Spätes Erwachen

Stand: 01.10.2008, 20:05 Uhr

Im Parketthandel zeigten sich Anleger von ihrer mutigen Seite. Der Late-Dax kletterte um fast ein Prozent. Auch die Börsen an der Wall Street kämpften sich Richtung Pluszone. Das US-Rettungspaket für die US-Finanzbranche scheint unterwegs zu sein.

Am Mittwochabend laufen die Verhandlungen im US-Senat um die 700-Milliarden-Dollar-Hilfe für die Finanzindustrie auf Hochtouren. Ein US-Senator der Demokraten signalisierte bereits Zuversicht, dass es im zweiten Anlauf gelingen könne, die Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Eine Abstimmung im Repräsentantenhaus dürfte aber erst am Freitag stattfinden.

300 Milliarden-Paket für Europa

Währenddessen wird auch in der EU über ein gemeinsames Stützungspaket debattiert. Frankreich will nach eigenen Angaben ein Paket im Volumen von 300 Milliarden Euro für die Union vorschlagen. Das Bundesfinanzministerium hält nach ersten Aussagen davon allerdings "gar nichts".

Der Dax hatte am Mittwoch trotz der Hoffnungen im Finanzsektor mit Abschlägen zu kämpfen. Am Nachmittag hatten schwache US-Konjunkturdaten zusätzlichen Druck ausgeübt. Der ISM-Einkaufsmanager in der US-Industrie war überraschend deutlich gefallen und hatte neue Rezessionsängste geweckt.

Buffett steigt bei GE ein
Am Abend sorgte in den USA noch Milliardär Warren Buffett für einen Paukenschlag. Der Investor will an einer Kapitalerhöhung des Elektrokonzerns General Electric teilnehmen. Drei Milliarden Dollar will Buffett in das Unternehmen stecken. Das Gesamtvolumen der Maßnahme liegt bei 12 Milliarden Dollar.

Hypo Real Estate mit Kurssprung
Im Dax machte die von der Bundesregierung gestützte Hypo Real Estate auf dem Börsenparkett am Mittwoch positiv Furore. Die Erholung der Aktie setzte sich auch im Frankfurter Parketthandel fort, wo das Papier wieder zu Kursen von über fünf Euro gehandelt wurde. Das Bundesfinanzministerium hatte im Tagesverlauf klargestellt, dass der Immobilienfinanzierer am Leben erhalten werden soll. Durch die Auslagerung von Tochterunternehmen werde sich der Konzern allerdings verändern. Vorstandschef Georg Funke soll zunächst weiter im Amt bleiben.

Neben der HRE-Aktie waren auch anderer Finanztitel stark gefragt. Commerzbank- und Postbank-Aktien stiegen um 13, bzw. fünf Prozent. Auch die Telekom gehörte mit einem Kurzuwachs von mehr als vier Prozent zu den stärksten Gewinnern gegen den Markttrend.

Deutsche Bank bekommt Probleme bei ABN
Die Übernahme von Teilen der niederländischen ABN Amro Bank, die zum angeschlagenen Finanzkonzern Fortis gehört, gestaltet sich schwierig. Die niederländische Zentralbank will den Kauf eines Teils des Firmenkundengeschäfts vorerst nicht genehmigen. Die Bankenaufsicht hat zunächst auf andere Anteilsverkäufe von Fortis gestoppt. Die Deutsche Bank-Aktie reagierte am Abend kaum auf die Nachricht.

Daimler und Porsche auf der Kursbremse
Unter Druck bleiben am Mittwoch den ganzen Handelstag über die Autowerte. Am stärksten verloren Daimler-Papiere, die mehr als acht Prozent unter Vortagesniveau schlossen. Gerüchte um eine Gewinnwarnung bei dem Autokonzern hatten am Vormittag die Runde gemacht. Und eine Studie der US-Bank Merrill Lynch hatte zuvor auf mögliche Refinanzierungsprobleme bei europäischen Autokonzernen im Leasing-Geschäft hingewiesen.

Der Sportwagenhersteller Porsche verkaufte im Geschäftsjahr 2007/2008 nur 1,2 Prozent mehr seiner Fahrzeuge als im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 7,46 Milliarden Euro. Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage bezeichnete es Porsche als "schwierig", verlässliche Aussagen über den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres zu machen. Am Abend veröffentlichte das Unternehmen dann noch September-Zahlen für den US-Markt. Der Rückgang der verkauften Boliden belief sich auf 44 Prozent.

Auto-Konjunktur bedrückt Conti
Der Vorstandschef des Automobilzulieferers Continental sieht auf sein Unternehmen schwierige Zeiten zukommen. Man bereite sich darauf vor, dass die Automobil-Konjunktur "erhebliche Schwierigkeiten" bekomme, sagte Karl-Thomas Neumann in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Conti muss danach möglicherweise Werke schließen und Mitarbeiter entlassen. Die Conti-Aktie verlor am Mittwoch mehr als vier Prozent.

Bayer plant Milliardenumsätze
Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer hielten sich bis Xetra-Schluss unter den Gewinnern im Dax. Die Leverkusener teilten mit, dass die EU-Kommission den Gerinnungshemmer Xarelto zugelassen hat. Die Vermarktung soll in Kürze starten. Das Mittel soll insgesamt einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro erreichen.

RWE in der Paraffinmafia?
Die EU-Kommission hat wegen illegaler Preisabsprachen bei Paraffinwachs ein
Bußgeld von insgesamt 676 Millionen Euro verhängt. Auf den deutschen Versorger RWE entfällt ein Strafgeld von 37,44 Millionen Euro, auf die ebenfalls deutschen Unternehmen Tudapetrol 12 Millionen Euro und Hansen & Rosenthal 24 Millionen Euro. Die Absprachen gingen von 1992 bis 2005. Während die RWE-Aktie überführt sogar im Plus schloss, ging es mit der Aktie des Spezialchemiekonzerns H&R Wasag aus dem SDax um mehr als zehn Prozent bergab. Auf das Unternehmen entfällt ein Bußgeld von insgesamt 36 Millionen Euro.

Aareal sieht sich nicht gefährdet
Die Bank im MDax legt mehr als 13 Prozent zu. Vorstandschef Wolf Schumacher bezeichnete in einem Zeitungsinterview den Kursrückgang der eigenen Aktie als unbegründet. "Ohne Grund wird unsere Bank hier in Sippenhaft genommen", sagte er dem Handelsblatt. Seine Bank habe ein anderes Geschäftsmodell als die HRE. Die Refinanzierung der Aareal Bank sei nicht gefährdet, so Schumacher weiter.

Maschinenbauern fehlen Aufträge
Aktien von Rheinmetall und Gildemeister verlieren am Mittwoch sechs, bzw. drei Prozent. Damit reagieren die Papiere auf neue Zahlen vom Branchenverband VDMA. Danach sind die Auslandsaufträge für die deutschen Maschinenbauer im August um 19 Prozent eingebrochen.

Optimismus bei der Software
Der Softwarekonzern aus dem TecDax sieht derzeit keinen Grund, seine Prognosen zu senken. "Wir sehen keine Anzeichen für die breite Kürzung des IT-Budgets", sagte Software-Chef Karl-Heinz Streibich in einem Interview mit dem Handelsblatt. Im laufenden Jahr soll der Umsatz wie geplant um 24 bis 27 Prozent wachsen, so Streibich weiter. Die Äußerungen wurden mit einem Kursanstieg um drei Prozent belohnt.

Wirecard-Aktie trudelt ins Minus
Papiere des Zahlungsabwicklers legten am Vormittag deutlich, drehten im Tagesverlauf aber deutlich ins Minus. Der Finanzinvestor Sloane Robinson hatte am Morgen mitgeteilt, dass er seinen Anteil an Wirecard erhöht habe und nun 3,43 Prozent an Wirecard halte. Eine Zurückstufung der Aktie durch die Privatbank Sal. Oppenheim von "buy" auf "neutral" sorgte aber dafür, dass die Kurseuphorie wieder verpuffte.

Amgen treibt Medigene
Die Aktie des Biotech-Unternehmens legte am Mittwoch knapp vier Prozent zu. Nach einem Gerücht, das auf dem Parkett kursierte, ist der Biotech-Riese Amgen an dem Medikamentenkandidat "Endotag" interessiert. Endotag soll zur Therapie verschiedener Krebsformen eingesetzt werden. Zuvor hatten bereits Pfizer, Novartis und Roche Interesse an dem Präparat angemeldet.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat