Stressfreier Wochenstart

Stand: 26.07.2010, 20:02 Uhr

Am ersten Handelstag nach den Stresstests können die Finanzwerte deutlich zulegen. Dass der Dax letztlich mit einem kleinen Plus aus dem Markt geht, verdankt er aber in erster Linie guten Unternehmenszahlen und der Entspannung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt.

Danach wurden in den USA im Juni 330.000 Eigenheime verkauft, ein Sprung von 23,6 Prozent verglichen mit dem Vormonat. Einen noch stärkeren Anstieg hatte es zuletzt im Mai 1980 gegeben. Volkswirte hatten mit 320.000 Häusern gerechnet. Der deutliche Anstieg sei aber kaum positiv zu werten, weil man den Rekord-Einbruch vom Mai berücksichtigen müsse, sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg.

Trotzdem klettert der Dow Jones-Index in New York bis zum Börsenschluss in Deutschland um gut 70 Punkte auf 10.495 Zähler.

Auch der Dax kann zum Wochenstart weiter zulegen und steigt im Abendhandel um 19 Punkte (0,3 Prozent) auf 6.191. Auf die Stresstest-Ergebnisse der europäischen Banken reagierte der Markt dagegen weniger, der Dax notierte bis zur Bekanntgabe der Daten aus den USA die meiste Zeit leicht im Minus. Kräftig zulegen kann dagegen der Euro. Er nähert sich am Abend wieder der Schwelle von 1,30 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
Differenz relativ
-0,15%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
-0,36%

Bankwerte deutlich im Plus
Der mit Abstand größte Gewinner im Dax ist die Aktie der Commerzbank - sie kann ihr Plus im Tagesverlauf deutlich ausbauen - und schließt 3,46 Prozent höher als am Freitag.

Die Titel der Deutschen Bank fielen zunächst um bis zu drei Prozent, schlossen dann aber 1,3 Prozent im Plus. Händlern zufolge belastete anfänglich die Weigerung des Instituts, Einblick in ihr aktuelles Staatsanleihen-Portfolio zu geben. Ein Sprecher der Bank signalisierte indes, dass der Branchenprimus dies bei der Vorlage der Quartalszahlen am morgigen Dienstag nachholen werde. Einige Händler äußerten zudem die Befürchtung, dass die Deutsche Bank letztlich im Krisenfall für das nicht allzu gute Abschneiden ihrer Tochter Postbank geradestehen müsste.

Auch im Ausland konnten die Finanzwerte kräftig zulegen. Vor allem die französischen Banken Société Générale und BNP Paribas zogen nach ihrem guten Abschneiden um 5,2 beziehungsweise 2,4 Prozent an.

Fedex schiebt Post an
Zu den stärksten Werten im Dax zählt auch die Aktie der Deutschen Post. Sie profitiert von den günstigen Aussichten des amerikanischen Paketdiensts Fedex. Der erhöht seine Jahresprognose und erwartet in diesem Jahr einen Gewinn je Aktie zwischen 4,60 Dollar und 5,20 Dollar. Bisher lag die Gewinnschätzung bei 4,98 Dollar. Vor allem der internationale Versand laufe gut. Konkurrent UPS hatte bereits in der vergangenen Woche seine Prognose angehoben.

US-Baukonjunktur hilft Heidelcement
Einer der größten Tagesgewinner im Dax ist die Aktie von HeidelbergCement. Nachdem die Titel den ganzen Tag vor sich hin dümpelten, bekamen sie unerwartet Rückenwind von den neuesten Zahlen aus den USA. Dort sind im Juni deutlich mehr Häuser verkauft worden als erwartet. An der 40-Euro-Hürde scheitert die Aktie aber trotzdem.
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Henkel und Adidas unter Druck
Zu den größten Verlierern zählen heute die Aktien von Henkel und Adidas. Henkel-Titel leiden Händlern zufolge unter dem verhaltenen Ausblick des britischen Konkurrenten Reckitt Benckiser. Bei Adidas sorgen Gewinnmitnahmen nach dem Kursplus der vergangenen Woche für einen Rücksetzer

Postbank und Aareal Bank rauf
Im MDax legt die Aktie der Postbank überdurchschnittlich zu, obwohl das Institut bei dem Stresstest die erforderliche Mindestkapitalausstattung von sechs Prozent gerade so bestanden hat. Auch die Titel der ebenfalls im MDax notierten Aareal Bank drehen deutlich ins Plus. Die Bank hatte sich dem Stresstest gar nicht unterziehen müssen, hätte bei einer Eigenkapitalquote von 11,2 Prozent Ende März den Test wohl mit Bravour bestanden.

ProSieben macht riesigen Sprung
Mit einem Sprung von fast 13 Prozent ist die Aktie der Senderkette ProSiebenSat.1 der mit Abstand größte Gewinner im MDax. Das Unternehmen hat am Morgen eine Gewinnsteigerung um 64 Prozent auf 74,5 Millionen Euro bekannt gegeben. Grund ist der anziehende Werbemarkt.

Jungheinrich schafft die Wende
Vor allem der starke Monat Juni habe dazu beigetragen, das Ergebnis deutlich zu steigern, teilte der Gabelstapler-Hersteller am Abend mit. Das Ebit stieg in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auf 37,7 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2009 war noch ein Verlust von 14,8 Millionen Euro angefallen. Detaillierte Zahlen will Jungheinrich am 12. August vorlegen.

Wacker Neuson ganz stark
Im SDax springt das Papier von Wacker Neuson um mehr als acht Prozent in die Höhe und ist damit einer der stärksten Werte in diesem Segment. Vor allem der stark belebte Auftragseingang im ersten Halbjahr habe positiv überrascht, sagte ein Händler. Vorläufigen Zahlen zufolge ist der Umsatz im zweiten Quartal voraussichtlich um 31,2 Prozent gestiegen. Der Markt spekuliert nun auf einen Anhebung der Jahresprognose.

Mensch und Maschine enttäuscht
Die Aktie des Softwareanbieters Mensch und Maschine gibt nach den Quartalszahlen deutlich nach. Dabei hat das Unternehmen den Umsatz im ersten Halbjahr um 14,5 Prozent auf 97,4 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis (Ebitda) legte sogar um 21,5 Prozent auf 2,9 Millionen Euro zu. Die Firma erwartet nun für das Gesamtjahr ein Ebitda von 4,5 bis 6,5 Millionen Euro, nach 1,4 Millionen im Vorjahr.

Vorfreude bei Aixtron
Aktien von Aixtron mischen ganz vorn mit im TecDax. Dafür machen Händler eine optimistisch klingende Studie von JPMorgan verantwortlich. Sie erwartet gestiegene Auftragseingänge und Auslieferungen im zweiten Quartal. Eine Anhebung der Prognose sei deshalb möglich. Ein Börsianer wies zudem darauf hin, dass der Wettbewerber Veeco an diesem Tag nach Börsenschluss Zahlen vorlegen werde.

Analysten mögen Smartrac und Manz
Smartrac und Manz gehören ebenfalls zu den stärksten Werten im TecDax. Bei dem Funkchip-Hersteller Smartrac erwarten die Anleger bei den am Donnerstag erwarteten Quartalszahlen einen kräftigen Umsatzanstieg. Die Titel von Manz profitieren von einem Kommentar der Credit Suisse. Die Bank honoriert die Kooperation mit Würth Solar und spricht von einer "wichtigen strategischen Wende", auch wenn das Investment im laufenden Jahr die Gewinnentwicklung belasten könnte. Ab 2011 gebe es aber erhebliches Aufwärtspotenzial, sollte Manz die Kooperation wie geplant umsetzen, stellte Credit-Suisse-Analyst Karsten Iltgen fest.

Morphosys profitiert von Lizenz
Die Morphosys-Aktie steigt ebenfalls überdurchschnittlich. Grund ist die Aussicht auf eine Exklusiv-Lizenz für einen Diagnostik-Antikörper. Dabei geht es um die Messung des Parathormonspiegels als Diagnosewerkzeug bei der Operation der Nebenschilddrüse.

Konkurrent drückt Qiagen
Qiagen-Titel sind die schwächsten Werte im TecDax. Die Aktien werden durch die Zahlen des US-Konkurrenten Beckman Coulter vom vergangenen Freitag belastet. Der US-Konzern hatte seine Gewinnprognose für 2010 gesenkt und zudem einen Gewinneinbruch von knapp einem Drittel für das zweite Quartal gemeldet.

Atoss verdient mehr
Im Prime Standard steigt der Kurs von Atoss Software nach einer guten Halbjahresbilanz kräftig an. Zwar stagnierten die Umsätze, doch das operative Ergebnis kletterte um 18 Prozent. Die Aktie schießt um fünf Prozent in die Höhe.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr