Spanische Kratzer auf dem (Börsen-)Parkett

Stand: 20.07.2012, 20:03 Uhr

Trübes Ende einer guten Börsenwoche: die Spanien-Krise hat am Freitag den mehrtägigen Höhenflug an den Börsen vorerst gestoppt. Der Dax büßte einen Teil seiner Wochengewinne ein. Der Euro sackte weiter ab.

Tagelang hatten die Anleger die Probleme in Europa verdrängt und auf neues billiges Geld der US-Notenbank spekuliert. Nun ist die Euro-Krise wieder mit voller Wucht zurückgekehrt. Die Renditen für spanische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit kletterten auf ein neues Rekordhoch von 7,309 Prozent. Der Risikoaufschlag zu deutschen Anleihen erreichte ebenfalls das höchste Niveau seit Einführung des Euro.

Kursrutsch an den Börsen
Das verdarb den Anlegern die Stimmung zum Wochenschluss. Der Dax sackte im Xetra-Handel um fast zwei Prozent ab auf 6.630 Punkte. Im späten Parketthandel ging es noch etwas nach unten. Der L-Dax schloss bei knapp 6.627 Zählern. Die US-Börsen gaben rund ein Prozent nach. In Spanien und Italien fiel die Talfahrt noch dramatischer aus. Die Börse in Madrid brach um rund sechs Prozent ein, die Börse in Mailand rutschte um 4,2 Prozent ab.

Neben Spanien waren auch Gewinnmitnahmen für den Kursrücksetzer verantwortlich. Schließlich war der Dax die letzten fünf Tage hintereinander nur gestiegen. Unterm Strich beendete er die Börsenwoche mit einem kleinen Plus von 1,1 Prozent.

Hilferuf aus Valencia
Zwar wurden am Freitag die Milliarden-Hilfen für Spanien von den Euro-Finanzministern verabschiedet. Ob die vorgesehenen Summen ausreichen, ist völlig unklar. Neben den Banken macht nun auch zunehmend die Finanzlage der spanischen Regionen Sorge. Die hoch verschuldete Region Valencia beantragte am Freitag Hilfen der Zentralregierung.

EZB will keine Griechen-Bonds mehr
Zusätzliche Verunsicherung schürte die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter teilten am Nachmittag überraschend mit, ab kommenden Mittwoch vorerst keine Staatsanleihen Griechenlands mehr als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften zu akzeptieren.

Euro unter 1,22 Dollar
Der Euro setzte seine Talfahrt fort und rutschte auf 1,2150 Dollar. Gegenüber dem australischen und kanadischen Dollar fiel die europäische Gemeinschaftswährung auf ein Rekordtief.

Nur ein Gewinner im Dax
Im Dax gab es nur einen einzigen Gewinner: die Aktie von Fresenius Medical Care. Die Papiere von Beiersdorf und Henkel gaben ebenfalls nur leicht nach. Defensive Titel werden meist bevorzugt, wenn die Kurse an den Börsen nach unten rauschen.

Post nimmt Neckermann-Pleite gelassen
Die Deutsche Post sieht sich von der Neckermann-Pleite weniger hart getroffen als vom Quelle-Aus vor drei Jahren. Der Konzern prüft derzeit die Folgen des Wegfalls des Großkunden. Das "Handelsblatt" hatte am Freitag gemutmaßt, dass die Gewinnprognose der Post wegen der Neckermann-Insolvenz nicht mehr zu halten sei. Laut dem Blatt drohe eine Sonderabschreibung von bis 100 Millionen Euro. Die Post peilt 2012 ein operatives Ergebnis von rund 2,5 Milliarden Euro an. Die Post-Aktie büßte knapp zwei Prozent ein.

GE hilft Siemens kaum
Kaum Unterstützung brachten die Quartalszahlen von General Electric für Siemens. Die Aktien schlossen 1,3 Prozent tiefer. Der Siemens-Konkurrent verbuchte einen Gewinnrückgang um 16 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Den Umsatz konnte GE steigern auf 36,5 Milliarden Dollar. Das lag im Rahmen der Erwartungen. Die Aktie legte ein Prozent zu. Der Mischkonzern gilt als wichtiger Gradmesser für die Konjunktur, weil er mehrere Industriebereiche abdeckt.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,11
Differenz relativ
+0,20%

T-Aktie leidet unter Vodafone
Enttäuschende Zahlen von Vodafone belasteten die T-Aktie. Sie verlor gut vier Prozent. Der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone litt im abgelaufenen Quartal unter der europäischen Konjunkturflaute. Der Umsatz stagnierte. Die Vodafone-Aktien geben gut drei Prozent nach.

Schlusslicht RWE
Größte Dax-Verlierer waren die Versorger. Die Aktien von Eon büßten fast vier Prozent, die Titel von RWE knapp sechs Prozent ein. Schuld waren die Analysten der UBS, die eine Verkaufsempfehlung für RWE-Titel ausgegeben haben.

EADS wird hochgelobt
Analysten bewegten auch die Aktien des Flugzeugherstellers und Rüstungskonzerns EADS. Die Experten von Goldman Sachs empfahlen die Aktien zum Kauf. Das Risiko-Chance-Profil von EADS habe sich deutlich gebessert, schreibt Goldman Sachs. Die EADS-Titel hoben um vier Prozent ab und waren MDax-Spitzenreiter.

Zerschlagungsgerüchte um Rhön
Spekulationen eines Analysten über eine Zerschlagung der Klinikkette trieben am Freitag die Aktien von Rhön-Klinikum um 2,6 Prozent an. Laut Nomura-Experte Martin Brunninger könnten die Konkurrenten Fresenius, Asklepios und Sana ein Konsortium bilden, um Rhön zu übernehmen und dann die Krankenhäuser untereinander aufzuteilen. Zahlreiche Insider und Experten hielten diese Überlegungen aber für unrealistisch. Schließlich besitze Firmengründer Eugen Münch eine Sperrminorität und werde nie einer Zerschlagung zustimmen.

Befreiungsschlag von IVG
Im SDax waren die Titel von IVG stark gefragt. Sie schnellten um über sieben Prozent nach oben. Der Immobilienkonzern will einen seiner Fonds als REIT an die Börse bringen. Der seit Mitte 2007 bestehende Vor-REIT-Status des Fonds wäre sonst verfallen, und Steuerzahlungen hätten gedroht, glaubt DZ-Bank-Analyst Ulrich Geis. Er sieht in dem REIT wirtschaftliche Vorteile für die IVG.

Chefrotation bei Heideldruck
Der im SDax notierte Druckkonzern Heidelberger Druckmaschinen tauscht seinen Vorstandsvorsitzenden aus. Gerold Linzbach, früher Chef des Aromenherstellers Symrise, wird am 1. September Bernhard Schreier an der Firmenspitze ablösen. Der richtige Zeitpunkt zum Wechsel sei gekommen, teilte der Aufsichtsrat von Heideldruck mit. Die Aktie gewann ein Prozent.

Guter Tag für Solarwerte
Im TecDax erlebten die Aktien der beiden Solarfirmen SMA Solar und Solarworld einen Traumtag. Die SMA Solar-Aktie schaffte einen Kurssprung von 12 Prozent, die Solarworld-Papiere legten über neun Prozent zu. Grund: Das Bundesumweltministerium erwägt ein Antidumping-Verfahren gegen China und will gegen Billigimporte klagen. "Für die Solarfirmen wäre ein Verfahren sicherlich eine gute Nachricht", sagte ein Börsianer.

Zooplus macht Tiere und Anleger froh
Der Internethändler Zooplus hat im ersten Halbjahr sein rasantes Wachstum fortgesetzt. Die Firma, die übers Internet Tierfutter vertreibt, konnte ihre Erlöse um fast ein Drittel auf 152 Millionen Euro steigern. Zooplus legte sowohl auf seinen bestehenden als auch neu erschlossenen Märkten zu. Die Aktie gab leicht nach.

Wolford-Wäsche bleibt liegen
Der österreichische Wäschehersteller Wolford litt im Geschäftsjahr 2011/12 unter dem "schwierigen wirtschaftlichen" Umfeld und meldete ein Ergebnisrückgang auf 15,3 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte bei 154,1 Millionen Euro. Die Aktie legte zu.

Google übertrumpft Microsoft
In der Nacht hatten noch Google und Microsoft ihre Quartalsbilanzen veröffentlicht. Während Microsoft wegen einer milliardenschweren Abschreibung erstmals einen Verlust bekannt gab, machte Google einen Nettogewinn von 2,79 Milliarden Dollar. Der Umsatz des Internetkonzerns legte um über ein Drittel zu. Die Papiere von Google stiegen fast zwei Prozent, die Titel von Microsoft gewannen 0,7 Prozent.

Xerox senkt Prognose
Schlechte Nachrichten kamen von Xerox: Der US-Druckerhersteller hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Statt bis zu 1,18 Dollar werde der Gewinn je Aktie werde nur noch bei 1,07 bis 1,12 Dollar je Aktie liegen. Im zweiten Quartal schrumpfte der Gewinn von Xerox um drei Prozent auf 309 Millionen Dollar. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Die Aktie gab an der New Yorker Börse kräftig nach.

Erfolgreicher Börsenstart von zwei Internet-Firmen
Zwei Monate nach dem verpatzten Facebook-IPO haben zwei Internet-Firmen ein eindrucksvolles Börsendebüt hingelegt. Die Aktien von Kayak sprangen um fast 28 Prozent auf 33,18 Dollar hoch, die Titel von Palo Alto Networks legten 26,5 Prozent auf 53,13 Dollar zu. Die beiden erfolgreichen relativ kleinen Börsengänge zeigen, dass Anleger wieder bereit sind, in Internet-Aktien zu investieren.

Fender spielt nicht mehr Börse
Indes hat der legendäre Gitarrenhersteller Fender seine Börsenpläne auf Eis gelegt. Wegen der aktuellen Marktbedingungen und der Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung in Europa sei die angestrebte Firmenbewertung nicht zu erreichen, glaubt Fender-Chef Larry Thomas. Die Gitarren von Fender sind mit großen Namen wie Bob Dylan, Frank Zappa, Eric Clapton und Bruce Springsteen verbunden.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr