Spanien verdirbt die Feiertagsstimmung

Stand: 30.04.2012, 19:37 Uhr

Der Wochenstart ist schiefgegangen: Sorgen um die Lage in Spanien hielt die Investoren vom Einkauf ab. Auch US-Konjunkturdaten erfüllten die Erwartungen nicht.

Der Dax schloss 0,6 Prozent leichter auf 6.761,19 Punkten. Der MDax sank ebenfalls, der TecDax konnte sich dagegen im Plus behaupten. Allzu viel Gewicht sollten die Investoren auf die Ergebnisse des heutigen Brückentags indes nicht legen: "Die Handelsaktivität ist weiterhin sehr gering und viele Börsianer bleiben im Moment an der Seitenlinie", sagte Markus Huber von ETX Capital.

Für Abwärtsdruck sorgten Konjunkturdaten aus Spanien. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal 2012 um 0,3 Prozent geschrumpft und damit wieder in die Rezession abgeglitten. Außerdem stufte die US-Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von elf spanischen Banken herab.

Neben den rekordhohen Arbeitslosenzahlen und den massiven Protesten gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung am Wochenende, ließen die Wachstumszahlen den Berg an Problemen nur weiter anwachsen, kommentierte Analyst Michael Hewson von CMC Markets. Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade sagte: "Mit den zunehmenden Unsicherheiten rund um die US-Konjunktur und Spanien werden auch die Verkaufsneigungen im Dax wieder größer."

Nach vier Handelstagen mit Aufschlägen notierte auch die Wall Street am Montag leichter: Der Dow Jones lag am Abend etwa 0,3 Prozent im Minus. Der Late-Dax gab um 0,5 Prozent auf 6.769,59 Punkte nach.

Einkaufsmanager enttäuschen
Die bisherigen Daten aus den USA konnten die Bedenken nicht zerstreuen. Die US-Konsumausgaben stiegen im März etwas schwächer als prognostiziert. Immerhin haben die US-Bürger mehr Geld zum Shoppen zur Verfügung: Die Einkommen stiegen mit 0,4 Prozent dafür etwas stärker als gedacht.

Das wichtigere Datum des Tages war der US-Einkaufsmanagerindex der Region Chicago. Er trübte sich im April überraschend deutlich ein. Aber die Zahlen von heute sind immer schon die Zahlen von gestern.

Helaba-Fachmann Ralf Umlauf richtet den Blick nach vorn: Die Indikationen für den am morgigen Feiertag anstehenden ISM-Index seien damit gemischt, stellt der Fachmann fest. "Per saldo dürfte der ISM-Index leicht nachgeben, aber weiterhin deutlich in der Expansionszone liegen", lautet seine Prognose.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger heiß auf Adidas
Die Adidas-Aktie schloss mit einem Aufschlag von an der Dax-Spitze. Analysten bescheinigen dem Unternehmen, "sehr starke" Zahlen zum ersten Quartal übermittelt zu haben. Sowohl der Nettogewinn von 289 Euro, als auch der Umsatzanstieg auf 3,8 Milliarden Euro und nicht zuletzt die Prognose-Anhebung 2012 erfreuen die Anleger. Adidas-Anteilsscheine notieren mit 63,75 Euro auf einem neuen Rekordhoch.

Metro holt auf
Mit mehr als zwei Prozent Plus lag die Metro-Aktie auf Rang zwei. Der Einzelhandelskonzern wird zwar erst am Donnerstag seine - wohl verlustreichen - Quartalszahlen vorlegen. Am Montag sorgen aber Äußerungen des Großaktionärs Haniel auf dessen Bilanzpressekonferenz für Käufe. Dieser sieht den "Neustart" bei Metro "positiv". Ein Marktteilnehmer macht auch eine Bodenbildung bei den Aktien in der Vorwoche aus, nachdem auch ein kleinerer Insider-Kauf zur Verbesserung der Stimmung beigetragen habe. Vor den am Donnerstag erwarteten Zahlen hole der zuletzt links liegen gelassene Wert wieder etwas auf, so die Einschätzung.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BASF und Bayer mit schiefer Optik
Rein äußerlich notieren die Aktien des Chemiekonzerns BASF und des Pharmariesen Bayer am Dax-Ende. Rechnet man die Dividendenabschläge von 2,50 Euro (BASF) und 1,65 Euro (Bayer) aber heraus, tendieren beide Papiere sogar stärker als am Freitag, dem Tag der Hauptversammlung bei den Unternehmen.

Analysten sehen Deutsche Börse kritisch
Deutsche Börse-Aktien rangierten im Minus. Mehrere Analysten äußerten sich zu den in der vergangenen Woche vorgelegten Quartalszahlen leicht negativ, einige unter ihnen senkten ihre Kursziele.

Außerdem haben schwache Zahlen des Konkurrenten NYSE Euronext einen gewissen negativen Einfluss. Dieser musste im ersten Quartal Umsatzrückgänge von 17 Prozent auf 952 Millionen hinnehmen. Der Gewinn schrumpfte, auch wegen der Kosten der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Börse, um die Hälfte auf 87 Millionen Euro.

Rheinmetall mit rüstigen Hoffnungen
Im MDax liegt die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall weit vorn. Rheinmetall will seine Autosparte KSPG nach Angaben der "Börsen-Zeitung" noch im Juni an die Börse bringen. Unklar ist laut dem Blatt noch, ob Rheinmetall die Mehrheit an dem neuen Unternehmen abgeben wird. Mit den Mittel aus dem Börsengang will Rheinmetall offenbar das Rüstungsgeschäft weiter stärken.

Heidelberger Druck überdurchschnittlich
Verhalten optimistische Aussagen des Firmenchefs Bernhard Schreier zu den Geschäftsaussichten trieben Heidelberger Druck an. Die gehörte zu den Spitzentiteln des SDax. Schreier hatte in einem Interview der "Welt am Sonntag" unter anderem gesagt, die Investitionen in Druckmaschinen seien so niedrig, dass es nicht weiter abwärts gehen könne. Die Aussagen seien zwar positiv, allerdings verkünde Heidelberger Druck nicht zum ersten Mal das Ende der Branchen-Talfahrt, sagte ein Marktteilnehmer.

Catoil: Umsätze sprudeln stärker
Der SDax-Konzern Catoil meldete einen gestiegenen Umsatz für das erste Quartal: Die Erlöse legten um 22,7 Prozent auf 280,7 Millionen zu. Wegen höheren Abschreibungen ging das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) allerdings von 27,5 auf 16,6 Millionen Euro zurück. Die Aktie des Ölfeld-Dienstleisters gewann leicht hinzu.

Beate Uhse muss kämpfen
2011 lag der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 5,2 Millionen Euro - nach minus 58 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz ging im Berichtszeitraum um rund ein Viertel auf 149 Millionen Euro zurück. "Wir gehen davon aus, dass der Beate-Uhse-Konzern sich wieder deutlich in die Gewinnzone vorarbeiten wird - wir sind auf dem Weg in die Zukunft", sagte Vorstandschef Serge van der Hooft. 2012 sollen im operativen Geschäft wieder schwarze Zahlen stehen.

LDK Solar im Schatten
Das Papier des chinesischen Solarkonzerns ging leichter aus dem Handel. Der Preisverfall in der Branche hinterlässt tiefe Spuren: LDK meldete für das vierte Quartal einen Nettoverlust von umgerechnet rund 444 Millionen Euro nach einem Minus von knapp 87 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Umsatz sank auf 316,8 Millionen Euro nach 355,1 Millionen im Vorjahr. Damit schnitt das Unternehmen schlechter ab als von Analysten erwartet. LDK-Chef Xiaofeng Peng sieht kein Ende der düsteren Zeiten. 2012 werde die Solarindustrie weiter mit Überkapazitäten zu kämpfen haben, erklärte er. Zudem belaste die Unsicherheit über die staatliche Förderung in Europa und den USA.

Microsoft steigt bei Barnes & Noble ein
Der US-Softwarekonzern Microsoft steigt mit 300 Millionen Dollar bei einer Tochterfirma der Buchladen-Kette Barnes & Noble ein. Microsoft wird auf diesem Weg 17,6 Prozent des Unternehmens übernehmen, in dem die digitalen Aktivitäten des Buchhändlers gebündelt werden sollen. Die noch zu gründende Tochterfirma soll unter anderem das Geschäft mit elektronischen Büchern sowie mit den E-Buch-Lesegeräten Nook von Barnes & Noble übernehmen. Die neue Tochterfirma wird mit dem Microsoft-Einstieg mit insgesamt 1,7 Milliarden Dollar bewertet.

Anheuser mit solidem Gewinn
Der weltgrößte Bierbrauer hat am Morgen seine Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg demnach von neun auf 9,3 Milliarden Euro und traf damit die Erwartungen der Analysten. Beim Nettogewinn lag Anheuser-Busch Inbev mit 1,69 Milliarden Euro deutlich über den Schätzungen. Im Vorjahr hatte der Gewinn nur 964 Millionen Euro betragen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)