Späte Erleuchtung

Stand: 13.01.2010, 20:15 Uhr

Im späten Parketthandel kam doch noch ein bisschen Schwung in den Dax. Dank steigender US-Indizes wurde der Abstand zur Marke von 6.000-Punkten wieder deutlich kleiner.

Am Ende fehlten nur rund 15 Punkte im Late-Dax bis zur magischen Hürde im deutschen Leitindex. An der New Yorker Wall Street hatten sich die Kurse der Standardwerte im Dow Jones-Index bis zum Ende des deutschen Parketthandels doch noch spürbar erholt. Chemie und Bankentitel führten die Gewinnerlisten an. Dagegen waren Energieaktien überwiegend im Rückwärtsgang.

Öllager voll - Ölpreis fällt

Am Nachmittag waren überraschend gestiegene Rohöllagerbestände gemeldet worden. Darunter litten auch die Ölnotierungen, die bis auf knapp 79 Dollar je Fass US-Leichtöl nachgaben. An der Technologiebörse Nasdaq gehörten Biotech-Aktien zu den gefragtesten. Papiere des Suchmaschinenbetreibers Google verloren rund zwei Prozent, nachdem das Unternehmen einen Rückzug aus China wegen der dortigen Zensur in Erwägung gezogen hat.

US-Notenbank ohne Überraschungseffekt

Vom "Beige Book", dem Konjunkturbericht der US-Notenbank, gingen am Abend dagegen kaum Impulse für den Aktienmarkt aus. Die Fed sieht die US-Wirtschaft weiterhin zunächst nur leicht wachsen. Der wirtschaftliche Aufschwung werde aber im Jahresverlauf breiter, so die Notenbanker. Der private Konsum, in den USA die wichtigste Stütze der Volkswirtschaft, sei nach wie vor noch auf niedrigem Niveau.

Infineon heiß begehrt

Im Dax hielt sich auch im späten Handel die Aktie von Infineon am besten und legte mehr als drei Prozent zu. Das Papier durch eine Kaufempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs "geadelt" worden. Bei Unternehmen aus der Halbleiterbranche und dem Bereich Technologie-Hardware sei mit robusten Gewinnen im Schlussquartal 2009 zu rechnen, so die Analysten. Auch Siemens- und SAP-Aktien stiegen leicht.

Versicherer mit Katastrophenbelastungen

Im Mittwochshandel waren die Aktien der Versicherer Münchener Rück im Dax und Hannover Rück im MDax eher unauffällig. Am Abend teilte das Unternehmen Eqecat mit, das für Versicherer Schäden ermittelt, dass das Erdbeben in Haiti zu versicherten Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Dollar geführt hat. Bei beiden deutschen Konzerne sind die Nummer eins und vier im weltweiten Rückversicherungsgeschäft.

Bankentitel nach SocGen-Warnung unter Druck

Schwach blieben bis zum Handelsschluss Bankaktien im Dax. Die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank reagierten auf eine Gewinnwarnung des französischen Konkurrenten Societe Generale. Die Bank hat wegen der Belastung durch faule Wertpapiere im vierten Quartal 2009 nur einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Dagegen hatten Analysten dem Institut bis dahin einen Gewinn von 960 Millionen Euro zugetraut.

VW-Vorzüge wenig vorzüglich

Größter Dax-Verlierer war am Mittwoch die Vorzugsaktie von VW. Nach Ansicht von Händlern nahmen einige Aktionäre bei dem Papier Reißaus, bevor die anstehende Kapitalerhöhung durchgeführt wird.

Metro vor herausforderndem Jahr

Am Nachmittag drehte auch die Aktie des Konsumgüterkonzerns Metro ins Minus. Das Unternehmen sieht sich laut Händleraussagen im Jahr 2010 in einem "herausfordernden Umfeld".

Tui freut sich über Tochter

Im MDax taten sich im Tagesverlauf die Aktien des Reise- und Schifffahrtkonzerns immer stärker hervor. Die Titel profitierten einerseits von der Hoffnung auf bessere Geschäfte im Containermarkt. Der Mitbesitzer der Tui-Tochter Hapag Lloyd, Klaus-Michael Kühne, hatte sich zuvor optimistisch zur Containerschifffahrt geäußert. Zum anderen hoffen Tui-Anleger wohl auf eine Verringerung der Beteiligung an Hapag Lloyd, auch dies hatte Kühne in Aussicht gestellt. Derzeit hält Tui noch 43 Prozent an Hapag Lloyd.

ProSieben feuert Sat.1-Chef

Die Aktie der Senderkette reagierte am Mittwoch positiv auf den Weggang von Sat1.-Geschäftsführer Guido Bolten - und legte mehr als drei Prozent zu. Bolten hatte bei verschiedenen Programmentscheidungen eher glücklos agiert und wird nun durch Vorstandsmitglied Andreas Bartl ersetzt.

Douglas hat Ziele erreicht

Die Aktie der Parfümeriekette schloss leicht im Minus. Dabei hat das MDax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2008/09 seine Ziele erreicht. Vor Steuern weist die Bilanz ein Ergebnis von 128 Millionen Euro aus. Aus einigen europäischen Märkten wie Spanien oder Portugal will sich der Konzern womöglich zurückziehen. Dort hatte die Wirtschaftskrise die Umsätze einbrechen lassen.

Dialog übertrifft sich selbst

Papiere des Chip-Entwicklers Dialog Semiconductor sind auch 2010 ein Dauerbrenner. Am Mittwoch legten sie um knapp zehn Prozent zu, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hatte, im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um rund ein Drittel auf 218 Millionen Euro gesteigert zu haben. Zum Gewinn 2009 gab es noch keine Angaben.

Permira macht Schluss mit Freenet

Einer der größten TecDax-Verlierer war am Mittwoch die Freenet-Aktie. Großaktionär Permira hat seine 12,9 Millionen Aktien (10,1 Prozent) an dem Mobilfunkdienstleister verkauft. Die Titel wurden von Goldman Sachs und UBS platziert. Der Verkaufserlös lag bei 8,90 Euro je Aktie. Damit hat Permira weniger erzielt als beim Verkauf eines Anteilspakets, das im September 9,25 Euro je Aktie einspielte.

Schatten über Solaraktien?

Bis zum Abend war noch keine Entscheidung über mögliche Kürzungen der Solarförderung in Deutschland gefallen. Vertreter der Branche haben sich zu einer Anhörung beim Bundesumweltministerium eingefunden. Der Bundesverband Solarförderung hat bereits einen Vorschlag zur Reduzierung der Solarförderung ins Spiel gebracht, der Verbraucherschützern aber nicht weit genug geht. Die Aktien der Branche im TecDax bleiben in Lauerstellung.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"