Spaniens Herabstufung verunsichert

Stand: 09.12.2009, 20:05 Uhr

Von wegen Jahresendrally. Am zweiten Tag in Folge sind die Aktienkurse in Europa heute zurückgegangen. Gestern war es die Herabstufung Griechenlands, heute gerät die beängstigende Verschuldung Spaniens ins Visier der Ratingagenturen. Die Anleger sind verunsichert.

Kaum hatte sich der Dax am frühen Nachmittag von seinen Kursverlusten des Vortages erholt, ereilte die Märkte eine neue Hiobsbotschaft. Die Ratingagentur Standard &Poor's (S&P) hat den Ausblick für die Bonität Spaniens von stabil auf negativ gesenkt. Das erst zu Beginn des Jahres auf die Note AA+ herabgestufte Langfristrating bleibt zwar unverändert, doch könnte sich das schon bald ändern, falls die spanische Regierung nichts gegen die horrende Verschuldung unternimmt und die Wirtschaft des Landes wieder Tritt fasst.

Die Verunsicherung ist groß, denn Spanien ist wegen seiner Größe und seiner Wirtschaftskraft ein anderes Kaliber als das verhältnismäßig kleine Griechenland. Kein Wunder also, dass selbst die Ankündigung der amerikanischen Regierung, den Bankenrettungsplan um zehn Monate zu verlängern, die Anleger nur bedingt beruhigen konnte.

Der Dax kann sich von seinem Absturz um 100 Punkte am Nachmittag zwar wieder etwas erholen, schließt jedoch im Abendhandel gut 47 Punkte tiefer als gestern bei 5.635. Bank- und Versicherungsaktien sind die größten Verlierer im Dax, allen voran die Titel der Commerzbank, die sogar unter die Marke von sechs Euro gefallen sind. Auch die Münchener Rück, die Deutsche Bank und die Allianz verlieren überdurdurchschnittlich.

Auch der Euro fällt
Die Herabstufung Spaniens hat auch den Kurs des Euro weiter gedrückt. Er erholte sich zwar von seinem Einmonatstief von 1,4670 Dollar, notierte aber am Abend mit 1,4688 Dollar nur noch leicht darüber.

Wegen der überraschend hohen Öllagerbestände in den USA ist der Preis für ein Fass WTI nach Veröffentlichung der Lagerdaten unter 73 Dollar gefallen und notiert zu unverändert bei 72,70 Dollar. Der Goldpreis erholte sich dagegen etwas, was Händler mit einem sinkenden Dollarkurs begründeten. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich um gut ein Prozent auf 1140 Dollar. Hauptgesprächsstoff an der Börse war der Einstieg von Volkswagen bei Suzuki.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
139,70
Differenz relativ
-1,85%

VW und Suzuki
Mit seinem Einstieg bei Suzuki stärkt Volkswagen seine Position auf dem zukunftsträchtigen asiatischen Markt. Beide Unternehmen hätten eine "enge und langfristige strategische Partnerschaft" vereinbart, teilte Europas größter Autobauer am Morgen mit. VW beteiligt sich mit 19,9 Prozent an Suzuki und zahlt dafür 1,7 Milliarden Euro. Im Gegenzug will Japans viertgrößter Autobauer rund 100 Milliarden Yen (rund 770 Millionen Euro) in VW-Aktien investieren, sagte Osamu Suzuki. Analysten haben die Allianz zwischen Volkswagen und Suzuki begrüßt.

Siemens setzt auf Windenergie
Der Siemens-Konzern will in den nächsten Jahren vom erwarteten Boom bei der Windkraft profitieren und dabei die Konkurrenz ausstechen. Der weltweite Markt für Windenergie lege - mit Ausnahme von 2009 - jährlich um zwölf Prozent zu, von derzeit rund 30 Milliarden Euro auf gut 200 Milliarden im Jahr 2030, sagte Andreas Nauen, Chef der Geschäftseinheit Windenergie. Siemens wolle schneller wachsen als der Markt und bis 2012 unter die drei größten Anbieter kommen, ergänzte er. Derzeit rangieren die Münchner den Angaben zufolge auf Platz sechs. Die Anleger stellten die Siemens-Aktie trotzdem auf Verkauf.

Kaufgerüchte beflügeln Stada
Die Titel des Generikaherstellers klettern zeitweise um mehr als acht Prozent und sind auch bei Xetra-Schluss noch die mit Abstand größten Gewinner im MDax. Es sind erneut Kaufgerüchte, die den Kurs antreiben. Daneben habe das Durchbrechen der 25-Euro-Marke charttechnische Kaufsignale ausgelöst, sagte ein Händler. Im MDax habe die Aktie des Generikaherstellers zudem etwas Nachholbedarf. So hat der Index seit Jahresbeginn 30 Prozent, Stada aber nur 26 Prozent gewonnen.

Anleger mögen SMA -Pläne nicht
Der Solartechnikspezialist SMA Solar will seine Produktionskapazitäten in Sandershausen bei Kassel massiv ausbauen. Bis 2012 will die Firma rund 80 bis 120 Millionen Euro pro Jahr ausgeben. Die Finanzierung soll aus eigenen Mitteln erfolgen. An der Börse kommen die Pläne allerdings nicht gut an. Die Titel sind mit Abschlägen von mehr als drei Prozent die größten Verlierer im TecDax.

Solar Millennium trotzt der Krise
Auch beim Solarkraftwerk-Entwickler Solar Millennium ist von Krise keine Spur. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2008/2009 das beste Ergebnis seiner Geschichte erwirtschaftet. Der Umsatz stieg von 32 auf 201 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 43 Millionen Euro nach 11 Millionen im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im laufenden Geschäftsjahr sollen Umsatz und Ergebnis um mehr als 50 Prozent wachsen.

Blackrock neuer Großaktionär deutscher Konzerne
Durch die Übernahme für 13,5 Milliarden Euro der Barclays-Tochter BGI ist der US-Vermögensverwalter Blackrock seit Monatsbeginn mit einem Schlag neuer Großaktionär von zahlreichen börsennotierten deutschen Unternehmen geworden. So halten die Amerikaner nun 4,93 Prozent der Aktien von Adidas, 4,86 Prozent der Allianz, 4,57 Prozent von RWE und 4,55 Prozent von MAN. Zudem ist der Vermögensverwalter an den Dax-Unternehmen K+S (3,24%), SAP (3,21%), Linde (3,23%) und Daimler (3,9%) beteiligt. Auch an vielen MDax-Firmen hält Blackrock eine Beteiligung, darunter gut sieben Prozent an HeidelbergCement.

Analysten mögen FMC
Die Unicredit hat die Einstufung für Fresenius Medical Care (FMC) nach einem Umbau des Vorstandes auf "Buy" mit einem Kursziel von 40,00 Euro belassen. Analystin Silke Stegemann begrüßte in einer Studie vom Mittwoch die personellen Veränderungen und die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Ben Lipps. Auch Sal. Oppenheim hat die Einstufung für FMC auf "Buy" mit einem fairen Wert von 38,68 Euro belassen.

Ludwig Beck hofft auf Weihnachten
Das Münchener Kaufhaus Ludwig Beck, immerhin im Prime Standard gelistet, ist gut ins Weihnachtsgeschäft gestartet. Das Unternehmen rechnet beim Gesamtjahresergebnis nun mit einer Ergebnismarge vor Steuern von 6,5 Prozent. Bisher hatte Ludwig Beck nur 5,0 Prozent erwartet. Das Vorsteuerergebnis soll nun mindestens 5,5 Millionen Euro erreichen - nach 4,4 Millionen im Vorjahr.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr