Marktbericht 20:12 Uhr

Griechenland-Lösung erneut vertagt Stillstand an den Börsen

Stand: 25.06.2015, 20:12 Uhr

Erst hü, dann hott: Die andauernde Hängepartie um Griechenland hat die Börsen am Donnerstag auf Berg- und Talfahrt geschickt. Als klar wurde, dass die Verhandlungen wieder kein Ergebnis brachten, drehten Dax & Co wieder auf Stand-by-Modus. Einzig aus den USA kamen positive Signale- von den Konsumenten.

Langsam reicht's den Anlegern. Tagtäglich dominiert der griechische Schuldenstreit das Marktgeschehen. Doch der seit Wochen erhoffte Durchbruch oder Kompromiss will einfach nicht kommen. So auch am Donnerstag: Die Euro-Finanzminister beendeten am Nachmittag ihr Krisentreffen in Brüssel vorzeitig - ohne Ergebnis. Die griechische Regierung und die Geldgeber konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag zum Spar- und Reformpaket einigen und legten den Finanzministern separate Pläne vor.

Griechenland-Krimi aufs Wochenende verschoben

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

Nun werden sich die Verhandlungen zur Rettung Griechenlands vor der Pleite bis ins Wochenende hineinziehen. Die Euro-Finanzminister wollen sich am Samstag wieder treffen, hieß es am Donnerstag. Damit rückt der Countdown immer näher. Am Dienstag läuft das derzeitige - zweite - Hilfspaket für Griechenland aus. Damit würde auch der Anspruch auf weitere Hilfen von bis zu 18 Milliarden Euro verfallen.

Hü und Hott

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
Audio

Börse 20.15 Uhr

Äußerungen  griechischer Regierungskreise und der Geldgeber bewegten am Donnerstag die Märkte - mal nach oben, mal nach unten. "Jede halbwegs positive Aussage wurde für Käufe genutzt", meinte ein Börsianer. Zunächst hatten Informationen aus griechischen Regierungskreisen für Euphorie gesorgt, wonach die Troika aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) einige der Vorschläge Athens akzeptiert hätten. Der Dax schoss auf bis 11.594 Punkte. Doch schon rasch folgte die Ernüchterung, als es aus EU-Kreisen hieß, die Griechen hätten die gemeinsame Position der Geldgeber nicht akzeptiert. Am Nachmittag gab es unterschiedliche Signale. Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, die Griechen hätten sich eher rückwärts als vorwärts bewegt, zeigten sich Frankreichs Präsident Francois Hollande und Italiens Premierminister Renzo zuversichtlich, dass bald die Einigung komme.

Der Dax legte eine Berg- und Talfahrt hin. Nach anfänglichen Gewinnen rutschte er deutlich ins Minus. Doch im Sog der freundlichen Wall Street holte er die Verluste wieder auf und schloss nahezu unverändert bei 11.473 Punkten. Auch der EuroStoxx50 zeigte sich wenig bewegt. Er stagnierte bei knapp über 3.600 Punkten.

In den USA steigt die Konsumfreude

Die US-Börsen erholten sich etwas von ihren Verlusten zur Wochenmitte. Der Dow lag zwei Stunden nach Handelsbeginn 0,2 Prozent höher. Der marktbreite S&P 500 stieg um knapp 0,3 Prozent. Überraschend gute Konjunkturdaten gaben der Wall Street leichten Auftrieb. Die Konsumfreunde der Amerikaner hat wieder spürbar zugenommen. Die Ausgaben für den privaten Verbrauch zogen im Mai um 0,9 Prozent an- so stark wie seit August 2009 nicht mehr. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Auch an der Arbeitsmarktfront hellte sich das Bild auf. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg nur leicht um 3.000 auf 271.000. Volkswirte hatten 273.000 Anträge prognostiziert.

Euro über 1,12 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
Differenz relativ
+0,03%

Die guten Konjunkturdaten aus den USA schadeten dem Euro nicht. Die Gemeinschaftswährung behauptete sich um die Marke von 1,12 Dollar. Nur am Mittag war der Euro stärker unter Druck geraten. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sieht die Euro-Zone weiter auf Erholungskurse. Die Wirtschaft durchlaufe weiterhin eine zyklische Erholung, sagte er auf der IIF-Bankenkonferenz in Frankfurt. Die Ölpreise sanken derweil. Das Nordsee-Öl der Sorte Brent verbilligte sich um fast ein Prozent auf 62,90 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI fiel noch stärker auf 59,49 Dollar.

K+S im Übernahmevisier

Star des Tages war K+S. Die Aktie war mit einem Plus von 1,5 Prozent zum Xetra-Schluss Spitzenreiter. Im späten Handel bauten K+S ihre Kursgewinne kräftig aus. Bis 34 Euro schoß das Papier nach oben. Grund: Konkurrent Potash will K+S für angeblich 40 Euro je Aktie übernehmen. Die Kasseler werden daie Offerte jedoch wohl abnlehnen, hieß es von Böoomberg unter Berufung auf Insider.

Finanzwerte top, Versorger flop

Zudem waren vor allem Finanzwerte gefragt. Die Aktien der Deutschen Bank legten 1,3 Prozent, die Titel der Commerzbank 0,7 Prozent zu. Auf der Verliererseite standen die Versorger RWE und Eon. Gestern noch hatten sie von der Aussicht auf die Streichung der "Kohle-Abgabe" profitiert.

Kellerhals will Media-Saturn ganz

Im MDax gehörte Metro zu den größten Verlierern. Der Minderheitsgesellschafter des Eletronikhändlers Media-Saturn, Erich Kellerhals, hat erneut Interesse an einer Übernahme der Metro-Tochter bekundet. Man sei bereit, dem Düsseldorfer Handelskonzern die etwas mehr als 78 Prozent ausmachende MSH-Beteiligung abzukaufen, kündigte Ralph Becker, G Geschäftsführer der Kellerhals-Gesellschaft Convergenta Invest, in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Freitag an. Über diese Gesellschaft hält Kellerhals seinen 21,67 Prozent umfassenden Anteil an Media-Saturn.

Gesco auf Schrumpfkurs

Schwache Zahlen lieferte die Private-Equity-Gesellschaft Gesco aus dem SDax. Die auf Beteiligungen des industriellen Mittelstandes spezialisierte Gesellschaft meldete für das Geschäftsjahr 2014/15 Rückgänge bei Umsatz und Ertrag. Probleme gab es unter anderem im Russland-Geschäft. Gesco-Vorstand Hans-Gert Mayrose sprach von einem enttäuschenden Jahr. Für das neue Geschäftsjahr äußerte sich Gesco aber etwas zuversichtlicher. Die Aktie fiel um über zwei Prozent.

H&M abgestraft

Im Blickpunkt standen am Donnerstag die Mode-Aktien. Der schwedische Modekonzern H&M konnte mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal am Markt nicht glänzen. Das Ergebnis vor Steuern stieg zwar auf 8,44 Milliarden schwedischen Kronen (rund 900 Millionen Euro), lag aber knapp unter den Analystenschätzungen von 8,48 Milliarden Kronen. Die Reaktion der Anleger war gnadenlos: die Aktie brach um über sechs Prozent ein.

Ahlers warnt

Noch schlechter läuft es für den Männermode-Konzern Ahlers (Baldessarini, Pierre Cardin, Otto Kern, Gin Tonic). Wegen der Flaute in Russland rechnet Ahlers im laufenden Geschäftsjahr mit einem deutlichen Ergebnisrückgang. Für das bis Ende November laufende Geschäftsjahr 2014/2015 stellt sich Ahlers auf einen Umsatzrückgang von mindestens fünf Prozent ein. Beim Ergebnis war der Vorstand bislang von stabilen bis leicht rückläufigen Zahlen ausgegangen. Jetzt erwartet das Management einen deutlichen Rückgang. Die Aktie sank um vier Prozent.

Adva auf Acht-Jahres-Hoch

Größter TecDax-Gewinner war Adva Optical. Die Aktie kletterte auf ein Acht-Jahres-Hoch. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Adva seine Glasfaser-Technologie in einem Projekt mit T-Systems zum Einsatz bringt. Schlusslicht im TecDax war Manz mit einem Minus von über drei Prozent. Die Papiere des Spezialmaschinenbauers wurden aus dem "Platow"-Musterdepotz geworfen.

Apple einigt sich mit Streaming-Diensten

Im Ausland richteten sich die Blicke auf Apple. Der Hightech-Konzern hat sich mit mehreren Musikfirmen auf Lizenzgebühren für seinen neuen Streaming-Dienst geeinigt- Popstar Taylor Swift sei Dank. Apple werde die Künstler nun auch in der Einführungsphase bezahlen, hieß es. Bisher war das nicht der Fall. Gegen diese Regelung hatte sich Swift beschwert und damit den Konzern zum Einlenken gebracht.

Toyota, Nissan ... und immer wieder die Airbags

Eine neue Hiobsbotschaft gab's aus Japan: Die beiden japanischen Hersteller rufen wegen defekter Airbags der japanischen Firma Takata weitere drei Millionen Fahrzeuge in die Wekstätten zurück. 2,86 Millionen Autos entfallen auf Toyota, davon 1,7 Millionen in Europa. Bei Nissan sind 198.000 Autos. Die Airbags können unter gewissen Umständen explodieren und die herumfliegenden Teile zu Verletzungen führen. Sieben Menschen kamen bisher ums Leben. Das Thema hält die Branche schon seit Monaten in Atem, Millionen von Autos sind vor allem schon in den USA zurückgerufen worden.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"