Steife Brise aus West-Nord-West

Peter Kochanski

Stand: 22.01.2007, 20:39 Uhr

Der Wintereinbruch im Nordenosten der USA ist schuld. Seinetwegen wird Öl wieder teurer. Das drückte auf die Stimmung. An der Wall Street wie in Frankfurt. Der L-Dax ging mit 6.686 Punkten aus dem Rennen, 0,8 Prozent tiefer.

Am Abend hatte das US-Kreditkartenunternehmen American Express frische Zahlen vorgelegt. Auch sie konnten niemanden aufmuntern, obwohl American Express im vierten Quartal seinen Umsatz deutlich gesteigert hatte. Das Unternehmen habe von der Konsumfreude der Kreditkarteninhaber im Weihnachtsgeschäft profitiert, sagte American-Express-Chef Kenneth I. Chenault. Allerdings lag der Gewinn je Aktie mit 75 Cent etwas unter den Analystenerwartungen, die im Schnitt mit 77 Cent gerechnet hatte. Die Aktie gab bis zum Abend 0,46 Prozent auf 57,82 Dollar nach.

Vielleicht reißt Texas Instruments das Ruder herum? Auch vom US-Technologie-Konzern erwarten Anleger noch vor der Schlussglocke frische Zahlen.

Der Dow Jones-Index stand zum Geschäftsschluss in Deutschland mit 12.475 Punkten 0,7 Prozent niedriger. Der Nasdaq-Technologie-Index hatte bis dahin 0,8 Prozent eingebüßt. Wegen des Wintereinbruchs in den USA war der Preis für ein 159-Liter-Fass Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate zur Lieferung im März auf über 54 Dollar gestiegen.

Selbst Boeing schmiert ab

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat einen Auftrag für 39 Flugzeuge mit einem Listenpreis von 5,34 Milliarden Dollar erhalten. Die weltgrößte Flugzeugleasinggesellschaft, GE Commercial Aviation, habe 15 Boeing 777 und 24 Boeing 737-800 bestellt, teilte Boeing am Montag mit. Boeing wolle die Maschinen zwischen 2008 und 2010 liefern. Boeing-Aktien brachen dennoch bis zum Abend um vier Prozent ein.

Pfizer mit Streichliste
Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer will bis Ende nächsten Jahres rund 10.000 Stellen oder zehn Prozent seiner Gesamtbelegschaft streichen. Dies hat Pfizer am Montag Abend angekündigt. Pfizer will die Kosten um 1,5 bis zwei Milliarden Dollar senken.
Das Unternehmen sieht sich nach Darstellung von Analysten in den kommenden Jahren mit auslaufenden Patenten für wichtige Medikamente konfrontiert, was zu einer immer härteren Konkurrenz von Generika- Anbietern führen dürfte.

Ansonsten litt das Pfizer-Geschäft wegen des abgelaufenen Patentschutzes für das wichtige Antidepressiva-Medikament Zoloft sowie der Einstellung der Entwicklung des Cholesterin-Medikaments Torcetrapib. Pfizer setzte im Gesamtjahr 48,4 Milliarden Dollar (37,5 Mrd Euro) um, zwei Prozent mehr als 2005. Der Jahresgewinn stieg auf 19,3 (Vorjahr: 8,1) Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie betrug 2,66 (1,09) Dollar. An der New Yorker Börse kosteten Pfizer-Aktien am Abend rund ein Prozent weniger.

Viel versprechender Start in Frankfurt
Der Tag in Frankfurt hatte vielversprechend begonnen. Der Dax hatte zunächst mit 6.767 ein neues Sechs-Jahres-Hoch erreicht. Zum Ende des Xetra-Geschäfts geriet der deutsche Leitindex jedoch in den Abwärtssog der US-Börsen und schloss dann 6.687 Punkten: 0,9 Prozent niedriger. Im Dax schmierten Lufthansa am deutlichsten ab, was Wertpapierhändler mit dem gestiegenen Ölpreis begründeten. Seinetwegen werde sich Flugbenzin verteuern.

Wirr-Warr um MAN-Vorstands-Chef
Der MAN-Aufsichtsrat hatte Konzernchef Hakan Samuelsson nach Spekulationen über dessen mögliche Ablösung demonstrativ den Rücken gestärkt. Der Ständige Ausschuss des Aufsichtsrates habe Samuelsson einmütig das Vertrauen ausgesprochen, teilte das Unternehmen in München mit. Der "Spiegel" hatte zuvor berichtet, Volkswagen als größter Anteilseigner bei MAN wolle Samuelsson als "Hindernis" beim geplanten Zusammengehen mit Scania ablösen. Vom Unternehmen hieß es, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der gesamte 20-köpfige Aufsichtsrat anderer Meinung sei als der fünfköpfige Ständige Ausschuss.

Börse und Conti schwimmen gegen den Trend
Einzige Gewinner im Dax waren die Papiere des Reifenherstellers Continental und die der Deutschen Börse. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte ihr Votum "Buy" für Continental-Aktien bestätigt und sie auf ihre "Europe 1 List" genommen. Die Kapitalstruktur bei Continental dürfte künftig effizienter gestaltet werden und dies könnte als Katalysator für eine Neueinschätzung der Aktien am Markt dienen, schrieben die Analysten in ihrer Studie. Sie erhöhten ihre Prognose für die Dividende und schließen auch eine Sonderdividende nicht aus. Im Fall der Deutschen Börse verwiesen Händler auf erneute Spekulationen über eine Aufspaltung, nachdem diese Fantasie am Wochenende in der Presse erneut aufgearbeitet worden seien. Hinzu kämen charttechnisch orientierte Käufe auf dem neuen Rekordhoch.

ThyssenKrupp nur leicht angeschlagen
Einer der größten Verlierer im Dax war die Aktie von ThyssenKrupp - aber Vorsicht, der Kurs wird durch einen Dividendenabschlag optisch gedrückt. Der Stahlkonzern schüttet an seine Aktionäre einen Euro aus. Gegenüber dem Freitagsschluss von 36,08 beträgt der kursmindernde Effekt 2,8 Prozent. Doch dieser Verlust fließt nicht in den Dax-Stand ein, da der Index um Dividendenzahlungen bereinigt wird.

Merck vor Dax-Aufstieg?
Die im Nebenwerteindex MDax gelisteten Aktien von Merck haben die vom Unternehmen beschlossene Kapitalerhöhung gut weggesteckt. Die Titel legten sogar zu. Üblicherweise quittieren Anleger Kapitalerhöhungen mit Kursverlusten, da sich der Gewinn auf mehr Anteilsscheine verteilt und damit verwässert. Doch liegt die von Merck am Wochenende bekannt gegebene Kapitalaufstockung am unteren Ende der Markterwartungen. Außerdem wird nun der Aufstieg in den Dax wahrscheinlicher. "Durch die Kapitalerhöhung steigt die Free-Float-Marktkapitalisierung von Merck auf 5,6 Milliarden Euro und überholt damit die Depfa Bank", sagte HVB-Index-Experte Christian Stocker. Damit seien die Darmstädter nun der klare Favorit für einen Aufstieg in den Dax.

EADS-Tochter Airbus löst Kabelprobleme
EADS-Aktien bekamen ebenfalls Auftrieb. Die massiven Kabelprobleme beim Airbus A380, die den Mutterkonzern EADS in die Krise geführt haben, sind nämlich gelöst. In Sonderschichten hätten die Mitarbeiter die Kabelsysteme des ersten Großraumjets völlig überarbeitet, sagte ein Airbus-Sprecher. Unterdessen ist einen Monat vor der Bekanntgabe der Details des Sparprogramms bei Airbus ein Konflikt um die Sicherung der Arbeitsplätze zwischen französischen und deutschen Gewerkschaften ausgebrochen. Außerdem stehen einen Pressebericht zufolge zwei Großorder auf der Kippe.

Nordex im Windschatten von Repower gefragt
Zu den gefragtesten deutschen Aktien gehörte Repower. Treibend wirkten die Übernahmegelüste der französischen Areva. Der weltgrößte Hersteller von Atomkraftwerken will für den Windanlagenbauer 105 Euro je Aktie bieten. Zwar kam die Offerte laut Analystenaussagen nicht ganz überraschend. Doch der Aufschlag auf den aktuellen Kurs war recht signifikant. An der Börse rechnet man offenbar damit, dass Areva noch einmal nachbessern könnte. Der Repower-Kurs sprang nämlich bis auf 114,11 Euro - ein Plus von 27 Prozent. Am Ende des Xetra-Handels standen sie immerhin noch rund 22 Prozent höher. Von dem Höhenflug profitierte die ganze Windenergie-Branche. Im Fahrwasser von Repower legten die Titel des Konkurrent Nordex zu. Die Titel schossen zeitweise mehr als neun Prozent in die Höhe und zählten damit zu den stärksten Werten im TecDax.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr