Marktbericht 20:06 Uhr

Kleine Kursgewinne Spätes Happy-End im Dax

Stand: 19.05.2014, 20:06 Uhr

Die Anleger sind mit vorsichtigem Optimismus in die neue Börsenwoche gestartet. Nach hektischem Auf und Ab schloss der Dax mit leichten Kursgewinnen. Im Blickpunkt standen die Deutsche Bank.. und ein EZB-Direktor.

Noch am Morgen hatte es nach einer Fortsetzung der Börsentalfahrt ausgesehen. Doch dann erholte sich ganz allmählich der Dax. Die freundliche Wall Street hievte den deutschen Leitindex um 0,3 Prozent nach oben auf 9.659 Punkte. Zwei Stunden vor Handelsschluss notierte der Dow 0,1 Prozent höher, die Nasdaq stieg gar um 0,8 Prozent. Der europäische EuroStoxx50 kam dagegen kaum vom Fleck.

Anleger auf Orientierungssuche

Marktexperte Jens Klatt von Daily FX sprach von einem impulsarmen Wochenstart. "Das Gros der Marktteilnehmer will sich momentan weder in die eine oder andere Richtung festlegen", meinte er. Für eine Rally fehlten dies- und jenseits des Atlantiks die Argumente. Auch Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix, sieht an den Märkten derzeit weder Begeisterung noch Aufbruchstimmung.  "Einerseits flirten die Aktienmärkte mit ihren Jahreshochs, andererseits senden sie bedenkliche Chartsignale", schrieb Hübner in einer aktuellen Studie.

Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die EZB gestiegen

Als Kursstütze erwies sich mal wieder europäischen Zentralbank (EZB). Direktor Yves Mersch heizte die Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik weiter an. Die Wahrscheinlichkeit, dass der EZB-Rat auf seiner nächsten Sitzung Anfang Juni handelt, sei "erheblich gestiegen", erklärte Mersch auf einer Konferenz in München. Der "Spiegel" berichtete, EZB-Chefvolkswirt Peter Praet habe dem Rat empfohlen, den Leitzins auf 0,15 Prozent zu senken und von den Banken, die Geld bei der EZB parken, einen Strafzins von 0,1 Prozent zu erheben.

Euro zieht etwas an

Die Aussichten auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa bremsten den Euro kaum. Die europäische Gemeinschaftswährung überwand die Marke von 1,37 Dollar. Am Abend notiert der Euro bei 1,3716 Dollar. Gegenüber dem Yen verlor er aber an Boden. Der Yen stieg auf ein Drei-Monats-Hoch gegenüber dem Euro und dem US-Dollar.

Euro in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
131,03
Differenz relativ
-0,03%
US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
112,18
Differenz relativ
-0,08%

Ölpreise im Libyen-Sog

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,37
Differenz relativ
+0,75%

Unruhen in Libyen sorgten an der Ölfront für Unruhe. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI kletterte um 63 Cent auf 102,65 Dollar. Dagegen verbilligte sich ein Barrel der Nordseesorte Brent um 21 Cent und kostete am Montagabend nur 109,54 Dollar. Nach dem jüngsten Gewaltausbruch steht Libyen vor eionem Chaos. Die Öl-Lieferungen aus dem wichtigen Förderland sind gestört.

Kapitalerhöhung der Deutschen Bank verstimmt die Anleger

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
+3,09%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,25
Differenz relativ
+3,40%

Die Schlagzeilen des Tages beherrschte die Deutsche Bank mit der angekündigten milliardenschweren Kapitalerhöhung. Das Geldinstutut will acht Milliarden Euro einsammeln, um für die schärfere Regulierung gerüstet zu sein. Zudem holt die Bank mit dem Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani aus Katar einen neuen reichen Großaktionär an Bord. Der Scheich soll künftig sechs Prozent Anteile halten. Analysten zeigten sich vom Volumen der Kapitalerhöhung überrascht. Die Aktien der Deutschen Bank gaben 1,7 Prozent nach. In deren Sog rutschten die Titel der Commerzbank um fast drei Prozent ab und waren Dax-Schlusslicht. Anleger spekulieren offenbar auch bei der Commerzbank auf eine Kapitalerhöhung.

Geht jetzt das Rennen um Alstom los?

Siemens wird voraussichtlich noch in dieser Woche ein Angebot für den französischen Industriekonzern Alstom machen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf auf Insiderkreise beriochtete, soll die Energiesparte der Franzosen gegen die Zugsparte der Deutschen getauscht werden. Die französische Regierung kam am Montag zusammen, um über die Alstom-Zukunft zu beraten. Paris forderte eine besserte Offerte für Alstom. GE bietet 12,35 Milliarden Euro für Alstoms Energiesparte.

Ryanair beflügelt Lufthansa

Auf der Gewinnerseite standen die Aktien von Versorgern und Autos. RWE, Eon und BMW legen über zwei Prozent zu. Den stärksten Kurssprung machte die Lufthansa mit einem Plus von 3,6 Prozent. Die Titel der Airline profitierten vom Kursfeuerwerk beim Konkurrenten Ryanair. Der Billigflieger kündigte nach einem Gewinnrückgang die Anhebung der Ticketpreise an. Das zog den Ryanair-Kurs um zehn Prozent nach oben.

Zahlreiche Dividendenabschläge

Zu beachten waren heute noch einige Dividendenabschläge. Im Dax betraf dies Fresenius (1,25 Euro). Daneben wurden bei ElringKlinger (0,50 Euro), Software AG (0,46 Euro) und DMG Mori Seiki (0,50 Euro, ehemals Gildemeister) die Ausschüttungen abgeschlagen.

Fielmann auf Rekordhoch

Aus dem MDax ragte Fielmann positiv heraus. Die Aktien des Brillenherstellers erreichten mit 103,75 Euro ein neues Rekordhoch und schlossen bei 101,55 Euro. Die Papiere von Kuka verteuerten sich um zwei Prozent auf fast 40 Euro. Die Analysten der DZ Bank haben das Kursziel für den Roboterbauer um fünf Euro auf 34 Euro erhöht.

Kabel Deutschland lockt viele neue Kunden an

Der Kurs von Kabel Deutschland schloss unverändert. Der von Vodafone übernommene größte deutsche Kabelnetz-Betreiber hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) um 5,5 Prozent auf 910 Millionen Euro gesteigert. Die Zahl der Kunden erhöhte sich zweistellig um 17 Prozent auf 2,3 Millionen.

Patrizia hui, Constantin pfui

Im SDax trieb ein positiver Analystenkommentar die Aktien von Patrizia Immobilien um sechs Prozent nach oben. Die Analysdten der Berenberg Bank empfahlen die Aktie zum Kauf und hoben das Kursziel auf 11 Euro. Auf der Verliererseite stand dagegen Constantin Medien mit einem Minus von 2,5 Prozent. Das Unternehmen erklärte, dass die eigentlich Ende vergangenen Jahres geplante Zusammenarbeit mit dem Bezahlsender Sky Deutschland nicht zustande kommt. Man habe sich nicht auf einen Produktionsvertrag einigen können, erklärte Firmenchef Bernhard Burgener und rechnet nunmehr im laufenden Jahr mit roten Zahlen. Sky will jedoch am geplanten Deal festhalten.

Terra Firma will Mehrheit an Deutscher Annington abgeben

Die Deutsche Annington geriet im späten Handel unter Druck und verloren rund drei Prozent. Die Beteiligungsfirma Terra Firma will Aktien ihrer Mehrheitsbeteiligung Deutsche Annington an ihre Fondsinvestoren weiterreichen. Diese könnten damit direkt von der Liquidität der Annington-Aktie profitieren, teilte Terra Firma am Montagabend mit. Dadurch werde der Streubesitz in der Aktie auf etwa 90 Prozent steigen. Der von Terra Firma beratene Fonds TFDA hält rund 67 Prozent der Aktien.

BVB wird dopppelt bestraft

Die Niederlage im DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München wurde auch an der Börse enttäuscht aufgenommen. Der Kurs von Borussia Dortmund fiel um knapp drei Prozent auf 2,75 Euro. Analyst Marcuzs Sible von CB Seydler hält dennoch an seiner Kaufempfehlung und dem Kursziel von fünf Euro fest. Es gebe keinen Grund, die Schätzungen zu verändern.

AstraZeneca gibt Pfizer wieder einen Korb

Gleich um einen dreistelligen Milliardenbetrag geht es beim Übernahmekampf des US-Pharma-Konzerns Pfizer um die britische AstraZeneca. Die Amerikaner erhöhten ihr Angebot für die Briten um zehn Prozent auf 55 Pfund je Aktie. Insgesamt liegen damit 117 Milliarden Dollar auf dem Tisch. Astra hat das Angebot aber inzwischen erneut als zu niedrig abgelehnt. Wie es jetzt weiter geht ist unklar, Pfizer hat von seinem "letzten Angebot" gesprochen. Die Astra-Aktie verlor rund elf Prozent. Die Pfizer-Aktie hingegen legte zu.

AT&T schluckt DirecTV

Und noch eine schwindelerregende Milliardenofferte kam am Wochenende über die Ticker. Der amerikanische Telekomriese AT&T, zusammen mit Verizon Marktführer in den USA und Telekom-Konkurrent, übernimmt für insgesamt 67 Milliarden Dollar den führenden US-Bezahltfernsehsender DirecTV. Grund für den Zusammenschluss ist das zunehmende Zusammenwachsen des Internets mit dem Fernsehen. AT&T bietet 95 Dollar je DirecTV-Aktie - ein Aufschlag von zehn Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"