Marktbericht 20:05 Uhr

Kursrutsch geht weiter Stürmische Zeiten an den Börsen

Stand: 05.12.2013, 20:05 Uhr

Die "Tapering"-Angst geht um: Gute US-Konjunkturdaten heizten die Spekulationen um eine baldige Straffung der Fed-Geldpolitik an. Der Dax setzte seine Korrektur fort und schloss den vierten Tag in Folge im Minus. Anleger müssen sich warm anziehen- nicht nur wegen des Orkans "Xaver".

Von wegen Jahresend-Rally! An den Börsen herrscht derzeit Verkaufsstimmung. Seit Anfang der Woche hat der Dax mehr als 300 Punkte oder über drei Prozent eingebüßt. Auch am Donnerstag ging die Talfahrt nach kurzer Verschnaufpause weiter: Der deutsche Leitindex sackte um 0,6 Punkte ab und fiel unter die Marke von 9.100 Punkten. Der EuroStoxx50 gab noch deutlicher um über ein Prozent auf 2.956 Zähler nach.

Gutes Omen für den US-Arbeitsmarktbericht

Auch an der Wall Street ging es abwärts. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent tiefer. Die anhaltende Diskussion um die künftige Geldpolitik in den USA machte den Anlegern erneut zu schaffen. Öl ins Feuer gossen neue Konjunkturdaten: So sanken die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend deutlich um 23.000 auf 298.000. Volkswirte hatten mit 320.000 Anträgen gerechnet. Laut Oliver Roth, Chefhändler von Close Brothers Seydler, lassen die Zahlen erwarten, dass der mit Spannung erwartete Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag ebenfalls positiv ausfällt. Von ihm wird abhängen, wie rasch die US-Notenbank die Geldpolitik strafft.

Draghi wartet ab

Derweil gab es von der Europäischen Zentralbank (EZB) keine neuen Hinweise auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi zeigte sich zwar bereit, bei Bedarf mit allen denkbaren Instrumenten einzugreifen, ließ aber das Pulver vorerst trocken. Der Rat habe nur kurz oberflächlich über einen negativen Einlagenzins für Banken diskutiert, die ihr Geld bei der EZB parken, sagte Draghi.

Sorgen machen Draghi die schleppende Konjunkturerholung in der Eurozone. Für 2014 erwarten die Währungshüter lediglich ein Wachstum von 1,1 Prozent. Die niedrige Inflation lässt Spielraum für weitere Zinssenkungen. Nach Einschätzung der EZB wird im laufenden Jahr die Teuerungsrate bei 1,4 Prozent liegen. Für 2014 senkte die EZB die Inflationsprognose auf 1,1 Prozent - nach bisher 1,3 Prozent. Auch danach werde sich der Preisauftrieb kaum beschleunigen. Die Inflation steige 2015 voraussichtlich auf 1,3 Prozent, prophezeite Draghi.

Euro auf Fünf-Wochen-Hoch

Das Ausbleiben neuer Zinssenkungssignale trieb am Donnerstag den Euro auf 1,3665 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Ende Oktober. Der Goldpreis ging dagegen wieder auf Talfahrt. Die Feinunze des gelben Edelmetalls notierte am Abend ein Prozent tiefer bei 1.227 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Milliarden-Coup von Merck

Im Dax waren vor allem defensive Werte gefragt. Die Aktien von Merck sprangen um fast fünf Prozent nach oben und waren einsamer Spitzenreiter in der ersten deutschen Börsenliga. Die Hessen haben am Donnerstag eine milliardenschwere Übernahme des britischen Spezialchemie-Unternehmen AZ Electronics angekündigt. Damit soll das Materialien- und Spezialchemie-Geschäft von Merck weiter ausgebaut werden. Analysten lobten den Deal.

ThyssenKrupp auf Ramsch-Niveau

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Von der jüngsten Talfahrt konnte sich die Aktie von ThyssenKrupp etwas erholen. Die Aktie schloss leicht im Plus. Dabei hat die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote des Stahl- und Technologiekonzerns auf Ramschnvieau gesenkt. . Fitch schraubte die Bewertung langfristiger Verbindlichkeiten auf "BB+" herab.

Deutsche Bank steigt aus Handel mit Nahrungsmitteln aus

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,31
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Verlierer des Tages waren die Finanzwerte. Die Commerzbank gab rund zwei Prozent, die Deutsche Bank 1,7 Prozent nach. Finanzwerte reagieren meist besonders sensibel auf die Stimmung der Anleger. Der Sektor leide unter der Aussicht auf langfristig niedrige Zinsen und damit geringe Zinseinnahmen. Am Nachmittag kündigte die Deutsche Bank ihren Ausstieg aus dem Handel mit (realen) Agrarprodukten an. Künftig will sich das Geldinstitut beim Rohstoffgeschäft auf Finanzderivate und Edelmetalle beschränken.

Siemens macht Infrastruktur-Sparte fit

Die Siemens-Aktie schloss knapp ein Prozent im Minus. Auf einem Investorentag in London hat der Konzern Geschäftsziele seiner schwächelnden Sparte "Infrastruktur und Städte" genannt. Im laufenden Geschäftsjahr will man eine operative Rendite (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von mindestens acht Prozent erreichen. Das wäre eine Verdopplung im Vergleich zum abgelaufenen Geschäftsjahr.

Gegenwind für Autoaktien

Auf der Verliererspur befanden sich die Autowerte Daimler und BMW. Und das obwohl Daimler starke Absatzzahlen im November vorgelegt hat. Die Schwaben verkauften weltweit knapp elf Prozent mehr Fahrzeuge. Schon nach elf Monaten hat Daimler so viele Pkw wie im gesamten Jahr 2012 verkauft. Der Verband der Auto-Importeure VDIK prophezeite indes für 2014 eine Erholung der deutschen Autokonjunktur. Der Absatz werde sich bei drei Millionen Autos stabilisieren.

Lufthansa trotzt "Xaver"

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,32
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Weder Flugausfälle wegen des Orkantiefs "Xaver" und schlechte Nachrichten von Konkurrent Qantas konnten der Aktie der Lufthansa schaden. Sie ging nahezu unverändert aus dem Handel. Die australische Fluggesellschaft Qantas hat im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von mindestens 250 Millionen australischen Dollar angekündigt und will mindestens 1.000 Stellen abbauen.

Tui gefragt, Metro verschmäht

Gewinner des Tages im MDax war Tui. Die Aktien legten über drei Prozent zu. Der Touristik-Konzern gibt es neue Hoffnungen auf einen Ausstieg bei Hapag-Lloyd. Die Reederei lotet derzeit eine Kooperation mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV aus. Papiere des Einzelhandels-Konzerns Metro litten hingegen unter einem Analystenkommentar und bildeten mit einem Minus von rund fünf Prozent das Schlusslicht in der zweiten deutschen Börsenliga. Die Experten von Morgan Stanley haben ihre Aktienempfehlung auf "equal weight" gesenkt.

Sky steigt bei Sport1 ein

Am Abend gab der Bezahlsender Sky Deutschland seinen Einstieg beim TV-Sender Sport1 bekannt, der zu Constantin Medien gehört. Sky erwirbt rund 25 Preozent der Anteile. Zudem übernimmt der Pay-TV-Sender komplett die Produktionsfirma Plazamedia. Für den Deal macht Sky rund 57,5 Millionen Euro locker. Im späten Parketthandel schossen die Aktien von Constantin um über 20 Prozent nach oben - allerdings auf niedrigem Niveau. Constantin suchte seit mehr als eineinhalb Jahren nach einem Partner für die Sportsparte.

Carl Zeiss hui, SMA pfui

Stark unter Druck war im TecDax die Aktie von SMA Solar. Sie brach um zehn Prozent ein. Grund: Analysten der HSBC haben den Titel auf "underweight" abgestuft und das Kursziel auf 22 Euro gesenkt. Aktien von Carl Zeiss Meditec legten dagegen 1,5 Prozent zu. Das Unternehmen hat am Morgen seine Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 präsentiert. Der Umsatz wuchs um über fünf Prozent auf 906,4 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte auf 133,9 Millionen Euro.

Übernahmen in der dritten Reihe

Eine Reihe von Übernahmen bewegten die Kurse von Firmen aus der dritten Reihe. So hat der Elektronikhändler Conrad Electronics den insolventen Onlinehändler Getgoods.de erworben. Die Aktien von Getgoods brachen bei hohen Umsätzen um gut 23 Prozent ein. Sie sind inzwischen nur noch acht Cent wert. Dagegen sprangen die Titel des Fertighaus-Herstellers Bien-Zenker um neun Prozent nach oben. Die Münchner Fertigbautechnik-Firma Adcuram will sich mit Bien-Zenker verschmelzen. Adcuram hält bereits 90 Prozent der Anteile.

Portugiesische Post geht an die Börse

Im Ausland sorgte der Börsengang der portugiesischen Post für Schlagzeilen. CTT schaffte am ersten Handelstag ein kleines Kursplus von zwei Cent gegenüber dem Emissionspreis von 5,52 Euro. In der Spitze war der Titel um knapp sieben Prozent nach oben geklettert. CTT ist der erste Börsengang in Poertugal seit mehr als fünf Jahren.

Apple kann iPhones in China verkaufen

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Die Apple-Aktie zog am Donnerstag um knapp zwei Prozent auf ein Jahreshoch von 575 Dollar an. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" hat Apple einen Vertrag mit dem wektgrößten Mobilfunk-Anbieter China Mobile unterzeichnet zum Verkauf von iPhones im Reich der Mitte. China Mobile zählt rund 700 Millionen Kunden. Allerdings trifft Apple in China auf scharfe Konkurrenz der einheimischen Hersteller.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)