Steilvorlage aus New York

von Peter Kochanski

Stand: 23.01.2007, 20:12 Uhr

Die Konjunkturaussichten hellen sich in den USA auf. Der Dow schraubte sich hoch und verhalf dem L-Dax in Frankfurt zu einem soliden Plus.

Der Index der Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität in den USA war im Dezember etwas stärker gestiegen als erwartet. Das Konjunkturbarometer, das Hinweise auf die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft in den kommenden Monaten gibt, kletterte um 0,3 Prozent auf 138,0 Zähler, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board mitteilte. Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet.

Der L-Dax schloss mit 6.702 Punkten 0,3 Prozent höher. Der Dow-Jones-Index stand am Abend mit 12.543 Punkten 0,5 Prozent höher.

Droht Siemens Mammut-Kartellstrafe?

Die EU-Kommission wird am Mittwoch nach Angaben aus Kreisen eine Kartellstrafe über 750 Millionen Euro gegen Elektrokonzerne verhängen. Allein auf den deutschen Siemens-Konzern entfalle eine Strafe von etwa 400 Millionen Euro, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstagabend. Das sei die zweithöchste Kartellstrafe, welche die EU-Kommission je gegen ein Unternehmen verhängt habe. In dem Verfahren geht es um Preisabsprachen bei gasisolierten Schaltanlagen.

MAN macht Rückzieher und versucht's noch einmal
Im Übernahme-Poker um seinen schwedischen LKW-Konkurrenten Scania ist MAN ausgestiegen. Zunächst jedenfalls. Was Anleger offenbar glücklich machte. Die MAN-Aktie legte gut zwei Prozent zu. Statt einer Übernahme strebe MAN nun eine Fusion mit den Schweden und Volkswagen Heavy Trucks an, teilte MAN am Dienstag mit. Mit dem laufenden Angebot für Scania könne dies nicht erreicht werden. MAN wolle im Laufe des Jahres weitere Gespräche über eine "freundliche Kombination" von MAN, Scania und Volkswagen Heavy Trucks führen. Scania-Aktien sprangen um fast vier Prozent hoch, VW-Aktien legten 0,6 Prozent zu.

Dick im Minus hingegen die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Ein niederländisches Zivilgericht hat den angestrebten Kauf des kanadischen Stahlherstellers Dofasco durch ThyssenKrupp vereitelt.


FMC reizt Anwendung aus
Der Dialysespezialisten Fresenius Medical Care(FMC). FMC strebt eine bereitere Anwendungsmöglichkeit seines Medikamentes zur Phosphatbindung bei chronisch Nierenkranken an. FMC habe bei der US-Gesundheitsbehörde FDA eine erweiterte Zulassung des Phosphatbinders Phoslo beantragt, teilte das Unternehmen mit. Dadurch soll das Mittel künftig auch für die Behandlung von Patienten mit schwer geschädigten Nieren vermarktet werden können, die noch keine Dialysebehandlung oder Organtransplantation benötigen. Bislang wird das Mittel nur bei Patienten angewendet, bei denen eine Dialystherapie oder Transplantion nötig ist.

Und noch eine Dosis aus der Branche: Der amerikanische Pharma-, Medizintechnik- und Verbrauchsgüter-Anbieter Johnson & Johnson hatte gute Geschäftsergebnisse für das Gesamtjahr und Schlussquartal 2006 verbucht. Dazu trugen nach Unternehmensangaben alle Geschäftsbereiche bei. So wurde der Jahresgewinn um 9,9 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar oder 3,73 (Vorjahr:3,35) Dollar je Aktie erhöht. Der Umsatz stieg um 5,6 Prozent auf 53,3 Milliarden Dollar.

Mit der Bank of America, dem Mischkonzern United Technologies und dem Chemieriesen DuPont haben noch drei weitere US-Konzerne sehr ansehnliche Quartals-Ergebnisse vorgelegt, die Investoren jedoch erst mit Verzögerung aus der Reserve lockten. Nach Börsenschluss in den USA will die Infineon-Tochter Qimonda Zahlen veröffentlichen. Vorher trauten sich Anleger nicht aus der Deckung.

Prinzip Hoffnung bei SAP
Auch bei Europas größtem Software-Konzern SAP heißt es abzuwarten. SAP legt am morgigen Mittwoch seine endgültigen Geschäftszahlen für 2006 und sagt, was man sich vom Jahr 2007 erhofft. Dabei hat SAP das Schlimmste bereits in der zweiten Januarwoche bekannt gegeben. Die wichtigen Lizenzumsätze im vierten Quartal waren nicht so stark gestiegen wie von Analysten prognostiziert, nämlich nur um sieben statt erwarteter 15 Prozent. Ein positives Analystenurteil für ein Kursplus von bis zu zwei Prozent.

Anleger wollen mehr von Software AG
Verglichen damit konnte die Nummer zwei auf dem deutschen Softwaremarkt, die Software AG, glänzen. Mit Lizenzen erzielte die Firma Erlöse von 54 Millionen Euro, das waren 25 Prozent mehr - währungsbereinigt 31 Prozent - als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen lagen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Die Börse reagierte daher verschnupft, weil in der Vergangenheit die Analystenprognosen übertroffen wurden. Deshalb ging die rote Laterne im TecDax an die Software AG.

Neue Versprechen von der Telekom
Für Gesprächsstoff sorgte die Telekom. Mit einer engeren Verzahnung des Bereichs mit dem Mobilfunkarm T-Mobile will der Vorstand der Schwäche im Deutschland-Geschäft entgegentreten. Künftig koordiniert ein Führungsgremium mit Managern von T-Com und T-Mobile die Geschicke auf dem Heimatmarkt von Europas größtem Telekomkonzern und soll damit die Grundlage für künftiges Wachstum legen. Statt einer Vielzahl von zum Teil ähnlichen Produkten sollen es auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Angebote geben. Der Beratung werde ein höherer Stellenwert eingeräumt, heißt es. Abermals wird ein besserer Service versprochen.

Entwarnung für Energiekonzerne?
In den Chefetagen der Energiekonzerne Eon und RWE dürfte man sich darüber gefreut haben, was Bundeskartellamtschef Ulf Böge in puncto Zerschlagung gesagt hat. Er lehnt die Pläne der EU-Kommission zur Zerschlagung der großen Energiekonzerne strikt ab. "Ich befürchte, dass wir eigentlich nur jahrelange Rechtsstreitigkeiten haben werden, die dem Wettbewerb nichts bringen", sagte Böge auf einer Energietagung in Berlin. Böge empfahl zunächst zu prüfen, wie sich die bisherigen Beschlüsse zur Entflechtung der Konzerne entwickeln. Den beiden Energie-Titeln half Böges Einwurf wenig. Beide schlossen im Minus.

Singulus im iPhone-Fieber
Besser schnitt Aktie des Spezialanlagen-Herstellers Singulus Technologies ab. Singulus Technologies profitiert vom neuen Mobilfunk-Internet-Gerät iphone von Apple. Singulus entwickelt mit Balda eine Produktionslinie zur Oberflächenveredelung von Kunststoffteilen für Mobiltelefone und tragbare Spielekonsolen. Die erste Anlage wird im Mai dieses Jahres geliefert. Weitere Aufträge werden von Singulus in diesem Jahr erwartet. Balda gehört zu den Lieferanten für das neue Apple-iPhone, das unlängst mit vielen Vorschusslorbeeren vorgestellt worden war.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr