Strohfeuer oder Bodenbildung?

Stand: 26.01.2009, 20:10 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Montag überraschend robust gezeigt. Am Morgen zog eine gute Nachricht der britischen Bank Barclays die Bankaktien ins Plus, am Nachmittag schoben amerikanische Wirtschaftsdaten die Kurse nach oben.

3,5 Prozent im Plus schloss der Dax am ersten Handelstag der Woche. Der große Schub am Nachmittag kam von guten US-Konjunkturdaten, die besser waren als prognostiziert. Sowohl die Frühindikatoren als auch die Hausverkäufe lagen deutlich über den Erwartungen.

Die Wall Street begann den Montagshandel daher ebenfalls mit Gewinnen und zog die europäischen Märkte nach oben. Nach dem Ende des elektronischen Handels in Frankfurt bröckelten die Kurse an der Wall Street wieder ab. Um 20 Uhr, als der Parketthandel in Frankfurt bei 4.303 Zählern, etwa 23 Punkten unter Xetra-Schluss, beendet war, notierte der Dow schon wieder im Minus.

Die Euphorie war offenbar wieder etwas verfrüht. Dass der größte Baumaschinenhersteller Caterpillar miserable Zahlen vorgelegt hatte, zeigte überdeutlich, dass die Wirtschaftskrise weiter tobt: Einen drastischen Umsatzrückgang erwartet Caterpillar in diesem Jahr. Der Konzern will 20.000 Mitarbeiter entlassen.

Immerhin veröffentlichte die Fastfoodkette McDonald's noch einen angenehmen Geschäftsbericht. Der Konzern steigerte seinen Überschuss im vergangenen Jahr um 80 Prozent und will 12.000 Leute einstellen.

Euro steigt wieder
Der Euro legte am Montag kräftig zu. Im Tagesverlauf verteuerte sich die europäische Gemeinschaftswährung von unter 1,29 auf deutlich über 1,31 Dollar. "Der Euro war unverhältnismäßig stark unter Druck geraten, daher sehen wir jetzt eine technische Korrektur dieses Verfalls", sagte Ralf Elmer, Leiter Devisen von der Landesbank Baden-Württemberg. Auch der Gold- und der Ölpreis legten zu.

Bankaktien wieder auf der Sonnenseite
Die Bank- und Finanzaktien im Dax legten am Montag überdurchschnittlich zu. Postbank, Deutsche Bank, Allianz, Commerzbank und Münchener Rück gewannen bis zu acht Prozent. Die Aktionäre nahmen vor allem eine Unternehmensmeldung der britischen Großbank Barclays zum Anlass, ihr Depot mit Bankaktien zu bestücken.

Die Bank will ihre Quartalszahlen, das meldete sie über ihren Aktionärsbrief, früher als geplant veröffentlichen; außerdem sei man solide finanziert und habe Kapitalreserven in Höhe von 36 Milliarden Pfund. Die französische Großbank BNP Paribas allerdings rechnet im laufenden Jahr mit einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Auch der niederländische Finanzkonzern ING bilanzierte für das Schlussquartal einen Verlust von 3,3 Milliarden Euro. Der Konzern benötigt nun weitere Staatshilfe.

Bund vor HRE-Übernahme?
Der Bund wird angeblich die Mehrheit an dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate übernehmen. Der Staat plane, 50 Prozent plus eine Aktie an dem angeschlagenen Konzern zu übernehmen, berichtet das Handelsblatt. Weder vom Bundesfinanzministerium noch von der Bank war ein Kommentar zu der Meldung zu erhalten. Allerdings hatte Wirtschaftsminister Glos letzte Woche bereits gesagt, ein Einstieg des Bundes bei der HRE sei womöglich unvermeidbar.

MüRü bleibt optimistisch
Der Rückversicherungskonzern Münchener Rück hat das Jahr 2008 nach eigenen Angaben glimpflich beendet. Man habe den versprochenen Gewinn geschafft, sagte Finanzchef Jörg Schneider dem Handelsblatt. Allerdings habe sich das Umfeld weiter verschlechtert, die Münchener Rück habe im vierten Quartal hohe Abschreibungen vorgenommen, so Schneider. Die Aktie schloss dennoch sechs Prozent höher.

Allianz will wieder ins Bankengeschäft einsteigen
Europas größter Versicherer Allianz will nach dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank in etwa drei Monaten mit einer Bank unter eigener Marke antreten. "Im April dürften wir startklar sein", sagte Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht.

Pfizer will Wyeth übernehmen
Deutsche Pharma-Aktien verhielten sich bemerkenswert ruhig. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer beabsichtigt, seinen Konkurrenten Wyeth zu übernehmen. Pfizer will 50,19 Dollar je Wyeth-Aktie zahlen, die Übernahme hätte damit einen Wert von 68 Milliarden Dollar. Die Gremien beider Konzern stimmten der Fusion bereits zu. Während sich Pfizer- und Wyeth-Aktien deutlich bewegten, schlossen Bayer-Aktien unverändert. Merck-Papiere legte 0,3 Prozent zu.

Infineon auf Rekordtief
Infineon-Aktien verloren trotz der guten Stimmung 7,4 Prozent. Die Papiere erreichten im Verlauf ein neues Rekordtief von 0,58 Euro. Die Qimonda-Pleite wird, berichteten Medien, weitere Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe bringen. Es drohten Abfindungen und die Rückzahlung öffentlicher Fördermittel.

ThyssenKrupp mit Abschlag
Die ThyssenKrupp-Aktie verlor im Tagesverlauf 5,3 Prozent. Nach der Hauptversammlung am Freitag notiert die Aktie allerdings mit Dividendenabschlag. ThyssenKrupp hat seinen Aktionären 1,30 Euro je Anteilsschein ausgezahlt. Ohne Dividendenabschlag schloss das Papier im Plus.

Fresenius Medical ist zuversichtlich
Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care will seine Dividende für das abgelaufene Jahr erhöhen. "Wir hatten ein erfolgreiches Jahr", sagte Vorstandschef Ben Lipps der Zeitung "Euro am Sonntag". Die Aktie stieg um 1,9 Prozent.

Conti äußerst schwach
Die Aktie des Automobilzulieferers Continental verlor 16,3 Prozent. Conti-Aktionäre mussten gleich mehrere Negativmeldungen verdauen. Der umstrittene Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg tritt auf Druck des Großaktionärs Schaeffler ab. Künftig wird der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer dem Gremium vorstehen. Außerdem verlässt Conti-Finanzchef Alan Hippe das Unternehmen und geht zum Stahlkonzern ThyssenKrupp. Die Bundesländer Niedersachsen und Bayern wollen zudem nach Medienberichten Conti und Schaeffler mit jeweils einer halben Milliarde Euro unterstützen.

Bilfinger Berger erhält Großauftrag
Der Baukonzern Bilfinger Berger baut unter Hamburg einen sechs Kilometer langen Forschungstunnel. Der Auftragswert liegt nach Angaben der Firma bei 100 Millionen Euro, wovon auf Bilfinger Berger die Hälfte entfalle. In dem Tunnel will das Forschungszentrum Desy einen Röntgenlaser bauen. Die Bilfinger Berger-Aktie legte um 4,4 Prozent zu.

Repower legt gute Zahlen vor
Der Windkraftanlagenbauer Repower hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres seinen Umsatz um etwa die Hälfte auf 850,5 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis legte um ein Drittel auf 38,1 Millionen Euro zu. Ende Dezember verfügte das Unternehmen zudem über ein Auftragsvolumen von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Die Aktie stieg um 7,3 Prozent.

Roth & Rau ergattert Großauftrag
Der Solarindustrie-Zulieferer Roth&Rau hat einen Großauftrag aus Korea im Wert von 26 Millionen Euro erhalten. Im ersten Halbjahr rechnet Roth & Rau ansonsten allerdings nur mit einer verhaltenen Auftragslage. Die Aktien legten um 6,8 Prozent zu.

Jenoptik bleibt in der Spur
Der Technologiekonzern Jenoptik hat trotz der Wirtschaftskrise seine Ziele für 2008 knapp erreicht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag nach ersten Berechnungen bei rund 37 Millionen Euro. Der Umsatz erreichte knapp 550 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2009 will das Unternehmen seinen "stabilen Kurs" fortsetzen. Eine konkrete Prognose gab es jedoch nicht. Die Aktionäre macht das unsicher, die Aktie verlor 7,3 Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr