Später Lichtblick

von Mark Ehren

Stand: 21.06.2007, 20:01 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt ist im am Abend auf Erholungskurs gegangen. Von den zuvor angehäuften deutlichen Verlusten konnte ein Teil wieder wettgemacht werden.

Der im späten Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett berechnete L-Dax stand um 20 Uhr bei 8.007 Punkten und damit 43 Zähler oberhalb des Schlussstandes im Xetra-Handel. Das Tagestief markierte das Börsenbarometer bei 7.905 Zählern.

Die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten präsentierten sich zunächst uneinheitlich und konnten zunächst keine starke Marktwirkung entfalten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen etwas höher aus als prognostiziert, während die Frühindikatoren positiv überraschten. Erst der am frühen Abend brachte der Philly-Fed-Index dann den Markt in Schwung. Das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia kletterte im Juni überraschend deutlich auf 18,0 Stellen. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit 6,3 Punkten gerechnet.

Zuvor hatte noch die Probleme zweier Hedge-Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns nachgewirkt. Daraufhin zogen sich mehrere Banken aus den Fonds zurück und verkauften die daran enthaltenen Wertpapiere.

Infineon mit Preis-Fantasie

Im Dax hielt in erster Linie die Infineon-Aktie die Fahne hoch. Beim Halbleiterkonzern machen sich die Kursgewinne amerikanischer Konkurrenten vom Vortag positiv bemerkbar. Marktbeobachter begründeten die Entwicklung in erster Linie mit steigenden Speicherchip-Preisen.

Ansonsten schlugen sich Einzelhandelsaktien wie von Metro oder Douglas im MDax deutlich überdurchschnittlich. Hier hofften Anleger auf ein Interesse von Finanzinvestoren an dem Sektor.

Conti bleibt an VDO dran
Die Aktie des Autozulieferers Continental konnte durch Übernahmefantasie am Donnerstag ebenfalls nicht hinzu gewinnen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben weiterhin an der Siemens-Tochter VDO interessiert. Neben VDO prüfe man drei bis fünf weitere Zukäufe, so Firmenchef Manfred Wennemer am Donnerstag am Rande einer Konferenz. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen bietet Conti allein für VDO zehn Milliarden Euro.

Siemens von Analysten gelobt
VDO-Muttergesellschaft Siemens meldete seinerseits am Donnerstag, man sei bei den Börsenplänen für VDO weiter voran gekommen. Aber weder diese Nachricht noch eine Heraufstufung der Aktie durch die Schweizer UBS wirkte stimulierend. Auch die Aktie des Elektrokonzerns verlor.

Airbus-Boom lässt Anleger kalt
Der Flugzeugbauer Airbus rechnet laut Verkaufschef John Leahy im laufenden Jahr mit mindestens 890 festen Bestellungen. Auf der Luftfahrtmesse Le Bourget bei Paris habe man bisher 405 feste Aufträge und 283 Kaufabsichten verbucht. Doch die Aktie des Mutterkonzerns EADS zeigte sich ungerührt.

Auch die hohen Auftragszahlen beim Triebwerkhersteller MTU fanden keinen nennenswerten Widerhall an der Börse. MTU fuhr Aufträge im Wert von rund 467 Millionen Euro ein.

Altana auf der Pirsch
Verbales Muskelspiel half auch der Altana-Aktie nicht in die Pluszone. Auch der Spezialchemiekonzern ist auf Übernahmepirsch und kann sich Akquisitionen bis zu einer Größenordnung von einer Milliarde Euro vorstellen. Der Konzern will seinen Umsatz in den kommenden fünf Jahren nach Wolfgrubers Aussagen verdoppeln. Außerdem äußerte sich der Manager positiv zum Geschäftsverlauf im zweiten Quartal.

Premiere mit Zielschwäche?
Aktien des Pay-TV-Anbieters kamen unter Druck. Nach Aussagen von Marktteilnehmern wurden Aussagen des Finanzvorstandes negativ aufgenommen. So soll das Unternehmensziel, einem Umsatz von 300 Euro je Kunden zu erreichen, ein wenig nach hinten verschoben worden sein. Zudem sei die Aktie auch charttechnisch "angeschlagen".

Gagfah weiter abwärts
Die Aktie des Immobilienunternehmens Gagfah fiel auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang. Händler verwiesen auf Zinssorgen, die den Immobilienwert wegen des hohen Verschuldungsgrades belasten. "Gagfah ist sehr hoch verschuldet und wird entsprechend hart von einem steigenden Zinsniveau getroffen", sagte ein Händler. Andere positive Nachrichten verpufften dagegen.

Zahltag für Morphosys
Das Biotech-Unternehmen kann sich über eine "Meilensteinzahlung" freuen. Damit wird der Fortschritt bei der Entwicklung eines therapeutischen Antikörper-Programms honoriert, das Morphosys zusammen mit einem Partner vorantreibt. Das Programm kann nun in die klinische Phase I eintreten. Die Morphosys-Aktie verbuchte sogar leichte Kursgewinne.

IBS wird nicht übernommen
Das Übernahmeangebot des Siemens-Konzerns für das IT-Unternehmen IBS ist gescheitert. Die Mindestannahmequote von 75 Prozent sei nicht erfüllt worden, teilte das Unternehmen mit. Es wurde lediglich ein Anteil von 66,5 Prozent erreicht. Siemens hatte 5,00 Euro je IBS-Aktie geboten. Das Papier notierte prozentual zweistellig im Minus.

Turbon unter Druck
Die Aktien des Tonerherstellers Turbon brachen ebenfalls ein. Das Unternehmen senkte sowohl seine Umsatz- als auch die Gewinnprognose für das gesamte Geschäftsjahr.

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr