Marktbericht 20:13 Uhr

Dax im Plus Stimmungswende an den Börsen?

Stand: 07.07.2016, 20:13 Uhr

Die europäischen Aktienmärkte haben die Brexit-Sorgen vorerst abgeschüttelt. Gute Daten vom privaten US-Arbeitsmarkt hoben kurzzeitig die Kauflaune der Anleger. Doch die Stimmung könnte schnell wieder schnell umschlagen.

Einige Börsianer warnten vor verfrühtem Optimismus. "Die Nervosität könnte rasch wieder zurückkehren", meinte Marktstratege Niall Delventhal vom Brokerhaus FXCM. Noch immer seien die Brexit-Folgen ungewiss.

Dax gibt Teil der Gewinne ab

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.553,83
Differenz relativ
-0,31%

Tatsächlich stand der Erholungsversuch an den europäischen Börsen auf wackligen Beinen. Der Dax legte zeitweise bis zu 1,5 Prozent zu, bevor die Kursgewinne wieder bröckelten. Zum Xetra-Schluss blieb noch ein mickriges Plus von 0,5 Prozent übrig. Der britische FTSE 100 legte stärker um ein Prozent zu.

Fallende Ölpreise ziehen Wall Street ins Minus

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,90
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+0,77%

Als Kursbremse erwies sich am Donnerstag die Wall Street. Nach einem guten Beginn machte der Dow wieder schlapp und drehte ins Minus. Zwei Stunden vor Handelsende lag er 0,5 Prozent tiefer. Besonders der deutliche Rückgang der Ölpreise drückte die Stimmung. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um fast einen Dollar auf 47,86 US-Dollar. Grund waren die deutlich gesunkenen Lagerbestände an Rohöl um 2,2 Millionen Barrel auf 524,4 Millionen Barrel in den USA.

Gutes Omen für die US-Arbeitsmarktdaten

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Zudem hielten sich viele Anleger vor den offiziellen Arbeitsmarktdaten zurück, die am Freitag veröffentlicht werden. Davon erwarten sie sich Hinweise auf den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung. Ein gutes Omen sind die starken ADP-Daten. Im Juni wurden im Privatsektor 172.000 Stellen geschaffen - 12.000 mehr als erwartet. Nach Einschätzung von Ulrich Wortberg von der Helaba könnten sich die schwachen Jobzahlen der Monate April und Mai als Ausreißer herausstellen.

Euro hält sich gut

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1514
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+0,50%

Der Euro bewegte sich kaum von der Stelle. Am Abend notierte er bei 1,1054 Dollar. Die Produktion in der deutschen Industrie ist im Mai überraschend zurückgegangen. Sie ging im Mai um 1,3 Prozent unter dem Niveau des Vormonats. Volkswirte hatten dagegen im Mittel einen Zuwachs um 0,1 Prozent erwartet.

Pfund erholt sich

Das britische Pfund erholte sich und näherte sich wieder dem Niveau von 1,30 Dollar. In Großbritannien ist die Industrieproduktion im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent geschrumpft. Volkswirte hatten mit einem deutlicheren Rückgang um 1,0 Prozent gerechnet. Da sich die Zahlen auf den Monat Mai beziehen, ist das Ergebnis des Brexit-Referendums in den Daten noch nicht enthalten.

Schub für Versorger

Sieger des Tages im Dax waren die Versorger. Die Aktien von RWE stiegen um fast 4,5 Prozent, die Titel von Eon um fast drei Prozent. Die beiden Aktien zählten zu den stärksten Werten seit dem Brexit. Zudem kündigte der RWE-Konzern weitere Stellenstreichungen an. "Effizienzsteigerung und Kostensenkungen bleiben das Gebot der Stunde", sagte Matthias Hartung, Chef der Kraftwerkstochter RWE Power.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,00
Differenz relativ
+2,10%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
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+1,72%

Ärger für Linde in den USA

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
211,30
Differenz relativ
-0,89%

Schlusslicht im Dax war die Linde-Aktie mit einem Minus von über einem Prozent. Der Industriegasehersteller sieht sich Vorwürfen in den USA gegenüber. Eine ehemalige Mitarbeiterin der US-Tochter Lincare beschuldigt das Unternehmen, falsche Abrechnungen ausgestellt zu haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich auf jüngst veröffentlichte Gerichtsunterlagen. Das US-Gesundheitssystem sei um zwei- oder gar dreistellige Millionenbeträge betrogen worden.

Hilft der Bund der Lufthansa?

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,95
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-6,02%

Zu den Dax-Gewinnern zählten auch die Titel der Lufthansa. Laut einem Vorab-Bericht der "Wirtschaftswoche" will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die heimischen Fluggesellschaften in Höhe von bis zu einer halben Milliarde Euro unterstützen. "Vor allem die Luftsicherheitsgebühr soll ganz oder teilweise vom Bund übernommen werden", zitiert das Blatt einen Insider.

Südzucker gibt Anlegern Süßes

Zum Favoriten im MDax avancierte Südzucker. Die Aktien sprangen um fast acht Prozent nach oben. Südzucker hat im ersten Geschäftsquartal trotz eines Umsatzrückgangs um 1,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro deutlich mehr verdient. Der Vorsteuergewinn stieg von März bis Mai von 57 bis 110 Millionen Euro. Das MDax-Mitglied profitierte von gestiegenen Zuckerpreisen und niedrigeren Rohstoffkosten.

Gerresheimer expandiert

Die Aktien von Gerresheimer zogen um fast drei Prozent an. Der Spezialverpackungshersteller hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um vier Prozent auf 371 Millionen Euro verbessert. Ohne Zukäufe und Wechselkurseinflüsse blieb der Umsatz stabil. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) legte um 18 Prozent auf 84,7 Millionen Euro zu. Das Unternehmen profitierte von guten Geschäften in Europa und Nordamerika.

Cimic belastet Hochtief

Auf der Verliererseite rangierte dagegen Hochtief. Die Aktien gaben um zwei Prozent nach. Sie litten unter dem Kurseinbruch der australischen Tochter Cimic. Eine negative Studie von Morgan Stanley drückte die Aktien von Cimic um 16 Prozent in die Tiefe. Hochtief ist zu 70 Prozent an dem australischen Bauunternehmen beteiligt.

Samsung glänzt

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat im zweiten Quartal deutlich mehr verdient. Das operative Ergebnis legte um 17 Prozent auf umgerechnet 6,3 Millionen Euro zu. Grund waren gute Verkaufszahlen des neuen hochpreisigen Spitzenmodells Galaxy S7.

Danone macht auf bio

Der französische Nahrungsmittelkonzern Danone will den Bio-Lebensmittelhersteller Whitewave Foods mit den Marken "Silk" und "Alpro" kaufen. Danone bietet 56,25 US-Dollar in bar je Aktie. Whitewave wird dadurch inklusive Schulden und anderen Verbindlichkeiten mit 12,5 Milliarden Dollar bewertet. Der Deal kam an der Börse gut an: die Danone-Aktien kletterten auf ein Rekordhoch. Die Titel von Whitewave stiegen zweistellig.

Pepsi besser als erwartet

Der starke Dollar hat dem Chips- und Getränkehersteller PepsiCo zugesetzt. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz um über drei Prozent auf 15,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um ein Prozent auf gut zwei Milliarden Dollar. Bereinigt um Sondereffekte und Währungsschwankungen soll im laufenden Jahr der Gewinn je Aktie mit 4,71 Dollar um fünf Cent höher ausfallen als bisher gedacht.

Tesla schießt zurück

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
223,33
Differenz relativ
-4,86%

Neuen Wirbel gibt es um Tesla. Die bekannte amerikanische Finanzjournalistin Carol Loomis fragt sich, ob Tesla die Investoren über den tödlichen Unfall in einem vom "Autopilot" gesteuerten Tesla hätte melden müssen. Knapp zwei Wochen nach dem Unfall vom 7. Mai hatte Tesla für 1,4 Milliarden Dollar Aktien verkauft. Der Elektroautohersteller erwiderte in einem Blogeintrag, die Untersuchung der Fahrzeugdaten sei erst Ende Mai abgeschlossen worden. Außerdem habe das Bekanntwerden des Unfalls den Tesla-Kurs kaum beeinflusst.

nb

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier