE darf nicht mit Saar Ferngas
Am Nachmittag musste RWE einen Rückschlag einstecken. Das Bundeskartellamt untersagte dem Versorger die Übernahme von Saar Ferngas, da der Zusammenschluss zur Verstärkung maktbeherrschender Stellungen beim Strom- und Erdgasabsatz führen würde. RWE zeigte sich enttäuscht: Die Ablehnung sei "kartellrechtlich nicht nachvollziehbar", teilte das Unternehmen mit.

Gea Group deutlich erholt
Im MDax war die Gea-Aktie mit am besten aufgelegt. Die Investmentbank Morgan Stanley hat den Titel in einer Ersteinschätzung mit "Overweight" und einem Kursziel von 27,00 Euro bewertet.

Celesio wächst vorsichtig
Über drei Prozent gewann die Celesio-Aktie. Der Pharmagroßhändler hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz unter anderem wegen Übernahmen um fünf Prozent auf 21,6 Milliarden Euro verbessern können. Der Jahresüberschuss wuchs um zehn Prozent auf 425,6 Millionen Euro.

MLP erhöht reguläre Dividende
Auch die MLP-Aktie war gefragt - trotz einer geringeren Ausschüttung für 2006. Zwar will der Finanzdienstleister die reguläre Dividende für das abgelaufene Jahr von 30 auf 40 Cent je Aktie erhöhen. Im vergangenen Jahr hatte es allerdings noch eine Sonderdividende von 30 Cent wegen des lukrativen Verkaufs der Versicherungstöchter gegeben. Für 2007 erwartet der Konzern eine Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 30 Prozent auf 110 Millionen Euro.

Aixtron schreibt wieder Gewinne
Ganz vorne im TecDax machte es sich Aixtron bequem. Nach einem Verlust von 53,5 Millionen Euro im Vorjahr erwirtschaftete der Anlagenbauer im vergangenen Jahr einen Gewinn von 5,9 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 171,7 Millionen Euro. Beide Werte fielen besser als prognostiziert aus.

GPC muss noch auf Gewinne warten
Überdurchschnittlich schlug sich auch GPC Biotech. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz von 9,3 auf 22,7 Millionen Euro mehr als verdoppeln können. Gleichzeitig stieg der Verlust wegen höherer Forschungsaufwendungen von 56 auf 65 Millionen Euro. Die Hoffnungen der Martinsrieder ruhen auf dem Krebsmedikament Satraplatin, das noch in diesem Jahr die Zulassung erhalten soll.

Repower heftig umworben
Der Übernahmekampf um den Windanlagenbauer Repower geht in die nächste Runde. Der französische Staatskonzern Areva hat sein bisheriges Übernahmeangebot auf 140 Euro pro Aktie erhöht. Das neue Angebot bewertet Repower mit rund 1,4 Milliarden Euro. Das indische Windenergieunternehmen Suzlon hatte bisher mit einem Angebot von 126 Euro je Anteilsschein die Nase vorne. Aber die Inder scheinen nachlegen zu wollen: Suzlon-Chef Tulsi Tanti kündigte an, auf das neue Gebot "entsprechend" zu reagieren. Die Aktie des im TecDax notierten Konkurrenten Nordex wurde mit nach oben gezogen.

AT&S wird optimistischer
Nach der vor zwei Monaten veröffentlichten Gewinnwarnung wird der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S wieder zuversichtlicher. Das TecDax-Mitglied rechnet für das im April 2007 beginnende Geschäftsjahr 2007/08 mit einem Umsatz von 540 bis 550 Millionen Euro und einem Gewinn pro Aktie von 1,60 bis 1,70 Euro. Das entspräche einem Wachstum von über 15 Prozent bzw. rund 30 Prozent gegenüber dem zu Ende gehenden Geschäftsjahr.

Rekordergebnisse von Sixt
Im SDax gewann die Sixt-Aktie über ein Prozent. Deutschlands größter Autovermieter hat im vergangenen Jahr soviel umgesetzt und verdient wie nie zuvor. Der Gewinn machte einen Satz um 32 Prozent auf 73,8 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg um acht Prozent auf 1,44 Milliarden Euro.

Cewe Color bleibt auch nichts erspart...
Im späten Handel brachte eine Veränderung im Aktionärskreis die Aktie von Cewe Color auf Trab. Der amerikanische Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte sei mit einem Anteil von mehr als drei Prozent bei dem Fotolabor-Konzern eingestiegen, berichtete das "Handelsblatt" vorab aus seiner Freitagausgabe. Bisher haben sich die Hedgefonds M2 Capital Management und K Capital Partners mit einem gemeinsamen Anteil von 17 Prozent bei Cewe Color eingekauft. Größter Anteilseiger ist die Erbengemeinschaft Neumüller, die rund 27 Prozent der Aktien hält.

Smartrac-Gründer steigt aus
Die Aktie von Smartrac verlor rund 1,7 Prozent. Smartrac-Gründer Richard Bird habe seine 35 Prozent des Kapitals bei institutionellen Investoren platziert, teilte das Amsterdamer Unternehmen mit. Auch die Familie von Vorstandschef Manfred Rietzler trennte sich von Aktien, so dass der Streubesitz nun bei 75 Prozent liegt. Der seit Juli 2006 börsennotierte Hersteller von Einbauteilen für Kreditkarten und Pässe hat seinen Umsatz 2006 auf 53 Millionen Euro verdoppelt. Unter dem Strich blieben neun Millionen Euro nach drei Millionen im Vorjahr.

Mologen besorgt sich sechs Millionen
Die im General Standard notierte Mologen-Aktie gewann über vier Prozent. Das Biotechunternehmen meldete den erfolgreichen Abschluss einer Kapitalerhöhung. Insgesamt seien 800.000 Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts bei institutionellen Investoren platziert worden. Der Gesellschaft fließen damit brutto rund sechs Millionen Euro zu. Der Ausgabepreis habe über dem durchschnittlichen Börsenkurs der letzten Tage gelegen. "Wir werden durch diese gezielte Kapitalmaßnahme in die Lage versetzt, für unsere beiden wichtigsten Produktkandidaten die anstehenden klinischen Studien in einer Qualität durchzuführen, wie sie die internationalen Zulassungsverfahren erfordern", sagte Mologen-Chef Burghardt Wittig.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"