Strohhalm China

von Detlev Landmesser

Stand: 04.03.2009, 20:19 Uhr

29 von 30 Dax-Titeln beendeten den Mittwoch mit Gewinnen. Die Börsen dies- und jenseits des Atlantiks reagierten euphorisch auf zarte Hoffnungssignale aus dem Reich der Mitte.

Der L-Dax beendete den Parketthandel 4,7 Prozent höher bei 3.873,54 Punkten. Die New Yorker Aktienmärkte lagen bis zum Abend um mindestens 2,5 Prozent im Plus.

Auch der aktuelle Konjunkturbericht der Notenbank Fed, das so genannte Beige Book, trübte die Tendenz an der Wall Street nicht. Die Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung vor der Jahreswende stünden schlecht, schreiben die Notenbanker. Zehn von zwölf Distrikten sehen seit dem letzten Konjunkturbericht eine zusätzliche Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität.

In China dagegen wies der nationale Einkaufsmanagerindex im Februar den dritten Monatszuwachs in Folge auf. Außerdem denkt die chinesische Regierung offenbar darüber nach, ihr umgerechnet knapp 470 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket auszuweiten. In Shanghai sprang der wichtigste Aktienindex daraufhin um 6,1 Prozent nach oben.

Technische Reaktion oder mehr?

Die Neuigkeiten aus Fernost trafen auf einen technisch "ausgebombten" Markt. Viele Marktteilnehmer sahen in dem Kursfeuerwerk denn auch vor allem eine technische Reaktion, die nicht überzubewerten sei. "Ich bin ehrlich gesagt etwas irritiert", meinte etwa ein Händler. "Die Gegenbewegung, die wir hier sehen, ist fundamental absolut gerechtfertigt und dürfte auch in den kommenden Tagen andauern", erklärte dagegen Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Der Markt habe einen Großteil der Malaise in die Kurse eingearbeitet.

Die Nachrichten aus China beflügelten auch den Ölpreis. Die richtungsweisende Notierung für leichtes US-Öl sprang bis zum Abend um 3,60 Dollar auf rund 45,10 Dollar pro Barrel.

Konjunkturdaten erfolgreich ignoriert
Mit einem Abbau von 697.000 Arbeitsplätzen sank die Beschäftigung im US-Privatsektor im Februar kräftiger als erwartet. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Minus von 610.000 Stellen gerechnet. Die Stimmung der Einkaufsmanager im US-Dienstleistungssektor trübte sich dagegen im Februar weniger stark ein als erwartet. Die Volkswirte der Deutschen Bank machen indessen wieder mit einer düsteren Prognose von sich reden: Die US-Konjunkturexperten Joseph LaVorgna und Carl Riccadonna, stellten in ihrer aktuellen Analyse in Aussicht, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um bis zu zehn Prozent einbricht.

Auch aus der Eurozone kamen erneut bedenkliche Nachrichten. So sank die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone im Februar von 38,3 Punkten im Vormonat auf 36,2 Punkte und damit auf ein Rekordtief. Zudem brach der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im Januar real um 42 Prozent ein.

Das scherte die Anleger heute allerdings wenig. Ausgerechnet die besonders zyklischen Werte wie Salzgitter, ThyssenKrupp, Daimler und MAN erholten sich um bis zu 11,1 Prozent.

Adidas schlägt Erwartungen
Die Adidas-Aktie konnte ihre zwischenzeitlichen Gewinne nicht verteidigen. Der Sportartikelhersteller hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um fünf Prozent auf 10,8 Milliarden Euro und seinen Gewinn um 16 Prozent auf 642 Millionen Euro gesteigert. Damit schloss Adidas besser ab als von Analysten erwartet. Die Dividende für 2008 soll aber wie im Vorjahr bei 50 Cent liegen. In diesem Jahr rechnet Adidas mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang.

Symrise besser als gedacht
Herausragender Titel im MDax war Symrise. Der Duft- und Geschmacksstoffhersteller hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um knapp vier Prozent auf 1,32 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um vier Prozent auf 262,5 Millionen Euro. Unter dem Strich sank der Gewinn 2008 aber um sieben Prozent auf 90,4 Millionen Euro. Eine Prognose für 2009 will das Unternehmen derzeit nicht abgeben. Die Zahlen seien etwas besser als erwartet, sagte ein Händler.

ProSieben mit dreistelligem Verlust
Die Aktie von ProSiebenSat.1 sackte um 7,9 Prozent ab. Der Fernsehkonzern ist im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone gerutscht. Das Minus von 129 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 35,8 Millionen Euro war in erster Linie einer Abschreibung geschuldet. Der MDax-Konzern nahm eine Abschreibung auf den Konkurrenten SBS vor, den er 2007 übernommen hatte. Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 3,05 Milliarden Euro. Die Dividende je Vorzugsaktie soll von 1,25 Euro auf 2 Cent eingedampft werden.

KlöCo im Krisensog
Die Aktie von Klöckner & Co (KlöCo) vollzog im Xetra-Handel die kräftigen Kursverluste im gestrigen Abendhandel nach und wurde ans MDax-Ende durchgereicht. Der Stahlhändler hatte am Dienstagabend den Abbau weiterer 700 Stellen und eine Streichung der Dividende angekündigt.

Nordex überzeugt
Im TecDax haussierte vor allem die Nordex-Aktie. Der Windanlagenbauer hat im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Ziele erreicht und den Umsatz kräftig um 52 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 58 Prozent auf 63 Millionen Euro. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt 60,5 Millionen Euro prognostiziert. Das Unternehmen rechnet für 2009 auch weiterhin mit einem Wachstum von 10 bis 15 Prozent.

SKW Stahl mit Rekordwerten
Im SDax wurde die SKW-Aktie für die Eckdaten zum Jahr 2008 gefeiert. Die bis vor kurzem noch boomende Stahlnachfrage bescherte dem Stahlzulieferer einen Rekordumsatz von 378 Millionen Euro, ein Plus von 60 Prozent. Das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu auf 32,2 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Eine Prognose für 2009 wagte SKW Stahl angesichts des Einbruchs auf dem Stahlmarkt nicht. In diesem Jahr sollten aber wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

IQ Power am Ende
Der im Freiverkehr gelistete "Batteriehersteller" IQ Power, mit Sitz im Schweizer Steuerparadies Zug, hat Insolvenz angemeldet. "Die Entscheidung wurde einstimmig getroffen, da die Finanzierung der Gesellschaft auch nach allen Anstrengungen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung nicht zu einer tragfähigen Lösung geführt haben", teile die Firma mit. Der Penny-Stock brach um weitere drei Viertel ein.

Lebenszeichen von Eurotunnel
In Paris gewann die Aktie von Eurotunnel zeitweise ein Viertel an Wert. Der jahrelang von einem Konkurs bedrohte Betreiber des Ärmelkanal-Tunnels teilte mit, den Aktionären werde nach einem Nettogewinn von 40 Millionen Euro 2008 eine Dividende von vier Cent pro Aktie gezahlt. Das ist die erste Ausschüttung in der Geschichte des Unternehmens. 2007 konnte Eurotunnel nur vor der Pleite gerettet werden, weil Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichteten.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr