Marktbericht 20:02 Uhr

Dax rutscht ab "Super-Mario" ernüchtert die Börsen

Stand: 08.09.2016, 20:02 Uhr

Der zögerliche Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi hat den Anlegern am Donnerstag die Kauflaune verdorben. Der Dax sackte auf unter 10.700 Punkte ab. An der Wall Street hielten sich die Kursverluste in Grenzen. Für Entlastung sorgte der anziehende Ölpreis.

Die erhofften neuen Impulse von der Europäischen Zentralbank (EZB) sind ausgeblieben. Die europäischen Währungshüter lockerten ihre Geldpolitik nicht noch weiter. EZB-Chef Dragi gab zu, dass er mit seinen Kollegen die Verlängerung des Anleihenkaufprogramms über März 2017 hinaus nicht diskutiert habe. Einige Börsianer hatten über eine Ausweitung der monatlichen Anleihenkäufe von 80 Milliarden Euro spekuliert. 

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.412,53
Differenz relativ
-0,52%

Daraufhin gerieten die Börsen weltweit unter Druck. Der Dax sackte zeitweise kräftig auf bis 10.570 Punkte ab, konnte sich dann aber etwas erholen. Der deutsche Leitindex schloss um 0,7 Prozent tiefer. Besser hielt sich der EuroStoxx50. Er gab nur 0,2 Prozent nach.

Dow gibt nur leicht nach

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.207,95
Differenz relativ
-0,32%

Auch an der Wall Street hielten sich die Verluste in Grenzen. Der Dow lag zwei Stunden nach Handelsschluss 0,2 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,2 Prozent. Die Nasdaq, die gestern noch ein neues Rekordhoch markiert hatte, gab etwas stärker nach - um rund 0,4 Prozent.

Ölpreise ziehen kräftig an

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,86
Differenz relativ
+1,61%

Für etwas Halt sorgten die kräftig anziehenden Ölpreise. Nach überraschend gefallenen Zahlen zu den US-Ölreserven legten sie deutlich zu. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 49,76 US-Dollar - 1,78 Dollar mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 1,73 Dollar auf 47,24 Dollar.

Drahi hält sich alle Optionen offen

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 20.15 Uhr

Auch die Dragi-Äußerungen wurden bis zum Abend nicht mehr so negativ interpretiert wie anfangs. Draghi wolle nicht das ganze Pulver auf einmal verschießen, meinten Marktbeobachter. Tatsächlich betonte der EZB-Chef, dass bei Bedarf das Quantitative Easing (QE) über den März 2017 hinaus laufen könnte. Draghi kündigte an, dass intern Experten prüfen, wie eine reibungslose Umsetzung der Anleihenkäufe sichergestellt werden kann.

Euro auf Achterbahnfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1312
Differenz relativ
+0,12%

Der Euro drehte nach den Äußerungen von Draghi zeitweise auf. Die Gemeinschaftswährung stieg auf über 1,13 Dollar. Im Laufe des Nachmittags schmolzen die Gewinne wieder dahin. Am Abend lag der Euro wieder bei 1,1260 Dollar - auf dem Niveau vom Morgen.

Lufthansa wie beflügelt

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,47
Differenz relativ
+0,10%

Übernahmefantasien beflügelten am Donnerstag die Luftfahrtwerte. Dem Chef der British Airways-Mutter IAG zufolge steht die Branche vor einer Konsolidierungswelle. Er suche derzeit aber nicht aktiv nach Übernahmezielen, betonte Willie Walsh. IAG-Aktien gewannen 3,6 Prozent. Im Sog von IAG hoben die Lufthansa-Aktien um 3,5 Prozent ab und führten den Dax an.

Bayer könnte Dermatologie-Bereich verkaufen

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,50
Differenz relativ
-3,21%

Am Abend sickerte  durch, dass Bayer Insidern zufolge den Verkauf seines Dermatologie-Geschäfts prüft. Das könnte den Leverkusenern bis 1,1 Milliarden Euro einbringen. Bayer hatte Anfang der Woche seine Offerte für Monsanto auf 127,50 Dollar pro Anteilsschein aufgestockt.

Terminal 3 von Fraport verzögert sich

Bei Fraport wird sich die Eröffnung des Terminals 3 im Frankfurter Flughafen um ein Jahr verzögern: Wegen einer verlängerten Planungsphase sei erst 2023 mit der Einweihung zu rechnen, teilte der Frankfurter Flughafenbetreiber nach Xetra-Schluss mit.

Rocket Internet fällt weiter

Im MDax fiel der Kurs des Online-Schuhverkäufers Zalando um knapp ein Prozent. Die Aktie der ehemaligen Muttergesellschaft Rocket Internet gab noch deutlicher nach. Die Gesellschaft musste die Bewertung der Beteiligung Home24 um die Hälfte auf 420 Millionen Euro zusammenstreichen. Home24 hat in einer neuen Finanzierungsrunde 20 Millionen Euro eingesammelt, von Rocket Internet kamen dabei 1,4 Millionen Euro.

Siltronic im Übernahme-Fieber

Im TecDax waren die Aktien von Siltonic erneut Spitzenreiter mit einem Plus von fast sechs Prozent. Analysten führen die Kursbewegung auf Übernahmespekulationen zurück, in der Halbleiter-Branche seien Akquisitionen derzeit an der Tagesordnung. Ein aktuelles Angebot gibt es aber nicht.

Muss GE mehr für SLM zahlen?

Das liegt allerdings vom US-Giganten General Electrics (GE) für den 3D-Spezialisten SLM vor. Doch da geht noch mehr, meinen die Analysten der Deutschen Bank und haben ihr Kursziel mit 48 Euro deutlich über das derzeitige Niveau gesetzt. Damit gehen die Experten davon aus, dass General Electric sein Angebot von derzeit 38 Euro noch einmal erheblich nachbessern wird. Die SLM-Aktie legte fast vier Prozent zu.

SAF kauft in Brasilien zu

Der im SDax notierte Autozulieferer SAF Holland plant derweil eine größere Übernahme in Lateinamerika. Der brasilianische Federungsspezialist KLL soll zu 57,5 Prozent geschluckt werden. KLL beliefert alle Hersteller von Bussen, LKW und Trailern in Brasilien. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, SAF will den Deal im vierten Quartal 2016 abschließen.

Artec punktet mit Gesichtserkennung

Aktien des Spezialisten für Bild- und Video-Lösungen aus dem Entry Standard legtenam Donnerstag zweistellig zu. Artec teilte mit, dass die Nachfrage aus der Industrie an seiner neuen Gesichtserkennungs-Software hoch sei. Behörden, aber auch Unternehmen zeigten Interesse an dem System.

Thomas Cook auf Dreimonatshoch

Die Aktien von Thomas Cook schossen um sieben Prozent in die Höhe und erreichten den höchsten Stand seit drei Monaten. Der Reiseveranstalter hat in China gemeinsam mit seinem neuen Großaktionär Fosun International eine Niederlassung in Shanghai eröffnet. Damit soll die Expansion im Reich der Mitte der Mitte vorangetrieben werden. Zusätzlicher Schub für die Aktien von Cook kam vom Rivalen Dart Group. Laut Dart habe es bei den Sommerbuchungen keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums gegeben, hieß es am Donnerstag. Thomas Cook hatte Ende Juli wegen der Tourismusflaute in der Türkei seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2015/16 gesenkt.

Twitter-Chef macht weiter

Um rund fünf Prozent fiel die Aktie von Twitter. Twitter-Chef Jack Dorsey erhält eine neuerliche Schonfrist, um den angeschlagenen Kurznachrichten-Dienst wieder flottzumachen. Dorseys Führung werde bei der Krisensitzung des Twitter-Direktoriums am Donnerstagabend nicht infrage gestellt, berichtete der US-Sender CNBC. Das Gremium werde ihm noch einige Quartale zugestehen, um den lahmenden Umsatz anzukurbeln.

Apple veröffentlicht keine kurzfristigen iPhone-Zahlen mehr

Unter Druck standen dieAktien von Apple am Donnerstag. Sie fallen um bis zu 2,4 Prozent und sind Schlusslicht im Dow. Anleger reagierten verwundert darauf, dass Apple keine Absatzzahlen des neuen iPhone7 am ersten Verkaufswochenende vorlegen will. Gewinner der gestrigen iPhone-Vorstellung war aber die Aktie von Nintendo. Sie legte zweistellig zu. Auf dem neuen iPhone findet sich nicht nur der Klassiker "Super-Mario", sondern auch das neue Spiel Pokémon Go.

HPE verbündet sich mit Micro Focus

Der einstige Drucker- und PC-Hersteller konzentriert sich immer mehr auf das Server- und Cloud-Geschäft. Hewlett Packard Enterprise legt nun noch einen Teil seines Software-Geschäfts mit dem britischen Unternehmen Micro Focus zusammen. An der gemeinsamen Firma hält HPE 50,1 Prozent. Für das dritte Quartal hat HPE zudem einen Umsatzrückgang um sechs Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar gemeldet. Aktien von Micro Focus schnellen an der britischen Börse um 23 Prozent nach oben.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr