Marktbericht 20:02 Uhr

Stillstand zum Ende des ersten Halbjahres Still ruht der See

Stand: 30.06.2014, 20:02 Uhr

Viele Anleger fragen sich wie sich die Aktienmärkte wohl in der zweiten Jahreshälfte entwickeln wird. Zum Ende des ersten Halbjahres zeigt sich der Dax zwar freundlich, aber auch extrem vorsichtig.

Nach einem freundlichen Start und einem zwischenzeitlichen Rutsch in die Verlustzone am frühen Nachmittag geht der Dax am Ende mit einem bescheidenen Kursgewinn von 0,18 Prozent auf 9.833,07 Punkte aus dem Handel. Für die erste Jahreshälfte verbuchte der Leitindex damit einen Anstieg um knapp drei Prozent.

"Ein eindeutiger Trend am deutschen Aktienmarkt ist nicht zu erkennen", konstatierte Marktanalyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. "So könnte es bis zum Donnerstag auch weitergehen, wenn mit der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und den wegen des Feiertages in den USA vorgezogenen Arbeitsmarktdaten die wohl wichtigsten Termine der gesamten Woche anstehen."

Da von der EZB nach einem umfangreichen Maßnahmenpaket Anfang Juni vorerst keine weiteren geldpolitischen Lockerungen zu erwarten seien, könnte den US-Arbeitsmarktzahlen die größere Bedeutung zukommen. Auf positive Impulse hoffen die Experten allerdings nicht: Während rückläufie Arbeitslosenzahlen die Angst vor steigenden Zinsen schürten, dürften negative Nachrichten den Glauben an einen Wirtschaftsaufschwung zunichtemachen.

Stillstand auch an der Wall Street

Auch an der Wall Street ist am Montag erst einmal abwarten angesagt. Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt haben die Stimmung zwar kurz aufgehellt, so dass der Dow Jones-Index kurz ins Plus drehte. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow aber wieder 0,06 Prozent tiefer bei 16.842 Punkten. Im zweiten Quartal hätte er damit dennoch um 2,3 Prozent zugelegt, im ersten Halbjahr immerhin noch um 1,5 Prozent.

Keine neuen Erkenntnisse liefern die neuesten Inflationsdaten aus der Eurozone. Die Inflationsrate lag im Juni unverändert bei 0,5 Prozent. Experten hatten mit dieser Rate gerechnet. Für frischen Druck auf die EZB dürfte die Zahl nicht ausreichen. Die EZB hatte Anfang Juni ihren Leitzins auch wegen der zu geringen Inflation fast bis auf null Prozent gesenkt.

Euro rauf, Öl runter

Der Euro hat sich am Montag kräftig erholt. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt stieg die Gemeinschaftswährung auf 1,3692 Dollar, nachdem sie zuvor ein Tageshoch von 1,3663 Dollar markiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag auf 1,3620 Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise sind am Montag erneut moderat gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Mittag 112,58 US-Dollar. Das waren 72 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 49 Cent auf 105,25 Dollar. Händler erklärten die schwächere Tendenz vor allem damit, dass der Vormarsch der Rebellen im Irak vorerst gestoppt ist.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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HeidelbergCement leitet Verkauf ein

Im Dax steigt die Aktie von HeidelbergCement zu den stärksten Werten auf, nachdem bekannt wird, dass der Baustoffkonzern den geplanten Verkauf seiner Ziegelsparte vorantreibt. Die Deutsche Bank, Merrill Lynch, die Bank of America und BNP Paribas hätten den Auftrag bekommen, die Transaktion abzuwickeln, sagten zwei Personen mit Kenntnis des Vorgangs der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Es werde dann aber noch eine Weile dauern, bis die Sparte auf den Markt komme, sagte einer der Insider. HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele hatte die heiße Phase des Geschäfts, das der Konzern schon länger vorhat, für Herbst angekündigt.

Infineon weckt Fantasie

Ebenfalls gefragt sind Infineon. Beim Halbleiterhersteller verwiesen Händler auf einen Artikel im "Wall Street Journal" aus der Gerüchterubrik "Heard on the Street", wonach die Halbleiterbranche vor einer stärkeren Konsolidierung stehen könnte. Den Autoren zufolge dürfte die deutsche Infineon dabei ein Hauptziel für US-Chiphersteller darstellen. "Das stachelt die Fantasie an", sagte ein Händler.

BASF ohne Styrolution

Auch die BASF-Aktie gehört zu den Gewinnern im Dax. Die Ludwigshafener trennen sich von ihrem Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen für Kunststoffe, Styrolution. Der Ludwigshafener Konzern verkaufe seine Beteiligung von 50 Prozent für 1,1 Milliarden Euro an den britischen Joint-Venture-Partner Ineos, kündigte BASF an. Ineos war bei der Gründung des in Frankfurt ansässigen Gemeinschaftsunternehmens 2011 eine Kaufoption eingeräumt worden.

Merck: Aktiensplit und Zukauf

ZU den Kursverlierern gehören am Montag die Aktien von Merck. Dabei wurde an diesem Tag der Aktiensplit Merck wirksam. Aus einem alten Anteilsschein werden zwei neue. Damit will der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern die Titel optisch billiger und für Privatanleger interessanter machen. Zudem wurde bekannt, dass Merck seinen langjährigen Kooperationspartner für dimmbare Flüssigkristall-Fenster Peer+ komplett übernimmt. Einen Kaufpreis für die restlichen 30 Prozent der Anteile gab das Unternehmen nicht bekannt.

Carl Zeiss Meditec trumpft auf

Im TecDax sind die Titel von Carl Zeiss Meditec gefragt. Die Privatbank Berenberg hat sie von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 25 auf 27 Euro angehoben. Seit seiner Abstufung im August 2013 hätten die Papiere zu den schwächster Werten der Medizintechnik-Branche gehört, schrieb Analyst Scott Bardo. Der Markt sei sehr negativ eingestellt und die Bewertung mittlerweile zu attraktiv, um sie zu ignorieren.

Osram leuchtet wieder

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-0,26%

Im MDax ist die Osram-Aktie der mit Abstand stärkste Wert. Grund ist eine Heraufstufung durch die UBS und JPMorgan. Die strukturellen Probleme in der Branche bestünden zwar weiter, allerdings seien die kurzfristigen Risiken angesichts der Kurskorrektur ausgewogener, hieß es in dem Kommentar. Seit Jahresbeginn haben Osram rund 16 Prozent verloren. Die Papiere des Leuchtmittelherstellers hätten die verschlechterten Aussichten zuletzt ausreichend eingepreist, schrieb Analyst Fredric Stahl von der UBS.

Metro gibt Real Türkei ab

Auch die Metro-Aktie kann zulegen. Der MDax-Konzern trennt sich von seinen Real-Märkten in der Türkei. Käufer der zwölf SB-Warenhäuser sei Haci Duran Begendik. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Real Türkei setzte mit rund 1.800 Mitarbeitern im abgelaufenen Geschäftsjahr 256 Millionen Euro um. Mit seinen Großverbrauchermärkten (Cash & Carry) und seiner Elektronikmärkte-Tochter Media-Saturn will die Metro nach eigenen Angaben weiter in der Türkei vertreten bleiben.

BVB erholt, Grenke überholt

Im SDax müssen die BVB-Aktien ihren Spitzenplatz kurz vor Handelsende an Grenkeleasing abgeben. Letzteres Unternehmen profitiert von einer positiven Studie der Investmentbank Equinet. Sie hat die Grenke-Aktie von "Hold" auf "Accumulate" hochgestuft und das Kursziel von 70 auf 84 Euro angehoben.

Mehr als sechs Prozent kann auch die BVB-Aktie. Händler begründen die Aufschläge damit, dass das Minus vom Freitag übertrieben gewesen sei. Borussia Dortmunds Hauptsponsor Evonik war mit rund neun Prozent eingestiegen. Im Zuge einer Kapitalerhöhung gibt der Club dazu mehr als 6,1 Millionen neue Aktien aus.

BNP soll Milliardenstrafe akzeptiert haben

Die französische Großbank BNP Paribas hat nach Angaben von Insidern eine Strafzahlung an die US-Behörden von 8,9 Milliarden Dollar akzeptiert. Die Einigung solle am Montag nach Börsenschluss in New York (22.00 Uhr MESZ) offiziell bekanntgegeben werden. BNP Paribas soll zwischen 2002 und 2009 US-Wirtschaftssanktionen gegen Kuba, den Iran und den Sudan umgangen haben.

Riesensatz für Mologen

Mologen-Aktien springen um 13 Prozent nach oben. "Nach dem kräftigen Kursrückgang der vergangenen Tage wirkt die positive Nachricht zum Langzeit-Ansprechen der Krebs-Immuntherapie MGN1703 besonders stark auf den Aktienkurs", sagte Analyst Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel.

Philips gliedert LED-Herstellung aus

Der Elektrokonzern Philips gliedert bis 2015 die Herstellung von LED-Leuchten aus und gründet dafür ein eigenes Tochterunternehmen. Es könnte die Vorbereitung für einen Verkauf des Unternehmenszweigs sein, der im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Euro Umsatz machte. Man werde die "strategischen Optionen" zur Beschaffung von Kapital prüfen, auch von Investoren, teilte der Konzern mit.

MagForce mit mehr Verlust

Die auf Nanomedizin spezialisierte Firma MagForce hat 2013 einen auf sieben Millionen Euro angestiegenen Verlust angehäuft, nach 5,8 Millionen im Vorjahr. Grund ist der Beginn der klinischen Glioblastom-Post-Marketing-Studie und die Vorbereitungen für den Markteintritt. In diesem Jahr werden die Kosten noch höher ausfallen. Das Management erwartet jedoch ab Ende 2014 auch erste Umsätze aus der kommerziellen Behandlung von Patienten.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr