Marktbericht 20:12 Uhr

Anleger ohne Orientierung Stillstand an den Börsen

Stand: 22.01.2014, 20:12 Uhr

Durchwachsene Quartalszahlen von Hightech-Konzernen haben am Mittwoch die Kauflaune an den Börsen gedämpft. Der Dax musste seine Gipfeljagd unterbrechen. Einige Anleger machten Kasse, andere griffen zu.

An den Märkten ging es am Mittwoch sehr ruhig zu, es gab kaum Bewegungen nach unten oder nach oben. Die Aktienmärkte scheinen in einer engen Spanne gefangen zu sein. "Gewinnmitnahmen und Neupositionierungen geben sich derzeit die Klinke in die Hand", sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Sobald Anleger Gewinne mitnähmen, würden andere Investoren den Rücksetzer nutzen und kaufen, meinten Händler.

Aktienmärkte treten auf der Stelle

Folglich verharrten die Börsen nahezu auf ihrem Niveau vom Vortag. Der Dax schloss 0,1 Prozent tiefer bei 9.720 Punkten. Der EuroStoxx 50 stagnierte bei 3.151 Zählern. Am Morgen war der Dax noch auf bis 9.765 Zähler geklettert, kam aber nicht an das gestern erreichte Rekordhoch von 9.794 Punkten heran.

United Technologies hui, IBM pfui

Die Wall Street zeigte sich uneinheitlich. Während der Dow zwei Stunden vor Handelsschluss gut 0,2 Prozent im Minus lag, zog die Nasdaq um 0,4 Prozent an. Die durchwachsene Berichtssaison in den USA stimmte die Anleger vorsichtig. Besonders der weltgrößte IT-Dienstleister IBM enttäuschte mit seinen Zahlen. Die Aktie ist mit einem Minus von drei Prozent Dow-Schlusslicht. Dagegen glänzte der Mischkonzern United Technologies mit einer soliden Bilanz. Die Aktie legt 0,5 Prozent zu.

Britisches Pfund erlebt ein Comeback

Der Euro bewegte sich am Mittwoch ebenfalls kaum. Am frühen Abend pendelte sich die europäische Gemeinschaftswährung bei um 1,3540 Dollar ein. "In dieser Woche ist beim Euro Flaute angesagt", erklärte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank. Sie verwies auf fehlende Konjunkturdaten. Indes befindet sich das britische Pfund weiter im Höhenflug. Spekulationen um eine vorzeitige Anhebung der britischen Leitzinsen trieben das Pfund auf ein Einjahres-Hoch gegenüber dem Euro. Überraschend sank die Arbeitslosenquote auf der Insel auf 7,1 Prozent im November.

Guter Tag für konjunkturabhängige Aktien

Favoriten im Dax waren konjunktursensible Titel. So kletterten die Aktien von HeidelCement um 3,5 Prozent nach oben und führten die Gewinnerliste an. Die Analysten von Exane BNP Paribas empfahlen die Papiere zum Kauf. Die Papiere von ThyssenKrupp legten 1,5 Prozent zu. Unter Strom stand auch RWE. Die Titel des Versorgers gewannen fast drei Prozent. Laut einem Medienbericht könnte RWE für seine Tochter Dea mehr Geld bekommen als gedacht. Unter den drei Interessenten soll das Höchstgebot bei fünf Milliarden Euro liegen.

Abgang des Pimco-Chefs schlecht für Allianz?

Der plötzliche Rücktritt von Pimco-Chef Mohamed El-Erian belastete das Dax-Schwergewicht Allianz. Die Aktien schlossen 1,2 Prozent tiefer. "Der überraschende Wechsel wirft Fragen auf und führt zu Unsicherheiten auch mit Blick auf die Muttergesellschaft", sagte ein Händler. Der zum Konzern gehörende amerikanische Vermögensverwalter gilt als besonders wichtiger Ertragsbringer im Konzern. El-Erian warf nach hohen Abflüssen beim weltgrößten Anleihefonds Pimco Total Return das Handtuch.

Rote Laterne für Lanxess

Am Dax-Ende rangierte Lanxess mit einem Minus von rund fünf Prozent. Schuld war ein negativer Analystenkommentar. Die Analysten von JPMorgan haben ihr Kursziel von 37 auf 28 Euro gesenkt und bewerten den Titel mit "Untergewichten".

ABB drückt Siemens nach unten

Die Gewinnwarnung von ABB zog Siemens mit in den Keller. Die Titel büßten 1,.5 Prozent ein. Probleme mit der Installation von Windanlagen belasteten das Ergebnis des Schweizer Industriekonzerns. Für das vierte Quartal kündigte Konzernchef Ulrich Spiesshofer außerplanmäßige Aufwendungen von 260 Millionen Dollar an. Der Kurs von ABB fiel um fast vier Prozent.

Osterloh: USA "Katastrophenveranstaltung" für VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ebenfalls mit Verlusten schloss VW. Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte die US-Strategie des Autobauers. Die USA seien für VW "eine Katastrophenveranstaltung", monierte er. Dem Konzern fehlten die passenden Autos, und den Erwartungen der Kunden werde zu wenig Rechnung getragen. Die Debatte über einen möglichen Führungswechsel beim Konzern in den kommenden Jahren sieht Osterloh gelassen. Der Konzern habe genug potenzielle Nachfolger für Martin Winterkorn.

Stada lässt Fragen offen

Der Generikahersteller aus dem MDax hat im abgelaufenen Jahr erstmals in der Unternehmensgeschichte die Umsatzmarke von zwei Milliarden Euro geknackt. Vor allem in Osteuropa und Asien/Pazifik sei es gut gelaufen, erklärte das Unternehmen aus dem hessischen Bad Vilbel. Die Stada-Aktien büßten dennoch 0,6 Prozent ein. Anleger waren irritiert darüber, dass sich Stada nicht zum Ergebnis geäußert hat.

Goldman steigt bei LEG Immobilien aus

Im späten Parketthandel kam der Kurs von LEG Immobilien etwas unter Druck. Die US-Inverstmentbank Goldman Sachs trennt sich von seiner restlichen Beteiligung an der Immobilienfirma aus dem MDax. Ein Paket von bis zu 15,2 Millionen LEG-Aktien soll bei institutionellen Anlegern platziert werden. Goldman Sachs hielt zuletzt 28,65 Prozent an LEG Immobilien.

SHW ist nicht zu bremsen

Im SDax sprangen die Aktien von SHW um fast zwei Prozent nach oben. Der  Autozulieferer hat ebenfalls vorläufige Umsatzzahlen für 2013 bekannt gegeben und seine erst im Oktober angehobene Prognose nochmals übertroffen. Die Erlöse zogen um 12 Prozent auf 365 Millionen Euro an. Angepeilt worden waren 352 bis 362 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei 35 bis 38 Millionen Euro liegen.

ASML schiebt Dialog an

Starke Zahlen von ASML beflügelten die Halbleiterwerte. So auch Dialog im TecDax. Die Aktien gewannen rund 1,5 Prozent. Der niederländische Spezialmaschinenbauer ASML hat im abgelaufenen Quartal wegen des Booms bei Smartphones und Tablet-Computern mit 481 Millionen Euro netto deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. ASML will nun die Dividende für 2013 um 15 Prozent auf 61 Cent erhöhen.

Kalte Dusche von AMD

Dagegen enttäuschte ein anderer Halbleiterhersteller: AMD. Der Chiphersteller ist zwar wegen guter Geschäfte mit Play-Stations wieder mit 89 Millionen Dollar in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt, die Verkäufe von PC-Chips gingen allerdings wieder zurück. Der Kurs von AMD bricht um zehn Prozent ein. Besser lief es für Texas Instruments: Der Chipkonzern konnte seinen Überschuss im vierten Quartal fast verdoppeln auf 511 Millionen Dollar. Die Aktie legt im US-Handel leicht zu.

Raiffeisen zieht Kapitalerhöhung durch

Aus Österreich verkündete Raiuffeisen eine der größten Kapitalerhölhungen im Alpenland. Knapp 10 Millionen Aktien zum Preis von 28,50 Euro je Stück wurden ausgegeben. Das spülte 2,8 Milliarden Euro in die Kassen des Geldinstituts. Damitrpüstet sich Raiffeisen für die strengeren Vorschriften der Bankaufseher. Die Anleger zeigten sich erleichtert. Der Raiffeisen-Kurs stieg um sieben Prozent.

Icahn baut Engagement bei Apple aus

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien von Apple zogen um über ein Prozent an. Aktionär Carl Icahn teilte über Twitter mit, dass er seine Anteile am iPhone-Hersteller aufgestockt hat. Mittlerweile sei er mit mehr als drei Milliarden Dollar bei Apple investiert. Icahn fordert seit einiger Zeit das Apple-Management auf, mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.