Starkes Jahr, schwacher Abgang

Stand: 30.12.2010, 20:00 Uhr

An den vergangenen Tagen ging dem Dax zwar etwas die Puste aus, die Jahresbilanz ist aber aller Ehren wert - und macht Lust auf mehr im nächsten Jahr.

An fünf der vergangenen sechs Handelstage schloss der Dax mit roten Vorzeichen, der Jahresendstand nach dem Schlussgong um 14 Uhr am 30. Dezember 2010 betrug 6.914,19 Punkte. Zeitweise war der Leitindex heute sogar bis auf 6.897 Punkte gefallen.

Experten begründen den Ausrutscher mit Markttechnik. Es seien wohl nach Unterschreiten gewisser Unterstützungslinien einige "Stops" ausgelöst worden, sagte ein Händler. Marktbewegende Nachrichten habe es ansonsten keine gegeben.

Insgesamt besteht indes kaum Grund zur Klage. Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory brachte es auf den Punkt: Der Experte sprach von einem "überdurchschnittlichen Jahr". Zuletzt sei das Interesse der Anleger aber nur noch sehr gering gewesen, sagte er.

Dax liegt weit vorn
Auf Jahressicht legte der Dax um 16,1 Prozent zu, der MDax schloss mit einem Plus von 34,7 Prozent. Noch besser lief es für den SDax, der 2010 45,8 Prozent gewann. Lediglich Tech-Werte hinkten hinterher, der TecDax schloss nur rund vier Prozent fester.

Der deutsche Leitindex überflügelte damit den größten Teil der europäischen Konkurrenz deutlich: In London legte der FTSE 100 um elf Prozent zu, der Pariser CAC 40 verlor hingegen zwei Prozent. Der spanische Ibex gab um fast 20 Prozent nach. Ausgerechtet der österreichische Leitindex hat den Dax im abgelaufenen Jahr aber abhängt. Der Wiener ATX schloss auf Jahressicht 16,4 Prozent fester.

In den USA wurde heute noch regulär gehandelt. die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten fielen unerwartet positiv aus. Auch der Einkaufsmanagerindex für Chicago und die Zahl der schwebenden Hausverkäufe waren deutlich gestiegen.

An Silvester findet in Europa nur ein verkürzter Handel statt. In London schließen die Börsen bereits um 13.30 Uhr und in Paris um 14.00 Uhr.

Während Versorger verschmäht wurden...

Die Papiere der beiden Versorger Eon und RWE schlugen sich am letzten Handelstag des Jahres etwas besser als der Gesamtmarkt. Auf Jahressicht litten die als defensiv geltenden Versorgeraktien insbesondere unter der geplanten Einführung der Brennelementesteuer. 2010 waren sie mit Kurseinbußen von jeweils mehr als 20 Prozent die größten Verlierer im Dax. Zu den schwächsten Titeln des zählten auch die Deutsche Bank und die teilverstaatlichte Commerzbank, die 13,3 und 5,6 Prozent verloren. Die Krise in der Euro-Zone machte den Finanzinstituten besonders zu schaffen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-3,26%

...waren Autobauer die Stützen des Handelsjahres

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,69
Differenz relativ
-0,66%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,76
Differenz relativ
-0,65%

Ganz anders präsentierten sich dagegen die Autobauer: Auf Jahressicht waren die Aktien von VW und BMW die größten Gewinner. Beide Titel verbuchten einen Kurszuwachs von jeweils deutlich mehr als 80 Prozent. Dass Auto-Aktien auch europaweit gut gelaufen sind, zeigt der Blick auf den entsprechenden Stoxx600- Branchenindex für Autos und Zulieferer, der bei einem Plus von mehr als 40 Prozent besser abschnitt als die übrigen 18 Branchenindizes.

Windkraft hilft Siemens nicht

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,92
Differenz relativ
-1,10%

Am letzten Handelstag schafften lediglich Fresenius, Henkel und BMW mit minimalen Aufschlägen den Sprung in die Gewinnzone. Mehr als zwei Prozent büßten die Aktien von Siemens ein. Das Unternehmen will bereits im nächsten Jahr mit dem Aufbau der Produktion in Brasilien, Indien und Russland beginnen. Das sagte der Chef der Siemens-Sparte für erneuerbare Energien, Rene Umlauft, der "FAZ" (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Dafür seien Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe vorgesehen.

K+S begrenzt Kursverluste

Mit einem Abschlag von lediglich 0,4 Prozent gehörten die Titel von K+S noch zu den stärksten Werten. Händler verwiesen auf die Kursgewinne der US-Konkurrenten Potash, Mosaic sowie des Saatgutherstellers Monsanto vom Vortag. Dessen Chef hatte einen hoffnungsvollen Ausblick für 2011 gegeben. Zudem wurde wieder einmal das andauernde Winterwetter in Deutschland und Europa angeführt, das den Salzverbrauch in die Höhe treibt. Im Vergleich zum vergangenen Winter sei die Nachfrage dreimal so hoch, teilte die K+S-Tochter Esco mit.

Eni will Galp verkaufen

Der italienische Ölkonzern Eni will einem Medienbericht zufolge seinen Anteil am portugiesischen Konkurrenten Galp für eine Milliardensumme an die brasilianische Petrobras veräußern. Geplant sei, die 33,3-prozentige Beteiligung an Galp für 4,7 Milliarden Euro zu verkaufen, berichtete die Zeitung "Diario Economico" ohne Quellenangabe. Eni kommentierte den Bericht nicht.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat